Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Theoretische Grundlagen 3
2.1 Ziel und Zweck der Übersetzungskritik 3
2.2 Texttypologie 4
2.3 Äquivalenz vs. Adäquatheit 5
2.4 Kriterien für eine Übersetzungskritik 6
3 Ausgangstext 7
3.1 Autor: John Steinbeck 7
3.2 Werk: The Grapes of Wrath (1939) 8
4 Zieltext 9
4.1 Übersetzer: Klaus Lambrecht 9
4.2 Übersetzung: Früchte des Zorns (1940) 10
5 Praktische Übersetzungskritik nach Katharina Reiß 10
5.1 Innersprachliche Instruktionen 10
5.1.1 Semantik 10
5.1.1.1 Auslassungen 11
5.1.1.2 Zusätze 11
5.1.1.3 Abweichungen 12
5.1.1.4 Übersetzungsfehler 13
5.1.1.5 Sinnfehler 14
5.1.2 Lexik 14
5.1.2.1 Fachtermini 15
5.1.2.2 Eigennamen 15
5.1.2.3 Wortspiele 16
5.1.2.4 Redewendungen 16
5.1.2.5 Reim 17
5.1.3 Grammatik 17
5.1.4 Stil 19
5.2 Außersprachliche Determinanten 19
5.2.1 Engerer Situationsbezug 19
5.2.2 Ortsbezug 20
5.2.3 Empfängerbezug 21
5.2.4 Sprecherabhängigkeit 22
5.2.5 Affektive Implikationen 23
5.3 Gebrauch der Zielsprache 24
6 Abschließende Bewertung 24
Literaturverzeichnis 26
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1 Einleitung
„Glasklar und nüchtern übersetzt [...]“ (Dieckmann, DIE ZEIT. 11.05.2005.) „Und hier hilft die Übersetzung kaum weiter – man muß den Originalton kennen [...]“ (Seidl, FASZ. 02.10.2005. ) „Die Übertragung [...] ist ein Wunderwerk an Exaktheit.“ (Hanimann, FAZ. 19.10.2005.) „Mit dieser Übersetzung wäre Kawabata kaum für den Nobelpreis nominiert worden.“ (Hijiya-Kirschnereit, FAZ. 18.10.2004.) „So manches liest sich in diesem Buch übrigens wie für die deutsche Sprache geschrieben, und ein besseres Kompliment [...] kann es nicht geben. Sind Übersetzer(innen) nicht überhaupt oft genug so etwas wie engelhafte Vermittler?“ (Jung, DIE ZEIT. 11.08.2005.)
In solchen und ähnlich subjektiven, unpräzisen Bewertungen erschöpft sich die heute gängigste Form der ‚Übersetzungskritik’, die man in Buchrezensionen übersetzer Werke findet. Meist handelt es sich um eine reine Zieltextkritik, die ohne Bezug auf den Ausgangstext und ohne ausreichende Kenntnis des Übersetzungsvorgangs entstanden ist. In den 1970-er Jahren bildeten sich in der Übersetzungswissenschaft erste übersetzungskritische Modelle heraus, die im Hinblick auf Bewertungskriterien und Methodik jedoch durchaus variieren (Snell-Hornby 373).
Weitreichend anwendbar, umfassend und detailliert ist der Ansatz von Katharina Reiß. Auf Grundlage ihres Modells, doch unter Berücksichtigung weiterer Modelle, soll in der vorliegenden Hausarbeit die deutsche Übersetzung von John Steinbecks The Grapes of Wrath analysiert werden. Der praktischen Übersetzungskritik gehen einige theoretische Überlegungen voraus. Hintergrundinformationen zu Autor und Werk sowie allgemeine Angaben zu Übersetzer und Übersetzung sollen das Umfeld der Analyse näher beleuchten und das Verständnis erleichtern. Anhand konkreter Textbeispiele werden dann Kriterien der Übersetzungskritik veranschaulicht und Ausgangs- und Zieltext miteinander verglichen. Abschließend erfolgt eine Bewertung der Übersetzung.
2 Theoretische Grundlagen
2.1 Ziel und Zweck der Übersetzungskritik
Koller beschränkt die Funktion der Übersetzungskritik auf die konkrete Text-Leser-Beziehung. Es sei Aufgabe der Übersetzungskritik, „inhaltliche Texteingriffe und ihre Berechtigung und Hintergründe aufzudecken und zu fragen, wo und in welchem Ausmaße dadurch die Autonomie des zu übersetzenden Textes und die Interessen des ZS-Lesers an
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einem ‚unredigierten’ Text verletzt werden“ (Koller 112). Dabei gilt es auch zu untersuchen, welchen Anteil der Übersetzer und welchen Anteil der Autor an den entstandenen Texteingriffen trägt.
Für Katharina Reiß erfüllt die Übersetzungskritik einen weitreichenderen Zweck: Sie soll die Qualität der Übersetzung zugleich prüfen und sichern bzw. erhöhen. Beim Leser soll so der Wunsch nach besseren Übersetzungen geweckt werden. Schließlich schärft die Übersetzungskritik das Sprachbewusstsein und erweitert den sprachlichen sowie außersprachlichen Horizont nicht nur des Lesers, sondern auch des Übersetzers bzw. Kritikers (Reiß 7). Diesen didaktischen Wert der Übersetzungskritik betont auch Christiane Nord: „Während der Lernende als Übersetzer selbst Teil des Übersetzungsvorgangs ist, kann er als Übersetzungskritiker den Vorgang gewissermaßen von außen betrachten und dadurch die Faktoren, die ihn bestimmen, mit mehr Distanz analysieren“ (Nord 194).
2.2 Texttypologie
Ebenso wichtig wie die Frage nach dem Ziel ist für die praktische Übersetzungskritik die Frage nach dem Ausgangspunkt. Eine sinnvolle Basis für eine Übersetzungsanalyse bildet die funktionsorientierte Zuordnung des Zieltextes zu einem Texttyp. Abhängig vom Übersetzungsauftrag kann sich die Funktion des Zieltextes gegenüber der des Ausgangstextes ändern. In der Regel jedoch unterscheidet sich der Texttyp des Zieltextes nicht von dem des Ausgangstextes.
In der Wissenschaft finden sich verschiedene Modelle für die Unterscheidung von Texttypen. Grundlage für die folgenden Ausführungen soll das Konzept von Katharina Reiß sein, das auch im Handbuch Translation von Snell-Hornby e.a. Verwendung findet. Als Ergänzung dient der Ansatz von Werner Koller.
Katharina Reiß’ Texttypologie gründet auf Karl Bühlers dreistrahligem Organonmodell, welches das sprachliche Zeichen einem von drei Funktionstypen zuordnet. Entsprechend unterscheidet Reiß „den darstellenden oder informativen, den ausdrucksbetonten oder expressiven und den appellbetonten oder operativen Texttyp“ (Snell-Hornby 63). Unter Voraussetzung des Funktionserhalts gelten für die Übersetzung folgende Kriterien: Beim informativen Text muss der Inhalt unverändert in die Zielsprache übertragen werden. Beim expressiven Text liegt die Betonung auf der ästhetischen Gestaltung, und der operative Text erfordert den Erhalt des Appells oder der beabsichtigten persuasiven Wirkung in der Übersetzung. Als vierten Texttyp nennt Reiß den audio-medialen Text, der zu einem Großteil auf außer- und nichtsprachlichen Elementen beruhe und deshalb gesondert zu betrachten sei (Reiß 31-34).
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Die Textsorte des Romans zählt grundsätzlich zum expressiven Texttyp. The Grapes of Wrath zeichnet außerdem ein genaues Bild der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Situation im Amerika der 1930-er Jahre, ist somit informativ. In Anbetracht der enthaltenen Sozialkritik spielt bei der Übersetzung des Romans nicht zuletzt auch die operative Textfunktion eine Rolle.
Koller unterscheidet lediglich zwischen zwei Haupt-Textkategorien, nämlich zwischen Fiktiv-und Sachtexten. Diese lassen sich anhand dreier Kriterien voneinander abgrenzen: Das Kriterium soziale Sanktion/ praktische Folgen ist besonders relevant für Sach- und Fachtexte, die Kriterien Fiktionalität und Ästhetizität/ Vieldeutigkeit gelten für fiktive bzw. literarische Texte (Koller 272-287).
Ob die Unterteilung in zwei bzw. drei Texttypen tatsächlich ausreicht, um alle Textsorten zu kategorisieren, bleibt fraglich, zumal z. B. Roman Jakobson in seinem sechsgliedrigen Kommunikationsmodell eine noch feinere Unterscheidung der Sprach(zeichen)funktionen vornimmt. Für literarische Texte – und damit die hier relevante Textsorte des Romans – sollen die Modelle von Reiß und Koller jedoch genügen.
2.3 Äquivalenz vs. Adäquatheit
Anhand der Texttypologie kann festgelegt werden, welche Ausgangstextelemente entscheidend für die Textfunktion sind und deshalb in der Übersetzung beibehalten werden müssen. Texttyp und Funktionskonstanz allein bestimmen aber noch nicht die Übersetzungsmethode.
Eine wichtige Rolle spielen hierbei die Begriffe Äquivalenz und Adäquatheit, die in der Wissenschaft keineswegs eindeutig definiert sind. Koller spricht von einer Äquivalenzrelation zwischen Ausgangs- und Zieltext, wobei die konkrete Form der Äquivalenz durch fünf Bezugsrahmen bestimmt wird. Daraus ergeben sich eine denotative, eine konnotative, eine textnormative, eine pragmatische und schließlich eine formal-ästhetische Äquivalenz. Diese ist für die Übersetzung literarischer Texte ausschlaggebend. Kollers empfängerbezogene, pragmatische Äquivalenz entspricht dem Begriff der Adäquatheit, wie er von Reiß/Vermeer verstanden wird (Koller 216).
Nach Reiß/Vermeer bezeichnet Äquivalenz die Funktionskonstanz zwischen Ausgangs- und Zieltext. Äquivalenz ist somit ausgangstextorientiert. Adäquatheit dagegen ist zieltextorientiert; sie bezieht sich auf den Skopos, den Zweck des Zieltextes, der am Adressaten ausgerichtet ist und im Übersetzungsauftrag bestimmt wird. Nach der Skopostheorie stellt die Erfüllung des Skopos das wichtigste Kriterium für die Übersetzung
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dar. Die Adäquatheit ist demnach der Äquivalenz übergeordnet (Reiß/Vermeer 100-102, 139, 140).
Vom Übersetzungsskopos ist abhängig, ob Ausgangs- und Zieltext pragmatisch gleich oder unterschiedlich gerichtet sind. Literarische Texte sind in der Regel „sowohl primär quellensprachlich also auch potentiell zielsprachlich gerichtet“ (Snell-Hornby 58) (Hervorhebung im Original) und geben damit keine eindeutige Übersetzungsmethode vor. Eine besonders originaltextgetreue Übersetzung will dem Leser einen Eindruck von der Sprachstruktur und Kultur des Ausgangstextes vermitteln. Eine eher illusionistische Übersetzung dagegen will durch die völlige Adaptation an Zielsprache und Zielkultur den Leser vergessen lassen, dass er es mit einer Übersetzung zu tun hat; diese soll authentisch, d. h. wie das Original selbst wirken.
Abgesehen von der Tatsache, dass eine solch klare Trennung der Übersetzungsmethoden kaum jemals möglich ist, erscheint letzteres für die Mehrheit der heutigen literarischen Übersetzungen sinnvoll, denn der herkömmliche Leser übersetzter Belletristik liest – ebenso wie der Leser des Originals – in erster Linie zur Unterhaltung und nicht etwa zum wissenschaftlichen Sprach- oder Kulturenvergleich.
2.4 Kriterien für eine Übersetzungskritik
Die anerkannten übersetzungskritischen Modelle von Reiß, Koller oder auch House setzen voraus, dass der Kritiker Ausgangs- und Zielsprache beherrscht und die Übersetzungskritik in Abhängigkeit vom und im Vergleich zum Ausgangstext erfolgt (Reiß 11; Nord 196). Neben der ausgangstextabhängigen Kritik zieht Reiß zwar auch eine zieltextabhängige Kritik in Betracht, betont jedoch, dass „die Kritik einer Übersetzung [sich nie] einseitig und ausschließlich auf die zielsprachliche Version stützen“ dürfe (Reiß 17) (Hervorhebung im Original).
Reiß fordert eine objektive und konstruktive Übersetzungskritik. Der Kritiker muss seine Bewertung anhand sachgerechter Kriterien nachvollziehbar begründen und bei Übersetzungsmängeln Verbesserungsvorschläge anführen (Reiß 11-13). Eine solche objektive und sachgerechte Beurteilung erfolgt nach drei Kategorien: die literarische Kategorie umfasst die textypologischen Merkmale, die sprachliche Kategorie die innersprachlichen Instruktionen und die pragmatische Kategorie die außersprachlichen Determinanten (Reiß 89). Bewertet werden muss, inwieweit es dem Übersetzer gelungen ist, „sich dem Willen des Autors in jeder Hinsicht unterzuordnen“ (Reiß 23), die Übersetzungsmethode entsprechend dem Texttyp zu wählen, den Übersetzungsauftrag zu erfüllen und dem Übersetzungsskopos gerecht zu werden (Reiß 31).
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Christiane Nord tritt für eine didaktische Übersetzungskritik ein, die Translatkritik und Translationskritik in sich vereint. Bei der Kritik berücksichtigt werden der Übersetzungsvorgang, der Übersetzungsauftrag und der Skopos. Nord geht es nicht so sehr um eine Fehleranalyse als vielmehr „um die Frage, ob und inwieweit der Zieltext den Anforderungen des Übersetzungsauftrages bzw. der de facto-Zielfunktion gerecht wird“ (Nord 197). Koller spricht von einer nicht näher definierten „Hierarchie der in der Übersetzung zu erhaltenden Werte“ (Koller 266), räumt aber gleichzeitig ein:
Semantische, stilistische und ästhetische Werte eines Originaltextes werden von verschiedenen Übersetzern unterschiedlich aufgefaßt (wie von Lesern in der Originalsprache auch), unterschiedlich hierarchisiert und damit auch verschieden übersetzt. Unterschiedlich sind auch die Bedingungen und Erwartungen auf der Empfängerseite, wie sie vom Übersetzer erschlossen werden [...]. Deshalb ist und bleibt Übersetzung ein relativer Begriff, ist die Bindung an den Ausgangstext, bzw. die Autonomie des Originaltextes eine relative Größe. (Koller 192, 193)
3 Ausgangstext
3.1 Autor: John Steinbeck
John Steinbeck zählt unbestritten zu den meistgelesenen amerikanischen Autoren des 20. Jahrhunderts, innerhalb wie auch außerhalb der USA. Als Sohn eines Buchhalters und einer Lehrerin wurde John Ernst Steinbeck am 27. Februar 1902 in Salinas, Kalifornien geboren. Um sich sein Studium an der renommierten Stanford University zu finanzieren, arbeitete Steinbeck zeitweise als Wanderarbeiter, was ihn in seiner Persönlichkeit stark prägte und großen Einfluss auf sein späteres literarisches Schaffen nahm. Nach Abbruch seines Studiums ging Steinbeck 1925 nach New York, wo er sich mehr schlecht als recht als Journalist und Autor durchschlug. Zurück in Kalifornien versuchte er sein dürftiges Einkommen als Schriftsteller durch Gelegenheitsjobs aufzubessern.
1929 erschien sein erster Roman Cup of Gold, vier Jahre später folgte To a God Unknown. Den Durchbruch erlebte Steinbeck 1935 mit der Veröffentlichung seines Buches Tortilla Flat, das an Erfolg noch durch In Dubious Battle (1936) und die Novelle Of Mice and Men (1937) überboten wurde. Neben weiteren Romanen und Erzählungen veröffentlichte Steinbeck in den folgenden Jahren vier Drehbücher sowie eine große Anzahl von Essays und Artikeln mit meist sozialkritischem Inhalt. Für seinen realistischen und naturalistischen Schreibstil und sein politisches Engagement fand Steinbeck internationale Anerkennung. Als seine beiden Meisterwerke gelten die Romane The Grapes of Wrath (1939) und East of Eden (1952), die kurz nach ihrer Veröffentlichung erfolgreich verfilmt wurden. 1962 erhielt Steinbeck den Literaturnobelpreis.
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Rebekka Hahn, 2006, John Steinbeck: The Grapes of Wrath - Analyse der deutschen Übersetzung , Munich, GRIN Publishing GmbH
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