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Inhaltsangabe
Seite
1. Einleitung 2
2. Entstehung und Überlieferung der Origines 3
3. Die Struktur der Origines 6
a) Der Inhalt der Bücher I bis VII 6
b) Die Einheit der Origines 11
4. Catos Quellen für seine Origines 14
a) Griechische Einflüsse und Quellen 14
b) Die Voraussetzungen für Cato in Rom 16
c) Lokale Quellen 18
d) Persönliche Erfahrungen Catos 19
5. Methoden Catos zur Abfassung seines Geschichtswerkes 19
6. Intentionen Catos bei der Abfassung der Origines 22
7. Schlußwort 25
8. Literaturverzeichnis 29
a) Quellen und Textausgaben 29
b) Sekundärliteratur 29
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Als M. Porcius Cato Censorius (234-149) 1 die Origines verfaßte, schrieb er gleichsam das erste römische Geschichtswerk in lateinischer Sprache und machte so die Sprache der Römer auch zu derjenigen der römischen Geschichtsschreibung. 2 Schon allein diese Tatsache zeigt die Wichtigkeit dieses Werkes für die römische Literatur, aber auch für die Persönlichkeit Catos selber, auf.
"(M. Porcius Cato Censorius) senex historias scribere instituit. earum sunt libri septem. primus continet res gestas regum populi Romani, secundus et tertius unde quaeque ciuitas orta sit Italica, ob quam rem omnes Origines uidetur appellasse. in quarto autem bellum Poenicum est primum, in quinto secundum. atque haec omnia capitulatim sunt dicta. reliquaque bella pari modo persecutus est usque ad praeturam Seruii Galbae, qui diripuit Lusitanos: atque horum bellorum duces non nominauit, sed sine nominibus res notauit. in iisdem exposuit quae in Italia Hispaniisque aut fierent aut uiderentur admiranda: in quibus multa industria et diligentia comparet, nulla doctrina." 3
Diese Textstelle ist das "by far the most important of the ancient statements" 4 über die Origines Catos. Es wurde geschrieben von Cornelius Nepos, der seine Vita Catonis etwa 36 v.Chr. verfaßte 5 . Nepos, dessen hier vorliegende Inhaltsangabe der Origines alles andere als genau und eindeutig ist 6 , kommentiert dieses Werk bei seiner kurzen Erwähnung als mit Fleiß und Sorgfalt, aber ohne "doctrina" abgefaßte Bücher, geht dabei jedoch in keiner Weise auf ihren Wert für die römische Geschichtsschreibung bzw. die römische Literatur im allgemeinen ein.
Über die Interpretation von "doctrina" in diesem Zusammenhang besteht übrigens Unklarheit 7 , die es an dieser Stelle jedoch nicht ausführlich zu diskutieren gilt; der Verfasser schließt sich der Auffassung Timpes an, "doctrina" sei die wissenschaftliche Aufarbeitung
1 A.E. Astin: Cato the Censor, Oxford 1978 (künftig zitiert als Astin), 1.
2 D. Timpe: Le "Origini" die Catone e la storiografia latina, in: Atti e Memorie dell´ Academia Pataviana di Scienze, Lettere ed Arti 83, 1970/71, III (künftig zitiert als Timpe), 7.
3 Cornelius Nepos: Exerptum e libro Cornelii Nepotis de latinis historicis. M. Cato 3, 3-4, in: Cornelii Nepotis vitae cum fragmentis, ed. P.K. Marshall, Stuttgart Leipzig 1991 (künftig zitiert als Nep.Cat.) 4 Astin 212.
5 O. Schönberger: M. Porci Catonis scripta quae manserunt omnia. Marcus Porcius Cato Vom Landbau. Fragmente. Alle erhaltenen Schriften, Darmstadt 1980 (künftig zitiert als Schönberger), 387. 6 So urteilen beispielsweise R. Meister: Zu römischen Historikern, in: Anzeiger der österreichischen Akademie der Wissenschaften. Philosophisch-historische Klasse, 1964, 1 (künftig zitiert als Meister), 2, D. Flach: Einführung in die römische Geschichtsschreibung, Darmstadt 2 1992 (künftig zitiert als Flach), 69 ff., Astin 212 ff. und M. Chassignet: Caton Les Origines (Fragments). Introduction, Paris 1986 (künftig zitiert als Chassignet I), 10 ff.
7 Timpe 18, Anm. 62.
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des vorhandenen Materials 8 . Im Gegensatz dazu behauptet Meister 9 mit Leo 10 , "nulla doctrina" sei die Nichtberücksichtigung griechischer Quellen, desgleichen heißt es für Knoche 11 "sonder Buchwissen". 12 In der vorliegenden Arbeit wird auf der Frage das Hauptgewicht liegen, ob diesem Werk eine Gesamtkonzeption zugrunde liegt und, falls dem so ist, wie diese ausgesehen haben kann -auch hierzu macht Nepos nur ungenaue Feststellungen. Im Laufe dieser Untersuchung soll also nach einer kurzen Darstellung der Überlieferung der Origines auf ihre Struktur eingegangen werden; nach einer Bearbeitung der dafür zugrundeliegenden Quellen geht es um Catos Methoden und Zielsetzungen, bevor dann versucht werden soll, Cato als Geschichtsschreiber zu bewerten.
Dagegen soll eine stilistische und sprachliche Untersuchung und damit die für diesen Aspekt ausschlaggebende Caedicius-Passage 13 weitestgehend beiseite gelassen werden 14 , da diese ohne Relevanz für die Leitfrage ist; weiterhin das Fortwirken der Origines, eine sicherlich auch für diese Arbeit interessante Frage, die aber deren Rahmen sprengen würde, und schließlich die (mindestens) zwei eigenen, in die Origines eingebauten Reden Pro Rhodiensibus 15 und In Servium Galbam, deren Bearbeitung Aufgabe einer Arbeit über Cato als Redner ist.
2. Entstehung und Überlieferung der Origines
Schon für seinen 192 v.Chr. geborenen Sohn Marcus verfaßte M. Porcius Cato ein Geschichtswerk, damit jener aus der Kenntnis von Taten und Sitten der Vorfahren Nutzen ziehen könne 16 . Völlig unabhängig davon 17 begann er später sein eigentliches historisches Werk, die Origines. Es ist zwar nicht möglich, deren Abfassungszeit exakt zu datieren, da
8 Ders. 20.
9 Meister 7.
10 F. Leo: Geschichte der römischen Literatur. 1.Bd.: Die archaische Literatur, Berlin 1913 (künftig zitiert als Leo), 298.
11 U. Knoche: Roms älteste Geschichtsschreibung, in: V. Pöschl: Römische Geschichtsschreibung, Darmstadt 1969 (künftig zitiert als Knoche I) 236.
12 Das vor allem die beiden letzten Ansichten nicht zutreffend sein können: s.u. S. 6 sowie S. 12 ff. 13 M. Chassignet (Hg.): Caton. Les Origines (Fragments), Paris 1986 (künftig zitiert als Origines), IV, 7. 14 Eine eingehende Untersuchung dazu liegt bei M. von Albrecht: Meister römischer Prosa. Von Cato bis Apuleius, Darmstadt 2 1983 (künftig zitiert als Albrecht Prosa) vor.
15 M. Chassignet: Caton et l´impérialsme romain au II e siècle av. J.-C. d´après les Origines, in: Latomus 46, 1987 (künftig zitiert als Chassignet II), 295 bespricht anhand dieser Rede ausführlich die politischen und ökonomischen Vorstellungen Catos, die an dieser Stelle am klarsten zum Ausdruck kommen. Aber auch hierauf kann leider aus Platzgründen nicht weiter eingegangen werden.
16 Plutarch: Marcus Cato 20,7; zit. n. Schönberger.
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aber Nepos schreibt, Cato habe sein Geschichtswerk als senex, d.h. mit über 60 Jahren, begonnen 18 , läßt sich der Beginn der Abfassung des ersten Buches frühestens für das Jahr 174 annehmen; und da im zweiten Buch die Gründung der umbrischen Stadt Ameria auf 963 Jahre vor dem Krieg gegen Perseus (171-168) fixiert wird 19 , kann dieses nicht vor 168 geschrieben worden sein. 20 Cato schrieb bis zu seinem Tode am siebten Buch der Origines; nachdem seine noch 149 gehaltene Rede gegen den Propraetor Servius Galba, der 151 als Statthalter in der spanischen Provinz eine Gruppe Lusitanier, die sich bereits ergeben hatten, getötet oder versklavt hatte 21 , eingearbeitet war, blieb ihm nur noch wenig Zeit: "M. Cato legem suadens in Galbam multa dixit; quam orationem in Origines suas rettulit paucis antequam mortuus est diebus an mensibus" 22 .
Nach seinen Ausführungen zu Beginn seines Werkes über die Aufgaben eines römischen Privatmanns 23 ist es zweifelhaft, daß, wie Marmorale behauptet, Cato seine Origines nie veröffentlicht habe, da er es gar nicht gewollt habe; er sei wohl selber nicht zufrieden mit seinem Werk gewesen und habe es daher für sich behalten 24 . Sinnvoller ist es da doch, daß Cato durch seinen Tod daran gehindert worden ist, seine Arbeit zu publizieren. Es ist nicht genau bekannt, wann die Origines überhaupt zum erstenmal veröffentlicht worden sind, vielleicht durch Staberius Eros 25 , einem Grammatiker aus der Ära Sullas, oder durch Valerius Antias 26 , einem Annalisten der gleichen Zeit. Mit Sicherheit waren sie in der Zeit der späten Republik weithin bekannt, beispielsweise bei Cicero, Sallust (s.u.) und Nepos 27 . Varro, Livius 28 , Dionysios von Halikarnas und der ältere Plinius haben aus den Origines geschöpft. 29
17 M. von Albrecht: Geschichte der römischen Literatur, Bd. 1, München 2 1994 (künftig zitiert als Albrecht Literatur), 317 und Timpe 11 sind hierin gegen die nicht belegbare Meinung, es bestünde ein Zusammenhang zwischen den beiden Werken, wie es beispielsweise M. Gelzer, R. Helm: Art. `M. Porcius Cato Censorius´, RE 43. Hb. (künftig zitiert als Helm), 146 vermuten.
18 Nep.Cat 3, 3.
19 Origines II, 16: "Ameriam supra scriptam Cato ante Persei bellum conditam annis DCCCCLXIII prodit." 20 Timpe 10 und Chassignet I 7 f. Der Krieg gegen Perseus mußte, entgegen Leo 291, beendet gewesen sein, sonst hätte eine Datierung mit Hilfe dieses Krieges wohl keinen Sinn gemacht.
21 Schönberger 391.
22 Cic., Brut. 89; zit. n. Chassignet I 8. Im Zusammenhang mit dem Problem der Abfassungszeit des Gesamtwerks stellt sich die Frage der Datierung der einzelnen Bücher, die aber ihrerseits auf die vieldiskutierte Frage hinausläuft, ob Cato überhaupt ein zusammenhängendes Werk oder zwei voneinander unabhängige geschaffen hat. Darauf aber soll erst später (S. 9 ff.) eingegangen werden.
23 Origines I, 2; s.u. S. 5 sowie S. 20.
24 E.V. Marmorale: Cato Maior, Bari 2 1949 (künftig zitiert als Marmorale), 231.
25 M. Schanz, C. Hosius: Geschichte der römischen Literatur. Bis zum Gesetzgebungswerk des Kaisers Justinian. 1.Teil: Die römische Literatur in der Zeit der Republik, München 4 1927 (künftig zitiert als S.- Hosius), 189.
26 Flach 70.
27 Chassignet I 30.
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Neben den Gesamtausgaben gab es aber auch schon bald Teilausgaben wie Sammlungen von Besonderheiten, u.a. der immer beliebter werdenden Archaismen, beispielsweise der Singularia Catonis des Statilius Maximus in der Zeit Hadrians; dieser Kaiser soll seinerseits den älteren Cato dem Cicero vorgezogen haben. 30 Dennoch gingen die größten Teile der Origines, vor allem aus den letzten vier Büchern 31 , recht schnell verloren -das Gesamtwerk wurde ja auch durch die jüngeren Historiker wie beispielsweise Livius uninteressant 32 ; bereits im zweiten Jahrhundert zitiert sie Festus, ein Grammatiker, nach den (heute ebenfalls verlorenen) Libri de obscuris Catonis des Verrius Flaccus, einem Grammatiker der frühen Kaiserzeit 33 ; von Macrobius, Johannes Stobaios und schließlich Isidor von Sevilla existieren die letzten Zitate aus dem Original, dann scheint das Werk vergessen. 34 Heute sind die Origines also nur noch fragmentarisch durch die Zitate anderer antiker römischer oder griechischer Schriftsteller und Grammatiker bekannt, wie es für die archaische Literatur im allgemeinen den Normalfall darstellt. 35 Bei der Origines-Ausgabe Chassignets sind es 135 Fragmente von 40 Schriftstellern, darunter Servius mit 37, Gellius mit 22 und Priscianus mit 21 Passagen. 36 Bei den Fragmenten, die, der Gliederung des Nepos entsprechend, auf die sieben Bücher verteilt werden 37 , müssen vier Fälle unterschieden werden. Während bei manchen das Buch erwähnt ist, aus dem zitiert wurde, und es bei anderen durch den Inhalt relativ leicht zu entscheiden ist, aus welchem Buch sie stammen, gibt es einige Stücke, deren Bezug nicht eindeutig ist, sodaß der plausiblere vom Herausgeber entschieden werden muß. Die wenigen Fälle, in denen auch dies nicht möglich ist, werden bei Chassignet als Incertorum Catonis Librorum Reliquiae electae aufgeführt. 38
28 H. Tränkle: Catos Origines im Geschichtswerk des Livius, in: Festschrift Karl Büchner, Wiesbaden 1970, Bd. 2, 274-285 (künftig zitiert als Tränkle) zeigt in seinem Aufsatz, daß "die Darstellung von Catos spanischen Feldzug im 34. Buch von Ab urbe condita (...) unmittelbar auf dem eigenen Bericht des Zensors" (Tränkle 283) beruht, und zwar auf den Origines. (Tränkle 283 f.) 29 Schönberger 419 f.
30 Ders. 420 f.
31 Astin 231.
32 Marmorale 224 f. und 229 f. sieht die Gründe für den Verlust der Origines darin, daß die antiken Schreiber nur zitiert hätten, was ihnen für gut erschien, und daß dem Cato diese Qualität abgegangen sei. Zuviele Mängel treten auf, bezüglich beispielsweise der geordneten Erzählung, der Methodik und der Untersuchung der historischen Zusammenhänge.
33 Chassignet I 31.
34 Schönberger 421 und Chassignet I 31.
35 A.a.O. 34 f.
36 A.a.O. 38.
37 Nep.Cat. 3, 3.
38 Chassignet I 40 ff.
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Die Reihenfolge der Fragmente innerhalb der Bücher wird nach verschiedenen Gesichtspunkten angeordnet: chronologisch beispielsweise an der Stelle, wo es sich um die Urgeschichte der Stadt Rom handelt (Buch I), geographisch dort, wo die Ursprünge italischer Völker und Städte beschrieben werden (Buch II und III), auch thematisch, wenn z.B. Völker- und Staatskunde Karthagos behandelt werden (Anfang Buch IV). 39
3. Die Struktur der Origines
a)Der Inhalt der Bücher I bis VII
Im Prooemium zu seinen Origines legte Cato seine Auffassung dar "clarorum virorum atque magnorum non minus otii quam negotii rationem exstare oportere" 40 . Dem fügte er eine Aussage über den Nutzen der Geschichte hinzu 41 , woraus er den Schluß gezogen haben mag, daß es ihm wohl angestanden habe, in seinem eigenen otium Geschichte zu schreiben. Wie seine römischen Vorgänger in griechischsprachiger Prosa und lateinischem Epos, wie Q. Fabius Pictor, L. Cincius Alimentus, Cn. Naevius und Q. Ennius, begann Cato dann seine Origines bei den Ursprüngen Roms mit der Aeneas-Sage. 42 Über seine Quellen machte er dabei keinerlei Angaben, als Hauptquelle gilt aber das Geschichtswerk des Fabius Pictor, die gegen Ende des dritten vorchristlichen Jahrhunderts geschriebenen Annales 43 , mit denen er sich bei seiner Arbeit kritisch auseinandersetzte 44 . Die Darstellung Fabius Pictors stimmt im großen und ganzen mit der von Diokles von Peparethos verfaßten Rwmhs ktisis überein; dieser hatte als erster ein solches Buch der Gründungsgeschichte Roms verfaßt, welches durch seinen Machtzuwachs in das Bewußtsein der griechischen Schriftsteller gerückt war. 45 Diese versuchten ihrerseits, solche Gründungsgeschichten auf eigene Traditionen zurückzuführen, und weil dieser griechische Sagenschatz von den Römern aufgenommen worden ist, ist zu erklären, daß auch für Cato beispielsweise die Sabiner von dem Spartaner
40 Origines I, 2.
41 Chassignet nimmt dieses Fragment aus den Excerpta rhetorica e codice Parisino nicht in ihre Ausgabe auf, daher soll die zugegebenermaßen recht wage Angabe nach Schönberger 180 (Originum reliquiae Frg. 3) zitiert werden: "Principiorum ad historiam pertinentium species sunt tres: de historia, de persona, de materia. aut enim historiae bonum generaliter commendamus, ut Cato..." 42 C. Acilius und A. Postumius Albinus lebten zur Zeit Catos, deswegen sind sie zwar als Vorgänger nicht auszuschließen (Albrecht Literatur 302 f. sowie Marmorale 226), wohl aber als Vorlagen oder gar als Vorbilder, da beide Autoren sich allzu stark auf das Griechentum beriefen (vgl. Albrecht Literatur 302 f.) 43 A.a.O. 299 ff.
44 Astin 223 f.; siehe dazu auch S. 15 f.
45 Timpe 15 und Astin 224 f. Nach M. Gelzer: Nochmals über den Anfang der römischen Geschichtsschreibung, in: V. Pöschl: Römische Geschichtsschreibung, Darmstadt 1969 (künftig zitiert als Gelzer II), 149 und Astin 224 f. ist es möglich, daß Fabius Pictor das Werk von Diokles als Quelle verwendete, einen Beweis dafür können sie aber nicht antreten.
7
Sabus abstammen mußten 46 , daß die Aboriginer Griechen waren 47 oder daß der Troianer Aeneas als römischer Stammvater benannt wird 48 .
Nach Nepos hätte das erste Buch der Origines lediglich die "res gestae regum populi Romani" 49 behandeln sollen, aber -wie gezeigt- legt es zusätzlich zur Königsgeschichte die mythische Vorgeschichte Roms dar und greift auch über das Jahr 509 hinaus bis mindestens 458, als L. Mamilius den Römern gegen Ap. Herdonius zu Hilfe kam und er daraufhin römisches Bürgerrecht erhielt 50 . Der Grund dafür könnte darin liegen, daß Cato (wie auch Fabius Pictor) das Decemviratsjahr 451 als sinnvolleren, weil wichtigeren Einschnitt betrachtete hat als die Vertreibung des Tarquinius Superbus. 51 Nepos folgend, sollte im zweiten und dritten Buch stehen, "unde quaeque civitas orta sit Italica" 52 . Hinzu kommen tätsächlich aber noch auf jeden Fall regionale Gebräuche und Charakteristika. 53 Diesem Inhalt ist der doppelte Raum gegenüber der römischen Gründungsgeschichte zugewiesen, was verwunderlich erscheinen kann, als Cato der erste Römer war, der die italischen Angelegenheiten überhaupt für erwähnungswürdig hielt. 54 Er kann sich hierin an griechischen Vorbildern orientiert haben. Die Kenntnis, vielleicht sogar die Verwendung der Geschichte des griechischen Westens von Timaios von Tauromenion 55 , eines ungefähr im Zeitraum zwischen 350 und 250 lebenden ionischen Historikers, kann vorausgesetzt werden; und wie dieses Werk sich eigentlich mit den im Westen lebenden Griechen beschäftigen wollte, aber vermutlich in den ersten fünf (von mindestens 38) Büchern nichtgriechische Völker und Regionen des westlichen Mittelmeerraumes -unter historischen wie auch unter geographisch-ethnographischem Gesichtspunkt- beschreibt (worunter natürlich auch Italien und seine Einwohner fallen), so scheint für Cato der Hauptaugenmerk auf Rom und den Römern gelegen zu haben, notwendig aber ebenfalls eine Berücksichtigung der in näherer oder entfernterer Nachbarschaft lebenden Völker und Regionen gewesen zu sein. 56
46 Origines II, 21.
47 Ebd. I, 4.
48 Ebd. I, 7. Diese Argumentation fußt auf Astin 224 f.
49 Nep.Cat. 3, 3.
50 Das beneficium des L. Mamilius ist erwähnt in Origines I, 26.
51 Timpe 20 f., W. Kierdorf: Catos `Origines´ und die Anfänge der römischen Geschichtsschreibung, in: Chiron 10, 1985 (künftig zitiert als Kierdorf), 212 f. und 223, Flach 71 und Chassignet I 11, Anm.5. 52 Nep.Cat. 3, 3.
53 Astin 213 und Chassignet I 11. Beispiele sind zu finden in Origines II, 6; II, 27 etc. 54 Astin 213. U. Knoche: Das historische Geschehen in der Auffassung der älteren römischen Geschichtsschreiber, in: V. Pöschl: Römische Geschichtsschreibung, Darmstadt 1969 (künftig zitiert als Knoche II), 242 zufolge hat dies auch später kein römischer Historiker mehr getan.
55 Dessen Titel ist ungewiß, vielleicht lautet er Sikelikai istoriai.
56 Astin 228 f.
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Philipp Wehmann, 1996, Catos Origines, Munich, GRIN Publishing GmbH
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