Gliederung
1. Einleitung: “Welcome to Arab-Land“ 3
2. Stereotypen und orientalistische Zuschreibung in der europäischen Literatur und
Malerei des 18 . und 19. Jahrhunderts 4
2.1 Okzidentale Projektionen auf einen Fantasie-Orient:
Sexuelle Freizügigkeit und religiöse Konflikte 5
2.2 Kolonisierung als Durchsetzung der europäischen Zivilisierungsmission 6
3. Orient vs. Okzident auf der Kinoleinwand 8
3.1 Araber im frühen U S amerikanischen Film 8
3.2 „ They are attacking our way of live“ (The Siege)
Das neue Feindbild des arabischen Terroristen 10
3.3 Die Entstehung ideologischer Stereotype im amerikanischen Nachkriegskino 11
4. Resümee „ Those who tell stories also rule society“(Plato) 14
Literaturliste 15
2
„I´m gonna go where the desert sun is, where the fun is, go where the harem girls dance, go where there´s love and romance“ Elvis in „Harem Scarum“ (1965)
1. Einleitung: “Welcome to Arab-Land“
Das obige Zitat, aus dem Elvis-Film „ Harem Scarum“, beinhaltet mit den Elementen Wüste, tanzenden Haremsmädchen und der Aussicht auf erotische Abendteuer schon mehrere Klischees, die man dem Orient in Hollywood über Jahrzehnte zugeschrieben hat. Nun könnte man argumentieren, dass sich Filme mit Elvis Presley nicht zwangsläufig durch cinematografische Finesse auszeichneten. Leider sind jedoch die Darstellungen von Arabern, ihrer Kultur und ihrer Nationen in der Mehrheit aller amerikanischen Kino- oder Fernsehproduktionen bis heute geprägt durch Vorurteile und Stereotypen, die ein fast ausschließlich negatives Bild der Region und ihrer Bewohner zeichnen.
Alle Araber scheinen nur Augen für westliche (bevorzugt blonde) Schönheiten und nur Interesse an Waffengeschäften oder anderen dubiosen Machenschaften zu haben und darüber hinaus streben sie immerzu die Weltherrschaft an. Die Darstellung ihrer Persönlichkeiten variiert dabei maximal in einem Spektrum an dessen einem Ende der Terrorist und Flugzeugentführer und am anderen Ende der lüsterne Scheich oder der kamelberittene Beduine stehen. 1
Auch äußerlich scheinen sie sich wie ein Ei dem anderen zu gleichen, was in abschätzigen Zitaten, z.B. der Schauspielerin Lola Lane („The Sheikh steps out“ 1937): „ They all look alike to me“ 2 oder des Filmemachers Georges Méliès: „ Seen one, seen ´em all“ 3 resultierte.
Die Gefahr in der verzerrten und falschen Darstellung eines ganzen Volkes liegt dabei auf der Hand. Die Mythologie Hollywoods hat einen nicht unerheblichen Einfluss auf die amerikanische Kultur und weit darüber hinaus auf all die Gesellschaften, in die sie ihre Bilder exportiert. 4
1 Vgl. Shasheen, 2001: 2.
2 ebd.: 2.
3 ebd.: 8.
4 Vgl. ebd.: 4.
3
Es soll im Folgenden dargelegt werden, auf welcher Entwicklung das Bild des Arabers im amerikanischen Film beruht und in welcher Weise es mit dem Orientbild Europas im 18. und
19. Jahrhundert korrespondiert.
2. Stereotypen und orientalistische Zuschreibung in der europäischen Literatur und Malerei des 18. und 19. Jahrhunderts
„ They cannot represent themselves, they must be represented“(Karl Marx)
Das Verhältnis zwischen Europa und den Gebieten Westasiens war zu dieser Zeit geprägt durch ein aufkeimendes privates Interesse am Orient, dass sich in den vielen Reiseberichten aus dieser Zeit wiederspiegelt und später durch die koloniale Hegemonie, vor allem der Briten und Franzosen, geradezu eine Orientmanie in Europa auslöste. 1704 veröffentlichte der Franzose Jean Antoine Galland die erste Übersetzung von Erzählungen aus 1001 Nacht. Das Buch wurde ein großer Erfolg, da es Länderkunde mit exotischen und erotischen Inhalten verband und damit einen starken Kontrast zur scheinbar rationalen, technisierten Moderne in Europa darstellte. 5
Auch der orientalische Einfluss auf die europäische Literatur und Malerei war groß. Viele Dichter erschufen, zum Teil basierend auf eigenen Reiseerfahrungen, faszinierende und geradezu fantastische Geschichten über die arabische Welt. 6 Ein imaginärer Ort voll Mystik, Anrüchigkeit und Fremdartigkeit entstand, welcher die Erwartungen und Enttäuschungen des Okzidents wiederspiegelte. 7
5 Vgl. Pflitsch, 2003: 95ff.
6 einige Beispiele: Bruce, James: Travels to Discover the Scources of the Nile (1790), Burton, Richard F.: Personal Narratives of a Pilgrimage to Al-Madinah and Meccah (18855/56), Doughty, Charles: Travels in Arabia Deserta (1888), Fromentin, Eugène: Un Éte dans le Sahara (1857), Kinglake, Alexander: Eothen (1844) u.a.
7 Vgl. Pflitsch, 2003: 47.
4
2.1 Okzidentale Projektionen auf einen Fantasie-Orient: Sexuelle Freizügigkeit und religiöse Konflikte
Der Orient wurde in der Folge als sexueller Freiraum, als Ausweg aus der bürgerlichen Moral und als Ort der Selbstfindung verklärt. Das Tor zum Orient stellte dabei die Erotik dar. Frauen erschienen dem Europäer als willige Liebessklavinnen und auch die Knabenliebe wurde ein Motiv, das man bis ins späte 19. Jahrhundert mit der orientalischen Welt verband. 8 So hofften zum Beispiel auch Oscar Wilde und Gustave Flaubert im nördlichen Afrika und den arabischen Ländern den Ort zu finden, an dem sie ihre Sexualität ausleben konnten. Der Orient schien Zugang zu bieten zu den uneingestanden Wünschen und Begierden, welche in der viktorianischen Gesellschaft Europas und ihren strikten Moralvorstellungen nicht realisiert hätten werden können.
Europäische Frauen waren zu dieser Zeit in feste Rollenmuster gepresst. Als Ehefrau war ihnen nur eine sehr latent ausgeprägte Sexualität gestattet, die der Reproduktion zu dienen hatte, für arbeitende Frauen schien ihre Tätigkeit den Verlust der Weiblichkeit mit sich zu bringen und Prostituierte waren moralisch verwerfliche Wesen, vor denen die Gesellschaft bewahrt werden musste.
Die Orientalinnen dagegen schienen alle Eigenschaften europäischer Frauenbilder in einer Person zu vereinen. Sie konnten Engel, Hure und Vertraute in einem sein und spiegelten damit das heimliche Verlangen europäischer Männer nach einem anderen Frauentyp wider. 9 Besonderer Beliebtheit erfreuten sich dabei weibliche Charaktere wie Salome, Scheherazade oder Kleopatra, die verführerisch, klug und gleichzeitig gefährlich erschienen. Diese Sinnlichkeit bediente zahlreiche, europäische Männerfantasien. 10
Nicht nur die Frauen, auch die arabischen Männer wurden mit wiederkehrenden stereotype Charakterzüge versehen. So empfand Karl Mays Held Kara Ben Nemsi die Orientalen als voreilig, naiv und unüberlegt. Erst die Errungenschaften des europäischen Kriegswesens konnten sie von ihrer wilden Heißblütigkeit zu rational denkenden Strategen bekehren. Bei Karl May hatte darüber hinaus auch der Islam seinen Platz als religiöser Fanatismus gefunden. So wurden vor allem die Schiiten in einer Szene des Passionsspiels zu Ehren Husseins in Kerbala, als „fanatisch dumme Menschen“ bezeichnet. 11
8 Vgl. Kabbani, 1993: 107.
9 Vgl. ebd.:108ff.
10 Vgl. Pflitsch, 2003: 122ff.
11 Vgl. ebd.:92.
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Alexandra Samoleit, 2005, Die Darstellung des Orients im U.S.-amerikanischen Film des 20. Jahrhunderts, Munich, GRIN Publishing GmbH
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