2
6 Anleitung und Unterstützung Angehöriger
6.1 Einfluss der Familie auf den Krankheitsverlauf 16
6.2 Selbsthilfe- und Angehörigengruppen 17
7 Die soziale Arbeit in psychiatrischen Einrichtungen 19
Literaturverzeichnis…………………………………………………………….22
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1 Der Begriff der Schizophrenie
1.1 Von „Dementia praecox“ zu Schizophrenie
Dem Begriff Schizophrenie ging eine frühere Krankheitsbezeichnung voraus. Diese trug den Namen „Dementia praecox“, welche auf den Psychiater Emil Kraepelin zurückgeht. Dementia praecox bedeutet „vorzeitige Verblödung“, wodurch deutlich wird, dass dieses Krankheitsbild sehr negativ geprägt war und man vermutete, diese Krankheit nehme grundsätzlich einen ungünstigen Verlauf. 1 Man merkte damals jedoch, dass einige Menschen wieder gesund oder fast gesund wurden; deshalb passte der Begriff der vorzeitigen Verblödung nicht einmal im schwersten Verlauf.
Der eigentliche Begriff „Schizophrenie“ entstand 1911 durch den Schweizer Psychiater Eugen Bleuler. Für ihn bestand das Wesen der Krankheit in der Zerrissenheit des Denkens, Fühlens und Wollens des Patienten („Spaltungsirre- sein“). Die Patienten empfinden ihre eigene Person als verändert und gespalten. 2 Bleuler wollte mit dieser Bezeichnung das entstandene Bild über die Krankheit in der Gesellschaft verändern; nämlich dass die Schizophrenie nicht in jedem Fall ungünstig verläuft. Trotzdem ist auch heute noch die Krankheit für viele Menschen unheimlich und unverständlich. 3 Ich denke, dass das fehlende Wissen über die Krankheit einige Mensche unsicher macht und sie vielleicht sogar Angst bekommen, da sie nur ein medial geprägtes Bild im Kopf haben.
In der heutigen Gesellschaft nutzen wir den Begriff häufig, wenn wir z. B. deutlich machen wollen, dass wir in einer bestimmten Situation unfähig sind, uns für etwas zu entscheiden oder uns zwischen zwei Dingen hin- und her gerissen fühlen. Dies ist aber nicht ein Zeichen für eine beginnende Psychose oder Schizophrenie. Es ist vielmehr ein umgangssprachliches, vereinfachtes Verständnis der Schizophrenie. 1 vgl: Luderer, Hans- Jürgen: Schizophrenien. Ratgeber für Patienten und Angehörige. Stuttgart. 1989. S. 9.
2 vgl: ebda.
3 vgl: ebda., S. 10.
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„Das Wort „Schizophrenie“ läßt sich aus dem griechischen skhizo = spalten und phren = Verstand, Gemüt ableiten und bedeutet etwa Seelenspaltung.“ 4 Sie kann sich in vielen verschiedenen Symptomen äußern, die bei anderen Krankheiten eher selten vorkommen. „Für die Diagnose einer Schizophrenie gibt es keine sicheren und jederzeit nachprüfbaren Beweise, etwa in Form von Röntgenbildern oder Laborwerten. Eine Schizophrenie kann nur mit Hilfe von Krankheitssymptomen festgestellt werden. Bei der Diagnosestellung sind Ärzte deshalb in der Regel auf die Angaben der Patienten angewiesen. Je genauer und je wahrheitsgemäßer die Angaben sind, desto sicherer ist die Diagnose.“ 5 Die Schizophrenien werden zu den endogenen Psychosen gezählt, was bedeutet, dass diese Psychosen von innen heraus kommen; hier wird eine erblich bedingte Stoffwechselstörung im Gehirn vermutet. Dies ist lediglich eine Ursachentheorie, auf die ich im Verlauf dieses Kapitels aber noch mal genauer eingehen werde. Schizophrenien können bei manchen Menschen nur einmal im Leben auftreten; bei vielen Menschen ist die Schizophrenie aber durch mehrere Krankheitsphasen gekennzeichnet. 6
1.2 Definition nach ICD- 10
„Die schizophrenen Störungen sind im Allgemeinen durch grundlegende und charakteristische Störungen von Denken und Wahrnehmung sowie inadäquate oder verflachte Affekte gekennzeichnet. Die Bewusstseinsklarheit und intellektuellen Fähigkeiten sind in der Regel nicht beeinträchtigt, obwohl sich im Laufe der Zeit gewisse kognitive Defizite entwickeln können. Die wichtigsten psychopathologischen Phänomene sind Gedankenlautwerden, Gedankenein- gebung oder Gedankenentzug, Gedankenausbreitung, Wahnwahrnehmung, Kontrollwahn, Beeinflussungswahn oder das Gefühl des Gemachten, Stimmen, 4 Gestefeld, M. und Hell, D.: Schizophrenien. Orientierungshilfen für Betroffene. Berlin- Heidelberg. 1988. S. 3.
5 Luderer, Hans-Jürgen: Schizophrenien. Mit der Krankheit umgehen lernen. Stuttgart. 1998. S. 38. 6 vgl: Luderer, Hans- Jürgen: Schizophrenien. Ratgeber für Patienten und Angehörige. Stuttgart. 1989. S. 10.
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die in der dritten Person den Patienten kommentieren oder über ihn sprechen, Denkstörungen und Negativsymptome.
Der Verlauf der schizophrenen Störungen kann entweder kontinuierlich episodisch mit zunehmenden oder stabilen Defiziten sein, oder es können eine oder mehrere Episoden mit vollständiger oder unvollständiger Remission auftreten.
Die Diagnose Schizophrenie soll bei ausgeprägten depressiven oder manischen Symptomen nicht gestellt werden, es sei denn, schizophrene Symptome wären der affektiven Störung vorausgegangen. Ebenso wenig ist eine Schizophrenie bei eindeutiger Gehirnerkrankung, während einer Intoxikation oder während eines Entzugssyndroms zu diagnostizieren.“ 7
Diese einheitliche Definition ist meiner Meinung nach wichtig, da hiernach jeder Mediziner wie Psychologe seine Diagnose stellt und da sie zum allgemeinen Verständnis sehr gut beiträgt.
Sie legt dar, wann eine Diagnose nicht gestellt werden darf; nämlich bei einer eindeutigen Gehirnerkrankung oder während eines Entzugssyndroms. Dies darf nicht geschehen, um Missverständnisse zu vermeiden. Würde in einer solchen Situation eine Diagnose gestellt, wäre diese nicht zuverlässig, da es sich bei den vorliegenden Symptomen auch um Begleiterscheinungen der Gehirnkrankheit oder des Entzugs handeln könne.
Im folgenden Abschnitt möchte ich nun auf die schon erwähnten, vielfältigen Symptome näher eingehen.
7 o.V., World Health Organisation, (WHO). 1992- 2000. F20.
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2 Krankheitssymptomatik während der akuten Krankheit
In diesem Teil werden einige Symptome der akuten Krankheit erläutert und behandelt. Hierbei habe ich mich auf einige Symptome konzentriert, die häufiger vorkommen als andere.
2.1 Störungen des Gedankengangs
Die formale Denkstörung; fehlende Ordnung der Gedanken. Bei diesem Symptom klagen einige Patienten darüber, dass sie zu viele Gedanken auf einmal im Kopf haben und oft ihre Gedankengänge nicht zu Ende führen können. Manchmal ist es auch so, dass aus heiterem Himmel ein Gedankengang abbricht ohne erkennbare Ursache (Gedankenabreißen). Dieses Gedankenabreißen kann vom Patienten auch als Weggenommenwerden eines Gedankens von „äußeren Mächten“ empfunden werden (Gedankenentzug).
Die Überzeugung, dass die Gedanken abgehört oder eingegeben werden, wie das beschriebene Gefühl des Wegnehmens von Gedanken ist wahnhafter Natur bei den charakteristischen Denkstörungen. 8 Andere Male kann der Patient eine Frage nicht sinngemäß beantworten, auch wenn er die Frage richtig verstanden hat. Dann zu einem anderen Zeitpunkt kann es sein, dass der Betroffene ohne Zusammenhang Gedanken, Wörter oder Silben aneinanderreiht. Bei schwereren akuten Verläufen ist es auch möglich, dass die Betroffenen keine grammatikalisch richtigen Sätze bilden können oder die Äußerungen sogar gänzlich unverständlich bleiben (Denkzerfahrenheit). 9 Diese Problematiken sind für Menschen, die noch nie mit dieser Form von Krankheit umgegangen sind, befremdend. Sie können sich in die Gedankenstörungen nicht hineinversetzen und können, wie der Patient selbst, nicht den Gedankengängen folgen und scheuen so eher den Kontakt. Der Patient wirkt auf den unerfahrenen Beobachter als verwirrt und chaotisch. 8 vgl. Häfner, Heinz: Das Rätsel Schizophrenie. Eine Krankheit wird entschlüsselt. 3. Auflage. München. 2005. S. 92.
9 vgl. Luderer, Hans- Jürgen. Schizophrenie. Mit der Krankheit umgehen lernen. Stuttgart. 1998. S. 21f.
Arbeit zitieren:
Alina Heitjan, 2006, Schizophrenie - Ein Überblick, München, GRIN Verlag GmbH
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