INHALTSVERZEICHNIS
1. Einleitung 3
1.1 Problemstellung 3
1.2 Methodischer Zugang 4
2. Hauptteil 5
2.1 Die Anthropologie Kierkegaards 5
2.2 Die Ästhetik und Ethik oder das Innere und das Äußere bei Kierkegaard 11
2.3 Die Position der Ästhetik in der Kunst 16
3. Schluss 18
4. Literaturliste 20
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1. Einleitung
1.1 Problemstellung
In dieser Arbeit soll es um die Erörterung des Verhältnisses von Religion und Ästhetik bei Sören Kierkegaard gehen. Dabei geht es in der Ästhetik um die Frage, ob das Sinnliche Erkenntnismittel des Menschen ist und ob sich über das Sinnliche Gott erkennen lässt. Im Besonderen soll hier dann der Punkt diskutiert werden, ob und/oder inwiefern sich Gott durch die Ästhetik in der Kunst erfassen lassen kann.
Der Begriff Ästhetik leitet sich ab vom Griechischen aisthesis 1 und bedeutet u.a. Wahrnehmung. Diese ursprüngliche Wortdeutung von Wahrnehmung liegt den folgenden Ausführungen zugrunde; es geht also um die Frage, wie groß der Einfluss der Sinnlichkeit des Menschen für den Erkenntnisprozess ist. In diesem Zusammenhang spielt das grundsätzliche Verhältnis von irdischer Welt zu Gott, also die Wertung des Geschöpflichen, ebenfalls eine Rolle und somit bleibt es nicht aus, sich ebenso mit der Anthropologie zu beschäftigen. Es wird deutlich werden, dass die Ästhetik ein wichtiger Bestandteil Kierkegaards Anthropologie ist, denn sie ist ein Stadium der Menschwerdung und somit Grundvoraussetzung für den Erkenntnisprozess in Form von Selbsterkenntnis des Menschen und unabdingbar für die damit verbundene Gotteserkenntnis.
Die Ästhetik wird also aufgegriffen als „Wahrnehmungslehre“, als erörternde Frage, ob der Mensch das, was seine Sinne aufnehmen, für „wahr“ nehmen kann.
Wenn Gott in seinem Sohn Jesus Christus Fleisch wird, die Gestalt eines Menschen annimmt, dann ist zu prüfen, wie sich diese Bewegung Gottes zum Menschen hin für das Leben der Christen auswirkt. Da Jesus Christus in seiner Menschwerdung auch die Leiblichkeit des Menschen erlöst hat, spielt diese Leiblichkeit für die Frage des Glaubens und für die Anthropologie eine besondere Rolle und kann keinesfalls ausgeklammert werden. Im Prinzip könnte man sagen, dass im Folgenden die sinnliche Wahrnehmung von geistiger/idealistischer und irdischer/materieller Welt gegenübergestellt, bewertet und analysiert wird.
Es wird zu fragen sein, inwiefern die Offenbarung Gottes, also sozusagen die „Verkörperlichung des Geistigen“ und somit auch Absoluten, als Argumentationspunkt für eine Darstellung des Göttlichen in der Kunst gelten kann. Zumal sich die Kunst u.a. auch an dem Materiellen orientiert und auch heranziehen muss.
1 Gemoll, Wilhelm, Griechisch-Deutsches Schul- und Handwörterbuch, München 9 1965, S. 20.
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Kann es überhaupt möglich sein, dass sich Kunst allein in geistigen Sphären bewegt, völlig unabhängig von der „irdischen Wahrheit“?
Kann und muss es eine theologische Ästhetik geben? Und darf eine theologische Ästhetik als Lehre von der Darstellung religiöser Erfahrungen z.B. in Form von Kunst dienen, oder metaphysisch eine Ontologie begründen? Ist das irdisch Schöne in der Lage, die Sinne des Menschen anzusprechen und zu verzaubern und kann es einen Bezug zu Gott herstellen, oder nimmt das irdisch Schöne den Menschen derart gefangen, so dass der Mensch den Blick darüber hinaus nicht mehr auf Gott zu lenken vermag?
Dies alles gilt es in der folgenden Untersuchung zu klären.
1.2 Methodischer Zugang
In den Untersuchungen Kierkegaard ist herausragend, dass der Ausgangspunkt für die Erkennbarkeit Gottes der Mensch selbst ist. Deshalb ist es notwendig, im ersten Teil mit der Anthropologie zu beginnen. Da der Mensch in seiner Menschwerdung einen Prozess, sogenannte Existenzstadien durchläuft, bleibt es nicht aus, diese Stadien der Ästhetik, Ethik und Religion genauer zu erläutern.
Im zweiten Teil dieser Arbeit werden darum diese Stadien entfaltet und gegenüber gestellt werden. Dies ist unbedingt notwendig, weil sie unterschiedliche Verwirklichungsweisen des Selbst darstellen. Außerdem muss herausgestellt werden, welche Position das Stadium der Ästhetik dabei hat.
Nachdem grundlegendes für Kierkegaards Erkenntnistheorie geklärt wurde, kann im letzten Abschnitt damit begonnen werden - seine Existenzlehre und somit daraus folgende Erkenntnislehre ( und auch umgekehrt zu verstehen ) - in die Ästhetik der Kunst zu transkribieren. Nun kann diskutiert werden, ob sich und inwiefern sich Gott durch die Ästhetik in der Kunst erkennen lässt. Hier soll deutlich werden, ob die ästhetische Lebensanschauung des menschlichen Lebens in das ästhetische Verständnis von Kunst übertragen werden kann und/oder ob das Ästhetische erst in das Ethische bzw. in das Christlich-Religiöse integriert werden muss, damit man eine vollständige Erfüllung und eine Erkenntnis Gottes erlangen kann oder nicht.
In einem Schlussteil werde ich dann einen Antwortversuch auf die eingangs gestellten Fragen vornehmen.
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2. Hauptteil
2.1 Die Anthropologie Kierkegaards
In der Anthropologie Kierkegaards geht es um die Frage, wie der einzelne Mensch sein Leben angesichts der vorgegebenen Bedingungen gestaltet und entfaltet. Allerdings geht er davon aus, dass das menschliche Leben nicht einfach fertig vorliegt und dass das Sein des Menschen nicht bereits abgeschlossen ist, sondern der Mensch befindet sich in seinem Werden in einem Prozess. Der Mensch entwickelt aus eigenem Antrieb heraus sein Selbst. Dies tut der Mensch, indem er eine bewusste Synthese von Endlichkeit und Unendlichkeit bildet, welche sich zu sich selbst verhält und deren Aufgabe es ist, sie selbst zu werden, was sich wiederum nur durch das Verhältnis zu Gott verwirklichen lässt. 2 Wird dagegen das Selbst nicht es selbst, so ist es verzweifelt, ob es etwas davon weiß oder nicht. 3 Ein Verhalten, dass sich zu sich selbst verhält, ist folglich ein reflektiertes Sich-verhalten. Das Mensch-sein ist folglich nicht abgeschlossen und kann somit nicht vom Denken überblickt werden, denn menschliches Leben ereignet sich und ist vom Handeln des Menschen geprägt. Der Mensch handelt, indem er sich zu sich selbst und zu Gott verhält. Das Werden des Menschen spiegelt deshalb eine Dynamik und Bewegung wieder. Die Entschiedenheit des Handeln-Wollens bestimmt also die Intensität des Selbstseins, weil in ihm ein bewusstes Verhalten zum eigenen Handeln vorliegt, und damit ein Selbstwollen impliziert ist, das wiederum den Grad des Selbstbewusstsein bestimmt. Selbstbewusstsein meint hier also nicht direkt Selbstbetrachtung, sondern eher die im selbstbestimmten Handeln mitvollzogene Selbstgewissheit. Wobei zu einer Selbsterkenntnis sicherlich auch eine gewisse Selbstbetrachtung von Nöten ist.
Kierkegaard möchte den Menschen in seiner Geschichtlichkeit darlegen und erörtern. Dabei geht es ihm vor allem um die Frage nach der eigenen ewigen Seligkeit. Zu dieser ewigen Seligkeit führt den Menschen aber nicht eine Kenntnis vom Leben überhaupt, sondern allein das Bewältigen der eigenen Lebensaufgabe in seinem eigenen Handeln. Indem der Mensch richtig handelt, wird er Mensch. Allerdings ist zu betonen, dass der werdende Mensch nur dann richtig handeln kann, wenn er sich zu Christus verhält und sein Handeln daraufhin ausrichtet. Denn der Prozess des Selbstwerdens ist, dass ein Selbst sein wirkliches Selbst mit allen seinen Schwierigkeiten und Vorzügen unendlich auf sich nimmt. 4 Das meint, ein bedingungsloses Annehmen seiner Selbst mit der Erkenntnis des Geschaffen-seins von Gott
2 Kierkegaard, Sören, Die Krankheit zum Tode/übersetzt und hrsg. von Hans Rochel, Hamburg 1995, S. 26.
3 Ebd., S. 27.
4 Fahrenbach, Helmut, Kierkegaards existenzdialektische Ethik, Frankfurt am Main 1968, S. 40.
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und die damit verbundene Erkenntnis der menschlichen Endlichkeit. Mit dieser Tatsache ist auch eine eschatologische und soteriologische Erkenntnis verbunden, die den Menschen hoffen und nicht verzagen lässt.
Folglich ist es gemäß Kierkegaard unmöglich als Nicht-Christ ein Selbst zu werden. Menschlich gedacht, ist der Tod das Letzte von allem, und menschlich betrachtet, besteht nur Hoffnung, solange noch Leben da ist. Aber christlich verstanden, ist der Tod keinesfalls das Letzte von allem, sondern der Tod gibt Hoffnung und Zuversicht. Sich selbst in Existenz zu verstehen ist folglich das eigentliche konkrete Verstehen und sich-selbst-verstehen ist eine absolute Bedingung für alles andere Verständnis. 5 Im Ergebnis scheint nur der Christ zu wissen, wie der Tod und somit Hoffnung und Zuversicht zu verstehen sind.
Nach Kierkegaard ist der Mensch als Selbst gekennzeichnet. Der Mensch als sich zu sich verhaltendes Selbst. „Das Selbst ist ein Verhältnis, das sich zu sich selbst verhält.“ 6 „Dabei ist das Selbst nicht das Verhältnis, sondern dass das Verhältnis sich zu sich selbst verhält.“ 7 Man könnte dieses als einen Weg nach innen bezeichnen. Ein verinnerlichender Rückgang des Menschen, wobei er sich seiner christlichen Existenz bewusst werden soll. Der Mensch ist also zunächst ein Verhältnis aus Endlichkeit und Unendlichkeit, als auch aus Leib und Seele zusammengesetzt. So ist Kierkegaard davon überzeugt, dass „Der Mensch eine Synthese von Unendlichkeit und Endlichkeit ist, von Zeitlichem und Ewigen, von Freiheit und Notwendigkeit, kurz eine Synthese.“ 8 Doch dieses Verhältnis, diese Synthese ist noch kein Selbst. Eine Synthese ist ein Verhältnis zwischen Zweien. Auf die Art betrachtet ist der Mensch noch kein Selbst. Dazu Kierkegaard: „Im Verhältnis zwischen zweien ist das Verhältnis das Dritte als negative Einheit, und die zwei verhalten sich zum Verhältnis, und im Verhältnis zum Verhältnis; so ist unter der Bestimmung Seele das Verhältnis zwischen Seele und Leib ein Verhältnis. Verhält sich dagegen das Verhältnis zu sich selbst, so ist dieses Verhältnis das positive Dritte, und das ist das Selbst.“ 9 Der Mensch hat die Fähigkeit, sich zu den ihm gegebenen Anlagen verhalten zu können. Das Selbst konstituiert sich also erst, wenn der Mensch die Vorbedingungen (Synthese), die ihm mitgegeben sind, in eigener Weise zum Ausdruck bringt. Aber was genau bedeutet dieses Sich-Verhalten zu sich selbst? Erst wenn der Mensch bereit ist, sich einer gewissen
5 Ebd., S. 50-51.
6 Kierkegaard, Sören, Die Krankheit zum Tode/übersetzt und hrsg. Von Hans Rochel, Hamburg 1995, S. 9. 7 Ebd., S. 9.
8 Ebd., S. 9.
9 Kierkegaard, Sören, Die Krankheit zum Tode, S. 9.
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Margarete Roewer, 2006, Über die Ästhetik in der Kunst zur Erkennbarkeit Gottes? Sören Kierkegaard, Munich, GRIN Publishing GmbH
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