Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 5
2 Faszinationsgründe 9
2.1 Sympathie mit Gangster 9
2.2 Gewalt - Mord Macht 10
2.3 US-kulturspezifisches Verständnis 11
2.4 Geheime Verschwörung 13
2.5 Reale Bezüge 13
2.5.1 Die echten’ Paten 14
2.5.2 Die echten’ Mafiosi 16
2.5.3 Wahre’ Begebenheiten 18
2.5.3.1 Sinatra 18
2.5.3.2 Komitees 19
2.5.3.3 Kuba 21
2.5.4 Zeitgeist 22
3 Don 26
3.1 Macht 26
3.2 Parallelgesellschaft 26
3.3 Patronage - Klientelismus 28
3.4 Selbstjustiz - Helfer 29
3.5 Kapitalismus 31
3.6 Werte 33
3.7 Marlon Brando 36
4 Inszenierung 37
4.1 Parallelisierung 37
4.2 Theatralik 38
4.3 Kolorit 39
4.4 Generationswechsel - Rise and Fall 40
5 Schlussbemerkung 45
6 Quellenverzeichnis 46
6.1 Literatur 46
6.2 Internet 48
6.2 Sondermedien 51
7 Anhang 52
8 Eidesstattliche Erklärung 58
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1. Einleitung
„(…) I am not writing about the Mafia; I am writing about (…) a mystique.“ (Smith 1975, S. 3).
Der Terminus Mafia im Titel dieser Arbeit ist in kursiver Schrift abgedruckt, weil die Recherchen diesbezüglich (besonders Dwight C. Smiths Buch „The Mafia Mystique“) ergaben, dass sich Mafia, ohne an dieser Stelle auf etymologische Analysen einzugehen, zu einem irreführenden Label entwickelt hat und mit seiner ursprünglichen Bedeutung nur noch wenig verbindet sowie inflationär gebraucht wird. „(...)‚Mafia’ has now become one of the most ubiquitos labels in American Society.“ (Smith 1975, S. 4).
Nicht nur in den USA, auch hierzulande ist die Etikettierung so stark stereotypisiert, dass auch bei geringstem Bezug zum Thema organisierte Kriminalität z.B. Analogien folgender Art gebildet werden: „Die Fußball-Mafia“ titulierte die Osterländer Volkszeitung in ihrer Wochenendausgabe vom 20./21. Mai 2006 einen Bericht über die Geschehnisse um den italienischen Fußballskandal vor der Weltmeisterschaft, „Massaker nach Mafia-Manier“ heißt ein Artikel in der Online-Ausgabe des Spiegels vom 5. Februar 2007 (Spiegel Online Website, Blutbad im China-Restaurant: 2007, online), in dem es um den sechsfachen Mord in einem China-Restaurant im niedersächsischen Sittensen geht, „Die Russen-Mafia - Das gefährlichste Verbrechersyndikat der Welt“ oder „Gejagt von der Polenmafia“ nannte Jürgen Roth, ein deutscher Publizist und angeblicher Experte in Sachen organisiertes Verbrechen, zwei seiner Bücher.
Die Liste der Beispiele ließe sich beliebig erweitern und deutet tatsächlich auf eine allgegenwärtige Präsenz der Vokabel auch in der hiesigen Medienlandschaft hin: „Der Begriff Mafia wird in der Öffentlichkeit für zahlreiche Verbrechersyndikate und -banden in aller Welt verwandt, oft synonym für die Organisierte Kriminalität.“ (Bornpower Website 2007, online).
Das Wort Mafia taucht nur selten explizit in der Filmtrilogie Der Pate auf, z.B. in einer Szene in Der Pate - Teil 2, in der Michael Corleone von einem Untersuchungsausschuss eine Erklärung verliest, in der er sich von den an ihn gerichteten Anschuldigungen distanziert: „That no proof linking me to any criminal conspiracy whether it is called Mafia or Cosa Nostra or whatever other name you wish to give has ever been made public.“ (Der Pate - Teil 2).
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Aber implizit war dem US-amerikanischen Zuschauer klar, um wen es auf der Leinwand geht. Nicht ohne Grund forderte die Italian-American Civil Rights League, eine Organisation, deren Absicht es u.a. war, das Vorurteil zu bekämpfen, alle Italiener seien Mafiosi (vgl. Wikipedia Website, Der Pate (Film): 2007, online), dass im Film Der Pate die Wörter Mafia und Cosa Nostra nicht vorkommen: „The league also secured an agreement from Al Ruddy, the producer of The Godfather, to omit the terms ‚Mafia’ and ‚Cosa Nostra’ from the film’s dialogue (…).“ (Wikipedia Website, Italian-American Civil Rights League: 2007, online).
Auch in der Dokumentation „The Godfather and the Mob“ wird die Angst vieler Italo-Amerikaner vor einer Diskreditierung ihrer Bevölkerungsgruppe durch das im Film vermittelte Image thematisiert. Im Hollywood-Streifen selbst findet die Problematik Widerhall in einem Plädoyer des Senators Geary für den Unterschied zwischen italienischstämmigen US-Bürgern und Mafiosi. Die Bemühungen der Italian-American Civil Rights League zeigen deren Befürchtung einer falschen, generalisierenden Verwendung des Labels Mafia, der ich in meiner Arbeit keinen Vorschub leisten möchte und deswegen das Wort Mafia immer markiere.
Für den Autor des Romans und Co-Autor des Drehbuchs Der Pate, Mario Puzo, spielte die Bezeichnung Mafia wohl eine untergeordnete Rolle: „The ‚Mafia’ label for Puzo was less important than a story about men whose criminal identification (…) had been presaged by what Joe Valachi told the McClellan subcommittee in 1963 about ‚families’, ‚dons’, ‚wars’ and ‚soldiers’ (…).“ (Smith 1975, S. 253; vgl. Kapitel ‚2.5.3.2 Komitees’). Aber unabhängig von der Bezeichnung, muss er sich doch den Vorwurf gefallen lassen, bestimmte Vorstellungen in der öffentlichen Meinung zu bedienen und damit ein unrealistisches Bild von der Mafia zu zeichnen, wenngleich sein Roman natürlich eigentlich nur fiktionalen Charakter besitzt: „The Godfather as a contributor to generally held images about organized crime (…).“ (Smith 1975, S. 277; vgl. Kapitel ‚2.5.3.2 Komitees’). Unbestreitbar ist und bleibt die Wirkung seiner Erzählung auf das Image, dass viele Zuschauer nach dem Film mit dem organisierten Verbrechen sizilianischen Typus in den USA verknüpfen: „(…) the reflected glory of Mario Puzo’s Vito Corleone. His success is evidence of the impact, that a sufficiently credible fictional narrative can have on our view of the real world. “ (Smith 1975, S. 90).
Es geht in dieser Arbeit weniger um eine fundierte Analyse des Begriffes Mafia als vielmehr um die Motive und Konzepte, die der Film damit verbindet, ergo was Der Pate dem Zuschauer als Mafia präsentiert.
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Die Trilogie gilt als einflussreiches und bedeutendes Werk. Der erste Teil machte seinen Regisseur und v.a. Al Pacino als Schauspieler bekannt, Marlon Brando gelang mit der Rolle des Don ein umjubeltes Comeback. Im zweiten Teil ging der Stern des jungen Robert De Niro auf, der für seine Interpretation des jungen Patriarchen einen Oscar erhielt. Die Filme waren auch an der Kinokasse sehr erfolgreich und wurden von der US-amerikanischen Academy of Motion Picture Arts and Sciences mit zahlreichen Auszeichnungen bedacht. Dass Der Pate im medialen Diskurs immer noch zitiert wird, spricht für seine starke kulturhistorische Wirkung. Beispiele, wie das erst im letzen Jahr veröffentlichte Videospiel „The Godfather: The Game“ oder die in Deutschland in diesem Jahr ausgestrahlte Episode der Zeichentrickserie Die Simpsons mit dem Titel „Der Koch, der Mafioso, die Frau und ihr Homer“ (vgl. Simpsonspedia Website, Der Koch, der Mafioso, die Frau und ihr Homer: 2007, online), in der direkt auf das filmische Vorbild Bezug genommen wurde, deuten auf ein nach wie vor bestehendes Interesse am Thema hin.
Hauptsächliches Ziel dieser Arbeit soll es sein, den Versuch zu unternehmen, den Erfolg der Filme zu begründen und zumindest partiell ihre Faszinationskraft zu dechiffrieren. Die angewandte Methodik kann dabei nicht als empirisch bezeichnet werden. Es handelt sich vielmehr um heuristische Überlegungen, aufbauend und referierend auf Untersuchung anderer Autoren.
Um den Inhalt der filmischen Handlung grob zu skizzieren, sei an dieser Stelle die Erzählung kurz zusammengefasst: In Der Pate lehnt es Don Corleone ab, ins Rauschgiftgeschäft einzusteigen, woraufhin man einen Mordanschlag auf ihn ausübt und sein ältester Sohn in eine tödliche Falle gerät. Ausgerechnet sein jüngster Sohn Michael, der sich stets von den Machenschaften seiner Familie distanziert, tritt Don Corleones Nachfolge an. (vgl. Dieter Wunderlich Website, Der Pate: 2007, online). Der zweite Teil stellt den Werdegang des Vaters Vito Corleone vom einsamen sizilianischen Immigrantenkind zum Boss einer mächtigen Mafia- Organisationder Entwicklung seines Sohnes Michael gegenüber, der versucht seinen Geschäftsbereich zu erweitern und sich dabei aber von seiner Familie entfernt. In Der Pate - Teil 3 strebt Michael schließlich die komplette Legalisierung seines Unternehmens an und versucht, mittels eines bestechlichen Kardinals in eine von der Vatikan-Bank dominierte Immobiliengesellschaft einzukaufen (vgl. Dieter Wunderlich Website, Der Pate III: 2007, online). Am Ende wird seine geliebte Tochter durch einen an ihn gerichteten Anschlag getötet.
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Zur Gliederung dieser Arbeit muss erläuternd erwähnt werden, dass die Kapitel-Themen relativ intuitiv ausgewählt wurden, einerseits aufgrund des vorhandenen Quellenmaterials, andererseits da sie am interessantesten anmuteten und dem Anspruch, dem Phänomen Der Pate, so weit es im diesem Rahmen einer Bachelorarbeit möglich ist, am nächsten zu kommen schienen. Als größtes Problem kristallisierten sich dabei thematische Überschneidungen heraus, die hoffentlich einer strukturierten und nachvollziehbaren Rezeption nicht allzu sehr im Wege stehen.
Die einleitenden Gedanken abschließend sei noch auf die persönliche Motivation an der Beschäftigung mit der Filmtrilogie hingewiesen. An der einen oder anderen Stelle erkennt der Autor durchaus Parallelen zu eigenem Erlebten bzw. hat Verständnis für das Gezeigte, was für den Verfasser eine ganz besondere Faszinationskraft ausübt und auch nach mehrfacher Rezeption wenig von seiner unerklärlichen und starken Wirkung verloren hat.
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2. Faszinationsgründe
Dieses Kapitel beschäftigt sich mit der Frage, welche Gründe zum Erfolg der Filmtrilogie beigetragen haben, und inwiefern das Interesse durch US-kulturspezifische, zeitgeistliche und diverser anderer Faktoren erklärbar ist. Dabei werden in diesem Abschnitt nur erste Betrachtungen angestellt, die Frage nach den Faszinationsgründen wird sich aber durch die gesamte Arbeit ziehen und an vielen Stellen wieder in den Vordergrund rücken.
Die Ursachen für die Faszination am Thema Mafia in der kulturhistorischen Verarbeitung durch Filme bis in die Gegenwart sind schwierig zu bestimmen. Trotzdem soll mit dieser Arbeit der Versuch unternommen werden, basale Strukturen zu beschreiben, die sich evtl. nicht nur im ‚Paten’ lokalisieren lassen, sondern auch in anderen Erzählungen von und über die Mafia Anklang finden, wenngleich der Fokus auf erstgenanntem liegt. Ziel ist es also, intersubjektive Determinanten zu finden, die die Aufmerksamkeit des Publikums für das Thema explizieren. Dabei kann die folgende Suche nach den Faszinationsgründen nur als spekulativ bezeichnet werden. Die Liste der aufgeführten Aspekte erhebt keinesfalls den Anspruch auf Vollständigkeit, sondern soll lediglich einige Gesichtspunkte in den Brennpunkt der Betrachtungen rücken.
2.1 Sympathie mit Gangster
„Ich weiß nicht, wie ich es erklären soll, dass [sic] wir um so wärmer sympathisieren, je weniger wir Gehilfen darin haben; dass wir dem, den die Welt ausstößt, unsere Tränen in die Wüste nachtragen. (…) Dies ist es, was uns (…) an die so äußerst unmoralischen Jaunerhorden festbindet.“ (Schiller 1782, online).
Schillers Reflexionen zu den ‚Räubern’ lassen sich durchaus auf den ‚Paten’ übertragen. Die filmische Umsetzung der Mafia-Saga rückt die Protagonisten Vito und Michael Corleone unweigerlich in den Mittelpunkt und führt so zu einer Art Identifikation des Rezipienten mit den beiden Figuren. Bei Filmen wie GoodFellas von Scorsese ist dieses Phänomen vielleicht noch mehr ausgeprägt als bei Coppola, da Scorsese für dieses Phänomen förderliche Stilmittel benutzt, die die Distanz zwischen Zuschauer und Akteur noch stärker abbauen. Nichtsdestotrotz lässt sich aber auch bei den ‚Godfathers’ diese Grundtendenz erkennen. Trotz oder vielleicht auch gerade
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aufgrund der Gewalt und Rücksichtslosigkeit der Protagonisten, kann sich der Rezipient einem empathischen Miterleben schwer entziehen.
Beim ‚Paten’ muss im speziellen noch das historische Bild berücksichtigt werden, das Erhard Stölting mit dem Begriff „sehnsuchtsvolle Identifikation“ (Stölting 1987, S. 14) beschreibt. Gemeint ist ein gewisses emotionales Sichgleichsetzen mit dem Mafioso bezüglich des historischen Bildes des Mafioso als Gentleman, das der ein oder andere Zuschauer als Image im Hinterkopf haben könnte.
2.2 Gewalt - Mord - Macht
„Vielleicht genießen wir doch einfach den Exzess, genießen einander zuzugucken, wenn wir uns umbringen. Vielleicht genießen wir die Brutalität, die Zynismen, die abgründig-ungerührte Schonungslosigkeit des Blicks, würden es aber nie zugeben.“(Suchsland 2005, online). Was Rüdiger Suchsland in seiner Rezension des Buches „Der Pate kehrt zurück“ beschreibt, findet sich auch in Jörg Friedrichs Filmkritik zu Der Pate: der Zuschauer bewundert die Gewalt (vgl. Friedrich 1972, S. 659).
Diesen Gedankengang weitergeführt, lässt sich annehmen, dass sich evtl. hinter den expliziten Gewaltdarstellungen, die den Film sicherlich visuell prägen, ein anderer Faszinationsgrund verbirgt: die Sehnsucht nach Macht im Sinne Nietzsches: „Diese Welt ist der Wille zur Macht -und nichts außerdem!“ (Nietzsche 1954, S. 916).
Zweifelsohne sind die Handlungen des ‚Paten’ in der Lage, Omnipotenz-Fantasien zu beflügeln. Don Corleone, so erfährt man schon recht früh im Film, setzt sich durch, mit allen Mitteln. So erzählt sein Sohn Michael seiner Freundin in der Anfangssequenz eine Begebenheit, in der sein Vater eine Unterschrift von jemandem erzwang, indem er eine geladene Schusswaffe an dessen Kopf halten liess: „My father made him an offer he couldn’t refuse. Luca Brasi held a gun to his head, and my father assured him that either his brain, or his signature, would be on the contract.“ (Der Pate).
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Der Patriarch verkörpert eine Macht, die auch Michael zuteil wird, und die er einzusetzen lernt. In Der Pate - Teil 2 konstatiert er nüchtern: „If anything in this life is certain - if history has taught us anything - it’s that you can kill anybody.“ (Der Pate - Teil 2).
Jörg Friedrich findet bei seinen Betrachtungen eine US-kulturspezifische, politische Legitimation für derartige Denkweisen beim nordamerikanischen Publikum: „(…) gerade die Ohnmacht, in die das kapitalistische Zwangsgesetz das Kleinbürgertum fesselt, erzeugt die heimliche Sehnsucht nach radikalen Lösungen.“ (Friedrich 1972, S. 654). Er entlarvt das offensichtliche Verständnis bzw. die Nachvollziehbarkeit für die Handlungen der Leinwandhelden als unterschwellig schwelenden politischen Konflikt, als Ausdruck der Unzufriedenheit einer ganzen gesellschaftlichen Klasse.
2.3 US-kulturspezifisches Verständnis
Den vielleicht interessantesten Versuch, der Faszination Mafia im Film auf die Spur zu kommen unternimmt Edward Mitchell. Er beschreibt drei Grundmuster des Gangsterfim-Genres (zählt Der Pate dazu): „(…) a secularized Puritanism; the ideas and attitudes that came to be known as Social Darwinism; and the Horatio Alger myth.“ (Mitchell 2003, S. 219).
Der säkularisierte Puritanismus ist eine religiöse Geisteshaltung im Sinne Calvins: Menschen würden in Sünde geboren und nur einige von Gott erlöst (materieller Reichtum als Zeichen der göttlichen Auserwähltheit). Auch wenn Gott später im Zuge sozialdarwinistischer Theorien durch das Gesetz des „Survival of the Fittest“ (Wikipedia Website, Survival of the Fittest: 2007, online) ersetzt wurde, blieb die grundsätzliche These eines Determinismus durch externe Einflüsse bestehen.
Hinsichtlich der Kriterien externer Einflüsse und dem Überleben des Angepasstesten lässt sich leicht die Brücke zu Der Pate - Teil 2 schlagen. Michael Corleone schafft es, die Macht seines Clans gegen rivalisierende Familien zu verteidigen, Verräter zu entlarven, Untersuchungsausschüsse zu überstehen und sich veränderten politischen und ökonomischen Bedingungen zu assimilieren (vgl. Mitchell 2003, S. 224).
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Puritanismus und Sozialdarwinismus „(...) served as a rationalization for economic and geographic rapaciousness (...).“ (Mitchell 2003, S. 220). Wenn man Michaels Mordserie in Der Pate nicht nur als Schutz der Familie interpretiert, und seine Bemühungen in Der Pate - Teil 2, wo er geschäftlich Anstrengungen unternimmt auch an der Westküste Nordamerikas und in Kuba Fuß zu fassen nicht als bloßen Versuch deutet in die komplette Legalität zu wechseln, erklärt sich so unter Umständen ein weiterer Aspekt der Faszination der Filme in den USA. Die in den Staaten immer noch existierenden geistigen Strömungen lieferten hier womöglich eine Legitimation der Aktionen des Protagonisten.
Im Zusammenhang mit Puritanismus und Sozialdarwinismus sieht Mitchell den USkulturspezifischen Horatio Alger Mythos. Horatio Alger war ein amerikanischer Autor, der im
19. Jahrhundert zahlreiche Romane mit wiederkehrenden Handlungsmustern beschrieb, die den Amerikanischen Traum vom „Tellerwäscher zum Millionär“ („from rags to riches“) thematisieren (vgl. Wikipedia Website, Vom Tellerwäscher zum Millionär: 2007, online).
Die Grundgedanken Horatio Algers lassen sich z.B. in Der Pate - Teil 2 wieder finden. „The Hero is a young lad, who (…) has been separated from his family and deprived of his rightful inheritance. The chief task of the hero is (...) to rise from his status as urban waif to a position of monetary security and respectability.“ (Mitchell 2003, S. 220). Vito Corleone wurde in der Tat von seiner Familie getrennt und verließ das heimische Sizilien Anfang des vorigen Jahrhunderts in Richtung USA um dort einen enormen sozioökonomischen Aufstieg zu schaffen. Bezüglich der Gewinnung von Respekt, formuliert sein Sohn Michael auch an einer Stelle, dass er nie einen Mann von größerem Respekt gekannt habe.
„Thus the Alger hero’s task is not so much to earn his success as it is to maintain his traditionel values (…).“ (Mitchell 2003, S. 221). Auch im Hinblick auf diesen Aspekt, sind Parallelen zum Film erkennbar. Vito Corleone steht praktisch Synonym für eine Rückwärtsgewandtheit in Richtung seiner sizilianischen Wurzeln und den damit verbundenen Werten und Moralkodizes.
Auch Dwight C. Smith sieht im alten Don die Verkörperung des Mythos: „He is a real Horatio Alger hero in gangster garb (…).“ (Smith 1975, S. 278).
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Matthias Weber, 2007, Die Mafia im ‚Paten’, Munich, GRIN Publishing GmbH
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