Inhaltsverzeichnis
Einleitung 3
1. Chile vor dem Putsch 3
1. 1 Staat und Gesellschaft 4
1. 2 Die kulturelle Identität 4
2. Pinochet und das Ende der Demokratie in Chile 6
2. 1 Die Veränderung der Medienlandschaft und der Literatur durch den Terror Pinochets 8
2. 1 1 Die Medien unter dem Einfluss staatlicher Kontrollmechanismen 8
2. 1 2 Die Literatur 9
3. Ariel Dorfman: La muerte y la doncella 10
3. 1 Inhalt und Handlungsaufbau 11
3. 1 1 Die Figurenkonstellation und ihre repräsentative Funktion 11
3. 2 Die psychologische Dimension und ihre Aktualität 12
4. Fazit 13
Literaturverzeichnis 14
2 NA
Einleitung
Der 11. September 1973 brachte Chile die Wende vom demokratischen Sozialismus zur Dik- tatur. Der Tod Salvador Allendes und die Machtübernahme durch General Pinochet, von den westlichen Demokratien begrüßt, war für Chile der Beginn eines bis heute andauernden Traumas.
Die vorliegende Arbeit setzt ihren Schwerpunkt in der kulturwissenschaftlichen Betrachtung der Ereignisse. Aufbauend auf der Ereignisgeschichte soll besonders die Zeit vor und unmit- telbar nach dem Putsch untersucht werden. Dabei soll versucht werden, anhand kultureller Bereiche wie den Medien, dem Leser die tief greifenden Einschnitte und deren Bedeutung für die Gesellschaft vor Augen zu führen. In diesem Zusammenhang werden die Maßnahmen der Diktatur mit Statistiken belegt, aber auch durch Kommentare von Zeitzeugen ergänzt. Ein weiterer Aspekt, der das Land bis heute nicht wirklich zur Ruhe kommen lässt, ist die gesellschaftliche Heterogenität, und die damit verbundenen unterschiedlichen Vorstellungen von Gerechtigkeit. Hierzu zählen auch die Frage nach der Verantwortung des Staates und der Umgang der Betroffenen mit dieser Situation.
Den Schluss bildet die literarische Vergangenheitsbewältigung am Beispiel von Ariel Dorf- mans La muerte y la doncella. Hier werden Parallelen von Fiktion und Realität aufgezeigt, und am Beispiel des Motivs der Angst das Trauma Chiles und seiner Bevölkerung, auch in der post-diktatorischen Zeit, erörtert.
Insgesamt hat die Arbeit zum Ziel die Ohmacht einer Generation und ihren Kampf um Ge- rechtigkeit aufgrund der verschiedenen Aspekte nachvollziehen zu können.
1. Chile vor dem Putsch
Um das Ausmaß des elften September für Chile, seine Bevölkerung und Kultur nachvollzie- hen zu können, ist es wichtig die politische Kultur als auch die historisch gewachsenen Struk- turen zu untersuchen. Die tiefe Zäsur, die die Ereignisse des Septembers 1973 für ein Land bedeuten, dass sich fast siebzehn Jahre im Kriegszustand befand 1 , kann nur aus diesem Kon- text heraus begreiflich gemacht werden.
1 Zwar wurde der Kriegszustand offiziell 1978 aufgehoben, die Repressiven Maßnahmen der Militärregierung hatten aber weiterhin bestanden.
1. 1 Staat und Gesellschaft Nach dem Niedergang des oligarchischen Herrschaftssystems am Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts begann in Chile eine moderne Form kultureller Organisation. Die Kultur fand ihr endgültiges Zentrum in den Städten und wurde durch eine voranschreitende Säkularisierung begleitet. 2 Die aus dem spanischen Katholizismus abgeleitete Nationale Einheit wurde durch eine vielfältige laizistische Kultur abgelöst, in der schichtenspezifische Lebensstile in den Vordergrund traten. Grundlegend für diese Entwicklung war die Bildung. Sie ermöglichte nicht nur eine Integration der Massen, sondern darüber hinaus die Entwicklung einer Mittel- schicht, bis hin zur Herausbildung einer Elite. 3 Einhergehend mit der Verbreitung von Wissen gewannen auch die Informationsmedien 4 immer mehr an Bedeutung. Diese allmählich im Entstehen begriffene Kulturindustrie kann seit den Sechzigern als Massenkultur bezeichnet werden. 5 Bis 1973 entwickelte sich in Chile „ un moderno sistema intelectual“. 6
1. 2 Die kulturelle Identität
Im Gegensatz zu dem klassischen Modell, dass der Kapitalismus nach dem Paradigma der funktionalistischen Soziologie die Gesellschaft verändert, war in Chile die Modernisierung vor allem ein Produkt des Staates. In Chile organisierte der Staat die kulturelle Landschaft als auch die Demokratisierung der Politik. 7 Ganz im Gegensatz also zu den westlichen Demokra- tien, die vom Markt dominiert werden.
Das Entwicklungsstreben (desarrollismo) wurde in Chile zur Ideologie die das staatliche Handeln legitimierte. Dazu gehörte auch die Verbreitung der modernen Kultur durch den Staat. Zusammen mit dem Prinzip der maximalen Ausnutzung der durch den Staat vergebenen
2
Vgl. Hugo Calderón, Veränderungen in der psycho-sozialen und politischen Kultur, in: Hugó Calderon, Jaime Ensignia (Hg.), Chile, Chancen der Demokratie nach Pinochet. 1. Aufl., S. 7-23, Hamburg 1986, S.26.
3 Ebd., S.27.
4 Die Presse wurde durch Radio und Fernsehen überholt. Von 1965, 50 Fernsehgeräte auf 1000 Einwohner, verzwanzigfachte sich diese Quote bis 1973.
5 Ebd.
6 Edward Shils, Los intelectuales en los Países en Desarrollo, Buenos Aires 1976, S.32. 7 Vgl. Hans-Jürgen Puhle (Hg.), Lateinamerika. Historische Realität und Dependencia- Theorien. Hamburg 1977, S.119.
Vorteile bildeten diese Komponenten, aufbauend auf einer Kultur des Mittelstandes mit nicht bürgerlicher Form, die ethisch-kulturelle Basis des Konsensstaates. 8 Doch dieser Estado Compromiso, der von 1930-1970 in Funktion war, zerbröckelte in den Sechziger Jahren. Der Grund für diese Entwicklung war das Anwachsen polarisierter gesell- schaftlicher Tendenzen. Diese ergaben sich aus der Diskrepanz zwischen einem sich vom Bürgertum emanzipierenden Mittelstand auf der einen, und der bewussten Ausklammerung bestimmter Ethnischer Gruppen 9 auf der anderen Seite. 10 Die Folge dieser schwachen sozialen Integration und kulturellen Heterogenität war die ideologische Zerstückelung, die von einer politischen Radikalisierung begleitet wurde. 11 Offenkundig wurde der Unmut der Massen als sich bei den Präsidentschaftswahlen die linke Opposition zu einem Volksbündnis formierte. An der Spitze stand der Präsidentschaftskandi- dat Salvador Allende Gossens 12 (* 26. Juli 1908 in Valparaíso; † 11. September 1973 in Santiago de Chile) mit einem Programm, das darauf abzielte soziale Ungerechtigkeiten abzu- bauen. Mit seinem Sozialismus der Freiheit wurde er, mit einem sozialistischen Regierungs- programm, der erste demokratisch gewählte Präsident eines nicht-kommunistischen Landes. Doch seine Reformbestrebungen wurden durch die USA systematisch abgeschwächt 13 mit dem Ziel einer innenpolitischen Destabilisierung. Diese mündeten schließlich in durch die CIA unterstützte Straßenschlachten 14 , und dem immer noch ungeklärten Tod Allendes am elften September 1973.
9 Besonders betroffen waren die arme Landbevölkerung und indigene Völker wie die Mapuche.
10 Vgl. José Joaquín Brunner, Kultur und nationale Identität, in: Hugo Calderón, Chile. S.25-52, S.29-31.
11 Vgl. Peter Thiery, Transformation in Chile. Institutioneller Wandel, Entwicklung und Demokratie 1973-96. Schriftenreihe des Instituts für Iberoamerika-Kunde, Bd. 52. Diss.- Schrift 1998, Frankfurt a. M. 2000, S.20.
12 1969 wurde die Unidad Popular (UP) als Nachfolgerin der FRAP gegründet, ein Zu- sammenschluss von Sozialisten, Kommunisten und einigen kleineren Linksparteien. Als deren Kandidat errang Allende bei den Präsidentschaftswahlen am 4. September 1970 36,3% der Stimmen (weniger als 1964) und lag damit knapp vor dem konservativen Ge- genkandidaten Jorge Alessandri, der 34,9% der Stimmen erhielt.
13 Dazu gehörten Kreditsperre, Wirtschaftsembargo u.ä..
14 Bereits im Oktober 1972 (Oktoberstreik) war Chile am Rande eines Bürgerkrieges. Dem Druck der Opposition musste nachgegeben werden und es wurden drei Militärs in
Arbeit zitieren:
Walter Scheufen, 2007, Der Traumapatient Chile, München, GRIN Verlag GmbH
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