LVA: Intensivierungskurs Sozialpolitik in Österreich
SoSe 2007, Verfasserinnen: Eva Jungmair und Verena Knoll
Armut und soziale Ausgrenzung in Österreich
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung ... 4
2. Definition Armut ... 5
2.1. Absolute und relative Armut ... 5
2.2. Definition Äquivalenzeinkommen ... 6
2.3. Messung von Armut ... 7
2.3.1. Ernährungsstandards ... 7
2.3.2. Warenkorbmethode ... 7
2.3.3. Deprivationsindex (Verhaltensansatz) ... 8
3. Definition Soziale Ausgrenzung ... 8
4. Entwicklung der Armutsdiskussion in Österreich ... 9
5. Aktuelle Situation in Österreich ... 11
6. Spezielle Formen der Armut ... 13
6.1. Frauenarmut in Österreich ... 13
6.2. Kinderarmut ... 14
7. Obdachlosigkeit in Österreich ... 16
7.1. Literatur und wissenschaftliche Forschung ... 16
7.2 Situation der Obdachlosen in Österreich ... 18
7.3. Situation in Linz ... 20
8. Politik zur Armutsbekämpfung ... 22
8.1. Die Sozialhilfe ... 23
8.1.1 Ziele der Sozialhilfe ... 23
8.1.2 Hilfe in besonderen Lebenslagen ... 24
8.1.4. Soziale Dienste ... 25
8.1.5. Probleme bei der Sozialhilfe ... 25
9. Aktuelles Regierungsprogramm ... 26
Quellenverzeichnis ... 27
Abbildungsverzeichnis
[...]
1. Einleitung (Verena Knoll)
„Arm ist nicht nur, wer obdachlos ist und in Pappschachteln leben muss,
sondern wer am Alltagsleben nicht teilnehmen kann.“1
Armut und soziale Ausgrenzung sind auch in Österreich, einem der reichsten
Industrieländer der Welt, präsent und nicht nur materiell spürbar. Die Angst vor
Armut ist in den Köpfen der österreichischen Bevölkerung fest verankert.
Oft werden nur Personen als „arm“ gesehen, die kein Obdach mehr haben und auf
einer Parkbank schlafen. Es sind jedoch viel mehr Österreicher/innen von Armut
betroffen, als man annehmen würde. Viele diese Österreicher/innen nehmen ihre
Armut oftmals selbst als solche gar nicht wahr, da Armut viele Facetten in sich
birgt. Diese Menschen fallen unter den Begriff der versteckten Armut, da sie bei
den offiziellen Statistiken nicht erfasst werden.
Um als arm zu gelten reicht es schon, nebst einem geringen Einkommen, eines der
folgenden Kriterien zu erfüllen:
- Leben in einer Substandardwohnung
- Nöte beim Beheizen der Wohnung, bei der Anschaffung von Kleidern oder beim
Kauf von Lebensmitteln
- Wenn es nicht möglich ist, zumindest einmal im Monat jemanden nach Hause zum
Essen einzuladen
- Mietrückstände, Rückstand beim Bezahlen der Betriebskosten oder eines Kredites
Im Folgenden möchten wir näher auf die einzelnen Facetten von Armut und sozialer
Ausgrenzung eingehen und veranschauliche, welche Gruppen in Österreich besonders
von Armut betroffen sind.
2. Definition Armut (Verena Knoll)
Da es unterschiedlichste Ausprägungen von Armut gibt, gestaltet es sich als
sehr schwierig einen objektiven Armutsbegriff zu definieren. Nicht nur das
lebensbedrohliche Elend der Entwicklungsländer, sondern auch die immer stärker
auftretenden Mangelzustände in den westlichen Industriestaaten, fallen unter den
Armutsbegriff.
Laut EU gilt folgende Definition von Armut: „Arm sind jene Personen, Familien
und Gruppen, die über so geringe (materielle, kulturelle und soziale) Mittel
verfügen, dass sie von der Lebensweise ausgeschlossen sind, die in dem
Mitgliedstaat, in dem sie leben, als Minimum annehmbar ist." 2
2.1. Absolute und relative Armut
Von absoluter Armut wird gesprochen, wenn „eine Person oder Personengruppe
nicht über jenes Mindestmaß an Gütern verfügt, das in der jeweiligen
Gesellschaft als Voraussetzung für ein „menschenwürdiges“ Dasein erachtet
wird.“3
Hier bezeichnet man vor allem den Mangel an Mitteln zur Deckung der
Grundbedürfnisse. Heutzutage findet man diese extreme Form der Armut
hauptsächlich in Entwicklungsländern, jedoch sind auch bestimmte Personengruppen
in Industriegesellschaften davon betroffen, wie zum Beispiel Obdachlose und
Drogensüchtige.
Der relative Armutsbegriff definiert Armut hingegen immer im Verhältnis zum
Durchschnitt der jeweiligen Gesellschaft. Nicht die Deckung der Grundbedürfnisse
gilt als zentrales Problem der Betroffenen, sondern die eingeschränkte Teilhabe
am gesellschaftlichen Leben aufgrund mangelnder Ressourcen macht den Armen zu
schaffen. Die armen Bevölkerungsschichten sind demnach nicht in der Lage den
Lebensstandard zu genießen, der dem Großteil der Gesellschaft zuteil wird. Im EU
weiten Vergleich wurde bis dato primär die relative Einkommensarmut
herangezogen. 4
Der von der EU festgelegte kritische Wert liegt diesbezüglich bei 60% des
nationalen durchschnittlichen Äquivalenzeinkommens. Das bedeutet, dass alle
Personen, die weniger als 60% des Durchschnittseinkommens ihres Landes
verdienen, besonders armutsgefährdet sind. Kritik an dieser Art der Definition
von Armut wird vor allem dadurch laut, dass die alleinige Betrachtung des
Einkommens zu wenig über die tatsächliche Lebenslage der Betroffenen auszusagen
vermag. Hinzu kommt, dass wie auch immer begründete Verschiebungen der Höhe des
Durchschnittseinkommens nach oben oder nach unten, den Anteil der armen
Bevölkerung blitzartig vergrößern oder verkleinern können. So führt
beispielsweise der Wegzug von sehr begüterten Gesellschaftsmitgliedern zu einer
Senkung des Durchschnittseinkommens und somit zu einer Abnahme der Zahl
derjenigen, die unterhalb der Armutsgefährdungsschwelle leben, obwohl sich an
der Lebenslage dieser Personen nichts verändert hat.5
2.2. Definition Äquivalenzeinkommen
„Äquivalenzzahlen sind ein Weg, unterschiedliche Haushaltsstrukturen hinsichtlich der Wohlfahrtsimplikationen ihrer Einkommenssituation vergleichbar zu machen. Sie geben den relativen Einkommensbetrag an, den Haushalte unterschiedlicher Zusammensetzung benötigen, um dasselbe Niveau wirtschaftlicher Wohlfahrt zu erreichen.“6
2.3. Messung von Armut
Es gibt verschiedenste Möglichkeiten die Armut einer Bevölkerung zu messen. Diese Methoden sollen in den nächsten Punkten auszugsweise erläutert werden.
2.3.1. Ernährungsstandards
Die älteste Methode der Armutsmessung sind Ernährungsstandards. Hierbei wird
die Ernährung als Grundlage zur Abgrenzung des Existenzminimums herangezogen.
Andere Lebensbereiche werden dabei außer Acht gelassen.
Die Maßgröße ist der Grundkalorienbedarf eines Menschen, aus dem dann ein
Mindestgeldbetrag errechnet wird. Eine der Kritiken an der Festlegung der
Armutsgrenze an den Ernährungsstandards ist unter anderem die Tatsache, dass
unterschiedliche Ernährungsgewohnheiten bei dieser Art der Berechnung außer Acht
gelassen werden. Des Weiteren wir kritisiert, dass Faktoren, welche über die
Ernährung hinausgehen, wie zum Beispiel soziale und kulturelle Bedürfnisse, bei
dieser Methode in keinster Weise Berücksichtigung finden. 7
2.3.2. Warenkorbmethode
Bei dieser Methode geht man von einem so genannten Warenkorb aus, der die Minimalbedürfnisse einer Person in den Bereichen Ernährung, Heizung und Beleuchtung, Instandhaltung, Wäsche, Körperpflege und Reinigung sowie persönliche Bedürfnisse des täglichen Lebens ermöglichen soll. Diese Minimalbedürfnisse sollen der „Würde eines Menschen“ entsprechen. Durch die Bewertung der im Warenkorb enthaltenen Produkte mit Marktpreisen, gelangt man zu einem Mindesteinkommen, das die Armutsgrenze darstellt. 8
2.3.3. Deprivationsindex (Verhaltensansatz)
Bei einem Deprivationsindex, auch Verhaltensansatz genannt, wird versucht, Einkommen und Verhalten in Beziehung zu setzen. Nach Townsend liegt relative Deprivation dann vor, wenn es eine signifikante Trennung zwischen den Lebensbedingungen der Mehrheit der Gesellschaft und der Bevölkerungsgruppe gibt, die als arm bezeichnet werden könnte. Mit dem Deprivationsindex wird Armut als Abweichung des Lebensstils einer Bevölkerungsgruppe von der Gesamtgesellschaft definiert. 9
[...]
1 http://www.salzburger-armutskonferenz.at/themaarmut.htm. downgeloadet am
07.06.07; 10:14
2 http://www.salzburger-armutskonferenz.at/themaarmut.htm. downgeloadet am
07.06.07; 10:15
3 Badelt/Österle (2001): Grundzüge der Sozialpolitik, Wien: Manzsche Verlags-
und Universitätsbuchhandlung S. 227
4 http://soziologisch.info-lounge.at/?p=12 downgeloadet 07.06.07, 10:40
5 http://soziologisch.info-lounge.at/?p=12 downgeloadet 07.06.07, 10:40
6 Badelt/Österle (2001):Grundzüge der Sozialpolitik, Wien: Manzsche Verlags- und
Universitätsbuchhandlung, S. 226
7 Vgl. Badelt/Österle (2001):Grundzüge der Sozialpolitik, Wien: Manzsche
Verlags- und Universitätsbuchhandlung, S. 229f
8 Vgl. Badelt/Österle (2001):Grundzüge der Sozialpolitik, Wien: Manzsche
Verlags- und Universitätsbuchhandlung, S. 230
9 Vgl. Badelt/Österle (2001):Grundzüge der Sozialpolitik, Wien: Manzsche
Verlags- und Universitätsbuchhandlung, S. 230f
Quote paper:
Verena Heitzinger, Eva Jungmair, 2007, Armut und soziale Ausgrenzung in Österreich, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Armut in Österreich: Aktuelle Zahlen - Working poor, prekäre und atypi...
Scholary Paper (Seminar), 11 Pages
Der Umgang mit Macht in der Sozialen Arbeit. Sozialarbeit im Spannungs...
Termpaper, 20 Pages
„Vom Umgang mit der Zunahme psychischer Störungen und Erkrankungen im ...
Scholary Paper (Seminar), 20 Pages
Lebensweltorientierte Soziale Arbeit
Presentation (Elaboration), 18 Pages
Qualitative Sozialforschung nach Anselm L. Strauss - Genese und Fundam...
Pedagogy - Science, Theory, Anthropology
Scholary Paper (Seminar), 16 Pages
Lernen und Gedächtnis - Episodisches Gedächtnis und Augenzeugengedächt...
Psychology - Developmental Psychology
Termpaper, 14 Pages
Sozialpädagogische / Advokator...
Presentation (Elaboration), 16 Pages
Zu Fragen des Sprachverhaltens russischer Bürger deutscher Nationalitä...
Pedagogy - Miscellaneous Topics
Termpaper, 21 Pages
Folgeschäden und Therapiemögli...
Termpaper, 56 Pages
Eskalierende Elternkonflikte – Interventionsmöglichkeiten der professi...
Bachelor Thesis, 41 Pages
Methoden zur Zusammenarbeit mit Klienten bei Zwangskontakten in sozial...
Diploma Thesis, 71 Pages
Die Chancenstrukturtheorie von Cloward und ihre Bedeutung für die Theo...
Sociology - Classics and Theoretical Directions
Scholary Paper (Seminar), 16 Pages
Sprechen sie mit ihren Mitarbeitern!
Sociology - Work, Profession, Education, Organisation
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 12 Pages
Sozialarbeiterische Unterstützungsmöglichkeiten bei sexuellem Missbrau...
Scholary Paper (Seminar), 24 Pages
Zu: Lamnek, Siegfried 2005: Qualitative Sozialforschung, 4., vollständ...
Literature Review, 6 Pages
Die UN-Konvention zum Schutze der Rechte von Menschen mit Behinderung
Nur schöne Worte oder auch Per...
Pedagogy - Orthopaedagogy and Special Education
Scholarly Essay, 24 Pages
"Frauenhandel" in Diskurs und Politik
Pierre Bourdieus Begriffe der ...
Ethnology / Cultural Anthropology
Essay, 10 Pages
Politics - Miscellaneous: new text published: Armut und soziale Ausgrenzung in Österreich
Verena Heitzinger's text Armut und soziale Ausgrenzung in Österreich is now available as a printed book
Verena Heitzinger has published the text Armut und soziale Ausgrenzung in Österreich
Kirchen aktiv gegen Armut und Ausgrenzung
Theologische Grundlagen und pr...
Johannes Eurich, Gerhard Wegner, Florian Barth, Klaus Baumann
Armut trotz Arbeit. Die neue Arbeitswelt als Herausforderung für die S...
Die neue Arbeitswelt als Herau...
Jean-Michel Bonvin, Monica Budowski, Pascale Gazareth, Katia Iglesias, Klaus Kraemer, Rolf Küttel, Michael Nollert, Jean M. Bonvin
Wohlfahrtsproduktion und die n...
Bernd Dollinger, Henning Schmidt-Semisch
Diana Auth, Gotthard Breit, Klaus Detterbeck, Peter Massing, Oscar W. Gabriel, Michael Hofmann
Das Ende des sozialen Friedens?
Politik und Protest in Zeiten ...
Christian Lahusen, Britta Baumgarten
Theologie und Soziale Wirklichkeit. Grundbegriffe
Volker Herrmann, Ralf Hoburg, Ralf Evers, Renate Zitt
Armut überwinden durch Soziale Marktwirtschaft und Mittlere Technologi...
Ein Strategieentwurf für Entwi...
Hans-Gert Braun
0 comments