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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Brünhilds Auftreten in Island 4
3. Brünhilds Auftreten in Worms 8
4. Königinnenstreit 12
5. Fazit 15
6. Literaturverzeichnis 16
3
1. Einleitung
Die Rolle der Frau ist in vielen mittelalterlichen Heldenliedern sehr ähnlich. Ihre Rolle ist meist passiv. Die Frau scheint als Auslöser für die verschiedenen Abenteuer des Helden zu fungieren oder dient als schmückendes Beiwerk. Ein Beispiel ist Konrad Flecks „Flore und Blanscheflur“. Hier reist Flore nach dem Verkauf von Blanscheflur in den Orient um sie zu befreien. Der Frau selbst wird meist keine aktive Handlung zuteil mit der sie ihre Lage verbessern könnte.
Kriemhild und Brünhild dagegen, die weiblichen Protagonisten im Nibelungenlied, scheinen nicht in diese stereotype Frauenrolle zu passen. Ihre Handlungen und Charakterzüge sind wesentlich für die Entwicklung und das Ende des Nibelungenliedes. Zu Beginn erscheint Kriemhild als höfische, angepasste und passive Hofdame. Sie verwandelt sich dann aber im zweiten Teil in eine mörderische Intrigantin, die durch ihr Handeln das Schicksal der Burgunder besiegelt. Sie lockt Gunther und sein Gefolge an Etzels Hof und dort in eine tödliche Falle. Im Gegensatz zu Kriemhild erfährt Brünhild in ihrem Charakter eine entgegengesetzte Wandlung. Sie hat im ersten Teil einen aktiven Part, scheint aber im Verlauf der Aventiuren eine Charakterveränderung zu einer passiveren Rolle zu durchleben. Um dies mit Bestimmtheit sagen zu können, muss Brünhilds Charakter jedoch genauer untersucht werden.
4
2. Brünhilds Auftreten in Island
Brünhild wird in der sechsten Aventiure des Nibelungenlieds eingeführt:
Ez was ein küneginne gesezzen über sê,
ir gelîche enheine man wesse ninder mê. Diu was unmâzen scœne, vil michel was ir kraft. Sie scôz mit snellen degenen umbe mínné den scaft. 1
Schon hier ist der Unterschied zwischen dem mittelalterlichen stereotypen Frauenbild und Brünhild zu erkennen. Brünhild ist eine allein herrschende Königin über Island. Eine Frau in Herrscherposition war zu der Zeit etwas Ungewöhnliches. Brünhild wird als unbeschreiblich schön beschrieben. Aber, dass zusammen mit ihrer Schönheit auch noch ihre Kraft 2 besonders erwähnt wird, ist sehr untypisch für ein weibliches Charakterbild in den zeitgenössischen Heldenepen. Brünhild misst ihre Kraft im Wettkampf sogar mit den stärksten männlichen Kämpfern. Sie macht aber noch einen weitaus größeren Schritt über die bestehenden Regeln hinaus: Brünhild missachtet die Konventionen der damaligen Zeit, in der Frauen ihren Ehemann nicht selbst wählen können. Sie setzt selbst fest, unter welchen Bedingungen sie einer Hochzeit zustimmt. Erst wenn es einem Bewerber gelingt sie im Dreikampf zu schlagen, wird sie in eine Heirat einwilligen. Scheitert der Bewerber, wird er mitsamt seiner Gefolgschaft hingerichtet:
swer ir minne gerte, der muose âne wanc
driu spil an gewinnen der frouwen wol geborn. 3
Der von Brünhild festgesetzte Dreikampf entspricht nicht der höfischen Vorstellung von Minne und verstößt gegen die übliche Art, um eine Frau zu werben 4 . Brünhild erlangt durch ihre eigenen Regeln aber auch den Ruf einer grausamen Herrscherin. Viele der Bewerber hat sie bereits getötet. Gebrast im an dem einen, er hete daz houbet sîn verloren. Des het diu juncfrouwe unmâzen vil getân. 5
1 Nibelungenlied, Strophe 326.
2 Nibelungenlied, Strophe 326.
3 Nibelungenlied, Strophe 327.
4 Schulze, Das Nibelungenlied, S. 186.
5 Nibelungenlied, Strophe 327 und 328.
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Diese „vreislîche sit 6 “ hat aber einen durchdachten und logischen Hintergrund: Bei
einer Niederlage Brünhilds und aus der daraus resultierenden Heirat, wird auch die
Herrschaft über Island an den Gewinner des Dreikampfes überschrieben 7 .
Brünhilds kämpferisches Auftreten und ihre herausragende Stärke weichen
vollkommen vom zeitgenössischen Frauenbild ab. „Diu Prúnhilde sterke vil grœzlîche
schein.“ 8 Sie übertrifft sogar den normalen männlichen Krieger in seinen
kämpferischen Eigenschaften. Ebenso sind die Waffen, die sie führt, qualitativ
bessere, größere und weitaus schwerere Waffen als die ihrer Gefolgsleute und
Gegner.
Der schilt was under buckeln, als uns daz ist gesaget,
wol drîer spannen dicke, den soldetragen diu maget, von stahel unt ouch von golde; rîch er war genuoc, den ir kamerære selbe vierde kûme truoc. 9
Von des gêres swære hœret wunder sagen.
Wol vierdehalbiu messe was dar zuo geslagen. Den truogen kûme drîe Prünhilde man. 10
Man truoc ir zuo dem ringe einen swæren stein,
grôz unt ungefüge, michel unde wel. In truogen kûme zwelfe, helde küene unde snel. 11
Wo normalerweise eine Frau durch ihre Anmut und Schönheit beeindruckt, verbreitet
Brünhilds Auftreten Schrecken und Angst. Obwohl sie eine stolze und schöne Frau
ist, ruft Brünhild durch ihr Auftreten bei den Burgundern Bilder aus der Hölle hervor.
So fragt Gunther beunruhigt „waz sol díz wésen? der tiuvel ûz der helle wie kúnd’er
dâ vór genesen?“ 12 Hagen geht sogar noch einen Schritt weiter und vergleicht
Brünhild direkt mit der Frau des Teufels.
„wâfen“, sprach Hagene, „waz hât der künic ze trût!
Jâ sol si in der helle sîn des übelen tiuvels brût.“ 13
6 Nibelungenlied, Strophe 330.
7 vgl. Ehrismann, S.126.
8 Nibelungenlied, Strophe 449.
9 Nibelungenlied, Strophe 437.
10 Nibelungenlied, Strophe 441.
11 Nibelungenlied, Strophe 449.
12 Nibelungenlied, Strophe 442.
13 Nibelungenlied, Strophe 450.
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Mathias Koch, 2007, Brünhild - Wandlung einer Königin, Munich, GRIN Publishing GmbH
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