Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Theoretische Grundlagen 3
2.1 Ziel und Zweck der Übersetzungskritik 3
2.2 Texttypologie 4
2.3 Äquivalenz vs Adäquatheit 4
2.4 Kriterien für eine literarische Übersetzungskritik 5
3 Ausgangstext 6
3.1 Autorin: Alice Walker 6
3.2 Werk: The Color Purple (1982) 7
4 Zieltext 7
4.1 Übersetzerin: Helga Pfetsch 7
4.2 Übersetzung: Die Farbe Lila (1984) 8
5 Praktische Übersetzungskritik nach Katharina Reiß 8
5.1 Semantik 9
5.1.1 Auslassung 9
5.1.2 Zusatz 9
5.1.3 Abweichung 9
5.1.4 Übersetzungsfehler 10
5.2 Lexik 10
5.2.1 Fachtermini 10
5.2.2 Eigennamen 11
5.2.3 Wortspiele 11
5.2.4 Redewendungen 12
5.3 Grammatik 12
5.3.1 Grammatik des Ausgangstextes 13
5.3.2 Grammatik des Zieltextes 13
5.4 Stil 14
6 Abschließende Bewertung 16
Literaturverzeichnis 17
Anhang ................................................................................................................. 20 20
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1 Einleitung „So manches liest sich in diesem Buch übrigens wie für die deutsche Sprache geschrieben, und ein besseres Kompliment [...] kann es nicht geben. Sind Übersetzer(innen) nicht überhaupt oft genug so etwas wie engelhafte Vermittler?“ (Jung, DIE ZEIT. 11.08.2005.) In solchen und ähnlich subjektiven, unpräzisen Bewertungen erschöpft sich die heute gängigste Form der literarischen Übersetzungskritik, die man in Buchrezensionen übersetzter Werke findet. Meist handelt es sich um eine reine Zieltextkritik, die ohne Bezug auf den Ausgangstext und ohne ausreichende Kenntnis des Übersetzungsvorgangs entstanden ist. „Von der fachmännischen Übersetzungskritik darf man mehr erwarten als von den beiläufig geäußerten übersetzungskritischen Bemerkungen eines Literaturkritikers“ (Albrecht 229). In diesem Sinne soll in der vorliegenden Hausarbeit Helga Pfetschs Übersetzung von Alice Walkers The Color Purple analysiert werden. Der praktischen Übersetzungskritik gehen einige theoretische Überlegungen voraus. Hintergrundinformationen zu Autorin und Werk sowie allgemeine Angaben zur Übersetzerin und Übersetzung sollen das Umfeld der Analyse näher beleuchten und das Verständnis erleichtern. Anhand konkreter Textbeispiele werden dann Kriterien der Übersetzungskritik veranschaulicht und Ausgangs- und Zieltext miteinander verglichen. Abschließend erfolgt eine Bewertung der Übersetzung.
2 Theoretische Grundlagen
In den 1970-er Jahren bildeten sich in der Übersetzungswissenschaft erste übersetzungskritische Modelle heraus, die im Hinblick auf Bewertungskriterien und Methodik jedoch variieren (Snell-Hornby 373). Weitreichend anwendbar, umfassend und detailliert ist der Ansatz von Katharina Reiß 1 . Als Ergänzung sollen die Vorschläge von Thomas Reschke und Jörn Albrecht dienen, die sich speziell mit der Analyse und Bewertung literarischer Übersetzungen beschäftigen.
2.1 Ziel und Zweck der Übersetzungskritik
Für Katharina Reiß erfüllt die Übersetzungskritik einen weitreichenden Zweck: Sie soll die Qualität der Übersetzung prüfen und zugleich sichern bzw. erhöhen. Beim Leser soll so der Wunsch nach besseren Übersetzungen geweckt werden. Schließlich schärft die Übersetzungskritik das Sprachbewusstsein und erweitert den sprachlichen sowie außersprachlichen Horizont nicht nur des Lesers, sondern auch des Übersetzers bzw. Kritikers (Reiß 7).
1 Reiß, Katharina. Möglichkeiten und Grenzen der Übersetzungskritik. Kategorien und Kriterien für eine sachgerechte Beurteilung von Übersetzungen. München: Max Hueber Verlag, 1971.
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2.2 Texttypologie Ebenso wichtig wie die Frage nach dem Ziel ist für die praktische Übersetzungskritik die Frage nach dem Ausgangspunkt, denn „der Übersetzungs-kritiker hat zunächst das jeweilige Umfeld der Übersetzung (Texttyp, Adressaten, Zweck der Übersetzung) in Augenschein zu nehmen, bevor er sich den konkreten sprachlichen Befunden zuwendet“ (Albrecht 233). Die funktionsorientierte Zuordnung des Zieltexts zu einem Texttyp bildet demzufolge eine sinnvolle Basis für eine Übersetzungsanalyse. Grundlage für die folgenden Ausführungen soll das texttypologische Konzept von Katharina Reiß sein, das auch im Handbuch Translation von Snell-Hornby et al. Verwendung findet.
Reiß’ Texttypologie gründet auf Karl Bühlers dreistrahligem Organonmodell, welches das sprachliche Zeichen einem von drei Funktionstypen zuordnet. Entsprechend unterscheidet Reiß „den darstellenden oder informativen, den ausdrucksbetonten oder expressiven und den appellbetonten oder operativen Texttyp“ (Snell-Hornby 63). Unter Voraussetzung des Funktionserhalts gelten für die Übersetzung folgende Kriterien: Beim informativen Text muss der Inhalt unverändert in die Zielsprache übertragen werden. Beim expressiven Text liegt die Betonung auf der ästhetischen Gestaltung, und der operative Text erfordert den Erhalt des Appells oder der beabsichtigten persuasiven Wirkung (Reiß 31-34).
Da Form und Inhalt sich aber nicht ohne weiteres voneinander trennen lassen, sondern stets zusammenwirken, ist eine eindeutige Zuordnung nur selten möglich (Albrecht 258): Die Textsorte des Romans zählt grundsätzlich zum expressiven Texttyp. The Color Purple ist außerdem informativ, denn der Roman zeichnet ein genaues Bild der sozialen, politischen und wirtschaftlichen Situation der unterprivilegierten schwarzen Bevölkerung in den USA zu Beginn des 20. Jahrhunderts. In Anbetracht der enthaltenen Sozialkritik spielt bei der Übersetzung des Romans nicht zuletzt auch die operative Textfunktion eine Rolle.
2.3 Äquivalenz vs. Adäquatheit
Anhand der Texttypologie kann festgelegt werden, welche Ausgangstextelemente entscheidend für die Textfunktion sind und deshalb in der Übersetzung beibehalten werden müssen; vorausgesetzt, das der Übersetzung übergeordnete Prinzip ist tatsächlich der Funktionserhalt des Ausgangstexts. Dass dies nicht immer der Fall ist, verdeutlicht die Skopostheorie. Eine wichtige Rolle spielen dabei die Begriffe Äquivalenz und Adäquatheit, die von Reiß/Vermeer wie folgt definiert werden: Äquivalenz bezeichnet die Funktionskonstanz zwischen Ausgangs- und Zieltext. Äquivalenz ist somit ausgangstextorientiert. Adäquatheit dagegen ist zieltextorientiert; sie bezieht sich auf den Skopos, den Zweck des Zieltexts, der am Adressaten ausgerichtet ist und im
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Übersetzungsauftrag bestimmt wird. Nach der Skopostheorie stellt die Erfüllung des Skopos das wichtigste Kriterium für die Übersetzung dar. Die Adäquatheit ist demnach der Äquivalenz übergeordnet (Reiß/Vermeer 100-102, 139, 140).
Vom Übersetzungsskopos ist abhängig, ob Ausgangs- und Zieltext pragmatisch gleich oder unterschiedlich gerichtet sind. Literarische Texte sind in der Regel „sowohl primär quellensprachlich also auch potentiell zielsprachlich gerichtet“ (Snell-Hornby 58) (Hervorhebung im Original) und geben damit keine eindeutige Übersetzungsmethode vor. Eine besonders originaltextgetreue, anti-illusionistische Übersetzung will dem Leser einen Eindruck von der Sprachstruktur und Kultur des Ausgangstexts vermitteln. Eine illusionistische Übersetzung dagegen will durch die völlige Adaptation an Zielsprache und Zielkultur den Leser vergessen lassen, dass er es mit einer Übersetzung zu tun hat; die Übersetzung soll wie ein Originaltext wirken, nichts ‚Fremdes’ soll man ihr anmerken (Albrecht 75).
Albrecht will dem literarischen Übersetzer die Wahl der Übersetzungsmethode erleichtern, indem er die Funktion des Ausgangstexts zum entscheidenden Kriterium erklärt (Albrecht 265). Adäquatheit versteht er als „‘der Funktion des Ausgangstextes angemessen’“. Ziel ist eine äquivalente, also in der Funktion gleichwertige Übersetzung (Albrecht 266). Reiß fordert ebenfalls, dass bei ausdrucksbetonten Texten „durch Analogie der Form ein gleichwertiger Eindruck erzielt werden“ müsse (Reiß 38) (Hervorhebung im Original). Dem stimmt Reschke zu, wenn er sagt: „Eine literarische Übersetzung soll auf den Leser in der Zielsprache im Großen und im Detail die gleiche rationale und emotionale Wirkung haben wie das Original auf den Leser in der Ausgangssprache“ (Reschke 192).
2.4 Kriterien für eine literarische Übersetzungskritik
Die Vorschläge von Reiß und Albrecht setzen voraus, dass der Kritiker Ausgangs- und Zielsprache beherrscht und die Übersetzungskritik in Abhängigkeit vom und im Vergleich zum Ausgangstext erfolgt (Albrecht 232; Reiß 11).
Reiß fordert eine objektive und konstruktive Übersetzungskritik. Der Kritiker muss seine Bewertung anhand sachgerechter Kriterien nachvollziehbar begründen und bei Übersetzungsmängeln Verbesserungsvorschläge anführen (Reiß 11-13). Eine solche objektive und sachgerechte Beurteilung erfolgt nach drei Kategorien: Die literarische Kategorie umfasst die textypologischen Merkmale, die sprachliche Kategorie die innersprachlichen Instruktionen und die pragmatische Kategorie die außersprachlichen Determinanten (Reiß 89). Damit die Umfangsvorgaben eingehalten werden, beschränkt sich die vorliegende Hausarbeit auf die Untersuchung der sprachlichen Aspekte, auf die aber auch Reschke den Schwerpunkt legt (Reschke 192-196).
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Bewertet werden muss nach Reiß, inwieweit es dem Übersetzer gelungen ist, „sich dem Willen des Autors in jeder Hinsicht unterzuordnen“ (Reiß 23), die Übersetzungsmethode entsprechend dem Texttyp zu wählen, den Übersetzungs-auftrag zu erfüllen und dem Übersetzungsskopos gerecht zu werden (Reiß 31). Reiß weist aber auch auf die Grenzen der Übersetzungskritik hin: Genau wie der Leser und der Übersetzer nähert sich auch der Kritiker dem Text subjektiv. Trotz festgesetzter Bewertungsrichtlinien ist die Analyse deshalb nie völlig objektiv, sondern stets ein Stück weit interpretativ (Reiß 107).
Dessen ist sich auch Albrecht bewusst und richtet darum die Übersetzungsanalyse ganz am Übersetzer aus: Zunächst gilt es herauszufinden, „was der Übersetzer wollte, wie er den Text verstanden“ (Albrecht 229) und für welche Übersetzungs-strategie er sich entschieden hat. Im ersten Schritt soll der Kritiker prüfen, ob die gewählte Strategie umgesetzt wurde und erst im zweiten Schritt untersuchen, ob die Strategie richtig gewählt war. Helga Pfetsch hat es sich bei der Übersetzung des Romans zum Ziel gesetzt, „nach Möglichkeit jedem Charakter eine zu ihm passende deutsche Sprache zu geben, die sich von der Sprachebene, aber auch rhythmisch und klanglich am Original orientiert“ (Pfetsch). Ob und inwieweit ihr das gelungen ist, soll unter Punkt 5 erörtert werden.
3 Ausgangstext
3.1 Autorin: Alice Walker
Als das jüngste von acht Kindern einer schwarzen Farmerfamilie wurde Alice Malsenior Walker am 9. Februar 1944 in Eatonton, Georgia, geboren. Im Alter von acht Jahren verlor sie beim Cowboy-und-Indianer-Spielen mit ihren Brüdern ihr rechtes Augenlicht. Aus Scham zog sie sich zurück, begann unzählige Bücher zu lesen und selbst Gedichte zu schreiben. Durch eine Operation gewann sie im Sommer 1958 ihr Augenlicht und damit auch ihr Selbstbewusstsein zurück. Ein Stipendium aufgrund ihrer hervorragenden schulischen Leistungen ermöglichte ihr den Collegebesuch. Als Austauschstudentin ging sie für einen Sommer nach Uganda, wo sie schwanger wurde. Den Schwangerschaftsabbruch und die dadurch bedingten Depressionen verarbeitete sie beim Schreiben von Gedichten, die 1968 in dem Sammelband Once veröffentlicht wurden. Bereits während ihres Studiums engagierte sie sich im Civil Rights Movement 2 . 1967 heiratete sie den weißen Bürgerrechtler und Anwalt
Melvyn Leventhal, mit dem sie eine Tochter bekam und von dem sie sich 1976 wieder scheiden ließ.
2 Civil Rights Movement: US-weite Bürgerrechtsbewegung in den 1950er und 1960er Jahren. Ziel war die Aufhebung der Rassentrennung und die Gleichstellung der Afroamerikaner in allen Lebensbereichen. Zentrale Leitfigur und Verfechter des gewaltlosen Protests war Martin Luther King Jr. (civil rights movement).
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Quote paper:
Rebekka Hahn, 2006, Alice Walker: The Color Purple - Analyse der deutschen Übersetzung, Munich, GRIN Publishing GmbH
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