Bergische Universität Wuppertal, Fachbereich A: Anglistik
Grundlagenseminar Literaturwissenschaft Teil A: Englische Literatur
WS 2006/07, 4. Semester
"A Valediction: Forbidding Mourning": Das metaphysical conceit in John Donnes Liebeslyrik
von
Eleni Stefanidou
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung... 1
2 Metaphysische Dichtung... 1
2.1 Kennzeichen der metaphysischen Dichtung... 1
2.2 Das metaphysical conceit... 2
3 Gedichtanalyse: „A Valediction: Forbidding Mourning”... 3
4 Fazit... 6
5 Literaturverzeichnis... 7
6 Anhang... 8
1 Einleitung
John Donne gilt als herausragender Repräsentant der metaphysical poetry, mit der im 17. Jahrhundert eine neue Epoche der englischen Lyrik beginnt. Die typischen Merkmale der metaphysischen Liebesdichtung und ihre Unterschiede zu den Vorgängern sollen zunächst dargestellt werden, bevor sich die Analyse einem der bekanntesten Gedichte Donnes widmet. „A Valediction: Forbidding Mourning“ soll exemplarisch auf Charakteristika der metaphysischen Dichtung untersucht werden, wobei das metaphysical conceit als originelles Stilmittel besondere Beachtung findet.
2 Metaphysische Dichtung
Unter der Bezeichnung ‚metaphysical poets’ werden mehrere Dichter des 17. Jahrhunderts – John Donne, Andrew Marvell, George Herbert, Richard Crashaw u.a. – gefasst, die sich in ihrem Stil wesentlich von der vorausgehenden Dichtung unterscheiden (vgl. Seeber 2004: 108f.). Obwohl sich diese Dichter zu ihren Lebzeiten nicht als Mitglieder einer bestimmten Gruppierung verstanden, lassen sich diverse spezifische Merkmale der metaphysischen Dichtung festhalten (vgl. Hühn 1995: 101).1
2.1 Kennzeichen der metaphysischen Dichtung
Von zentraler Bedeutung ist die Bilderwahl der metaphysical poetry, auf die sich außerdem das Etikett ‚metaphysical’ bezieht. Sie erweist sich durch ihre Neuartigkeit und Unkonventionalität als besonders kühn, zumal für Metaphern und Vergleiche vorwiegend die bisher als unpoetisch geltenden Bereiche der Astronomie, Theologie, Alchemie und eben der Metaphysik herangezogen werden (vgl. Hühn 1995: 101f.). Kritisiert hat dies 1779 Samuel Johnson, von dem auch die Bezeichnung ‚metaphysical poets’ stammt. Der metaphysische wit wird als unnatürlich, grotesk und forciert angesehen, da er im Gegensatz zum klassizistischen wit heterogene Konzepte und Ideen vereine und damit Ähnlichkeiten suggeriere, wo keine bestehen (vgl. Seeber 2004: 108f.). Dies ist jedoch konstitutiv für das sogenannte conceit, welches in Donnes Lyrik von größter Signifikanz ist und auf dessen Aufbau und Funktion in Kapitel 2.2 gesondert eingegangen wird. Die zeitgenössische Bezeichnung der metaphysischen Dichtung als strong lined verweist auf die Merkmale der semantischen, argumentativen Dichte und energischen Rhythmik im Unterschied zur vorhergehenden Lyrik. Der intensive, emphatische Ausdruck manifestiert sich in impulsiven, kolloquialen Wendungen und konkreten Kommunikationssituationen, welche die direkte Anrede eines Gegenübers beinhalten (vgl. ebd.: 109f.).
Thematisch führt dies zu einer „enge[n] Verknüpfung abstrakter Gedanklichkeit mit konkreter, sinnlicher Erfahrung“ (Hühn 1995: 102), welche auf die Darstellung eines ganzheitlichen Erlebens abzielt. Die individuelle Erfahrung wird dabei in ihrer Besonderheit, Intensität und Dynamik in eine private Welt der Liebe versetzt, wodurch sich der Individualismus als Gegenmodell zur hierarchischen Struktur des Hofes (aus der die intellektuellen, metaphysischen Dichter ausgeschlossen waren) etabliert (vgl. ebd.: 103f.). Damit einher geht eine neue Liebeskonzeption, die – in Abkehr von der petrarkistischen Idealisierung und Sublimation der Liebe ins Geistige – die Sexualität als sinnliche, körperliche Erfahrung mit der seelischen Liebe in Einklang bringt und diese neue Einheit der erfüllten, gegenseitigen Liebe mit religiöser Bildersprache belegt (vgl. Seeber 2004: 111). Zwar finden sich noch Bezüge auf die Traditionen des Petrarkismus, allerdings werden dessen Motive und Themen deutlich umgestaltet (vgl. Freitag 1975: 159f.).
2.2 Das metaphysical conceit
Unter dem Terminus conceit (ital. concetto = Einfall, Begriff) werden elaborierte Vergleiche und Metaphern verstanden, welche weit entfernte Bereiche durch Aufdeckung überraschender Parallelen vereinen. Das Petrarchan conceit, zuerst vom italienischen Dichter Petrarca verwendet, besteht dabei aus detaillierten, oft übertriebenen Vergleichen, die bei den englischen Sonettdichtern zu phrasenhaften Klischees werden. Das metaphysical conceit hingegen stellt unter Ausnutzung aller Wissensbereiche als Bildspender in Kontrast zu den petrarkistischen Konventionen ein neuartiges, geistreiches und effektives Stilmittel dar (vgl. Abrams 1993: 32f.). Im metaphysical conceit verdichten sich heterogene Seinsbereiche, um neuere und subtilere Analogien zur Ganzheitlichkeit der physischen und seelischen Liebeserfahrung aufzuzeigen. Es ist ein wichtiger Bestandteil der poetischen Bilderfülle des neuen Stils, der dadurch mit der konventionalisierten Bildlichkeit der elisabethanischen Lyrik bricht. Der Dichter bezweckt mit dem conceit nicht, seine Spitzfindigkeit zu demonstrieren, sondern nutzt es als Argument zur Überzeugung seines Kommunikationspartners (vgl. Seeber 2004: 109f.). Oft finden sich die conceits daher nicht nur in knapper Form wieder, sondern werden im Verlauf mehrerer Strophen entwickelt (vgl. Abrams 1993: 33).
Im Sinne der neuen Liebeskonzeption dient das conceit außerdem als Perspektivtechnik, mit der das vertraute Bild der Welt in Frage gestellt wird (vgl. Hühn 1995: 104f.). In der Vereinigung gegensätzlicher Vorstellungen findet sich auch die Verbindung von Abstraktem und Materiellem, so dass der Körper mit seiner Sinnlichkeit in neuer, intensiverer Form seinen Platz in der Liebeslyrik findet (vgl. Seeber 2004: 111).
3 Gedichtanalyse: „A Valediction: Forbidding Mourning“
[...]
1 Aufgrund des begrenzten Umfangs der Arbeit wird nicht auf die religiöse Dichtung der metaphysical poets, sondern nur auf deren Liebeslyrik eingegangen.
Quote paper:
Eleni Stefanidou, 2007, "A Valediction: Forbidding Mourning": Das metaphysical conceit in John Donnes Liebeslyrik, Munich, GRIN Publishing GmbH
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