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Der Traumapatient Chile

Vergangenheitsbewältigung in Realität und Fiktion am Beispiel von Ariel Dorfmans 'La muerte y la doncella'

Title: Der Traumapatient Chile

Seminar Paper , 2007 , 15 Pages , Grade: 1, 7

Autor:in: Walter Scheufen (Author)

Romance Studies - Latin American Studies
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Um das Ausmaß des elften September für Chile, seine Bevölkerung und Kultur nachvollziehen zu können, ist es wichtig die politische Kultur als auch die historisch gewachsenen Strukturen zu untersuchen. Die tiefe Zäsur, die die Ereignisse des Septembers 1973 für ein Land bedeuten, dass sich fast siebzehn Jahre im Kriegszustand befand , kann nur aus diesem Kontext heraus begreiflich gemacht werden.
Nach dem Niedergang des oligarchischen Herrschaftssystems am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts begann in Chile eine moderne Form kultureller Organisation. Die Kultur fand ihr endgültiges Zentrum in den Städten und wurde durch eine voranschreitende Säkularisierung begleitet. Die aus dem spanischen Katholizismus abgeleitete Nationale Einheit wurde durch eine vielfältige laizistische Kultur abgelöst, in der schichtenspezifische Lebensstile in den Vordergrund traten. Grundlegend für diese Entwicklung war die Bildung. Sie ermöglichte nicht nur eine Integration der Massen, sondern darüber hinaus die Entwicklung einer Mittelschicht, bis hin zur Herausbildung einer Elite. Einhergehend mit der Verbreitung von Wissen gewannen auch die Informationsmedien immer mehr an Bedeutung. Diese allmählich im Entstehen begriffene Kulturindustrie kann seit den Sechzigern als Massenkultur bezeichnet werden. Bis 1973 entwickelte sich in Chile „ un moderno sistema intelectual“.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Chile vor dem Putsch

1. 1 Staat und Gesellschaft

1. 2 Die kulturelle Identität

2. Pinochet und das Ende der Demokratie in Chile

2. 1 Die Veränderung der Medienlandschaft und der Literatur durch den Terror Pinochets

2. 1. 1 Die Medien unter dem Einfluss staatlicher Kontrollmechanismen

2. 1. 2 Die Literatur

3. Ariel Dorfman: La muerte y la doncella

3. 1 Inhalt und Handlungsaufbau

3. 1. 1 Die Figurenkonstellation und ihre repräsentative Funktion

3. 2 Die psychologische Dimension und ihre Aktualität

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die tiefgreifenden Auswirkungen des Militärputsches von 1973 auf die chilenische Gesellschaft und Kultur. Im Zentrum steht die Analyse des Traumas durch staatliche Repression, die Unterdrückung der Medien und Literatur sowie die literarische Aufarbeitung dieser Geschichte im Theaterstück „La muerte y la doncella“ von Ariel Dorfman.

  • Historische Rahmenbedingungen und politische Kultur Chiles vor 1973
  • Strukturen der staatlichen Medienzensur und kulturellen Gleichschaltung unter der Pinochet-Diktatur
  • Die Rolle der Literatur als Medium des Widerstands und der kollektiven Erinnerung
  • Literarische Analyse von Ariel Dorfmans „La muerte y la doncella“ hinsichtlich psychologischer Traumata
  • Die Wechselwirkung zwischen realem Trauma und fiktiver Aufarbeitung im post-diktatorischen Chile

Auszug aus dem Buch

3. 1 Inhalt und Handlungsaufbau

Das Leitmotiv des Stücks sind die psychologischen Folgen der Pinochet Diktatur, die der Leser am Schicksal Paulina Salas nachvollziehen kann. Paulina wurde während der Diktatur inhaftiert und dort durch Vergewaltigung und Folter psychisch gebrochen.

Durch eine Reifenpanne ihres Mannes Gerardo erhält sie die Möglichkeit mit ihrem ehemaligen Peiniger, dem Arzt Roberto Miranda, abzurechnen. Dieser hatte ihren Mann nach Hause gebracht und wurde zum Dank von Gerardo auf einen Longdrink eingeladen. Paulina, die im Schlafzimmer liegt, stellt sich schlafend. Sie verfolgt das Gespräch der beiden und ist sich sicher die Stimme ihres ehemaligen Peinigers im Foltergefängnis wieder erkannt zu haben. Roberto verlässt das Haus kehrt aber kurze Zeit später zurück als er im Radio erfahren hat, dass Gerardo zum Chef einer Kommission zur Aufklärung der Pinochet-Verbrechen ernannt worden ist. Beide trinken sehr viel Alkohol und Gerardo bietet Roberto an doch auf dem Sofa zu schlafen. Für Paulina ergibt sich die einmalige Möglichkeit mit ihrer Vergangenheit abzurechnen. Sie schlägt Roberto bewusstlos und fesselt ihn an einen Stuhl. Als sie anschließend sein Auto wegfährt entdeckt sie dort Schuberts Der Tod und das Mädchen, die Hintergrundmusik zu ihrer Erniedrigung im Gefängnis. Für Paulina ist dies ein weiterer Beweis dafür, dass sie in Roberto den richtigen gefunden hat. Nachdem sie zum Haus zurückgekehrt ist konfrontiert sie ihren Mann mit dem Sachverhalt. Dieser ist zunächst verwirrt und glaubt seiner Frau nicht und will sogar die Polizei rufen. Doch Paulina hält beide mit einer Waffe in Schach. Sie fordert ein Geständnis von Gerardo, der jedoch seine Unschuld beteuert. Schließlich unterschreibt Roberto ein aufgezwungenes Geständnis nach der Vorgabe Paulinas, widerruft es aber kurze Zeit später wieder. Das Stück endet ohne ein Schuldeingeständnis.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung skizziert den historischen Einschnitt des Jahres 1973 und legt den Fokus auf die kulturwissenschaftliche Analyse des chilenischen Traumas sowie die literarische Aufarbeitung durch Ariel Dorfman.

1. Chile vor dem Putsch: Dieses Kapitel beleuchtet die gesellschaftlichen und kulturellen Strukturen Chiles vor der Militärdiktatur, insbesondere die Rolle des Staates und der intellektuellen Entwicklung.

2. Pinochet und das Ende der Demokratie in Chile: Hier wird der systemische Wandel hin zur Diktatur, die Unterdrückung der Medienlandschaft und die gezielte Zerstörung der kulturellen Freiheit analysiert.

3. Ariel Dorfman: La muerte y la doncella: Das Kapitel bietet eine inhaltliche und psychologische Analyse des Theaterstücks und setzt es in Bezug zur realen politischen Situation in Chile.

4. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, wie der Militärputsch das soziale Gefüge zerstörte und wie die literarische Auseinandersetzung mit der Angst zur Bewältigung des nationalen Traumas beiträgt.

Schlüsselwörter

Chile, Pinochet, Militärputsch, Diktatur, Kulturwissenschaft, Medienzensur, Literatur, Ariel Dorfman, La muerte y la doncella, Trauma, Vergangenheitsbewältigung, Menschenrechte, Folter, Angst, Versöhnung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht den Übergang Chiles von einer demokratischen Ordnung zur Militärdiktatur unter General Pinochet und analysiert, wie dieser gesellschaftliche Bruch kulturelle und psychologische Wunden hinterlassen hat.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zu den zentralen Themen gehören die Zerstörung der Medienfreiheit, die Unterdrückung intellektueller Freiheit durch das Regime und die literarische Verarbeitung dieser Erfahrungen als Mittel zur Vergangenheitsbewältigung.

Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?

Das Ziel ist es, die Ohnmacht einer Generation und den Kampf um Gerechtigkeit nachzuvollziehen, indem die Parallelen zwischen historischer Realität und der fiktionalen Darstellung in Ariel Dorfmans Werk aufgezeigt werden.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit verfolgt einen kulturwissenschaftlichen Ansatz, der ereignisgeschichtliche Fakten mit der literaturwissenschaftlichen Analyse eines konkreten Theaterstücks verknüpft.

Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Fokus?

Der Hauptteil behandelt zunächst die politische Kultur vor 1973, die Maßnahmen der Junta zur Kontrolle von Medien und Literatur sowie eine detaillierte Inhalts- und Wirkungsanalyse des Stücks „La muerte y la doncella“.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit am besten charakterisieren?

Schlüsselbegriffe wie Chilenisches Trauma, Vergangenheitsbewältigung, staatliche Repression, intermedialer Dialog und psychologische Auswirkungen der Diktatur sind für das Verständnis der Arbeit zentral.

Wie spielt das Stück „La muerte y la doncella“ eine Rolle für die These der Arbeit?

Das Stück dient als Fallbeispiel, um zu zeigen, wie reale traumatische Erfahrungen – wie Folter und Angst – in den fiktiven Raum übertragen werden, um gesellschaftliche Versöhnungsprozesse oder deren Scheitern zu verhandeln.

Inwiefern beeinflusste die Medienzensur die chilenische Gesellschaft nach 1973?

Die Zensur führte laut Arbeit zu einer weitreichenden ideologischen Gleichschaltung, zwang kritische Stimmen ins Exil und erzeugte ein Klima der Selbstzensur, das das kulturelle Gedächtnis des Landes nachhaltig beschädigte.

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Details

Title
Der Traumapatient Chile
Subtitle
Vergangenheitsbewältigung in Realität und Fiktion am Beispiel von Ariel Dorfmans 'La muerte y la doncella'
College
RWTH Aachen University  (Romanische Philologie)
Course
Landeskunde Chile
Grade
1, 7
Author
Walter Scheufen (Author)
Publication Year
2007
Pages
15
Catalog Number
V85385
ISBN (eBook)
9783638012911
ISBN (Book)
9783640411429
Language
German
Tags
Traumapatient Chile Landeskunde Chile
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Walter Scheufen (Author), 2007, Der Traumapatient Chile, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/85385
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