Universität Leipzig
Orientalisches Institut
Bereich: Arabische Sprach- und Übersetzungswissenschaft
Seminar: Soziokulturelles Verhalten im arabischen Alltag
Wintersemester 07/08
Referatszusammenfassung:
Die Auffassung von Großzügigkeit und Geiz in der
arabischen Welt,
exemplifiziert an der arabischen Gastfreundschaft
Eingereicht am: 04.12.2007
Von: Ulrike Römer
Anglistik/Arabistik/KMW (9. FS)
Inhaltsverzeichnis:
1. Einleitung ... 1
2. Zur Historie von Großzügigkeit, Geiz und Gastfreundschaft im arabischen Kulturraum ... 2
2.1. Historische Ansätze in vorislamischer Zeit ... 2
2.2. Die Behandlung von Großzügigkeit und Geiz im Koran ... 4
3. Über die arabische Gastfreundschaft ... 6
4. Ablauf und Verhaltenskodex bei Einladungen ... 6
4.1. Besonderheiten von Besuchen bei arabischen Gastgebern ... 6
4.2. Eigenheiten beim Essen ... 8
5. Kulturspezifische Besonderheiten und mögliche Missverständnisse in der interkulturellen Kommunikation ... 9
6. Zusammenfassung ... 11
7. Literaturverzeichnis ... 13
8. Anhang: Ausgewähltes arabisches Vokabular zum Höflichkeitsaustausch ... 14
1. Einleitung
In der heutigen globalisierten Welt gewinnt interkulturelle Kompetenz mehr und mehr an Bedeutung. Die Kulturen vermischen sich. Unternehmen expandieren in alle Teile der Erde. Es entsteht ein neue Dimension von Nomadentum, indem Menschen aus privaten, politischen, sozialen wie auch beruflichen Gründen in andere Länder umsiedeln. Diese Entwicklung stellt neue Herausforderungen an die modernen Gesellschaften. Um eine erfolgreiche Kommunikation zwischen den verschiedenen Kulturkreisen und Ländern im Allgemeinen und den Menschen unterschiedlicher Herkunft, Weltanschauung und Religion im Besonderen zu gewährleisten, bedarf es zunehmend interkultureller Kompetenz. Darunter ist die Fähigkeit zu verstehen, die kulturellen Spezifika fremder Kulturen zu erfassen, zu begreifen und zu verinnerlichen und so einen beiderseitig zufrieden stellenden Umgang miteinander pflegen zu können. Dazu gehören nicht nur Konzepte wie Wahrnehmung, Denken und Handeln, sondern auch das Wissen über die jeweiligen geographischen, historischen, gesellschaftlichen, politischen, moralischen, ethischen und religiösen Hintergründe der betreffenden Regionen.
Besonders in Bezug auf eine erfolgreiche Kommunikation zwischen Deutschen und Angehörigen des arabischen Kulturraumes ist es notwendig, bestehende Unterschiede zu erkennen.
Ziel der vorliegenden Seminararbeit ist es – vor dem Hintergrund der interkulturellen Kompetenz – die Auffassung von Großzügigkeit und Geiz am Beispiel der arabischen Gastfreundschaft näher zu beleuchten.
Zunächst soll ein Überblick über die Historie gegeben werden, dem sich eine genauere Betrachtung der „Gastfreundschaft“ anschließt. Es folgen praxisorientierte Überlegungen zum Themenkreis „Einladungen“ und den dazugehörigen Besonderheiten und Verhaltensweisen. Abschließend werden einige mögliche Probleme in der Kommunikation zwischen Deutschen und Arabern veranschaulicht. Die Arbeit stützt sich dabei besonders auf die Veröffentlichungen von Peter Heine, Abdelaziz Bouchara und Kirstin Kabasci (vgl. Literaturverzeichnis).
2. Zur Historie von Großzügigkeit, Geiz und Gastfreundschaft im arabischen Kulturraum
Gutes Benehmen, Höflichkeit und Respekt, sowie deren unmittelbare Ausprägung in Form der Gastfreundschaft, haben im arabischen Raum eine lange Tradition. Schon in vorislamischer Zeit waren diese Tugenden tief in den Beduinengesellschaften verwurzelt. Der Koran, der als Hauptquelle des religiösen Gesetzes dient, nahm Anfang des siebten Jahrhunderts n. Chr. diese vorislamischen Normen auf und versah sie mit religiöser Autorität.
2.1 Historische Ansätze in vorislamischer Zeit
In vorislamischer Zeit existieren zwei Bevölkerungsgruppen, die sich in ihrer Lebensweise und wirtschaftlichen Betätigung deutlich voneinander unterschieden: einerseits die Ackerbauer und Städter, andererseits die Nomaden resp. Beduinen (von arab. (Zeichen in der Downloadversion enthalten) badawī „nicht sesshaft“).
Die Domestizierung des Kamels um 1100. v. Chr. ermöglichte den Nomaden Arabiens ein ganzjähriges Leben in der Wüste. Das Kamel fungierte als Lastenträger und Reittier, aus dessen Haar auch Zelte und Decken gefertigt wurden. Unter den Beduinen entstand eine auf dem Besitz dieser Tiere beruhende Hierarchie. Das patriarchalische Stammessystem der Beduinen lieferte seinen Mitgliedern Schutz, indem der Stamm die Verantwortung für den Einzelnen übernahm. Der Beduine ist ursprünglich als Individualist geboren, doch hängt er stark von seiner Sippe resp. seinem Clan ab. Die Verbannung aus der Sippe ist gleichbedeutend mit Tod oder Versklavung. Die Wüstengebiete wurden streng durch die jeweiligen Stämme kontrolliert. Wer ein fremdes Gebiet betrat, lief Gefahr, ausgeraubt oder getötet zu werden – sofern er nicht das Gastrecht einer Sippe resp. eines Stammes besaß. Die existentiell wichtigste Aufgabe war es, die Einheit des Stammes zu bewahren, der zudem stark auf Gleichheit ausgerichtet war. Die Oberhäupter besaßen keinerlei besondere Rechte. Alle materiellen Güter eines Stammesmitglieds kamen der gesamten Sippe und den Bedürftigen zu. 1
[...]
1 Vgl.: Lexikon der islamischen Kultur. S. 66.
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Ulrike Römer, 2007, Die Auffassung von Großzügigkeit und Geiz in der arabischen Welt, Munich, GRIN Publishing GmbH
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