Universität Passau, Lehrstuhl für Romanische Literaturen und Kulturen
Proseminar: „Chanson“, Sommersemester 2007
Fachsemester: 04
Propaganda des Vichy-Regimes
Das Chanson als Propagandamittel?
von
Nicolas Beck
Inhaltsverzeichnis
1. Hinführung zum Thema... 3
2. Hauptteil... 4
2.1 Werte und Leitbilder der Révolution nationale... 4
2.2 Mythifizierung des Maréchal Philippe Pétain... 5
2.3 Technische Mittel der Propaganda... 6
2.4 Chansons als Propagandamittel... 8
2.4.1 Hymnen als Chanson und deren Erfolg... 8
2.4.2 Wirkung und Funktion... 8
2.4.3 Themen der Vichy-Chansons... 9
2.5 Chansonanalyse von Maréchal, nous voilà!... 10
2.5.1 Analyse der Semantik... 11
2.5.2 Unterstützung der Botschaft... 12
3. Schlussbemerkung... 13
4. Anhang... 15
Anhang 1: Das bessere Frankreich... 15
Anhang 2: Die einundzwanzig Punkte der Miliz... 16
Anhang 3: Liedtext Maréchal, nous voilà!... 17
5. Literaturverzeichnis... 18
6. Diskografie... 18
7. Abbildungsverzeichnis... 19
1. Hinführung zum Thema
Am 14. Juni 1940 marschierten deutsche Truppen in Paris ein, nachdem sich zuvor die französische Regierung als unfähig erwies, mit Beginn des 2. Weltkrieges die eigenen Truppen strategisch gegen die Nazis auszurichten. Im Französischen, bekannt als Drôle de Guerre, erlaubte sich der führende Militärgeneralstab eklatante Fehler, u.a. die Unterschätzung von Panzern und der Luftwaffe, die schließlich zum leichten Sieg der Nazis führten. Am 17. Juni 1940 wurde Maréchal Pétain, als Nachfolger von Paul Reynaud letzter Ministerpräsident der III. Republik. Anstelle einer Kapitulation verkündete er über das Radio einen Waffenstillstand. Im Süden Frankreichs wurde der État français mit der Hauptstadt Vichy ausgerufen. Der Norden mit der Atlantikküste blieb von deutschen Wehrmächten besetzt (siehe Anhang 1)1.
Mit der Rechtfertigung, dass die Schwäche der III. Republik in ihren korrupten politischen Institutionen und im „Erlahmen unseres Eifers“2 lag, wurde zur Erneuerung der Gesellschaft die Révolution nationale ausgerufen. Mit Hilfe dieser moralischen Revolution sollte Frankreich wieder zu alter Stärke finden. Auf Grund technischer Entdeckungen im Bereich der Massenmedien, allen voran das Radio, gab es in den 20er und 30 er Jahren neue Methoden der Propaganda. So wurde mit Hilfe von Zeitung, Kino und Radio eine manipulierte Berichterstattung und Diffusion der Ideologie ermöglicht.
In dieser Hausarbeit soll im Speziellen das Chanson als Propagandamittel erläutert werden. Dabei wird zuerst auf die zu vermittelnden Werte und Leitbilder der Révolution nationale und der Mythifzierung von Maréchal Philippe Pétain eingegangen. Anschließend erfolgt eine Darstellung der technischen Möglichkeiten zur Produktion, Dis-tribution und Rezeption von Propaganda. Schließlich werden Funktion und Wirkung eines Chansons am Beispiel von Maréchal, nous voilà! dargestellt und analysiert.
2. Hauptteil
2.1 Werte und Leitbilder der Révolution nationale
Betrachtet man die moralischen Werte und Leitbilder der Révolution nationale genauer, zeugen diese „nach dem Modell des vorrevolutionären Frankreichs [...], nach dem Modell einer ständischen, ländlichen und katholischen Gesellschaft3“. Dies war ein Grund, das ländliche Vaterland hervorzuheben und dem entgegen die korrumpierende Dekadenz der Stadt zu setzen. Die Zusammenwirkung von Arbeit, Familie und Vaterland unter der Führung einer Vaterfigur standen im Vordergrund.
La formule „Travail, Famille, Patrie“ condense la pensée spécifique de Vichy4.
Der État français wurde von den Rechten getragen und „[...] lehnte daher den Klassenkampf ab, [...] lehnte aber gleichzeitig auch den egoistischen und sterilen reinen Kapitalismus ab, der nur auf Profit bedacht war5“. Unter Führung einer Vaterfigur verstand man auch die Abschaffung des Volkssouveräns. Parlamentarismus galt „als Diktatur der Masse auf Kosten der natürlichen Eliten6“. Um die natürliche Elite und ihren Machtanspruch nicht in Frage zu stellen, besteht daher eine „vehemente Ablehnung jedes aufklärerischen, individualistischen, egalitären Gedankenguts7 “und eine Verfolgung Andersdenkender. Jedoch wurde die Gemeinschaft der Franzosen hervorgehoben, die „Einheit durch Ausgrenzung8“, da diese nötig war, um ein starkes Frankreich zu kreieren und gegen äußere Feinde zu verteidigen. Automatisch wurden damit Ausländer, Freimaurer und besonders Juden als natürliche Feinde betrachtet. Mit der Ernennung Pierre Lavals zum Regierungschef am 18. April 1942 durch die Nazis, führte dies zur Internierung und Deportation von Juden und Ausländern im État français. Durch die einundzwanzig Punkte der Miliz (siehe Anhang 2) lassen sich die Leitbilder und Werter des neuen Regimes schnell ableiten, die „in eigenartiger Manier christliche, antidemokratische und antirepublikanische Elemente9“miteinander verbinden.
2.2 Mythifizierung des Maréchal Philippe Pétain
[...]
1 Baruch, Das Vichy-Regime – Frankreich 1940–1944, S. 25–28.
2 Vgl. ebd., S. 44.
3 Baruch, Das Vichy-Regime, S. 45.
4 Rossignol, Histoire de la propagande en France de 1940 à 1944 – L’utopie Pétain, S.2.
5 Baruch, Das Vichy-Regime, S. 56.
6 Vgl. ebd., S. 45.
7 Vgl. ebd., S. 45.
8 Vgl. ebd., S. 48-56.
9 Mathis, Von der Jahrhundertwende zur modernen Klassik, S. 300.
Arbeit zitieren:
Nicolas Beck, 2007, Propaganda des Vichy-Regimes, München, GRIN Verlag GmbH
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