In einigen Bereichen der Sozialen Arbeit, wie z. B. die Tätigkeiten in stationären Einrichtungen oder Wohnheimen, spielt der Umgang mit psychisch erkrankten Menschen eine wesentliche Rolle. Weiterhin nehmen die psychischen Erkrankungen in unserer Gesellschaft zu, wodurch die beratende Funktion des Sozialarbeiters in Zukunft an Bedeutung gewinnen wird.
Aus den schon angegebenen Gründen können auch nicht alle Schizophrenietypen und alle Bereiche der Schizophrenie erklärt und abgedeckt werden. Der wesentliche Schwerpunkt soll hier in der Symptomatik, Ursachentheorien, Risikofaktoren und Erklärung von einigen Unterformen der Schizophrenie liegen. Es soll zwischen Symptomen während der akuten Krankheit und außerhalb der akuten Krankheit unterschieden werden.
Im Wesentlichen beschränken wir uns in diesem Teil auf die genannten Inhalte, um einen verständlichen Überblick über die Krankheit zu geben und uns nicht zu sehr mit medizinischen Inhalten, wie Medikation und Therapiemöglichkeiten, auseinander zu setzen; dies wäre für die Arbeit des Soziarbeiters unangemessen.
Inhaltsverzeichnis
1 Der Begriff der Schizophrenie
1.1 Von „Dementia praecox“ zu Schizophrenie
1.2 Definition nach ICD- 10
2 Krankheitssymptomatik während der akuten Krankheit
2.1 Störung des Gedankengangs
2.2 Halluzinationen
2.3 Wahn
3 Krankheitssymptomatik außerhalb der akuten Krankheit
3.1 Verminderung des Antriebs
3.2 Abschwächung des Gefühls
3.3 Erschwerte Kontaktaufnahme
3.4 Aufmerksamkeitsstörung
4 Mögliche Ursachen
4.1 Vererbung als mögliche Ursache
4.2 Stoffwechselstörungen im Gehirn
4.3 Psychosoziale Faktoren
4.4 Vulnerabilitäts- Stress- Modell
5 Einige Unterformen der Schizophrenie
5.1 Zusammenfassung der hebephrenen, paranoiden und katatonen Unterformen
6 Anleitung und Unterstützung Angehöriger
6.1 Einfluss der Familie auf den Krankheitsverlauf
6.2 Selbsthilfe- und Angehörigengruppen
7 Die soziale Arbeit in psychiatrischen Einrichtungen
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, ein umfassendes Verständnis für das Krankheitsbild der Schizophrenie zu vermitteln, indem sie die Symptomatik, mögliche Ursachen und die Bedeutung unterstützender Maßnahmen für Angehörige sowie die Rolle der Sozialen Arbeit beleuchtet.
- Differenzierung zwischen akuter Krankheitssymptomatik und Negativsymptomen.
- Erklärung biologischer, genetischer und psychosozialer Ursachentheorien.
- Analyse des Einflusses familiärer Unterstützung auf den Krankheitsverlauf.
- Darstellung der Aufgaben der Sozialen Arbeit in psychiatrischen Einrichtungen.
- Bedeutung von Selbsthilfe- und Angehörigengruppen als Ressource.
Auszug aus dem Buch
1.1 Von „Dementia praecox“ zu Schizophrenie
Dem Begriff Schizophrenie ging eine frühere Krankheitsbezeichnung voraus. Diese trug den Namen „Dementia praecox“, welche auf den Psychiater Emil Kraepelin zurückgeht. Dementia praecox bedeutet „vorzeitige Verblödung“, wodurch deutlich wird, dass dieses Krankheitsbild sehr negativ geprägt war und man vermutete, diese Krankheit nehme grundsätzlich einen ungünstigen Verlauf.1 Man merkte damals jedoch, dass einige Menschen wieder gesund oder fast gesund wurden; deshalb passte der Begriff der vorzeitigen Verblödung nicht einmal im schwersten Verlauf.
Der eigentliche Begriff „Schizophrenie“ entstand 1911 durch den Schweizer Psychiater Eugen Bleuler. Für ihn bestand das Wesen der Krankheit in der Zerrissenheit des Denkens, Fühlens und Wollens des Patienten („Spaltungsirresein“). Die Patienten empfinden ihre eigene Person als verändert und gespalten.2 Bleuler wollte mit dieser Bezeichnung das entstandene Bild über die Krankheit in der Gesellschaft verändern; nämlich dass die Schizophrenie nicht in jedem Fall ungünstig verläuft. Trotzdem ist auch heute noch die Krankheit für viele Menschen unheimlich und unverständlich.3
Ich denke, dass das fehlende Wissen über die Krankheit einige Mensche unsicher macht und sie vielleicht sogar Angst bekommen, da sie nur ein medial geprägtes Bild im Kopf haben.
In der heutigen Gesellschaft nutzen wir den Begriff häufig, wenn wir z. B. deutlich machen wollen, dass wir in einer bestimmten Situation unfähig sind, uns für etwas zu entscheiden oder uns zwischen zwei Dingen hin- und her gerissen fühlen. Dies ist aber nicht ein Zeichen für eine beginnende Psychose oder Schizophrenie. Es ist vielmehr ein umgangssprachliches, vereinfachtes Verständnis der Schizophrenie.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Der Begriff der Schizophrenie: Dieses Kapitel erläutert die historische Entwicklung des Begriffs von der „Dementia praecox“ zur heutigen „Schizophrenie“ und liefert eine Definition nach ICD-10.
2 Krankheitssymptomatik während der akuten Krankheit: Hier werden die charakteristischen Symptome der akuten Phase, wie Denkstörungen, Halluzinationen und Wahn, detailliert beschrieben.
3 Krankheitssymptomatik außerhalb der akuten Krankheit: Das Kapitel widmet sich den sogenannten Negativsymptomen (z.B. Antriebsminderung, Asozialität), die auch in den Phasen zwischen akuten Episoden auftreten.
4 Mögliche Ursachen: Es werden verschiedene Erklärungsansätze für die Entstehung der Erkrankung diskutiert, darunter genetische Faktoren, Stoffwechselstörungen und psychosoziale Einflüsse im Rahmen des Vulnerabilitäts-Stress-Modells.
5 Einige Unterformen der Schizophrenie: Dieser Abschnitt gibt einen Überblick über verschiedene Unterformen wie die katatone, paranoide und hebephrene Schizophrenie.
6 Anleitung und Unterstützung Angehöriger: Der Fokus liegt auf der Bedeutung familiärer Unterstützung und dem Nutzen von Selbsthilfe- sowie Angehörigengruppen für den Umgang mit der Erkrankung.
7 Die soziale Arbeit in psychiatrischen Einrichtungen: Hier wird die Rolle der Sozialen Arbeit bei der Versorgung, Beratung und Eingliederung von psychisch kranken Menschen beschrieben.
Schlüsselwörter
Schizophrenie, Dementia praecox, Symptomatik, akute Phase, Negativsymptome, Wahn, Halluzinationen, Dopamin, Vulnerabilitäts-Stress-Modell, Angehörigengruppen, Soziale Arbeit, Psychiatrie, Rehabilitation, soziale Integration, psychische Erkrankung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das komplexe Krankheitsbild der Schizophrenie, von der medizinischen Definition und Symptomatik bis hin zu den psychosozialen Aspekten und Unterstützungsmöglichkeiten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit gliedert sich in die Bereiche: Krankheitsverständnis, Symptomlehre (akut und chronisch), Ursachenforschung, therapeutische Unterstützung von Angehörigen und die Rolle der Sozialen Arbeit.
Was ist das primäre Ziel dieser Arbeit?
Das Ziel ist es, Betroffenen, Angehörigen und Interessierten ein fundiertes, verständliches Wissen über die Krankheit zu vermitteln, um Ängste abzubauen und den Umgang mit der Erkrankung zu erleichtern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine literaturgestützte theoretische Arbeit, die durch eigene Beobachtungen aus einem Praktikum sowie die Einbeziehung fachspezifischer Fachliteratur ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die verschiedenen Symptome während und außerhalb akuter Phasen, beleuchtet Ursachentheorien und erläutert die verschiedenen Formen der psychosozialen Unterstützung und stationären sowie teilstationären Hilfe.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Schizophrenie, Symptomatik, Ursachen, Angehörigenarbeit und Soziale Arbeit in der Psychiatrie charakterisieren.
Wie unterscheidet sich die akute Phase von der Zeit außerhalb der akuten Krankheit?
Die akute Phase ist geprägt durch positive Symptome wie Wahn und Halluzinationen, während außerhalb dieser Phasen meist sogenannte Negativsymptome wie Antriebsarmut und soziale Isolierung dominieren.
Warum ist das Vulnerabilitäts-Stress-Modell für das Verständnis der Krankheit wichtig?
Es erklärt, dass für den Ausbruch der Schizophrenie meist eine biologische Veranlagung (Vulnerabilität) zusammen mit belastenden psychosozialen Faktoren (Stress) notwendig ist, was zeigt, dass nicht eine einzelne Ursache allein verantwortlich ist.
Welche Funktion hat ein Sozialarbeiter in einer Angehörigengruppe?
Der Sozialarbeiter agiert als Berater, Moderator und Informationsvermittler, der den Angehörigen hilft, die Krankheit zu akzeptieren und Ressourcen zu aktivieren, während er sich in der Gruppendynamik eher zurückhält.
- Arbeit zitieren
- Alina Heitjan (Autor:in), 2006, Schizophrenie - Ein Überblick, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/83828