Der Leistungssport hat in den letzten Jahren enorme Fortschritte erzielt.
Die Gründe hierfür sind vielfältig.
Unter anderem liegen die Verbesserungen in der Tatsache, dass sich der Leistungssport zu einem eigenständigen Lebensbereich entwickelt hat, der die Athleten beinahe vollkommen in Anspruch nimmt.
Es zeigt sich, dass der Spitzensport heutzutage keine Nebensache mehr ist. Eine leistungssportliche Karriere bedarf daher auch eines langen, gezielten Aufbaus.
Der Spitzensport ist jedoch auch gekennzeichnet durch steigende Belastungen in anderen vielfältigen Bereichen. Die Leistungssportler befinden sich in einem Netz sozialer Beziehungen und Strukturen, die ebenfalls Ansprüche an die Athleten stellen. Einerseits stellt das Sportsystem vielfältige Aufgaben, die zu koordinieren sind, andererseits treffen Forderungen seiten der Schule, Beruf, Familie, Partner, Peergroup, Freizeit und Öffentlichkeit auf den Athleten.
So können Mehrfachbelastungen entstehen, die vor allem bei jungen Leistungssportlern zwangsweise zu Koordinierungsproblemen und Konflikten führen.
Folgende Ausarbeitung entstand im Rahmen des Hauptseminars "Das Jahr des Talents 2002 in Baden-Württemberg" und beschäftigt sich vorwiegend mit dem Problem der Karrierebeendigung (Dropout) von Jugendleistungssportlern.
Bei der Literaturrecherche fiel auf, dass bezüglich des Dropouts verschiedene Begriffsdefinitionen zu finden sind.
Je nach Autor und Untersuchung wird anstatt des Anglizismus "Dropout"
z. B. von Fluktuation (vgl. Andresen/ Kröger 1981)
Aussteiger (vgl. Holz 1988)
Karriereabbruch (vgl. Sack 1980)
Abwanderungstendenzen (vgl. Tschiene 1979)
Wegeverluste
vorzeitiger Abbruch
Verlustquoten
Talentverlust
Schwund und Absprung
gesprochen.
Ein Dropout, Quereinstieg oder Wiedereinstieg kann sich sowohl auf die Ebene des Freizeit- und Breitensports, wie auch auf die hochleistungssportlichen Ebene beziehen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Schlagwort „Talentbewahrung“
2. Dropout
2.1 Gründe für ein Dropout
2.1.1 Belastungen durch Schule/ Beruf
2.1.2 Verletzungen
2.1.3 Fehlende Freizeit
2.1.4 Konflikte im sportlichen Umfeld
2.1.5 Fehlende Unterstützung durch die Familie
2.1.6 Lustlosigkeit und Motivationsprobleme
2.1.7 Soziale/ geografische Mobilität
3. Entscheidungsprozess Dropout
3.1 Bewältigung des Karriereabbruchs
3.2 Orientierung nach dem Dropout
4. Lösungsvorschläge und Vermeidbarkeit von Dropout
4.1 Massnahmen der Olympiastützpunkte
5. Quereinstieg
5.1 Gründe für einen Quereinstieg
6. Wiedereinstieg
6.1 Gründe für einen Wiedereinstieg
7. Schlussbemerkung
7.1 Anhang
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Problematik der Karrierebeendigung (Dropout) von Jugendleistungssportlern. Dabei wird der Entscheidungsprozess analysiert, der zum Ausstieg aus dem Leistungssport führt, sowie die verschiedenen Einflussfaktoren, die den Abbruch begünstigen oder verhindern können.
- Multikausale Analyse der Dropout-Gründe bei jungen Leistungssportlern
- Untersuchung von externen Belastungsfaktoren wie Schule, Beruf und Umfeld
- Darstellung von Bewältigungsstrategien und Lösungsansätzen zur Dropout-Prävention
- Analyse von Karriereverläufen nach dem Ausstieg, unterteilt in verschiedene Orientierungstypen
Auszug aus dem Buch
2.1.2 Externe Faktoren: Verletzungen
Verletzungen, in Kombination mit der daraus resultierenden Leistungsstagnation können ein vorzeitiges Karriereende bedingen. Bei den Sportart- und trainingsspezifischen Verletzungen zeigt sich eine Komplexität von vielfältigen Variationen im Ursachengefüge. Empirische Untersuchungen (z.B. Andresen/ Kröger 1980) zeigen, dass die Ursachen für hohe Verletzungsquoten u.a. in der Trainingsmethodik, der Trainingsorganisation oder durch innere Ursachen zu erklären sind.
Verletzungen durch Fehler in der Trainingsmethodik machen sich z.B. durch zu frühe Spezialisierung im Kindesalter, durch einseitige Konditionsausbildung oder ungenügende Aufwärmprogramme bemerkbar.
Verletzungen in der Trainingsorganisation können beispielsweise durch falsche Boden-beschaffenheit oder fehlerhafte Trainingsmaterialien auftreten.
Mit inneren Ursachen sind sensomotorische Fehlregulationen, Stoffwechselstörungen oder hormonelle Störungen gemeint.
Biochemische Untersuchungen an jugendlichen Leistungssportlerinnen zeigten beispielsweise, dass durch jedes Jahr Leistungssport vor der Pupertät der Zeitpunkt der ersten Regelblutung verzögert wird. Dadurch kann es im weiteren Verlauf des leistungssportlichen Engagements zu erhebliche Zyklusstörungen kommen. Damit einhergehend entstehen Probleme in der Knochenfestigkeit, wodurch es wiederum im späteren Verlauf zu Ermüdungsfrakturen und Gelenkstraumen kommen kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die steigenden Anforderungen an junge Athleten und definiert das „Schlagwort Talentbewahrung“ als zentralen Untersuchungsgegenstand.
2. Dropout: Dieses Kapitel erörtert die Definition des Dropouts und analysiert differenziert sowohl externe als auch interne Faktoren, die zum vorzeitigen Abbruch der Karriere führen können.
3. Entscheidungsprozess Dropout: Es wird dargelegt, dass der Dropout kein spontaner Akt, sondern ein prozesshafter Übergang ist, der die Bewältigung des Karriereabbruchs und eine anschließende Neuorientierung erfordert.
4. Lösungsvorschläge und Vermeidbarkeit von Dropout: Dieses Kapitel präsentiert Maßnahmen wie die Laufbahnberatung an Olympiastützpunkten, um Athleten im komplexen Anforderungsprofil zu unterstützen.
5. Quereinstieg: Der Quereinstieg wird als Wechsel des Sports definiert und als eine Möglichkeit diskutiert, die Mobilität und Dynamik jugendlicher Sportler in neue Bahnen zu lenken.
6. Wiedereinstieg: Der Wiedereinstieg nach einer längeren Unterbrechung wird analysiert und als eine Fortführungsmöglichkeit dargestellt, die oft von Motivation durch Spaß und Erfolg getrieben ist.
7. Schlussbemerkung: Die Schlussbemerkung resümiert, dass Dropout ein vernetztes Problem-Bindungsgefüge darstellt und eine interdisziplinäre Unterstützung durch Verbände, Trainer und Eltern erfordert.
Schlüsselwörter
Dropout, Jugendleistungssport, Talentbewahrung, Karriereabbruch, Trainingsmethodik, Motivationsprobleme, Laufbahnberatung, Olympiastützpunkte, Quereinstieg, Wiedereinstieg, psychosoziale Belastung, Karrierebeendigung, Doppelbelastung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Phänomen des Dropouts bei Jugendlichen im Leistungssport und analysiert, warum junge Talente ihre sportliche Karriere häufig vorzeitig beenden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Arbeit deckt die Ursachenforschung für den Karriereabbruch, die psychosoziale Belastung von Nachwuchssportlern, Bewältigungsstrategien sowie Konzepte zur Karriereorientierung und -beratung ab.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die komplexen Ursachen eines Dropouts zu verstehen und aufzuzeigen, wie durch institutionelle Unterstützung (z.B. Laufbahnberatung) die Verbleibsrate talentierter Athleten erhöht werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturrecherche und der Auswertung zahlreicher Längsschnittuntersuchungen sowie Studien aus den Jahren 1969 bis 2001.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden systematisch die externen und internen Dropout-Gründe (Schule, Verletzungen, Umfeld) sowie der Prozess des Ausstiegs und die Möglichkeiten von Querein- und Wiedereinstiegen detailliert dargestellt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Dropout, Jugendleistungssport, Talentbewahrung, Karriereabbruch, Laufbahnberatung und Doppelbelastung.
Wie unterscheidet sich der Typ 1 „orientierungslos“ von anderen Karrierebeendern?
Dieser Athlet befindet sich in einer Phase kurz nach dem Sport, in der das Training zwar reduziert wurde, aber noch keine klare Trennung vom leistungssportlichen Lebensstil erfolgt ist.
Welche Rolle spielt das soziale Umfeld bei der Prävention?
Ein harmonisches und unterstützendes Umfeld (Trainer, Verein, Familie) ist entscheidend, um den Leistungsdruck abzumildern und dem Athleten alternative Perspektiven zur reinen leistungssportlichen Fixierung zu bieten.
- Quote paper
- Evi Gensheimer (Author), 2002, Dropout, Quereinstieg und Wiedereinstieg im Leistungssport, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/8528