Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Professions- und Professionalisierungsaspekt 5
2.1 Definition: Profession 5
2.1.1 Merkmale einer Voll-Profession 6
2.1.2 Merkmale einer Semi-Profession 6
2.2 Definition: Professionalisierung 7
2.3 Relevanz der Professionalisierung 8
2.4 Professionalisierungsstand des Lehrerberufs 9
2.4.1 Professioneller und Klient 9
2.4.2 Professioneller und „Gesellschaft“ 10
3 Vorurteile und Aufgaben des Lehrerberufs 12
3.1 Unterrichten als Halbtagsjob? 12
3.2 Aufgaben und Problematik der Lehrerarbeit 13
4 Der Lehrerberuf: Vom Idealismus zur Überforderung? 17
5 Fazit 20
Literaturverzeichnis 22
2
1 Einleitung
Wie schon der lateinische Satz „Non scholae, sed vitae discimus“ den Fokus auf das Lernen in der Schule als grundlegende Basis für das weitere Leben jedes einzelnen richtet, impliziert er gleichzeitig die Wichtigkeit einer, die der das Wissen an die Schüler vermittelnden Person. Diese Person ist der Lehrer und zählt mit seiner Arbeit die Schüler zu selbstständigen Erwachsenen zu erziehen und ihnen bei der Lösung ihrer Probleme zu helfen, zu den wichtigsten Menschen, die von Anfang an Schüler in ihren Erfahrungen, innerhalb und außerhalb der Schule, prägen und anleiten. Wenn in meiner Hausarbeit häufiger von „dem Lehrer“ oder „dem Schüler“ die Rede ist, dann ist selbstverständlich aber auch immer „die Lehrerin“ oder „die Schülerin“ damit gemeint. Um daher die Wichtigkeit des Lehrerberufs zu verdeutlichen, möchte ich kurz auf den historischen Abriss des Berufs in Deutschland eingehen. Es ist eine Tatsache, dass der Lehrerberuf zu den wichtigsten Berufen in einer Gesellschaft gehört, in der formale Qualifikationen eine unabdingbare Voraussetzung für den beruflichen ökonomischen Erfolg bilden. Bereits mit der Unterrichtspflicht, die in Preußen ab 1794 (Allgemeines Landrecht) galt und in anderen deutschen Staaten im Lauf des 19. Jahrhunderts eingeführt wurde, war die Schule zur wichtigsten Institution der Reproduktion der die Gesellschaft tragenden Normen und Werte geworden. 1 Da niemand sich dem Einfluss der Schule entziehen kann, ist der Lehrerberuf mehr als alle anderen akademischen Berufe bestimmend für das Schicksal eines jeden Menschen. Schon für den Arztberuf gilt dies nicht mit der gleichen Ausschließlichkeit, noch viel weniger für die Berufe des Anwalts oder des Steuerberaters. Dagegen ist jedes Mitglied der Gesellschaft für die Dauer der Schulpflicht dem Einfluss von Lehrern ausgesetzt. So hat der Lehrerberuf aufgrund der Durchsetzung der Unterrichtspflicht und später dann der Schulpflicht einen im sozialhistorischen Vergleich bedeutenden Aufstieg erlebt. Von den Anfängen des Lehrerberufs, der von gebildeten Sklaven im antiken Rom ausgeübt wurde bis zu den arbeitslosen Handwerkern, die sich als Lehrer betätigten, ist der Lehrerberuf, nach Schwänke, zu einem geachteten und einträglichen Lebensberuf geworden. 2 Seit Beginn des 20. Jahrhunderts sind auch die Lehrer an Volksschulen fachlich entsprechen ausgebildet worden, so dass von da an nicht nur die Lehrer an höheren Schulen ihren Beruf als Hauptberuf ausüben konnten. Sofern der Lehrerberuf als Hauptberuf und somit als Lebensberuf ausgeübt werden kann, wie Schwänke erläutert, beinhaltet der Lehrerberuf den Aspekt Professionalisierung, hinsichtlich einer universitären Ausbildung und einer klientbezogenen Berufsausübung, auf den ich in meiner Hausarbeit
1 Schwänke, Ulf: Der Beruf des Lehrers. Juventa. Weinheim 1988. S. 11
2 ebd. S. 11
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näher eingehen werde. Des Weiteren werde ich den Aspekt der Profession, nach einer kurzen Definition, auch auf den Lehrerberuf in Bezug setzten und nachdem ich zwischen Voll- und Semi-Profession unterschieden habe, werde ich, nach deiner kurzen Definition des Begriffs der Professionalisierung, auf die Relevanz dessen bezüglich des Lehrerberufs sowie auf den Professionalisierungsstand des Lehrerberufs eingehen. Zusätzlich unterscheide den Professionalisierungsstand betreffend, zwischen den beiden zentralen Dimensionen a) Professioneller-Klient und b) Professioneller-„Gesellschaft“. Da Lehrerarbeit und Lehrerbildung in den letzten Jahren zu einem in der Öffentlichkeit mit großem Interesse diskutieren Thema geworden ist, möchte ich im Folgenden sowohl die Vorurteile bezüglich des Lehrerberufs als Halbtagsjob widerlegen als auch die Aufgaben der Lehrerarbeit aufzeigen, die durch den Erwerb eines differenzierten pädagogischen Handlungsrepertoires seitens der Lehrer realisiert werden. Abschließend werde ich spezielle unter dem Aspekt der psychischen Belastung aufzeigen, dass es sich bei dem Lehrerberuf um einen idealistisch geprägten, aber dennoch anstrengenden Beruf handelt, bei dem sich die sozialkommunikativen, emotionalen und motivationalen Anforderungen als schwer erfüllbar und belastend erweisen. So werde ich im Verlauf meiner Hausarbeit deutlich machen, dass der Lehrerberuf nicht dem gängigen Klischee eines bequemen, mit gutem Gehalt und langen Ferien ausgestatteten Halbtagsjob entspricht, sondern eher einer von nicht zu unterschätzenden Aufmerksamkeitsleistungen geprägter Arbeitsleistung, bei der ständig ein hohes Maß an fokussierter und verteilter Aufmerksamkeit gefordert ist. 3
3 Schaarschmidt, Uwe (Hrsg.): Halbtagsjobber? Beltz. Weinheim 2005. S. 15
4
2 Professions- und Professionalisierungsaspekt
In diesem Abschnitt meiner Hausarbeit werde ich zuerst die Begriffe der Profession und Professionalisierung definieren und erläutern im welchem Verhältnis der Aspekt der Profession und der Professionalisierung zum Lehrerberuf steht. Des Weiteren werde ich aufzeigen, dass der Lehrerberuf, hinsichtlich des historisch-gesellschaftlichen Prozesses der Professionalisierung, Defizite in der Auffassung seines beruflichen Niveaus und gesellschaftlichem Status aufweist.
2.1 Definition: Profession
Mit dem Begriff der Profession wird nicht die Tätigkeit als solche bezeichnet, sondern meint eine gesellschaftlich hoch anerkannte, an bestimmte Ausbildungsbedingungen geknüpfte Qualifikation, in welcher gesellschaftliche Wertstandards deutlich werden. 4 Dieses Kriterium einer Profession, in der gesellschaftliche Wertestandards zum Ausdruck kommen, lässt sich auch vom Wort selbst, das aus dem Lateinischen professio stammt und den öffentlichen Beruf meint, ableiten. So entwickelt sich die sonst in Zusammenhang mit anderen gesellschaftlichen Funktionen ausgeübte sozial notwendige Tätigkeit aufgrund von Arbeitsteilung und gesellschaftlicher Differenzierung zu einer Profession, wie die Profession des Geistlichen und des Gelehrten. Die Entwicklung von einer Tätigkeit, die in Zusammenhang mit anderen gesellschaftlichen Funktionen ausgeübt wurde, hin zu einer Profession, die durch
Arbeitsteilung und gesellschaftlicher Differenzierung wie auch Wertschätzung charakterisiert ist, wird als Professionalisierung bezeichnet. Bevor ich den Begriff der Professionalisierung hinsichtlich des Lehrerberufs im nächsten Abschnitt näher erläutere, möchte ich kurz auf die charakteristischen Merkmale der Voll-Professionen und Semi-Professionen 5 eingehen, da dies für das Verständnis und den weiteren Verlauf meiner Hausarbeit von Bedeutung ist.
4 Schmitt, Guido: Beruf und Rolle des Lehrers. Ravensburg Freiburg 1973. S. 43
5 Etzioni, Amitai.: Soziologie der Organisation. Juventa. München 1978. S. 138
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2.1.1 Merkmale einer Voll-Profession
Die Vielzahl an Merkmalen, die eine Profession beinhaltet und mit der sie als Voll-Profession, wie es die Berufe des Arztes oder des Juristen bezeichnet werden, gilt, ist nach Leggatt, entscheidend für ihre öffentliche Wertschätzung. Am häufigsten werden folgende Kriterien als charakteristische Merkmale von Professionen genannt:
- Berufsausübung auf wissenschaftlicher Grundlage
- lange Spezialausbildung an der Universität
- altruistisch motivierte klientbezogene Berufsausübung
- sorgfältige Kontrolle der Ausbildung und der Ausübung des Berufs
- ein stark ausgeprägtes, möglichst kodifiziertes Berufsethos (vgl. Schweigepflicht des Arztes, Beichtgeheimnis)
- ein hohes soziales Ansehen
- Autonomie der Berufsausübung als auch jedes einzelnen Angehörigen der Berufsgruppe.
Je mehr der Lehrerberuf diesen Kriterien, durch den Prozess der Professionalisierung, der zu einer diesen Kriterien entsprechenden Berufsausübung hinführt, entspricht, desto eher wird er als Profession bzw. Voll-Profession bezeichnet werden können, die ein handlungslogisches und kompetenztheoretisches Handeln beinhalten. 6
2.1.2 Merkmale einer Semi-Profession
Nach Leggatt, sind die Merkmale einer Semi-Profession zu charakterisieren durch 7 :
- einen hohen Anteil weiblicher Mitglieder
- Beschäftigung in bürokratischen Organisationen
- kurze Ausbildung
- geringeres soziales Ansehen
- weniger vereinbartes Spezialwissen
- keine autonome bzw. nur teil-autonome Bestimmung (vgl. Klassenzimmer) über Berufsausübung
- kein kodifiziertes Berufsethos
Je weniger der Lehrerberuf diesen Kriterien entspricht, desto eher tendiert der Lehrerberuf sich zu einer Voll-Profession zu entwickeln. 8 Im Folgenden werde ich, nach einer Definition
6 Leggatt, T.: Teaching as a Profession. In: Jackson, J.A. (Hrsg.): Professions and Professionalization. Cambridge. London 1970. S. 155-156
7 ebd. S. 175
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Arbeit zitieren:
Hildegard Schnell, 2007, Der Beruf des Lehrers, München, GRIN Verlag GmbH
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