Kurzfassung
Kurzfassung
Gegenstand der hier vorgestellten Arbeit ist eine Darstellung der Massentierhaltung aus ethischer Sicht. Dazu wird die Thematik zuerst von der wissenschaftlichen sowie auch rechtlichen Seite betrachtet und anschließend wird auf die ethischen Aspekte genau eingegangen. Die Massentierhaltung ist eine gängige Methode durch einen geringen Preis- und Zeitaufwand dem Konsumverhalten der heutigen Gesellschaft gerecht zu werden. Dabei ergeben sich viele kritische Bereiche, die hier dargestellt werden.
Schlagwörter: Massentierhaltung, Tierhaltung, Tiere, ethische Aspekte.
Abstract
The subject of the work is a representation of factory farming with the focus of ethical aspects. Therefore the scientific and legal views are presented and afterwards the ethical views of intensive mass animal farming are explained. Today it is a current method to produce cheap products in a little while to satisfy the consumer behaviour. Many of the critical topics are shown in this paper.
Keywords:
Factory farming, livestock husbandry, animals, ethical aspects.
Inhaltsverzeichnis 3
Inhaltsverzeichnis
Kurzfassung 2
Abstract 2
Inhaltsverzeichnis 3
1 Einleitung 4
2 Massentierhaltung aus wissenschaftlicher Sicht 5
2.1 Einführung in das Themengebiet Massentierhaltung 5
2.1.1 Fakten zu der Massentierhaltung 6
2.1.2 Wirtschaftsfaktor Tier 8
2.2 Aktuelle Tendenzen 10
3 Massentierhaltung aus rechtlicher Sicht 11
3.1 Das Tierrecht in der deutschen Gesetzgebung 11
3.1.1 Das Tierschutzgesetz 11
3.1.2 Begriff Massentierhaltung im rechtlichen Kontext 13
3.1.3 Aktuelle Gegebenheiten 14
3.2 Das Tierrecht in der europäischen Gesetzgebung 15
3.2.1 Tierschutz im landwirtschaftlichen Betrieb auf EU-Ebene 15
4 Die Massentierhaltung aus ethischer Sicht 17
4.1 Ethische Grundprinzipien und Wertekonflikte 17
4.1.1 Mensch-Mensch Interessenkonflikt 17
4.1.2 Mensch-Tier Interessenkonflikt 18
4.1.3 Dualismus in der Alltagsmoral 19
4.1.4 Die Goldene Regel 20
4.2 Normative Betrachtung 21
4.2.1 Kants Bestimmung des Tieres 21
4.2.2 Kants Bestimmung des Menschen 22
4.2.3 Rechtfertigung der Massentierhaltung 23
4.2.4 Kritik an der Betrachtung des Tieres nach Kant: 24
4.3 Massentierhaltung aus utilitaristischer Sicht 25
4.3.1 Das Tier aus utilitaristischer Sicht 25
4.3.2 Kritik an der utilitaristischen Sicht 26
4.4 Die Massentierhaltung aus diskursethischer Sicht 26
5 Schlussbetrachtung 29
Literaturverzeichnis 30
1 Einleitung
1 Einleitung
In Deutschland werden pro Jahr über hundert Millionen Tiere gegessen und fast zehn Millionen Eier und 28 Millionen Tonnen Milch zu Verkauf angeboten. 1 Dieser enorme Verzehr von Tierprodukten hat dazu geführt, dass die Nachfrage nur über eine intensive Haltung gedeckt werden kann. Unterstützt wurde die Entwicklung auch aufgrund des Kaufverhaltens der Konsumenten. Das Verlangen nach billigen Produkten in großen Mengen führte dazu, dass etliche Kleinbetriebe auf dem Markt nicht standhalten konnten.
Die idyllische Vorstellung, dass Nutztiere frei lebend auf Weiden anzutreffen sind, entspricht nicht mehr der Realität und ist nur noch die Ausnahme. Nutztiere leben heutzutage in Agrarfabriken, erblicken nie das Tageslicht und müssen in rekordverdächtigen Zeiten wachsen, zunehmen und produzieren. Doch darf der Mensch Nutztiere unter solchen Gegebenheiten gebrauchen, ist das ethisch vertretbar und ist das Leiden der Tiere für das Wohlergehen der Menschen zu verantworten?
Im Rahmen dieser Studienarbeit werden diverse ethische Aspekte mit Fokus auf die Massentierhaltung aufgezeigt und diskutiert. Zur Einführung in das Themengebiet wird im zweiten Kapitel die wissenschaftliche Seite dargestellt, im Anschluss werden rechtliche Aspekte angesprochen, die aufzeigen, welche Stellung das Tier im deutschen Rechtsystem einnimmt und welche Vorschriften auf EU-Ebene für die Haltung derzeit festgelegt wurden.
Das vierte Kapitel stellt als Grundlage für die weitere Betrachtung ethische Grundprinzipien und Wertekonflikte dar, daraufhin wird die intensive Haltung von der normativen und von der utilitaristischen Seite sowie diskursethisch genau betrachtet. Die Arbeit schließt mit dem fünften Kapitel ab, hier werden die Erkenntnisse nochmals kurz zusammengefasst und bewertet.
1 vgl. Tierrechte (2006)
2 Massentierhaltung aus wissenschaftlicher Sicht
2 Massentierhaltung aus wissenschaftlicher Sicht
Einleitend wird zunächst für eine bessere Verständlichkeit die Entstehung der Massentierhaltung vorgestellt, dabei werden weitere relevante Fakten und aktuelle Tendenzen aufgeführt.
2.1 Einführung in das Themengebiet Massentierhaltung
Vor fünfzig Jahren stellten amerikanische Hühnerfarmer fest, dass sie durch die Haltung des Geflügels in Ställen, die Hühner günstiger verkaufen konnten als durch traditioneller Geflügelhaltung. Die neue Methode wurde schnell populär: Die Hühner kamen von den Feldern in längliche, fensterlose Ställe. Dies war der Grundstein für die Entwicklung der Massentierhaltung. 2 Der Begriff Massentierhaltung, auch Intensivhaltung genannt, wird nicht klar und eindeutig in der Wissenschaft definiert. In einer gängigen, aber doch rudimentäre Beschreibung heißt es wie folgt:
Als Massentierhaltung wird die konzentrierte Haltung von Tieren, v. a. Geflügel, Rindern und Schweinen in großer Zahl auf engem Raum (z. B. Batteriehaltung von Legehennen) zur Erzeugung tierischer Nahrungsmittel bezeichnet. Massen- 3
tierhaltung erfolgt mit sehr großen Beständen und meist nur einer Tierart. Im englischsprachigem Raum verwendet man dagegen den Begriff factory farming. Einerseits, weil die Ställe Fabrikgebäuden ähneln, andererseits weil bei dieser Methodik alles darauf ausgelegt ist, lebende Tiere in Maschinen zu verwandeln, die verbildlicht nur zum Zweck des Produzierens leben. 4 Hierbei wird auch ersichtlich, dass die Beschreibung keine genaue Tieranzahl oder Räumlichkeitsangabe beinhaltet, ab wann genau die Massentierhaltung beginnt und wo sie endet bleibt offen. Folglich liegt die Auslegung im Auge des Betrachters. Für die vorliegende Arbeit reicht jedoch die vorhandene Definition aus, da eine konzentrierte Haltung in großer Zahl auf engem Raum grundsätzlich nie vollkommen tiergerecht sein kann.
Die Konzentration der Tierhaltung hat wirtschaftlich betrachtet arbeitstechnische sowie auch ökonomische Gründe. Sowohl die Tieraufzucht, als auch die Haltung werden heute mittels einem sehr hohen Aufwand von technischen Hilfsmitteln ausgeführt. Dadurch können einerseits Personalkosten eingespart werden und andererseits können viele
2 vgl. Redaktion Cicero (2007)
3 Umweltlexikon.de (2007) 4 Redaktion Cicero (2007)
2 Massentierhaltung aus wissenschaftlicher Sicht
Arbeitsschritte automatisiert und teilweise schneller als manuellen Tätigkeiten durchgeführt werden. 5
2.1.1 Fakten zu der Massentierhaltung
Der Fleischkonsum stieg in Deutschland zwischen 1950 und 2004 von 26,2 kg
Abbildung 1: Fleischkonsum in Deutschland i
Im Ranking des Handelsblattes hat Deutschland mit der Fleischproduktion weltweit Platz vier mit 6.758 t eingenommen. Die weltweit führenden Produzenten sind China, USA und Brasilien. 7 Im Folgenden werden weitere relevante Fakten von den wirtschaftlich wichtigsten Tiergruppen Huhn, Rind und Schwein aus der Massentierhaltung dargestellt: 8 In Deutschland leben ungefähr 140 Millionen Tiere in intensiver Haltung, das sind:
- 54 Millionen Hühner
- 40 Millionen Schweine
- die restlichen 46 Millionen Tiere sind überwiegend Rinder und Kälber sowie auch Enten, Gänse und Puten. * Legehennen:
Die Tierhaltung erfolgte bis 2007 in Ställen mit aneinander gereihten Drahtkäfigen. Um Platz zu sparen, wurden bis zu fünf Käfige aufeinander gestapelt. Laut Verordnung hatte jedes Huhn im Käfig einen Lebensbereich von der Größe einer 2/3 DIN-A4-Seite. Der Platzmangel führt bei Hennen zu Verhaltensstörungen Verhaltenstörungen (Kannibalismus und Federpicken), weshalb den Tieren die Schnäbel präventiv gekürzt werden.
5 vgl KATALYSE Institut (2007)
6 Wikipedia: Autor Cherubino (2007) 7 vgl. Wikipedia: Autor Cherubino (2007) 8 vgl. Animal Peace E.V. (2007) * Enten, Gänse und Puten werden hier aufgrund des Umfangs nicht detailliert dargestellt
2 Massentierhaltung aus wissenschaftlicher Sicht
Seit 2007 ist die Käfighaltung verboten, jedoch versuchen Halter das Verbot „... durch größere Käfige für mehr Tiere unter der irreführenden Bezeichnung „Kleinvoliere“ aufzuweichen“. 9 20 % der Tiere überleben die 15- bis 18-monatige Legeperiode nicht. Todesursache der Tiere sind Krankheiten, die psychisch bedingt sind, sowie auch Cholera, Salmonellose oder auch Osteoporose.
Masthühner:
Masthühner leben zusammen in Hallen von 50.000 bis 80.000 Tieren. Ihr Leben in der halbdunklen Anlage dauert ca. 6 Wochen in denen sie nie das Tageslicht erblicken. Kälber:
Nach der Geburt werden die Kälber von der Mutterkuh getrennt und in kleinen, engen Holzboxen aufgezogen. Richtig bewegen können sich die Tiere hier nicht, ihre einzige Betätigung besteht in der Nahrungsmittelaufnahme, mit dem Ziel, schnell an Gewicht zuzulegen. Dazu bekommen sie eine flüssige Komplettnahrung, welche die Flüssigkeitszufuhr mittels Wasser ersetzt. Sie besteht aus Magermilchpulver, Talg, Walfett und Salz. Durch Salzzusatz wird das Tier bewusst durstig gemacht, um den Durst zu stillen muss das Tier wieder die Breinahrung aufnehmen, in Folge dessen eine schnellere Gewichtszunahme des Tieres stattfindet.
Nach 5 Monaten werden die Tiere, die dann ein Gewicht von ca. 250 Kilogramm erreicht haben, geschlachtet. Ein Tier aus einer konventionellen Aufzucht bräuchte mindestens 10 Monate für solch ein Schlachtgewicht.
Milchkühe:
Seit 1950 wurde durch Züchtung und Ernährung die Milchleistung der Kühe von durchschnittlich 1.000 Liter auf 6.000 Liter gesteigert. Auch die Milchkühe leben angekettet in engen Boxen und können sich aufgrund der Enge, sowie der stark angeschwollenen Euter kaum bewegen. Sie verbringen ihr ganzes Leben auf einer Stelle und kalben maximal drei bis viermal in ihrem Leben.
Schweine:
Die Aufzucht von Schweinen ist in drei Stufen unterteilt: Ferkelerzeugung, Vormast und Endmast. Die Ferkelerzeugung geschieht mittels künstlicher Besamung der Sau. Wenn die Ferkel zur Welt kommen, wird die Muttersau angegurtet oder zwischen Schutzbügel geklemmt, damit sie ihre Ferkel in der Enge nicht versehentlich zerquetscht. Auf-grund von Schutzmaßnahmen werden den Ferkeln die Zähne abgezwickt, sowie die Schwänze coupiert.
Nach vier bis fünf Wochen werden die Ferkel getrennt von der Mutter in einem Vormaststall gemästet. In dunklen Ställen leben hier auf engstem Raum 80 bis 200 Tiere auf Gitterrosten. Wenn ihr Gewicht auf ca. 30 Kilogramm ansteigt, werden die Schwei-
9 SeligM., M. Elsner (2006): Seite 8.
2 Massentierhaltung aus wissenschaftlicher Sicht
ne in kleinere Gruppen umgesiedelt. In dieser letzten Lebensphase, der Endmast werden sie innerhalb von 100 Tagen auf ca. 100 Kilogramm gemästet und anschließend geschlachtet.
Schlachtung in Deutschland 10
Das statistische Bundesamt veröffentliche für das Jahr 2006 folgende Zahlen aus der deutschen Fleischproduktion. So wurden:
- 4,6 Millionen Tonnen Schweinefleisch
- 1,2 Millionen Tonnen Rinder- und Kalbfleisch
- 1,0 Millionen Tonnen Geflügelfleisch aus gewerblicher Schlachtung erzeugt.
Die Zahl der gewerblich geschlachteten Schweine ist im abgelaufenen Jahr um 1,9 Millionen Tiere oder 4,0% gestiegen und damit ähnlich stark wie im Vorjahr (+ 4,3%). [...] Die Zahl der gewerblich geschlachteten Rinder (einschließlich Kälber) erhöhte sich im abgelaufenen Jahr leicht um 40.000 oder 1,1% auf 3,7 Millionen Tiere. Die Schlachtungen von Kühen sanken dagegen um 1,5% und die von Kälbern um 4,5%. An der Erzeugung von Geflügelfleisch hatte Jungmasthühnerfleisch mit 575.000 Tonnen den größten
11
Anteil (55,9%), [...]
2.1.2 Wirtschaftsfaktor Tier
Massentierhaltung, so die Ansicht vieler Verfechter könne nicht mit artgerechter Tierhaltung vereinbar sein 12 , doch gibt es auch Befürworter und natürlich die Konsumenten, die mittels dem Einkauf der tierischen Produkte letztlich signalisieren, dass die Art und Weise wie das „Produkt“ hergestellt wurde, akzeptiert wird. Im Folgenden werden beide Seiten der Massentierhaltung aus wirtschaftlicher Sicht übersichtlich dargestellt. Pro Massentierhaltung:
Wie erwähnt, kann mittels der Massentierhaltung „eine maximale Menge an Fleisch, Milch und Eiern so schnell und billig wie möglich...“ 13 bei minimaler Platzanforderung produziert werden.
Preis
Die tierischen Massenprodukte können viel günstiger auf dem Markt angeboten werden. So kann sich jeder Bürger Fleisch, Käse sowie weitere Milchprodukte täglich leisten. Und sehr viele Konsumenten kaufen weiterhin Produkte aus der Intensivhaltung.
10 vgl. Statistisches Bundesamt (2007)
11 Statistisches Bundesamt (2007) 12 vgl. Wikipedia: Autor Amphibium(2007) 13 PETA-Deutschland e.V. (2007)
Arbeit zitieren:
Cornelia Mayer, 2007, Wirtschaftlicher Faktor Massentierhaltung: Ethisch vertretbar?, München, GRIN Verlag GmbH
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