Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Fachbereich Rechts- und Wirtschaftswissenschaften
Seminar: Zeit als Problem und Perspektive in der Ökonomie
Wintersemester 2006/2007, 7. Fachsemester
Zeit als Managementproblem
von
Britta Hilbert
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung... 1
1.1 Betriebswirtschaftliche Relevanz... 1
1.2 Vorgehensweise... 3
2. Konzeption des allgemeinen Management- und Zeitbegriffs... 3
2.1 Zum Begriff des Managements und dessen Funktionen und Aufgaben... 3
2.2 Zum Begriff der Zeit. Definitorische Grundlagen... 7
3. Managemententscheidungen und –aufgaben im Fokus der Zeit... 9
3.1 Der Einfluss von Zeit im Entscheidungsprozess... 9
3.2 Managementaufgaben und die Problematik des Faktors „Zeit“... 13
4. Aus der Praxis: Zeit als Managementproblem in dem Bereich „Supplier Quality Management“ der Siemens AG. Eine Befragung des Managements und Auswertung... 22
5. Schlussbetrachtung und Ausblick... 24
Anhang... I
Literaturverzeichnis... V
1. Einleitung
1.1 Betriebswirtschaftliche Relevanz
Unternehmen und Führungspersönlichkeiten von heute werden durch ihr Umfeld und deren hoher Veränderungsgeschwindigkeit vor höchste Herausforderungen gestellt: So ist es das sich schnell wandelnde und kaum prognostizierbare Umfeld, darüber hinaus die enorme Breite und Tiefe an den zu bewältigenden Aufgaben und Anforderungen, die es der heutigen Unternehmung und ihrem Management schwierig machen, die sich ständig verändernde Ausgangslage richtig zu beurteilen, zukunftsrobuste Entscheidungen zu treffen und diese letzten Endes im laufe der Zeit mit Erfolg umzusetzen.1 Situative Einflussfaktoren, wie die Komplexität einer Situation, d.h. zum Beispiel die Interdependenz von verschiedenen Faktoren oder Teilplänen innerhalb des Managements, die Dynamik einer Situation, also Änderungsraten und das Entwicklungstempo einzelner Faktoren und letzten Endes das Ausmaß der Ungewissheit sind Grund genug dafür, dass eine Unternehmung in komplexen und turbulenten Situationen und Zeiten grundsätzlich anders zu leiten ist, als eine Unternehmung, die einer einfachen, statischen und stets transparenten Situation und Umwelt entgegensteht.2 Doch nach Bleicher ist es weniger die gestiegene Vielfalt an Aufgaben und die Komplexität der Verhältnisse, mit der sich das heutige Management im gesellschaftlichen und ökonomischen Umfeld auseinandersetzen muss, als vielmehr jene Beschleunigung, mit der sich die Grunddaten, Aufgaben und Anforderungen des Managements verändern. Da Beschleunigung jedoch immer etwas mit Zeit zu tun hat, wird diese zur kritischen Variable im Führungsprozess und somit bedeutsam für das Management.3
So spielte der Zeitfaktor zu Beginn der betriebswirtschaftlichen Beschäftigung mit der Unternehmensführung und des Managements zuvor eher eine untergeordnete Rolle und fand allenfalls Beachtung bei der Periodisierung der Erfolgsmessung. Doch mit zunehmender Veränderungsgeschwindigkeit der Umwelt gewinnen zukunftsbezogene Plangrößen immer mehr an Bedeutung.4 Führungskräfte von heute müssen ihren „Blick auf die Veränderung der Unternehmung in der Zeit [...] richten. Das Gestrige ist die Wurzel des Heutigen und dieses wiederum entscheidet über das Morgen. Die Veränderung der Unternehmung im Laufe der Zeit wird [...] zum zentralen Anliegen des Managements.“5 Doch nicht nur die allgemeine Veränderung der Umwelt und infolge dessen auch die Veränderung der Unternehmung im Laufe der Zeit, stellt das Management vor neue Herausforderungen, sondern vielmehr ist es der Zeitfaktor an sich, der für das Management eine immer größere Rolle spielt: So wurde bereits 1951 in einer ersten systematischen Studie das Arbeitsverhalten von schwedischen Managern analysiert. Die Ergebnisse lieferten eine hohe Arbeitsbelastung, eine hohe durchschnittliche Arbeitszeit und relativ kurze Phasen zeitlich ungestörter Arbeit am Schreibtisch.6 Darüber hinaus spielt Zeitdruck eine große Rolle, unter dem Manageraufgaben erledigt werden müssen. Zeit wird somit zu einem bedeutsamen Faktor, sowohl für das Management, als auch für die gesamte Unternehmung. Zeit ist ein sehr komplexes Problem, denn Zeit lässt sich nicht so einfach managen. „Da Zeit – wie auch der Raum- eine konstitutive Dimension der Lebenswelt ist, also alles ‚an der Zeit’ ist bzw. stattfindet, kann die Zeit als solche sicherlich nicht gemanagt werden (genauso wenig wie der ‚Raum’ gemanagt werden kann).“7 Viele Aktivitäten des Managements werden durch den Faktor Zeit bestimmt, und viele Aktivitäten sind zu nicht vorhersehbaren Zeiten erforderlich. Auf der Zeitachse hat das Management von Heute stetig größer werdende Veränderungen in immer kürzeren Zeitintervallen zu bewältigen.8 Der gesamte Aufgabenbereich des Managements wird geprägt durch den Faktor Zeit: „There is one [...] mature factor in every management problem, every decision, every action- not, properly speaking , a fourth function of management, but an additional dimension: time. Management always has to consider both, the present and the longrange future”9. So ist nach Drucker die Dimension Zeit Bestandteil jedes Managements.10 Zudem ist Zeit ein nutzenstiftendes Gut, eine Ressource oder Kapital, das analog zu wirtschaftlichen Gütern oder anderen Ressourcen optimiert werden kann.11 „Zeit ist das wertvollste Gut, das wir besitzen [...]. Zeit ist mehr wert als Geld. Unser Zeitkapital muss sorgfältig angelegt werden. [...]. Unsere wichtigste Aufgabe im Leben ist es, soviel wie möglich aus dieser Zeit zu machen“.12 Auch für das Management ist Zeit eine Ressource, die es zu berücksichtigen und zu optimieren gilt.13 Darüber hinaus ist Zeit für das Management ein Problemfaktor, eine Variable, die es in jeder Tätigkeit, jedem Aufgabenbereich, und jeder Entscheidung zu beachten gilt. Zeit ist somit ein Managementproblem. Dieser Problematik und der Frage, inwieweit Zeit wirklich ein Problem für das Management darstellt, soll mit vorliegender Arbeit nachgegangen und beantwortet werden.
1.2 Vorgehensweise
Bevor die Problematik des Faktors “Zeit“ für das Management analysiert werden kann, bedarf es in Kapitel 2.1 zunächst einer näheren Erläuterung des Managementbegriffs an sich, dessen Aufgaben und Funktionen, sowie in Kapitel 2.2 des Zeitbegriffs, der der vorliegenden Arbeit zugrunde liegt. Dies ist notwendig, da jeder Autor eine andere Idee von Zeit besitzt.14 Darüber hinaus ist eine solche definitorische Grundlage erforderlich, um den Leser für die Zeitproblematik im Management – Prozess zu sensibilisieren. Aufbauend auf diesen begrifflichen Grundlagen wird in Kapitel 3.1 der Faktor Zeit im Entscheidungsprozess des Managements näher betrachtet. Es wird mit einer Analyse der Managemententscheidungen in Bezug auf die Problematik des Zeitfaktors begonnen, da Entscheidungen in jedem einzelnen Funktions- bzw. Tätigkeitsbereich des Managements getroffen werden. Darauf folgend werden in Kapitel 3.2 die einzelnen Aufgaben des Managements in Bezug auf den Faktor Zeit näher beleuchtet, und die Problematik, die sich hierbei für das Management ergibt, herausgestellt. In Kapitel 4 werden anschließend die zuvor in Kapitel 3 erlangten Ergebnisse empirisch überprüft. Hierzu wurde ein Fragebogen mit 30 Fragen an das Management des Bereichs „Supplier Quality Management“ der Siemens AG ausgeteilt. Abschließend werden die erlangten Ergebnisse aus vorliegender Arbeit in Kapitel 5 kurz zusammengefasst; darüber hinaus erfolgt in diesem Kapitel ein kurzes Resüme, die Beantwortung der Frage, ob der Faktor Zeit für das Management tatsächlich zu einem Problemfaktor wird, sowie ein kurzer Ausblick.
2. Konzeption des allgemeinen Management- und Zeitbegriffs
2.1 Zum Begriff des Managements und dessen Funktionen und Aufgaben
[...]
1 Vgl. Bleicher (2004), S. 15
2 Vgl. Ulrich/ Fluri (1995), S. 46
3 Vgl. Bleicher (2004), S. 35
4 Vgl. ebd., S. 42-45
5 Ebd., S. 61
6 Vgl. Rühle (1993), S. 93
7 Vgl. Eberle (1994), S. 124
8 Vgl. Bleicher (2004), S. 42
9 Drucker (1961), S. 11
10 Ebd., S. 12
11 Vgl. Hinz (2000), S. 125
12 Seiwert (1998), S. 10
13 An dieser Stelle sei betont, dass Zeit sich jedoch von anderen Gütern erheblich unterscheidet: So kann Zeit weder gelagert, noch vermehrt werden kann (Vgl. dazu Eberle (1994)).
14 vgl. Thrift (2004), S. 873
Arbeit zitieren:
Britta Hilbert, 2007, Zeit als Managementproblem, München, GRIN Verlag GmbH
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