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Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Phonologische Bewusstheit 4
3 Würzburger Trainingsprogramm 6
3.1 Teilbereiche des Würzburger Trainingsprogramms 7
4 Ideen-Kiste „Schrift-Sprache“ 15
4.1 Die acht Lernfelder der „didaktischen Landkarte“ 16
5 Schlussbetrachtung 18
6 Literaturverzeichnis 19
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1 Einleitung
Bis in die achtziger Jahre hinein war die Rechtschreibdidaktik der Auffassung, dass Kinder sich beim Schreiben- und Lesenlernen „Wortbilder“ bzw. zwei Symbolsysteme (Laute und Buchstaben) einprägen und deren Zusammenhänge (Phonem-Graphem-Korrespondenzen) im Gedächtnis speichern würden. Aus diesem Grund achteten die Lehrer strikt darauf, dass die Kinder nichts schrieben, was der Norm nach falsch war. Hatten die Kinder Probleme beim Schriftspracherwerb, so wurde dies auf auditive und visuelle „Teilleistungsstörungen“ zurückgeführt.
Heute weiß man, dass das Hauptproblem beim Schriftspracherwerb ein kognitives ist. Die Kinder müssen den Aufbau und die Funktion unserer alphabetischen Schrift verstehen. Das Grundprinzip lässt sich darin sehen, dass die Schrift Informationen über die phonologische Gestalt der Wörter enthält. Den Phonemen unserer Sprache sind Grapheme (dies können Buchstaben sein, aber auch Kombinationen von Buchstaben wie beim
1 Vgl. Valtin, Renate: Ein Entwicklungsmodell des Rechtschreibenlernens, in: Valtin, Renate (Hrsg.): Rechtschreiben lernen in den Klassen 1 – 6. Grundlagen und didaktische Hilfen, Frankfurt am Main 2000, S. 17
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gibt es mittlerweile zahlreiche Trainingsprogramme, die das Ziel verfolgen, das phonologische Bewusstsein von Kindern zu verbessern. In dieser Arbeit wird das Würzburger Trainingsprogramm „Hören, lauschen, lernen“ 2 zur Förderung der phonologischen Bewusstheit für Kinder im Vorschulalter vorgestellt und kritisch betrachtet.
2 Phonologische Bewusstheit
Phonologie ist die Lehre von der Funktion der Sprachlaute. Danach ist die phonologische Bewusstheit die Bewusstheit um die Phonologie der Sprache. Konkret versteht man unter phonologischer Bewusstheit die Fähigkeit, sich von der Bedeutung eines Wortes zu lösen und seine Aufmerksamkeit auf die formalen Eigenschaften der Sprache zu lenken. Die empirische Forschung zur phonologischen Bewusstheit hat eine Vielzahl von Ergebnissen hervorgebracht. Es gibt Befunde, in denen die phonologische Bewusstheit als Vorläuferfähigkeit für den Schriftspracherwerb gedeutet wird. So ist es bereits vielen Vorschulkindern möglich, gesprochene Wörter in Silben zu zerlegen oder den Anlaut eines Wortes herauszuhören. Andere Forschungen ergeben, dass die phonologische Bewusstheit erst durch den Schriftspracherwerb initiiert wird, wenn sich das Kind aktiv mit Schrift auseinandersetzt. Durch die Unterscheidung der phonologischen Bewusstheit im weiteren Sinne und der phonologischen Bewusstheit im engeren Sinne lassen sich diese Unstimmigkeiten weitgehend auflösen.
Die phonologische Bewusstheit im weiteren Sinne umschreibt die Fähigkeiten, die eher sprechrhythmisch zu bewältigen sind, wie das Segmentieren von Wörtern in Silben und das Reimen. Diese frühe Stufe der phonologischen Bewusstheit, die schon vor der Einsicht in den Aufbau der Schriftsprache entwickelt wird, ist die Basis dafür, dass sich überhaupt ein Phonemverständnis entwickeln kann. Wenn bei Kindern im Vorschulalter auffällt, dass sie Schwierigkeiten haben, Wörter in Silben zu zerlegen oder Reime zu erkennen, ist es wahrscheinlich, dass ihnen auch der Schriftspracherwerb schwerfallen wird.
2 Küspert, Petra / Schneider, Wolfgang: Hören, lauschen, lernen. Sprachspiele für Kinder im Vorschulalter. Würzburger Trainingsprogramm zur Vorbereitung auf den Erwerb der Schrift- sprache, 3. Auflage, Göttingen 2002
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Die phonologische Bewusstheit im engeren Sinne bezeichnet Fähigkeiten, die mit der Phonemanalyse und –synthese sowie der Manipulation von Lauten gekennzeichnet werden können. Anspruchsvolle Aufgaben, wie beispielsweise das Weglassen oder Ersetzen von Lauten oder das vollständige Zerlegen eines Wortes in seine Laute, verlangen wenigstens grundlegende Einblicke in die Schriftsprache. Ohne Kenntnis der Phonem-Graphem-Korrespondenz sind einzelne Phoneme, die abstrakte linguistische Elemente sind, nicht aus der Sprache zu isolieren. Schriftkundige sind sich dessen oft nicht bewusst, da sie der Meinung sind, sie würden beim Reden einzelne Laute hintereinander sprechen oder beim Zuhören einzelne Laute nacheinander wahrnehmen, weil sie sich am vorgestellten Schriftbild orientieren. Beim Reden werden aber die einzelnen Laute miteinander verschmolzen. 3
Unstrittig ist, dass die phonologische Bewusstheit für den Lese- und Schreiblernprozess eine wichtige Bedeutung hat. In den letzten Jahren wurden verschiedene Entwicklungsmodelle für den Schriftspracherwerb veröffentlicht. Es wird betont, dass es beim Erlernen des Schreibens eine Entwicklungsstufe gibt, auf der die Kinder Wörter in ihre lautlichen Bestandteile segmentieren (Phonemanalyse) und Buchstabe für Buchstabe verschriften, wobei die Schreibungen sich aus der Kindersprache ableiten und nicht aus der Hochsprache des Deutschen. Es entstehen Schreibungen wie
3 Andresen hierzu: „Die Silbe und nicht der Einzellaut bildet die artikulatorische Grundeinheit. D.h., dass innerhalb der Silbe benachbarte Laute sich gegenseitig beeinflussen; die abstrakten, auf der Ebene der Sprachstruktur wohl unterschiedlichen Phoneme verschmelzen auf dem Wege der Realisierung miteinander. Man kann es an sich selbst beobachten: Artikuliert man das Wort blasen, so nimmt die Zunge, schon bevor der Verschlusslaut, der am Anfang steht, realisiert wird, die Stellung zur Artikulation des Folgelauts ein. Daher ist die Zungenstellung bei der Artikulation Boot vom Beginn an eine andere.“ (zitiert nach: Valtin, Renate: Ein Entwicklungsmodell des Rechtschreibenlernens, in: Valtin, Renate (Hrsg.): Rechtschreiben lernen in den Klassen 1 – 6. Grundlagen und didaktische Hilfen, Frankfurt am Main 2000, S. 18)
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erlesen, was als Wortvorform betrachtet werden kann, da es von der normalen Aussprache abweicht. Danach wird das Wort dann als [kɔmpas] erkannt. 4
Bei dieser hohen Wertigkeit, die der phonologischen Bewusstheit zugesprochen wird, erstaunt es nicht, dass immer mehr Programme auf den Markt kommen, die eben diese trainieren sollen. Das Würzburger Trainingsprogramm, das im Folgenden vorgestellt werden soll, ist ein solches Programm. Die Entwickler des Programms sehen die phonologische Bewusstheit als Vorläuferfertigkeit für den Schriftspracherwerb, so dass das Programm „Hören, Lauschen, Lernen“ ein präventiv ausgelegtes Trainingsprogramm für Vorschulkinder ist.
3 Würzburger Trainingsprogramm
Das Training wird von den ErzieherInnen in Kleingruppen durchgeführt. Es umfasst tägliche 15-20minütige Spiele und Übungen, die über einen Zeitraum von 20 Wochen stattfinden. Das Training ist in sechs Teilbereiche unterteilt, die aufeinander aufbauen. Den Anfang bilden Lauschspiele, mit denen die Kinder geschult werden sollen, ihre Aufmerksamkeit auf Geräusche und Laute in ihrer Umgebung zu richten. Hierauf folgen Übungen zum Reimen, wobei den Kindern vermittelt werden soll, dass Sprache eine Form hat, die man „erhören“ kann. Es schließen sich Übungen zu Sätzen und Wörtern an. Die Kinder sollen lernen, dass das, was gesagt wird, in verschiedene Einheiten aufgeteilt werden kann. Die Sprache gliedert sich in Sätze und die Sätze wiederum gliedern sich in Wörter. Ab der fünften Trainingswoche kommen Übungen zur Silbenanalyse (Zerlegen von Wörtern in Silben) und Silbensynthese hinzu (Zusammenziehen einzelner Silben zu Wörtern). Danach richtet sich die Aufmerksamkeit auf die Anlaute, also den ersten Laut in einem Wort. Dies ist die Einführung der Kinder in die kleinste Einheit der gesprochenen Sprache. Darauf aufbauend folgt der Teilbereich „Phoneme / Laute“. Die Übungen aus diesem Bereich werden über 9 Wochen jeden Tag intensiv durchgeführt (vgl. Abbildung1).
4 Vgl. Steinig, W. / Huneke, H.-W.: Sprachdidaktik Deutsch. Eine Einführung, 2. überarbeitete Auflage, Berlin, S. 89
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Katrin Keller, 2005, "Hören, lauschen, lernen" - Sinnvolles Trainingsprogramm zur Schulung der phonologischen Bewusstheit?, Munich, GRIN Publishing GmbH
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