Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2.1 Frankreichs Stellung in Europa zu Beginn des 16 Jahrhunderts 4
2.2 Gründungen und Entwicklung der französischen Kolonie ab 1608 5
2.3 Pfeiler französischer Kolonialpolitik 7
12 4 Fazit
5. Literaturverzeichnis
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1. Einleitung
Ein rotes Ahornblatt auf weiß-rotem Grund ziert die Fahne Kanadas. Amtssprachen sind Englisch und Französisch. Man könnte sagen, Kanada besitzt zwei Seelen, eine englische und eine französische, die zusammen eine einmalige Symbiose bilden. Tradition ist daher für den Großteil der kanadischen Bevölkerung von großer Bedeutung. Besonders ausgeprägt ist dieses historische Verständnis in Québec. Noch heute ziert die weiße Lilie auf blauem Grund, das alte Symbol der französischen Könige, die Flagge Québecs und ist bezeichnend für das Selbstverständnis deren Einwohner. Québec ist heute nicht nur eine der größten Provinzen Kanadas, es war auch das Kerngebiet, welches 1608 durch die Gründung der namensgleichen Stadt Québec durch den Franzosen Samuel de Champlain die Grundlage eines französischen Kolonialreiches in Nordamerika bildete. Ausgehend von hier, der Stadt am St. Lorenzstrom, schickte sich das Frankreich des 17. Jahrhunderts an, Kolonialmacht in der Neuen Welt zu werden. Während sich Spanien und Portugal die Welt zu Beginn des 16. Jahrhunderts aufteilten, lag das Interesse Frankreichs noch in Europa. Der neuentdeckten Welt wurde zunächst kaum Aufmerksamkeit geschenkt, befand sich Frankreich doch in ständigen Kleinkriegen mit den Habsburger Mächten Spanien und Österreich. Gleichzeitig tobten im inneren Frankreich religiöse Konflikte, die ein imperialistisches Engagement zusätzlich verhinderten. Erst mit einem zunehmenden Erstarken seiner machtpolitischen Stellung in Europa, einer umdenkenden Führungsschicht und den wachsenden kolonialen Bemühungen des jahrhundertelangen Konkurrenten England, wuchs in Frankreich nicht nur die Bereitschaft zu einem Kolonialreich, sondern auch die Erkenntnis von dessen Notwendigkeit. Der scheinbare Erfolg und das Prestige das Spanien, Portugal, England und sogar Hol-land dabei erlangten, ist dabei eine wichtige Grundlage, die die kolonialen Bestrebungen Frankreichs als bloße Reaktion eines zu spät Gekommenen erscheinen lassen. Gewinn erwirtschaftete Frankreich mit seinen Kolonien kaum, im Gegenteil, es war ein Minusgeschäft, was William John Eccles folgendermaßen auf den Punkt bringt: „Canada under the French regime was a small colony, seemingly of little importance in the greater world or European civilization in an age of imperial expansion.” (Eccles 1999: xv). Letztlich führten Frankreichs Ambitionen in der Alten und Neuen Welt nicht nur zum Verlust seines ersten Kolonialreiches, sondern mündeten ebenso in der Französischen Revolution. Dabei verfolgte Frankreich keine schlechte Kolonialpolitik; doch trotz seiner überragenden wirtschaftlichen und militärischen Potenz, stellte sich kein
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endgültiger Erfolg ein. Die Entwicklung der französischen Kolonien von ihrer Gründung 1608 bis zum Verlust 1763, im Spannungsfeld zwischen Neuer und Alter Welt, ist Gegenstand dieser Hausarbeit. Dabei soll folgende These als Ausgangspunkt dienen:
Frankreichs ständiges Engagement im Kampf um die Vorherrschaft in Europa und die damit verbundene inkonsequente Kolonialpolitik ließen es in Nordamerika scheitern.
2. Frankreich in der Neuen Welt von 1608 bis 1700
2.1 Frankreichs Stellung in Europa zu Beginn des 16. Jahrhunderts
Allein die Lage Frankreichs in Europa, umklammert von den Habsburger Mächten Spanien und dem Heiligen Römischen Reich deutscher Nation beziehungsweise Österreich, nötigte es, seinen politischen Agenden in Europa besondere Aufmerksamkeit zu schenken. Neben der Sicherung seiner Grenzen und dem Ausbau seiner Macht, galt es weiterhin auch mit inneren Konflikten, so zwischen Protestanten und Katholiken, aber auch zwischen Adel und König, fertig zu werden. Während Spanien und Portugal mit der Entdeckung der Neuen Welt diese schon durch den Vertrag von Tordesillas von 1494 zwischen sich aufgeteilt hatten, zählte Frankreich, genau wie zunächst England, zu den zu spät Kommenden (Eccles 1990: 1).
Die Neue Welt lag aufgrund der bereits erwähnten spezifisch französischen Krisen nicht im Blickfeld der französischen Könige. Diese waren primär mit dem Ausbau ihrer Macht und der Konsolidierung ihres Reiches beschäftigt, dass zwischen 1547 und 1559 erst von politischen Krisen und ab 1562 bis 1598 von den Hugenottenkriegen betroffen war und sich zusätzlich im ständigen Konflikt mit Spanien und Österreich befand (Kinder/Hilgemann 1992: 247). Zwar gab es auch in dieser Zeit die ersten staatlich geförderten Bemühungen, die neue Welt zu erkunden, so 1534 durch den französischen Forschungsreisenden Jacques Cartier, aber diese beschränkten sich zunächst noch auf die Suche nach einem Weg nach China und Indien, später auf die Behinderung spanischer und portugiesischer Kolonisation (Eccles 1990: 2-3). Ausgelöst und beflügelt wurden die ersten Expeditionen Frankreichs durch die Aufweichung des päpstlichen Teilungsediktes 1533 durch die Intervention des französischen Königs Franz I. Es wurde erreicht, dass sämtlich in Besitz genommenes Gebiet auch entsprechend kolonisiert werden
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musste, wollte man Hoheitsansprüche geltend machen. Es entstand eine regelrechte Wettbewerbsdynamik, ein Boom, um die noch unbesiedelten Gebiete, die Frankreich in Zugzwang brachte, wollte es auch diesmal nicht zu den Letzten gehören (ebd. 1990: 3).
Bei Cartiers Entdeckungsfahrten wurde zwar keine Passage nach Asien entdeckt, dafür aber vermutlich Neufundland. Die Kunde von reichen Fischvorkommen gelang bis nach Europa und lockte zahlreiche Fischer auf der Suche nach reicheren Fischgründen und damit lukrativeren Einkommensmöglichkeiten. Kleinere Handels- und Fischerdörfer entstanden so in Neufundland. Jedoch nicht nur Franzosen waren unter ihnen, sondern auch Engländer und Holländer. Die systematische Kolonisierung des neu gewonnenen Fleckens Erde begann allerdings erst sehr viel später, da aufgrund verstärkter religiöser Unruhen im Inneren Frankreichs und den scheinbar erfolglosen Entdeckungsfahrten das weitere Interesse der französischen Könige sank (Eccles 1999: 16-17).
2.2 Gründungen und Entwicklung der französischen Kolonie ab 1608
Es war die aufkommende Pelzmode in Frankreich und Europa, die das Interesse und die Aufmerksamkeit an der Neuen Welt belebte. Man besann sich in Frankreich auf Cartiers Forschungsreisen und die in diesem Zusammenhang ausgemachten reichen Pelzvorkommen. Der Schwerpunkt der französischen Kaufleute verlagerte sich vom Fisch- zum Pelzhandel (Eccles 1999: 19-20). Pelzhändler wurden beim französischen König Heinrich IV. vorstellig, um sich ihre Geschäfte und Privilegien via königlichen Brief monopolisieren zu lassen (Sautter 2000: 10). Mit der Vergabe von Monopolen gingen auch die ersten permanenten Besiedlungsversuche einher, um effektiver an Pelze zu gelangen. Diese Versuche, zum Beispiel auf Sable Island 1598 oder Tadoussac 1600, scheiterten jedoch zunächst (Eccles 1999: 20). Es waren fortan Kaufleute und Händler, die zur treibenden Kraft französischer Expansion wurden und die Expeditionen nach Nordamerika organisierten. Diese auf die Erschließung neuer Pelzquellen und potentieller Reichtümer fixierten Forschungsreisen bekamen durch Samuel de Champlain ein Gesicht, das 1603 erstmals nach Nordamerika aufbrach und dort 1605 Port Royal gründete (Sautter 2000: 10).
Der potentielle Reichtum, der in der Neuen Welt durch reiche Fisch- und Bibervorkommen und mythische Indianerschätze zu finden war, löste in Frankreich nur bedingt
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Arbeit zitieren:
Alexander Boettcher, 2007, Frankreich in der Neuen Welt, München, GRIN Verlag GmbH
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