Die vorliegende Arbeit versucht die Bedingungsfaktoren für Varietäten innerhalb einer Sprache zu eruieren. Im zweiten Teil werden verschiedene Beispieläußerungen anhand des Zackenmodells von Löffler in die varietätenspezifische Systematik der Standardsprache Deutsch verortet.
Inhaltsverzeichnis
1. Welche Bedingungsfaktoren für Varietäten gibt es?
2. Ordnen Sie die folgenden Äußerungen in eine varietätenspezifische Systematik der deutschen Sprache mit kurzer Beschreibung der Varietäten ein:
a) Wo salln de ´ne Supp herkregen mit en beten wat in?
b) Woher sollen diese Leute eine Suppe mit bestimmten Zutaten darin bekommen?
c) Ich hab nix andres gesagt als daß die Verfassung von freiheitlicher demokratischer Grundordnung spricht, wo jeder Normalmensch kurz „Demokratie“ sagen würde, und daß das ja wohl Gründe hat.
d) Die Präteritumsreduzierungen des Trivialromans und des Sachbuchs sind zum großen Teil dadurch bedingt, daß in diesen Werken das Präsens über weite Phasen als Erzähl- bzw. als Berichttempus gewählt wird.
e) Ahoi Paul! Hast gesehen, wie Michael die Schnecke angestiert hat? Voll peinlich, der Alte!
3. Verortung der Beispielsätze a) bis e)
4. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, den Begriff der linguistischen Varietät theoretisch einzuordnen und auf konkrete Sprachbeispiele anzuwenden. Dabei wird untersucht, welche soziolinguistischen Faktoren die Verwendung bestimmter Sprachformen bedingen und wie sich diese in einer varietätenspezifischen Systematik abbilden lassen.
- Identifikation und Analyse soziolinguistischer Bedingungsfaktoren (Alter, Geschlecht, Raum, soziale Rolle, Situation).
- Theoretische Fundierung durch das soziolinguistische "Zackenmodell" nach Löffler.
- Analyse und Einordnung verschiedener Beispielsätze in varietätenspezifische Kategorien.
- Untersuchung der Diskrepanz zwischen gesprochener und geschriebener Sprache.
- Anwendung von Sprachbeschreibungsebenen (semantisch, lexikalisch) zur Validierung der Einordnung.
Auszug aus dem Buch
Löffler stellt die Standardsprache Deutsch als Kreis dar, der sich in zwei Hälften, der gesprochenen und geschriebenen Sprache, aufteilen lässt.
Außerhalb dieses Kreises siedelt Löffler sieben Varietätenordnungen an, die jeweils in verschiedene Maßeinheiten unterteilt sind. Diese Unterteilungen werden durch Linien gekennzeichnet, die den Kreis, je nach Verwendung in der gesprochenen, geschriebenen oder auch in beiden Sprachen tangieren oder durchziehen. Die hieraus entstehenden Schnittpunkte lassen die enge Vernetzung der einzelnen Varietäten sehr gut erkennen.
Die „Dialekte“ lässt er aus der gesprochenen Sprache entstehen, weist ihnen aber eine zumindest latent vorhandene Wirkung auf die geschriebene Sprache zu. Die „Idiolekte“ stellen in diesem System die Außenseiter dar, da Löffler ihnen die direkte Verwendung innerhalb des deutschen Sprachsystems verweigert. Auch die „Sexlekte“ haben keinen direkten Einfluss auf die beiden Kreishälften. Löffler sieht sie in fünf Möglichkeiten realisiert: Frauensprache, Kinder-/Jugendsprache, Erwachsenensprache, Seniorensprache und Männersprache.
Die „Soziolekte“ und ihre Ausdrucksformen: Schichtensprachen, Gruppensprachen und Sondersprachen finden sich fast vollständig in der gesprochenen Sprache wieder, lediglich die Sondersprachen finden laut Löffler Anklang in der geschriebenen Sprache. Neben den „Soziolekten“ sind die „Funktiolekte“ maßgeblich in die gesprochene Sprache involviert. Sie lassen sich wie folgt unterteilen: Alltagssprache, Instruktionssprache, Fachwissenschaftssprache, Literatursprache und Pressesprache.
Es bleiben als Varietäten zum einen die „Mediolekte“, die hier ohne weitere Unterteilung bleiben und die Standardsprache jeweils an der äußersten Stelle der gesprochenen und geschriebenen Sprache berühren. Zum anderen die „Situolekte“, deren monologische, symmetrische, dialogische und asymmetrische Realisierungen nur bis zum äußeren Rand der geschriebenen Sprache reichen. Auffallend ist bei diesem Modell, die niedrige und fast monopolisierte Verwendung der geschriebenen Sprache; sie spiegelt sich nur in den Sondersprachen, in der Literatursprache und in der Fachwissenschaftssprache wider und zeigt die Diskrepanz zwischen geschriebener und gesprochener Sprache.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Welche Bedingungsfaktoren für Varietäten gibt es?: Das Kapitel führt in die Grundlagen der Soziolinguistik ein und benennt zentrale außersprachliche Parameter wie Alter, Geschlecht, Raum und soziale Rolle, die als Bedingungsfaktoren für sprachliche Varietäten fungieren.
2. Ordnen Sie die folgenden Äußerungen in eine varietätenspezifische Systematik der deutschen Sprache mit kurzer Beschreibung der Varietäten ein: In diesem Kapitel wird das soziolinguistische "Zackenmodell" nach Löffler theoretisch erläutert, um die Grundlage für die anschließende Analyse von verschiedenen Sprachbeispielen zu schaffen.
3. Verortung der Beispielsätze a) bis e): Die zuvor eingeführten theoretischen Konzepte werden hier auf fünf konkrete Beispielsätze angewandt, um diese den entsprechenden Varietäten wie Dialekt, Situolekt oder Sondersprachen zuzuordnen.
4. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Grundlagenliteratur.
Schlüsselwörter
Soziolinguistik, Varietätenlinguistik, Löffler, Zackenmodell, Dialekt, Idiolekt, Soziolekt, Funktiolekt, Situolekt, Standardsprache, Sprachvariation, Sprachbeschreibung, Schichtensprache, Sondersprache, Mediolekt.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den Grundlagen der Soziolinguistik und untersucht, wie und warum sich Sprache in verschiedene Varietäten auffächert, abhängig von sozialen und situativen Faktoren.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind die Definition von Varietäten, die Analyse von Bedingungsfaktoren für Sprachgebrauch und die theoretische Modellierung des deutschen Sprachsystems nach Heinrich Löffler.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, ein besseres Verständnis für die Vielfalt der deutschen Sprache zu entwickeln, indem konkrete Äußerungen anhand theoretischer Modelle klassifiziert und verortet werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor verwendet das soziolinguistische "Zackenmodell" von Löffler zur Systematisierung und nutzt linguistische Beschreibungsebenen wie Semantik und Lexik für die Analyse der Beispiele.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung der Bedingungsfaktoren, die Vorstellung des Löffler-Modells und die detaillierte Analyse der fünf bereitgestellten Beispielsätze.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Soziolinguistik, Varietät, Zackenmodell, Funktiolekt, Soziolekt, Sprachvariation und die Unterscheidung zwischen geschriebener und gesprochener Sprache.
Wie lässt sich die politische Sprache laut der Arbeit einordnen?
Der Autor ordnet die politische Sprache den Soziolekten beziehungsweise Sondersprachen zu, da sie rhetorische Mittel nutzt, um Emotionen zu erzeugen oder ideologische Positionen zu stützen.
Warum wird im Text die "Schnecke" als Beispiel für Jugendsprache genannt?
Der Autor identifiziert die Bezeichnung als Synonym für "Mädchen" und kombiniert dies mit der informellen Begrüßungsfloskel "Ahoi" und dem rhetorischen Einsatz von Fragen, was typisch für jugendsprachliche Interaktionsmuster ist.
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- Patrick Hillegeist (Author), 2007, Soziolinguistik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83367