INHALT
1. Einleitung: Marshall McLuhan what are you doin 2
2. Vita 3
3. Zentrale Theorien über das Fernsehen 5
3.1 The Medium is the Message 5
3.2 Medien als Erweiterung der menschlichen Sinne 5
3.3 Heiße und kühle Medien 6
3.4 Das Wahrnehmungsdispositiv 6
4. Das Fernsehen und das elektronische Zeitalter 7
4.1 Automation 7
4.2 Global Village 8
4.3 Netzwerkgesellschaft 9
5. Manuel Castells McLuhan-Galaxis 11
5.1 Der Aufstieg der Netzwerkgesellschaft 11
5.2 Die Kultur der realen Virtualität 12
5.3 Der Aufstieg der Kultur der Massenmedien 12
6. Ausblick: I don t explain I explore 15
7. Literatur 16
Katrin Parigger 1
1. EINLEITUNG: „MARSHALL MCLUHAN, WHAT ARE YOU DOIN’?” 1
Das war die erste Frage, die der freie Schriftsteller Eric Norden in seinem Interview für den Playboy mit Marshall McLuhan im März 1969 stellte. Dieser antwortete darauf: „Das frage ich mich manchmal auch.“ 2
McLuhans Arbeit ist im Grunde darauf ausgerichtet, die technische Umwelt und deren Konsequenzen für die Gesellschaft aufzuzeigen und zu verstehen, während seine Bücher eher darauf abzielen, diesen Entdeckungsprozess offen zu legen. Wer seine Werke in der Hoffnung liest, eine klare Darstellung seiner Theorien und eine wissenschaftliche Fundierung dieser Theorien zu finden, sucht vergeblich danach. Ziel dieser Werke ist es nicht, mit einem fertigen Ergebnis aufzuwarten. McLuhan selbst will seine Forschung nicht als „Offenbarung der Wahrheit“ verstanden wissen: „Ich weiß nie, was ich finden werde. Ich setze mich einfach hin und beginne zu arbeiten.“ 3
Peter Druckers Beschreibung von Marshall McLuhan scheint mir sehr treffend – sowohl was das Äußere betrifft, als auch und vor allem bezüglich seiner Ausdrucksweise: „[…] ist McLuhan groß und rechteckig und ergeht sich ständig in Wortspielen und Epigrammen.“ 4
Diese Art, seine Ideen und Theorien in Worte zu fassen bzw. zu Papier zu bringen, macht es auch nicht leicht, ihn zu verstehen oder seinen Überlegungen folgen zu können. Dennoch kann Marshall McLuhan als Visionär und Pionier der Medientheorie bezeichnet werden, der mit der Aussage „the medium is the message“ berühmt geworden ist, aber auch zu Problematiken wie das elektronische Zeitalter, die Netzwerkgesellschaft oder die Welt als globales Dorf Stellung bezogen hat.
Nach einem Überblick über McLuhans Biographie (Kap. 2) sowie über seine zentralen Aussagen zum Fernsehen (Kap. 3) soll auf oben genannte Bereiche seiner Forschungsarbeit genauer eingegangen werden (Kap. 4). Abschließen soll die Weiterführung von McLuhans „Vor-Entwurf“ einer Netzwerkgesellschaft durch den spanischen Soziologen Manuel Castells erläutert werden (Kap. 5).
15.01.06.
2 McLuhan, 1969. In: Baltes/Höltschl (Hg.), 2002. S. 7.
3 Ebd.
4 Drucker, Peter. Schlüsseljahre. Frankfurt a. M.: Campus-Verlag, 2001. S. 315. Peter F. Drucker (1909 – 2005) war ein österreichisch-amerikanischer Ökonom und Pionier der modernen Managementlehre. Katrin Parigger 2
2. VITA
Geboren 1911 in Edmonton, Alberta, Kanada, studierte Herbert Marshall McLuhan zunächst Literatur an der University of Manitoba in Winnipeg, bevor er 1934 an die University of Cambridge in Großbritannien ging. Nach Abschluss seines Studiums arbeitete McLuhan ein halbes Jahr als Lehrassistent an der University of Wisconsin und konvertierte während dieser Zeit zum Katholizismus. Daraufhin war er am Englischen Seminar der jesuitischen St. Louis University, Missouri, tätig, bis er 1944 an das Assumtion College in Windsor, Ontario wechselte. Zwei Jahre später zog es McLuhan schließlich an das Englische Seminar des St. Michael’s College der University of Toronto – wo er bis an sein Lebensende eine Professur inne hatte.
In den späten 40er Jahren hat er auch „seinen unverwechselbaren Stil entwickelt, den er nicht mehr veränderte – mit weit verzweigten, beinahe Schwindel erregenden Bezügen aus allen Bereichen von Geschichte und Kultur und atemberaubenden energischen Sprüngen.“ 5 1951 wurde McLuhans erstes Buch, „The Mechanical Bride“, an dem er jahrelang gearbeitet hatte, in New York veröffentlicht. Da er nicht fähig war, eine realistische Richtlinie vorzugeben, lag es am Verleger, die Kartons voller Material, die McLuhan ablieferte, in Buchform zu bringen. McLuhan selbst war mit dem Ergebnis unzufrieden und distanzierte sich von dem Werk.
Zwei Jahre später erhielt er zusammen mit einem befreundeten Kollegen einen Zuschuss für ein Forschungsprojekt, wodurch es ihm möglich war, seine eigene Zeitschrift „Explorations“ heraus zu geben. In den insgesamt neun Ausgaben ist McLuhans Medientheorie in den Grundzügen bereits vorhanden, wie z. B. seine Thesen zur Wirkung des Fernsehens. Anfang der 60er Jahre erschienen McLuhans zentrale Werke: Durch die Veröffentlichung von „The Gutenberg Galaxy“ 1962 sowie durch ein Porträt in der Zeitschrift „New York“ von Tom Wolfe wurde vor allem in akademischen Kreisen ein reges Interesse an McLuhan geweckt. Zwei Jahre später kam dann „Understanding Media. The Extensions of Man“ heraus und legte den endgültigen Grundstein für den Respekt der Intellektuellen. McLuhan war eine Berühmtheit, wenn auch nicht bei allen im positiven Sinn.
Die McLuhan-Gegner kritisierten vor allem seinen Schreibstil, seine Ignoranz und seinen beschreibenden Argumentationsstil. 6 Da sich die Kritik vor allem gegen ihn als Person richtete, ignorierte er sie so gut es ging.
5 Baltes/Höltschl (Hg.), 2002. S. 66.
Katrin Parigger 3
1967 wurde McLuhan für ein Jahr auf den mit 100.000 Dollar dotierten Schweitzer-Lehrstuhl an die jesuitische Fordham University, New York, berufen. Die erste Vorlesung, die er in dieser Position hielt, hatte den Titel „Understanding Media“.
Die journalistische Berichterstattung einerseits wurde immer gehässiger, andererseits brachte der Unternehmer Eugene Schwartz die Vermarktung McLuhans durch Newsletters, eine „McLuhan-Bibliothek“ (eine Büchersammlung, die man laut McLuhan gelesen haben sollte) sowie eine „McLuhan-Show“ auf den Höhepunkt.
Im selben Jahr musste er sich auf Grund eines gutartigen Hirntumors einer Operation unterziehen, wodurch Teile seines Gedächtnisses verloren gingen und er mit schmerzhaften Nachwirkungen zu kämpfen hatte.
Nach dem Jahr an der Fordham University kehrte McLuhan wieder nach Toronto zurück und der Rummel um ihn flaute langsam, aber kontinuierlich ab; die letzte Phase seiner Karriere war angebrochen.
Wesentlich für das „letzte Jahrzehnt“ von McLuhans Denken ist die Entwicklung der vier „Gesetze der Medien“ sowie der „Tetrade“ 7 , die er 1975 in einem Artikel in der Zeitschrift
„Technology and Culture“ veröffentlichte.
1976 hatte McLuhan noch zwei öffentliche Auftritte: im Präsidentschaftswahlkampf zwischen Jimmy Carter und Gerard Ford als Kommentator bei NBC und in Woody Allens „Stadtneurotiker“.
Ein Jahr vor dem geplanten Rückzug von der Universität erlitt McLuhan einen schweren Schlaganfall, von dem er sich nie mehr richtig erholen sollte: Er konnte nicht mehr lesen und – was für ihn beinahe unerträglich scheint - so gut wie nicht mehr sprechen. 1980 starb er schließlich friedlich in seinem Bett.
6 Vgl. ebd. S. 99.
7 Die vier „Gesetze der Medien“: 1. Jedes bedeutende Artefakt verstärkt/beschleunigt einen best. Prozess oder eine best. Sache; 2. es lässt parallel dazu einen anderen Prozess oder eine andere Sache veralten; 3. es belebt einen Prozess oder eine Sache neu, die bereits veraltet war; 4. neue und gegensätzliche Formen tauchen immer dann auf, wenn frühere Entwicklungsformen gerade ihren Höhepunkt erreichen.
Die „Tetrade“, vier Fragen, die an jedes Artefakt gestellt werden können: 1. Was hat es verstärkt?
2. Was ließ es veralten? 3. Was hat es wieder belebt? 4. Was hat es in sein Gegenteil verkehrt bzw. in was schlägt es um?
Vgl. Ebd. S. 205. Sehr empfehlenswert zur Veranschaulichung auch der Besuch der Homepage: http://www.horton.ednet.ns.ca/staff/scottbennett/media/ Zugriff: 01.02.06.
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Katrin Parigger, 2006, Marshall McLuhan - mit dem Fernsehen in die Netzwerkgesellschaft, Munich, GRIN Publishing GmbH
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