Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts erweiterte sich die materielle Basis der Bauindustrie vor allem durch den Zustrom neuer Baumaterialien wie Guss-, Walz- und Profilstahl, schnellhärtende Zemente sowie Stahlbeton. Eine große Rolle spielte in dieser Zeit die Baumechanik, die zu einem bestimmenden Faktor des wissenschaftlichtechnischen Fortschritts im Bauwesen wurde. Als Pionier auf diesem Gebiet entwickelte Alexandre Gustave Eiffel, der direkte Nachkomme der im 17. Jahrhunderts nach Marmagen (Eifel) eingewanderten deutschen Familie Leo Heinrich Bönickhausen, schrittweise einen neuen Typus der Eisenbahnbrücke, die Zweigelenkbogen Brücke aus Raumtragwerken in gewalztem Stahl. Als sich vor 300 Jahren der Name Eiffel tatsächlich mit „ff“ geschrieben wurde, legten sich Eiffels Vorfahren diesen leichter auszusprechenden Namen zu.
Sein Name ist sowohl untrennbar mit dem Wahrzeichen von Paris, dem Eiffelturm, wie auch den wichtigsten Eisenbahnbrückenbauten sowie von Hallenbauten aus Eisen, Stahl und Glas, des späteren 19. Jahrhunderts verbunden. Da Eiffel zu den Ingenieuren gehörte, die die Eigenschaften, der ihm zur Verfügung stehenden Werkstoffe sehr gut kannte, konnte er sich dem Bau größerer, gewaltigerer, monumentalerer und faszinierenderer Bauwerke auf der Grundlage hochbelastbarer, leichtgewichtiger Konstruktionen aus kleinen, standardisierten Elementen zuwenden. Genau dies trifft auch für das von Alexandre Gustave Eiffel erbaute spektakuläre Eingangstor „Tour Eiffel“ für die zur 100. Wiederkehr der französischen Revolution 1889 in Paris stattfindenden Weltausstellung zu.
Ein erster Entwurf von ihm stammt bereits aus dem Jahre 1884. Zur intensiven, zielgerichteten Konstruktion angeregt wurde er durch die französische Regierung. Denn sie nahm es zum Anlass zur Hundertjahrfeier der französischen Revolution einen jahrzehntelang gehegten Architektentraum wiederaufleben zu lassen, nämlich den Bau eines 1.000 Fuß hohen Turms zu verwirklichen. Noch 1881 schlug die Lobby der monolithischen Bauten einen gemauerten „Sonnenturm“ vor, von dessen höchstem Punkt Paris nachts elektrisch beleuchtet werden sollte.
Durch Eiffels konsequente Nutzung der Vorteile des Stahls gegenüber dem damals nur zur Verfügung stehenden starren Gusseisens überzeugte er die den Stahl unterstützende Vertreter. Er kam auf der Grundlage zahlreicher Untersuchungen zu dem Schluss, dass
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das Parabelprofil am besten den statischen Anforderungen weit gespannter Brückenbögen und hochemporragender Gitterbauten entspricht. Eiffel, auch als „Magier des Eisens“ bezeichnet, setzte Metall endgültig als architektonisches Gestaltungsmittel durch. So verfolgte er mit seinen kühnen Konstruktionen und mit seinen innovativen Techniken des Eisenbaus das Ziel, die Errichtung von Bauwerken aus Eisen, von denen die Menschheit vorher nur träumen konnte. Er selbst schrieb, dass er zu Ehren der modernen Wissenschaft, der französischen Industrie und seiner Nation einen Triumphbogen errichten wollte, der ein-drucksvoller sein sollte als jene, die von früheren Generationen zu Ehren ihrer Sieger errichtet wurden.
Mehr als Lesen von Literatur oder Surfen im Internet über Eiffel und sein technisches Bravourstück des 19. Jahrhunderts bringt eine direkte Tour nach der wahrscheinlich von den Galliern gegründeten Stadt Paris, die im Jahre 53 v. Chr. Cäsar unter dem Namen Lutetin erwähnte.
Nur so, den Eiffelturm direkt zu sehen, persönlich zu besteigen und sich gründlich vor Ort zu informieren, bringt dieses Wunder aus Stahl jedem Besucher wirklich nahe und macht die große Unbekannte Eiffelturm dem Laien, den Fachleuten wie auch allen Interessierten verstehbar. Bereits beim Anflug auf Paris wird deutlich, dass dieses bis 1930 größte Bauwerk der Welt, trotz dem 1931 in New York das Empire State Building mit 449 Metern Höhe entstand, nicht nur das Wahrzeichen der französischen Hauptstadt, sondern der modernen Welt blieb.
Vor 115 Jahren war es das umstrittenste Monument von Paris. Es erntete Spottnamen aller Art, wie „Kathedrale der Alteisenhändler“, „zusammengenietetes rostiges Gebilde“ beziehungsweise „tragische Laterne“. Gegen den sogenannten „unnützen und ungeheuerlichen Eiffelturm“ bzw. seine „Monstrosität“ protestierten in einem verfassten Manifest, Charles Garnier, der Architekt der Oper, Zola, Verlaine, Maupassant, Dumas sowie viele andere berühmte Künstler und ein Großteil der Pariser Bürgerschaft.
Ihr Ziel war ein baldiger Abbruch dieser technischen Meisterleistung. Die Ästhetik der gitterförmigen, linearen Strukturen des „Monumental-Technischen“ sahen erst die Vertreter des Kubismus und Futurismus als bahnbrechend sowohl für das zu Ende gehende 19. wie auch bald beginnende 20. Jahrhundert an. Aber auch die Künstler
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versöhnten sich mit diesem Bauwerk aus. Apollinaire verglich den Turm in einem Gedicht poetisch mit einer Schäferin, die über die grasende Herde der Seine-Brücke wacht.
Um den Eiffelturm, Symbol des sich im letzten Viertel des vorletzten Jahrhunderts entwickelnden „Flussstahlzeitlters“, und seinen Bauherren richtig kennen zu lernen, sollten sowohl seine drei Plattformen besucht wie auch zum vollständigen Erleben eine Führung genutzt werden. Außerdem können Interessenten sich in einem Kino im Turminneren Filme über den Bau und die Geschichte des Eiffelturms ansehen.
Auf der ersten 40.200 Quadratmeter großen Plattform und durch die sachkundigen Eiffelturmhostessen ist der überwiegendste Teil zur Geschichte des Eiffelturms und Eiffel zu erfahren, nämlich, dass Alexandre Gustave Eiffel am 15. Dezember 1832 in Dijon geboren wurde und am 28. Dezember 1923 in Paris verstarb.
Nach Schulbesuch in Bakkalaureat absolvierte er eine Ingenieurausbildung an der Ècole Centrale des Arts et Manufactures in Paris und diplomierte zunächst im Spezialfach Chemie. Im Jahre 1855 trat er in die Praxis. Ein Volontariat in einer Eisenhütte bei Dijon, die sich auf den Bau von Eisenbahnstrecken spezialisiert hatte, sowie seine Tätigkeit von 1857 bis 1864 als Ingenieur der Gesellschaft der französischen Westeisenbahn weckten in ihm das Interesse an Ingenieurarbeiten im Eisenbau. Auf diesem Gebiet entfaltete er eine ungemein fruchtbare Tätigkeit. Bereits 1858 bis 1860 baute Eiffel die große Eisenbahnbrücke, eine 504 Meter lange Fachwerkbrücke, deren Fachwerkträger aus Schmiedeeisen und die Pfeiler aus Gusseisen waren, über die Garonne bei Bordeaux, bei deren Gründung er als einer der ersten Druckluft verwendete.
Sein eigenes Ingenieurbüro eröffnete er 1866 nach seinen von 1864 bis 1866 an der Baustelle des Suezkanals gewonnen Erfahrungen, welches sich auf Metallkonstruktionen im Besonderen auf Brücken spezialisiert hatte. Hier beschäftigte er sich auch mit dem Problem des bei Eisenbauten anzunehmenden Elastizitätskoeffizienten, die bei Arbeiten für die Pariser Weltausstellung 1867 auch eine gute praktische Bestätigung erhielten, dem Bau der Maschinenhalle für die erste Pariser Weltausstellung.
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Im selben Jahr gründete Eiffel seine eigene Firma, die „Société de Constructions de Levallois-Perret“ bei Paris. Die Société Eiffel galt bald als Spezialunternehmen für große Eisenkonstruktionen, aus der Eisenbauten von bisher nicht gekannter Größe für alle Erdteile hervorgingen. Nennenswerte Entwürfe und der Bau von Brücken erfolgten für Frankreich, Spanien, Österreich, Rumänien, Ägypten, Peru und Bolivien.
So baute sein Unternehmen zwischen 1867 und 1869 zwischen Gannat und Coommentry bei Vichy in Frankreich vier Eisenbahnviadukte aus Stahl, wovon die größeren Brücken das Rouzat-Viadukt, eine Fachwerk-Eisenbahnbrücke mit einer Gesamtlänge von 180,60 Meter, und das Neuvial-Viadukt, ebenfalls eine Fachwerk-Eisenbahnbrücke mit einer Gesamtlänge von 160,25 Meter, sind. Des Weiteren entwarf er auch zwei Bogenbrücken, die die längsten gespannten Brückenbauten jener Zeit waren.
Erstere war die 1877 entstandene Pia Maria Brücke über den Fluss Douro nahe bei Porto in Portugal. Kennzeichnend für sie ist ihr 160 Meter langer stetig steigender Stahlbogen, der an seinem höchsten Punkt 44 Meter über dem Fluss liegt.
Zweitere ist das 1881 bis 1884 gebaute, 564,69 Meter lange und 3.249 Tonnen schwere aus Schmiedeeisen bestehende Garabit-Viadukt über die Truyére nahe bei Saint-Flour in Frankreich, die mit einer Hauptspannweite von 165 Meter und der Höhe von 122 Meter für lange Zeit die höchste Brücke der Welt war. Ihr Bau entstand aus 3169 Tonnen Eisen, Stahl, 23 Tonnen Gusseisen, 15 Tonnen Blei und 20.370 Kubikmeter Beton.
Als größere Brückenbauten kommen hinzu die Stahlbrücken bei Szegedin. Seine großen Erfahrungen aus dem Brückenbau setzte er auch um bei den Konstruktionen für den Staatsbahnhof in Budapest, den Hallen der Pariser Weltausstellung von 1878, die mit 84 Metern Weite bewegliche Kuppel des Observatoriums in Nizza, 1885 das 46 Meter Hohe stählerne Skelett der Freiheitsstatue in New York, die Kuppel aus Stahl und Glas des Hotels Hermitage in Monte Carlo, 1876 die Glaskuppel für das erste Warenhaus aus Stahl und Glas, „Magasins an Bon Marché“, in Paris sowie die vielerorts gebauten Gasanstalten.
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Dipl.-Ing. (FH), Dipl.-Ing, Dr. Wolfgang Piersig, 2004, Erinnerungen an den 170. Geburtstag von Alexandre Gustave Eiffel und Bau des Eiffelturms vor 115 Jahren, Munich, GRIN Publishing GmbH
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