Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1 NA
2. Die technische Entwicklung des Films
2.1. Die Laterna Magica 1
2.2. Die ersten bewegten Bilder 2
3. 1896 1912: Der Film wird zur eigenen Kunstform
3.1. Der frühe Film 3
3.2. Der Film bekommt eine Handlung 5
3.3. Nickelodeons 5
3.4. Hollywood 6
4. 1913 1918: Der Aufstieg des amerikanischen Films
4.1. Die Entdeckung des Filmschnitts 7
4.2. Die Entwicklung des Spielfilms 8
4.3. Der Film D Art 9
4.4. Die amerikanische Komödie 10
4.4. Die ersten Film-Stars 11
5. Kommerzialisierung
5.1. Der Film wird zum Produkt 12
5.2. Erfolgskonzept Genres 14
5.3. Hays Office und Production Code 15
6. Revolution Tonfilm
6.1. Der Tonfilm setzt sich durch 17
6.2. Anfängliche Schwierigkeiten und neue Möglichkeiten 18
6.3. Neue Genres entstehen 20
7. 1929 1933: Der amerikanische Film während der Weltwirtschaftskrise
7.1. Wirklichkeitsflucht 21
7.2. Realistische Tendenzen im Gangsterfilm der 30er Jahre 22
8. Schlusswort 23
9. Literaturverzeichnis 24
1. Einleitung
In unserer Hausarbeit wollen wir die Entwicklung des amerikanischen Films – von seinen ersten zaghaften Schritten bis hin zu den erfolgreichen Hollywood-Studios – nachzeichnen. Über einen Zeitraum von ca. vierzig Jahren veränderte sich der Film vom bloßen Zehn-Sekunden-Trailer zum publikumsbegeisternden, abendfüllenden Ereignis. Nachdem Filmtechnik und Filmkunst weitgehend in Frankreich ihren Ur- sprung genommen hatten, begann die amerikanische Filmindustrie schon früh ihren Siegeszug im eigenen Land und auf der ganzen Welt, der sich bis heute fortsetzt. Auffallend war bei der Bearbeitung des Themas, dass verschiedene Quellen sowohl in einfachen Fakten wie Jahreszahlen produzierter Filme, aber auch in bedeutenden inhaltlichen Aussagen stark differieren. 1 Wir haben uns dafür entschieden, auf die
mehrheitlich auftretenden Darstellungen in der von uns verwendeten filmgeschichtli- chen Literatur Bezug zu nehmen. Und nun – Film ab!
2. Die technische Entwicklung des Films
2.1. Die Laterna Magica
Die Technik der ersten Filmkamera und -projektoren hat ihren Ursprung in der „La- terna magica“, von der erstmals 1666 berichtet wird. Diese bestand aus einem licht- undurchlässigen Kasten mit einem kleinen Loch, vor das mit Bildern bemalte Glas- scheiben gestellt wurden. Die Scheiben wurden von hinten beleuchtet, und die Bilder konnten so an eine Leinwand geworfen werden, was damals als „weiße Magie“ 2 be-
zeichnet wurde. Später wurde in das Loch der Laterna Magica eine Linse befestigt, um schärfere Bilder zu erzielen. Die Laterna Magica war die beliebteste visuelle Un- terhaltung in Europa, fahrende Schausteller fuhren mit ihren Bildergeschichten von Dorf zu Dorf. Die Professionellen unter ihnen benutzten bis zu drei oder vier Lam- pen gleichzeitig, so dass verschiedene Bilder zur selben Zeit übereinander gelagert
1
Z.B. wird in: Wilkening, Albert (Hg. U.a.):Film. Leipzig. 1966. Veb. Bibliographisches Institut. S.6 Joseph Plateau bzw. Simon Stampfer als Erfinder des « Lebensrads » angegeben, in: Giannetti, Louis u. S. Eyman: Flashback. A brief history of film. New Jersey.
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1996. Prentice-Hall, S.5 dagegen Jean Louis Meissonier.
2 Nach: Giannetti, L., S.4.
1
auf der Leinwand erschienen. 3 1790 entwickelte der Belgier Etienne Robertson das
„Phantasmagoria“: Eine Maschine mit der man die Entfernung zur Leinwand verrin- gern oder vergrößern konnte, wobei die Bilder aber trotzdem kontinuierlich scharf blieben. So konnte man die Bilder schnell vergrößern oder verkleinern, was bei den besonders beliebten ‚Geistervorstellungen‘ oft zu Erschrecken führte. Die Bilder wurden zumeist durch schaurige Geräusche und unnatürlich veränderte Stimmen untermalt.
2.2. Die ersten „bewegten Bilder“
1872 erfolgte eine wichtige Entdeckung in Richtung Film. Eadward Muybridge, ein nach Amerika ausgewanderter englischer Photograph, bekam vom Gouverneur von Kalifornien den Auftrag zu beweisen, dass ein Pferd beim Laufen alle vier Hufe gleichzeitig vom Boden hebt. Nach einigen Experimenten entwickelte Muybridge schließlich eine Laufbahn, an der entlang etliche Fotokameras aufgestellt waren, die beim Vorbeilaufen des Pferdes nacheinander ausgelöst wurden. Diese ersten Phasen- photographien eines schnellen Bewegungsablaufes bewiesen eindeutig, dass ein lau- fendes Pferd tatsächlich alle vier Hufe vom Boden hebt. Muybridge experimentierte auch weiterhin mit der Serienphotographie und machte den Menschen damit eine völlig neue Welt sichtbar.
Seine Photographien faszinierten den französischen Maler Jean-Louis Ernest Meis- sonier. Er malte die Silhouetten der Pferde auf eine runde transparente Scheibe, die von hinten angeleuchtet wurde. Vor dieser Scheibe war eine weitere, jedoch schwar- ze und mit kleinen hereingeschnittenen Streifen versehene Scheibe angebracht. Wenn man nun beide Scheiben, mittels einer Handkurbel, in jeweils unterschiedliche Richtungen drehte, warf das Licht die Pferdesilhouetten an die Wand, und man hatte den Eindruck, dass sich das Pferd wirklich bewegte. Das von Meissonier entwickelte Zoopraxiscope (oder auch „Lebensrad“) funktionierte auf der Basis von zwei opti- schen Eigenarten des menschlichen Auges. Zum einen aufgrund des „stroboskopi- schen Effekts“: Ein Phänomen, bei dem die Netzhaut des Auges sich noch für einen Bruchteil einer Sekunde daran ‚erinnert‘ (also weiterhin sieht!), was es gerade gese- hen hat, obwohl das eigentliche Bild schon wieder verschwunden ist. Zum anderen
3
Mit der einen Lampe konnte man zum Beispiel eine feste Landschaft zeigen, mit der anderen fallen- de Schneeflocken (indem man die Glasplatte langsam bewegte), mit einer dritten eine fahrende Kut- sche etc.
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aufgrund des „positiven Nachbildes“: Das Auge nimmt, bei schnell aufeinanderfol- genden Bildern, die Unterbrechung zwischen ihnen nicht mehr wahr. Die einzelnen Bewegungsphasen verschmelzen und der Eindruck von Bewegung entsteht. Um dies zu erreichen, muss man eine Bildfrequenz zwischen 10 und 70 Bildern pro Sekunde erreichen (unsere heutigen Kinoprojektoren arbeiten mit einer Bildfrequenz von 25 Bildern pro Sekunde). Bei einer niedrigeren Bildfrequenz nimmt das Auge ein Flimmern wahr, die Bewegungen wirken eckig.
In Amerika übernahm Thomas Alva Edison 1888 die Idee des Lebensrades, und er entwickelte, zusammen mit seinem Assistenten William Dickson, den Kinetographen (eine Aufnahmekamera) und das Kinetoskop (eine Maschine, mit der man die be- weglichen Bilder betrachten konnte.) Das eigentliche Problem in der Entwicklung der beiden Maschinen bestand in der Frage nach dem Material, auf das man die Bil- der drucken sollte. Doch genau zu diesem Zeitpunkt entwickelte George Eastman (der spätere Gründer von Kodak) die erste flexible Zelluloid-Filmbasis.
Beim Kinetoskop schaute der Betrachter durch einen schmalen Lichtschacht auf ein Bild, das mit einer Lupe vergrößert wurde. Es handelte sich quasi um ein „Einmann- Kino“. Der zu Beginn nur etwa dreißig bis vierzig Sekunden lange Film rotierte in- nerhalb des Kinematoskops in einer Endlosschleife. Im April 1894 eröffnete Edison am Broadway in New York den ersten Kinetoskop-Salon, in dem zehn Kinetoskope aufgestellt waren.
Zu Beginn war der Film kaum mehr als Photographien, die in Bewegung versetzt wurden. Die ersten Filme der Edison Motion Picture Company waren Aufnahmen von Variete und Zirkusvorstellungen. Um die Filme aufzunehmen baute Edison das erste Studio der Filmgeschichte, die „Black Maria“. Dessen Dach ließ sich vollstän- dig öffnen, und das gesamte Studio konnte sich zudem noch im Kreis drehen, um das maximale Sonnenlicht einzufangen. Die „Black Maria“ war innen vollständig schwarz ausgekleidet, damit sich die Darsteller deutlich vom Hintergrund abhoben. Edison hatte allerdings nie den Glauben daran gehabt, dass der Film an sich jemals zu einem großen wirtschaftlichen Erfolg werden würde, und behandelte ihn mehr als ‚Spielerei’, die bald vom Markt verschwinden würde. Seine Filme drehte er nur, um den Absatz seiner Kinematographen und Kinematoskopen zu erhöhen.
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3. 1896 – 1912: Der Film wird zur eigenen Kunstform
3.1. Der frühe Film
In Frankreich drehten die beiden Lumiere-Brüder, Louis und Auguste, mit ihrer Ka- mera, dem „Cinematographe“ (der eine weiterentwickelte Form von Edisons Kine- tographen war), ihre Filme zunächst ausschließlich in der Alltagswelt und nicht im Studio. Der Cinematographe konnte sich technisch und ökonomisch gegen seinen Vorgänger durchsetzen, weil in ihn ein Projektor integriert war, und man die Filme einem großen Publikum vorführen konnte, statt nur einer einzelnen Person. Die Pro- jektion gelang den Lumiere-Brüdern mit der Entwicklung des schrittweisen Bild- transports. Sie vollführten die erste öffentliche Kino-Vorstellung der Welt in dem Pariser Café „Salon Indien“, im Dezember 1895. In Amerika entwickelte Dickson zusammen mit Thomas Armat und Francis Jenkins ebenfalls einen Filmprojektor, der unter Edisons Namen veröffentlicht wurde. Die erste Kinovorführung Amerikas, mit dem „Vitaskop-Projektor“ der Edison Company, erfolgte im April 1896, in New York. Mit den Filmen „Fred Ott´s Sneeze“ und „Fun in a Chinese Laundry“ gelang es ihnen das Publikum zu begeistern. Viele Menschen waren auch deswegen von den beweglichen Bildern begeistert, weil sie glaubten, mit dieser neuen Erfindung sei der Tod nicht mehr endgültig. „Now that we can photograph our loved ones, not only in stillness, but as they move, as they act, as they make familiar gestures, as they speak – death ceases to be absolute.” 4 Die aller ersten Filme waren von ihrem Inhalt her nur alltägliche Szenen, meist auf der Straße aufgenommen. Diese wurden schon bald durch Aufnahmen von Politikern, anfahrenden Schiffen und Zügen ersetzt, um grö- ßeres Publikum anzuziehen. Aber auch mit interessanteren Themen war die einzige Möglichkeit zur Variation der kurzen Filme die Entscheidung, wo die Kamera aufge- stellt und wann sie eingeschaltet wurde: Die ersten Filme bestanden alle aus einer einzigen Einstellung. „It was motion alone that intrigued the spectators. It really didn’t make much difference what was moving or why.” 5 In den USA und in Europa wurden die ersten Filme hauptsächlich als Teil von Varie- tee-Programmen, in Zirkussen und auf fahrenden Jahrmärkten gezeigt. Deren Besit- zer kauften die Filmrollen zu einem festen Preis „per Meter“ und durften diese dann beliebig oft abspielen. Zu Anfang waren die Vorführungen häufig besuchte, aufre-
4
Rhode, Eric: A History of the Cinema. From its origins to 1970. New York. 1976. Hill and Wang., S.22.
5
Giannetti, L., S.11.
4
gende Attraktionen, aber schon bald verlor das Publikum, aufgrund des sich immer ähnelnden Inhalts der Filme, das Interesse und diese wurden nur noch als Pausenfül- ler benutzt. Die gerade erst neu entdeckte Kunst des Filmens wäre vielleicht schon bald in Vergessenheit geraten, wenn die ‚Erfindung‘ der Story nicht gewesen wäre. Der Mann, der zum ersten Mal in der Geschichte Filme mit einer wirklichen Hand- lung drehte, war Georges Méliès.
3.2. Der Film bekommt eine Handlung
Méliès war zur Zeit der Erfindung des Films als professioneller Magier, Taschen- spieler und Theater-Schauspieler tätig und besaß sein eigenes Theater (das „Theatre Robert-Houdin“) in Paris. 6 Méliès war fasziniert von den neuen Möglichkeiten, die
der Film für seine Illusions-Show bieten würde. Er entdeckte die Möglichkeit des Films, sich von der Wirklichkeit zum Phantastischen zu bewegen, und er begann Filme mit ersten „special effects“ zu drehen. Er benutzte Ausblenden und Überblen- dungen, ließ Gegenstände verschwinden und lebendig werden, benutzte Miniaturen und ließ jedes einzelne Negativ mehrfarbig von Hand kolorieren. Er war der erste europäische Regisseur der seine Filme nicht auf der Straße, also zufällig und unge- plant, sondern worauf er sehr stolz war „artificially arranged“ 7 in seinem eigenen
Studio drehte. Im April 1896 begann er damit in seinem Theater Filme vorzuführen. Am bedeutendsten war aber sein Beitrag zur Erzähltechnik des Films, da er den Menschen nicht alltägliche Handlungen, sondern richtige Geschichten zeigte. Sein bekanntester Film „La Voyage dans la lune“ (1902), basierend auf einer Geschichte von Jules Verne, zeigt jedoch deutlich, dass, obwohl Méliès viele Neuerungen in die noch junge Filmkunst einbrachte, alle seine Filme noch ohne Unterbrechung und von einem einzelnen Standpunkt aus gefilmt wurden. Seine Darsteller wurden von ihm immer von Kopf bis Fuß gezeigt und spielten mit übertriebenen Gesten und Panto- mimen. All dieses zeigt, dass der frühe Film, trotz seiner schnellen Entwicklung, noch stark vom Theater geprägt war. Mit der Kunst des Geschichtenerzählens schaff- te Méliès es aber erstmals, ein großes Publikum für den Film zu begeistern, und er schuf damit die ökonomische Basis für die weiteren Entwicklungen in der Filmkunst.
6
In Méliès kleinem Theater wurden phantastische Sketche und magische Tricks mit Hilfe von Falltü- ren, Spiegeln, unsichtbaren Kabeln und anderen Hilfsmitteln der Bühnenzauberei aufgeführt.
7
Ellis, Jack C.: A History of Film. Needham Heights.
4
1995. Allyn & Bacon., S.10.
5
Quote paper:
M.A. Melitta Töller, Nina Roloff, 2003, Die Geschichte des amerikanischen Films von 1895-1933, Munich, GRIN Publishing GmbH
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