CHRISTIAN - ALBRECHTS - UNIVERSITÄT ZU KIEL
Diplom - Prüfungsamt
der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät
WINTERSEMESTER 2006
WIRTSCHAFTSPÄDAGOGIK:
ZWISCHEN AUFBRUCH UND UNTERGANG – ODER:
VERDRÄNGEN MASTER UND BACHELOR
EINEN ETABLIERTEN DIPLOMSTUDIENGANG?
von
Marlies Franzen
Diplom-Handelslehramt
mit Nebenfach Deutsch
9. Fachsemester
GLIEDERUNG ... I
Verzeichnis der Abbildungen ... III
Verzeichnis der Tabellen ... VII
Verzeichnis der verwendeten Abkürzungen ... VIII
1 EINFÜHRUNG ... 1
2 DIE GESCHICHTE DER WIRTSCHAFTSPÄDAGOGIK ... 4
2.1 DIE ANFÄNGE DER WIRTSCHAFTSPÄDAGOGIK ... 4
2.1.1 Ökonomie, Wirtschaft, Pädagogik, Erziehung ... 6
2.2 DIE VERANKERUNG DER WIRTSCHAFTSPÄDAGOGIK ... 9
2.2.1 Friedrich Schlieper ... 9
2.2.2 Alfons Dörschel. ... 12
2.3 AUFKOMMENDE ZWEIFEL AN DER WIRTSCHAFTSPÄDAGOGIK ... 14
2.3.1 Wolfgang Ritzel ... 14
2.3.2 Jürgen Zabeck. ... 15
2.4 ZUR GEWISSHEIT DER WIRTSCHAFTSPÄDAGOGIK IN UNSICHERER MITTE ... 17
2.4.1 Ein Verhältnis als Struktur. ... 17
3 DER VERMEINTLICHE UNTERGANG DER WIRTSCHAFTSPÄDAGOGIK ... 20
3.1 BESTANDSAUFNAHME: DIE GEGENWÄRTIGE AUSBILDUNGSSTRUKTUR DER DIPLOM-HANDELSLEHRER ... 20
3.1.1 Allgemeine Sachverhalte und Regelungen ... 20
3.1.2 Das wirtschaftspädagogische Grundstudium ... 24
3.1.3 Das wirtschaftspädagogische Hauptstudium ... 26
3.1.4 Die Besonderheiten des wirtschaftspädagogischen Studiums ... 27
3.2 GRUNDLAGEN DER MASTER- UND BACHELORSTUDIENGÄNGE ... 36
3.2.1 Gründe für die Einführung einer konsekutiven Studienstruktur ... 36
3.2.2 Nationale und internationale Konferenzen im Zuge des Bologna-Prozesses ... 38
3.3.2.1 Die Sorbonne-Erklärung ... 40
3.3.2.2 Die Bologna-Erklärung ... 42
3.3.2.3 Das Prager Communique ... 44
3.3.2.4 Die Berlin-Konferenz ... 44
3.3.2.5 Die Konferenz in Bergen ... 46
3.3 DIE RECHTLICHE UMSETZUNG DES BOLOGNA-PROZESSES IN DEUTSCHLAND ... 47
3.3.1 Beschlüsse auf Basis des europäischen Rechts ... 48
3.3.2 Beschlüsse auf Basis des Bundesrechts ... 49
3.3.3 Beschlüsse auf Basis der Kultusministerkonferenz ... 51
3.4 CHARAKTERISTISCHE ELEMENTE DER MASTER- UND BACHELORSTUDIENGÄNGE ... 55
3.4.1 Die konsekutive Studienstruktur und die Abschlüsse Master und Bachelor ... 55
3.4.2 Die Modularisierung ... 56
3.4.2.1 Allgemeine Kritik an der Modularisierung ... 60
3.4.2.2 Die Modularisierung der Studieninhalte aus dem Blickwinkel der Komplementarität ... 63
3.4.2.3 Komplementarität als unverzichtbares Prinzip im tertiären Bildungssektor – Ein Exkurs ... 63
3.4.3 Das Leistungspunktesystem ... 70
3.4.3.1 Allgemeine Kritik am Leistungspunktesystem ... 72
3.5 EINE ABSCHLIEßENDE GEGENÜBERSTELLUNG DER DIPLOM- UND BACHELOR- /MASTER-STUDIENGÄNGE ... 74
4 DIE ZUKUNFT DER WIRTSCHAFTSPÄDAGOGIK ... 84
4.1 DIE FOLGEN DER MODULARISIERUNG AUF DIE HANDELSLEHRERAUSBILDUNG ... 84
4.2 DER VERFALL DER BERUFLICHEN IDENTITÄT DER HANDELSLEHRER ... 87
4.3 KONKRETE UMSETZUNGEN DER NEUEN STUDIENSTRUKTUR ... 89
4.4 DER MASTERSTUDIENGANG WIRTSCHAFTSPÄDAGOGIK ... 94
4.5 DER VERLUST DER POLYVALENZ DURCH DIE EINFÜHRUNG DER KONSEKUTIVEN STUDIENSTRUKTUR ... 96
4.6 DIE ZUKÜNFTIGE EINGLIEDERUNG UND GEHALTGRUPPIERUNG DER BERUFSSCHULLEHRER ... 99
5 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK ... 101
Verzeichnis der verwendeten Literatur ... IX
1. Einführung
Die Güte des kaufmännischen Berufsausbildungsniveaus wird entscheidend durch die Qualität und Eignung der inländischen Handelslehrer und Handelslehrerinnen1 beeinflusst2. Die Besonderheit dieses Berufsbildes liegt dabei vor allem in seiner zweiphasigen Ausbildungsstruktur verborgen.
Die erste, universitäre Phase steht zunächst ausdrücklich im Kontext der Wissenschaft. Sie ist als gewichtete Kombination fachwissenschaftlicher, fachdidaktischer sowie wirtschaftspädagogischer Komponenten ausgestaltet, die zusätzlich um schulpraktische Anteile ergänzt werden.3 Der Ausbildungsschwerpunkt wird demnach nahezu ausschließlich auf die Erfassung und Beherrschung der theoretischen Grundlagen, die sowohl den Bereich der Betriebs- und Volkswirtschaftslehre als auch den der Wirtschaftspädagogik4 und eines weiteren Schulfaches umfassen, gelegt5. Durch diese Ausgestaltung des Studiums sollen die Studenten ein solides wissenschaftliches Fundament in einem oder mehreren Fächern ihres späteren Berufsfeldes erhalten6. Der anschließende Vorbereitungsdienst beschäftigt sich im Gegensatz dazu vornehmlich mit dem Erleben des Schulalltages und soll durch die Agglomeration von praxisspezifischen Erfahrungen den Ausbau einer souveränen Unterrichtskompetenz ermöglichen7.
Innerhalb der letzten Jahre geriet dieses auf Dauer gewachsene Ausbildungssystem jedoch wiederholt in die Diskussion. Dazu wurden unzählige Reformen und Umgestaltungen konzipiert und vorgeschlagen.
Besonders aktuell ist derzeit die Debatte um die angestrebte internationale Angleichung der deutschen Studiengänge. Somit steht insbesondere die erste Ausbildungsphase der Diplom-Handelslehrer aufgrund der Sorbonne-Erklärung 19988 oder den Bologna-Beschlüssen 19999 landesweit auf ’unsicheren Beinen’. Im Vordergrund dieser Reform steht eindeutig die Tendenz weg vom herkömmlichen und anerkannten deutschen Diplom hin zu den jeweiligen Varianten der Bachelor- und Masterstudiengänge10. Diese Bemühungen werden dabei nahezu bedenkenlos als Inkarnation einer Neugestaltung eines ’offenbar’ unzeitgemäßen Hochschulwesens angepriesen und hauptsächlich aus den Reihen der Politik vorangetrieben11. Doch zu dem jetzigen Zeitpunkt scheint es sich bei diesen Anstrengungen vielmehr um unübersichtliche Umstrukturierungs- und Umbruchsprozesse zu handeln, die eher einen experimentellen Charakter aufweisen und daher bis zum heutigen Tage keinen eindeutigen Ausgang versprechen12. Im Weiteren setzen die angestrebten Modifikationen eine radikale Abkehr von den über die Zeit gewachsenen, erprobten und bewährten Strukturen des deutschen Bildungssystems voraus. Diese zunächst strukturellen Neuerungen bringen dabei zugleich eine Vielzahl von inhaltlichen Problemstellungen mit sich, die jedoch bisher kaum in die Reformüberlegungen einbezogen wurden.13
Letzteres könnte folgenschwere Auswirkungen auf die Ausbildungsqualität der angehenden Diplom-Handelslehrer aufweisen, da davon auszugehen ist, dass insbesondere in dem Zeitraum der theoretischen Auseinandersetzung mit dem Lehrberuf und seiner substanziellen Grundlagen die personellen und unmittelbaren Fundamente für die Bewältigung der zukünftigen unterrichtsspezifischen Herausforderungen gelegt werden14. Eine Umstellung dieser probaten Wege und Mechanismen dürfte demzufolge mit beachtlichen und zeitverzögerten negativen Auswirkungen verbunden sein.
Aus diesem Grunde sollen die aktuellen Entwicklungen vielmehr kritisch betrachtet werden, da insbesondere die Wirtschaftspädagogik eine mit den Jahren gewachsene Wissenschaft darstellt, die seit ihren Anfängen vielfältige Phasen der Entwicklung, Veränderung und Kritik durchlebt hat15 und nunmehr vermeintlich vor ihrem endgültigen ’Untergang’ steht. Der Leitgedanke dieser Diplomarbeit wird daher sein, den Weg der Wirtschaftspädagogik aufzuzeigen und im Anschluss daran zu erforschen, ob die Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge eine faktische Verdrängung dieses etablierten Diplomstudienganges zur Folge haben wird. Die Frage- und Problemstellung dieser Arbeit wird zur exakteren Übersicht folgendermaßen graphisch dargestellt:
Abbildung 1: Die duale Ausbildungsstruktur der Diplom-Handelslehrer mit dem Fokus auf die Fragestellung dieser Diplomarbeit, ob die Einführung der Bachelor- und Masterstudiengänge zum ’Untergang’ der Wirtschaftspädagogik führt? (eigene Darstellung)
[...]
In der Arbeit werden sowohl die Intentionen, die rechtlichen Grundlagen aber auch die Vor- und Nachteile der aktuellen Hochschulreform debattiert, um im Anschluss daran eine gründliche Bewertung und Klassifikation der Neustrukturierung vorzunehmen. Die Untersuchung wird sich zu diesem Zweck vornehmlich daran orientieren, zunächst die allgemeinen inhaltlichen Schwierigkeiten der geplanten Umgestaltung aufzuzeigen, und anschließend die speziellen Auswirkungen auf die Ausbildung der Diplom-Handelslehrer insbesondere im Bereich der Wirtschaftspädagogik zu analysieren.
[....]
1 Im Folgenden wird der Begriff Diplom-Handelslehrer geschlechtsneutral und wertungsfrei für Diplom-Handelslehrer und Diplom-Handelslehrerinnen verwendet.
2 Vgl. KLAUSER, F.: Entwicklung beruflicher Indentität von Handelslehrerinnen und Handelslehrern unter den Bedingungen der aktuellen Reform universitärer Studiengänge der Wirtschaftspädagogik, in: Herausforderung für die kaufmännische Berufsbildung, VLW, Heft 53 der Sonderschriftenreihe des VLW, S. 63 ff.
3 Vgl. MERKENS, H.: Lehrerbildung in der Diskussion. Kriterien und Eckpunkte für eine Neuordnung, in: Merkens, H. (Hrsg.): Lehrerbildung in der Diskussion. Schriften der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaften. Opladen 2003, S. 16 ff.
4 Im Bereich der Wirtschaftspädagogik wird u.a. auch von Wirtschaftsberufs-Pädagogik, Wirtschafts- und Berufspädagogik oder Berufs- und Wirtschaftspädagogik gesprochen. Diese nuancierten Unterscheidungen finden innerhalb dieser Arbeit jedoch keine Berücksichtigung, die Begriffe werden daher gleichwertig verwendet.
5 Vgl. JONGEBLOED, H.-C.: Landesfachausschuß Bildung und Kultur / FDP S-H, Positionspapier: >>Bildung 2005<<, Kiel 2004, S. 50 ff.
6 Vgl. MERKENS, H.: a.a.O., S. 16 ff.
7 Vgl. JONGEBLOED, H.-C.: a.a.O., S. 50 ff.
8 Vgl. Sorbonne Ceclaration, Paris, the Sorbonne, May 25, 1998 unter
http://www.bolognaberlin2003.de/pdf/Sorbonne_declaration.pdf, Abruf am 28.08.2006, der Inhalt wird im Verlauf der Arbeit noch konkretisiert
9 Vgl. Bologna-Erklärung 1999, der Inhalt wird im Verlauf der Arbeit noch konkretisiert
10 Vgl. KLAUSER, F.: a.a.O., S. 63 f.
11 Ebenda, S. 63 f.
12 Ebenda, S. 63 f.
13 Ebenda, S. 63 f.
14 Ebenda, S. 63 f.
15 JONGEBLOED, H.-C.: Vorlesung – H1/2: Hauptseminar I/II: Selbstverständnis zwischen
Ökonomie und Erziehung – oder: Gedanken zu einem Verhältnis. WS 2005/2006
Quote paper:
Marlies Franzen, 2006, Wirtschaftspädagogik: Zwischen Aufbruch und Untergang, Munich, GRIN Publishing GmbH
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