Gliederung:
1. Einleitung 1
2. Die Geschichte des Autors 1
3. Einbettung der Erzählung in die Geschichte 2
4. Kants Konzeption von Geschichte 5
5. Einwirken auf die Geschichte 7
6. Zusammenfassung 7
7. Literaturverzeichnis 9
1. Einleitung
Hermann Kant gehört, spätestens seit seinem Erfolg mit „Die Aula“ zu den prominentesten Autoren der so genannten DDR-Literatur. Und doch gibt es viele Kontroversen zu seiner Person -und damit wohl auch automatisch zu seinen Werken-. Von Vorwürfen, für die Staatssicherheit tätig gewesen zu sein, über „schwächliche Spätwerke“ 1 ist er vor kaum einer Kritik gefeit. 1986 erschien seine Erzählung „Bronzezeit“, mit dem passiven „Helden“ Buchhalter Farßmann und dessen alltäglichen Leben.
In der Zeit, in der Farßmann Urlaubsvertretung für die Hauptbuchhaltung sein muss, erhält er durch die Abteilungsleitung den Auftrag, sich geschichtlich zu erforschen, d. h. Ursprünge und Wandel des VEB Ordunez aufspüren. Hierbei stößt der Buchhalter mehr oder weniger zufällig auf den seit Jahren als verschollen oder gar zerstört geltenden Berliner „Großen Reiter“, der 18t zu Orden stanzbare Bronze enthält und seit einigen Jahren den kleinen Erholungspark als Goldfischteich und Tischtennisplatte dient. Im Auftrag, sich zu erforschen stößt man also auf unbequeme Wahrheiten, die nun aufgearbeitet werden wollen und keinen weiteren Aufschub mehr dulden. Wie also gestaltet Kant in seiner Erzählung den Umgang mit der Geschichte? »Der heutige Tag ist ein Resultat des gestrigen. Was dieser gewollt hat, müssen wir erforschen, wenn wir zu wissen wünschen, was jener will.« 2
2. Die Geschichte des Autors
Hermann Kant wurde am 14. 06. 1926 in Hamburg als Sohn eines Gärtners und einer Angestellten in ärmlichen Verhältnissen geboren. Nach einer Lehre zum Elektriker wird er zwischen 1945-49 doch noch zum Kriegsdienst eingezogen und gerät hierbei in polnische Kriegsgefangenschaft. In einem Arbeitslager in Warschau ist er schließlich Mitbegründer eines Antifa-Komitees. Hier macht er Bekanntschaft mit Anna Seghers, die ein großes Vorbild für ihn wird, so dass er 1949 nach seiner Freilassung in die DDR übersiedelt, wo er der SED beitritt. Ein 1952 nachträglich erworbenes Abitur an der so genannten Arbeiter- und Bauernfakultät in Greifswald ermöglicht ihm ein Germanistik-Studium an der Humboldt Universität zu Berlin, wo er nach seinem Diplom auch wissenschaftlicher Mitarbeiter bleibt. Auch als Redakteur für die Zeitschrift „Neue deutsche Literatur“ ist er tätig 3 .
1 „noch Kants unentschieden ironische Erzählweise des Einerseits und Andererseits lassen es zu, daß gute Prosa entsteht.“ vgl. hierzu: Die neue Herrlichkeit: DDR-Alltag als Sujet (Prosa 1). Kleine Literaturgeschichte der DDR, S. 305.
2 Prosa der uneingepaßten Subjektivität, in: Kleine Literaturgeschichte der DDR, S. 198.
1 3 Vgl. zu Kants Biographie: Leonore Krenzlin, Hermann Kant, Leben und Werk, S. 7-31.
Aber auch politisch bleibt er stets pro-sozialistisch engagiert, so ist er in den Jahren von 1974-79 in der SED-Bezirksleitung Berlin tätig und tritt von 1978-1990 die Nachfolge Anna Seghers als Präsident des „Schriftstellerverbandes der DDR“ an. Gegen immer wieder starke Kritik bezüglich des Ausschlusses von neun namenhaften Autoren aus diesem Verband versucht er sich durch den „starken Druck“ durch den ersten Sekretär der SED-Bezirksleitung Berlin zu rechtfertigten, der damit gedroht habe, anderenfalls den gesamten Verband aufzulösen. Die Mitgliedschaft von 1981-1990 in der Volkskammer der DDR, bzw. 1986 des Zentralkomitees der SED brachten ihn immer wieder in den Verdacht, für die Staatssicherheit tätig gewesen zu sein, was er selbst stets bestritt. 4
Sein Bestreben, Kunst und Politik unter einen Hut zu bringen, wird auch in seiner Tätigkeit an der Universität der Künste von 1962-1992 deutlich. „[...] [es gibt] in einem bestimmten Zusammenhang keine außerliterarischen Bereiche [...], [...] wo politische Entscheidungen fallen, [...] [bewirken] sie auch etwas für das Schicksal der Literatur .“ 5 Und politische Entscheidungen sind für Kant vorrangig Entscheidungen eines „Arbeiter- und Bauernstaates“, dessen idealtypischen Lebensweg er frohen Mutes entlang schreitet.
3. Einbettung der Erzählung in die Geschichte
Die in mehrere Episoden gegliederte, 1986 erschienene „Bronzezeit“ ist Teil eines dreibändigen Erzählbandes, in deren letzten beiden Werken jeweils der angepasste Buchhalter Farßmann einen satirisch-kritischen Blick auf die alltäglichen Begebenheiten des realsozialistischen Lebens wirft. 6 Hierbei leuchten immer wieder Bezüge zur Zeitgeschichte des Jahres 1986 auf, schließlich empfand Kant seine Bücher als Reaktion auf Authentisches 7 .
Michael Gorbatschow war gerade zum Generalsekretär der KPdSU gewählt wurden und verfolgte nun einen straffen Reformkurs, der ein „Aufsprengen des Teufelskreises, Abbau von Mißtrauen und Rüstung [und] versuchte Weltinnenpolitik“ zur Folge haben wollte 8 . In Nachrichten und Rundfunk jener Tage überhäufen sich die Bilder von durch brüderliche Küsse „Freundschaft“ versichernder, Politiker, wie Gorbatschow und Breschniew. Da wundert es kaum, dass Kant dieses, in der
4 In Die Akte Kant, 1995 durchforstet Karl Corino die Akten des Schriftstellers: „Seit dem ausführlichen Bericht im Spiegel Nr. 41/1992 war jedem, der lesen konnte, klar, da´Kant zwischen 1957 und 1976 für die Stasi als „Kontakt-Person“, „Geheimer Informator“, und „Inoffizieller Mitarbeiter Sicherheit“ gearbeitet hatte, auch wenn ihm diese Begriffe nicht bekannt waren.“, ebd. S. 9.
„In einer Vielzahl von Stellungnahmen leugnete er ausdrücklich, „jemals Inoffizieller Mitarbeiter des in Rede stehhenden Ministeriums gewesen zu sein“, S. 10.
5 Leonore Krenzlin, Hermann Kant, S. 201-202.
6 Heiner Müller bemerkte hierzu in seiner Autobiographie, dass es sich bei „Bronzezeit“ um die schärfste DDR-Satire handle, die er in den letzten Jahren gelesen habe. Vgl. hierzu: Heiner Müller, Eine Autobiographie, S. 171-172.
7 „Ich schreibe meine Antworten in Form von Büchern“ vgl. hierzu: Leonore Krenzlin, Hermann Kant, S. 31.
2 8 „Gorbatschows Perestroika und die DDR, in: Schlaglichter der Geschichte, S. 424-425.
Quote paper:
Sina Schmidt, 2007, Geschichten, die Geschichte zeigen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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