II
Kurzzusammenfassung
Die Diplomarbeit befasst sich mit der Untersuchung des Marktes für Pflegehotels und soll klären, wie derzeit der Markt in dieser Branche gestaltet ist und ob sich das Konzept der Pflegehotels zukünftig am Markt festigen und zu einer eigenständigen Größe etablieren kann. Um gerade die zukünftige Entwicklung des Marktes für Pflegehotels zu betrachten, wurden der demographische Wandel und die Entwicklung im Bereich der Pflege herangezogen und eine Marktanalyse des IST-Zustandes mit Anbieter- und Abnehmeranalyse erstellt. Zusammenfassend kann nach Betrachtung der gegebenen Faktoren gesagt werden, dass Pflegehotels eine Möglichkeit haben, sich am Markt zu etablieren - hierzu allerdings noch sehr viele Anstrengungen von Seiten der Anbieter erbracht werden müssen.
-------------------------------- Abstract
The final thesis deals with a market research concerning caring hotels. It aims to clarify how the market is currently organised and whether the concept of caring hotels will be able to gain substantial market share.
To examine future development of a market for caring hotels the demographic alteration and developments regarding care were considered. Furthermore a market research of the current state was prepared including a demand and supply analyses.
Considering the given factors it can be concluded that caring hotels have a chance to establish on the market. Nevertheless it will take the suppliers a lot of effort to succeed.
III
Inhaltsverzeichnis
Kurzzusammenfassung II
Abstract II
Inhaltsverzeichnis III
Verzeichnis der Tabellen VI
Verzeichnis der Abbildungen VII
Verzeichnis der Infoboxen VIII
Verzeichnis der Abkürzungen IX
1 Einführung 1
1.1 Problemstellung 1
1.2 Definitionen 3
1.3 Zielsetzung 5
1.4 Vorgehensweise 6
1.5 Limitierung 6
2 Demographische Entwicklung 7
2.1 Der demographische Wandel und seine Einflussgrößen 7
2.1.1 Bevölkerungsentwicklung 8
2.1.2 Veränderung der Altersstruktur 11
2.1.3 Anstieg des Altenquotienten 15
2.1.4 Steigende Lebenserwartung 16
2.2 Zusammengefasst: Prognosen bis 2050 18
3 Pflegestatistik 19
3.1 Anzahl pflegebedürftiger Personen in Deutschland 19
3.2 Alter und Pflegequote der Pflegebedürftigen 20
3.3 Häufige Ursachen der Pflegebedürftigkeit 22
3.4 Anzahl privat häuslich gepflegter Pflegebedürftiger 27
3.5 Entwicklung der Zahl Pflegebedürftiger und deren Versorgung 29
4 Das Pflegeversicherungsgesetz 34
4.1 Die Stufen der Pflegebedürftigkeit 35
4.2 Das Verfahren zur Feststellung der Pflegebedürftigkeit 37
4.3 Leistungen bei häuslicher Pflege 37
4.3.1 Pflegesachleistungen 38
4.3.2 Pflegegeld 38
4.3.3 Kombinationsleistung 39
4.3.4 Geplante Änderungen im finanziellen Bereich der Pflegeleistungen 39
4.4 Möglichkeiten der Versorgung bei fehlender Pflegeperson 40
4.4.1 Häusliche Pflege bei Verhinderung der Pflegeperson 41
4.4.2 Kurzzeitpflege 42
5 Untersuchungsobjekt 44
IV
6 Marktanalyse 45
6.1 Definition der Marktanalyse 45
6.1.1 Durchführung der Marktanalyse 45
6.1.2 Informations- und Materialbeschaffung 47
6.2 Beeinflussende Rahmenbedingungen 49
6.2.1 auf den Markt 51
6.2.1.1 Soziodemographische Rahmenbedingungen 52
6.2.1.2 Gesundheitspolitische Rahmenbedingungen 52
6.2.1.3 Wirtschaftliche Rahmenbedingungen 53
6.2.2 auf den Hotelbetrieb 54
6.3 Anbieteranalyse 54
6.3.1 Anbieter im Inland 55
6.3.2 Anbieter im Ausland 57
6.4 Konzepteanalyse 57
6.4.1 Pflegemodelle 58
6.4.2 Leistungen der Pflegehotels 59
6.4.3 Marketingkonzepte 60
6.5 Kundenanalyse 60
6.5.1 Originäre Zielgruppen und Kunden 61
6.5.1.1 Behindertentourismus 62
6.5.1.2 Seniorentourismus 62
6.5.2 Aktuelle Kundenanforderungen 63
6.5.3 Nachfrage nach Pflegehotels 65
6.5.4 Preisbereitschaft 66
6.6 Kostenanalyse auf Abnehmer- und Anbieterseite 67
6.6.1 Kosten auf Abnehmerseite 67
6.6.1.1 Kostenübernahme durch die Pflegekasse bei Aufenthalt im Inland 69
6.6.1.2 Kostenübernahme durch die Pflegekasse bei Aufenthalt im Ausland 70
6.6.2 Wirtschaftlichkeit auf Seiten des Pflegehotels 70
6.6.2.1 Einnahme- und Ausgabeparameter 71
6.6.2.2 Gewinnerzielungsabsicht 72
6.7 Wettbewerber und Konkurrenz 73
6.7.1 Direkte Wettbewerber und Konkurrenten 73
6.7.2 Potenzielle Wettbewerber und Konkurrenten 74
6.8 Auslastung 75
6.9 Bedarf an Pflegehotel 76
7 Zukünftige Entwicklungen 78
7.1 Zukünftige Zielgruppen und Kunden 78
7.2 Zukünftige Kundenanforderungen 79
7.3 Zukünftiger Bedarf an Pflegehotels 79
V
8 Marktchancen und -risiken 81
8.1 Chancen 81
8.1.1 Potenziell höhere Nachfrage durch höhere Anzahl potenzieller Kunden 81
8.1.2 Marketing- Aktivitäten 82
8.1.3 Eventuelle Trendentwicklung 83
8.1.4 Förderung des Wettbewerbs zwischen den Pflegehotels 83
8.1.5 Gründung eines Dachverbandes 84
8.2 Risiken 84
8.2.1 Veränderte finanzielle Möglichkeiten der Zielgruppen 85
8.2.2 (kein) Interesse an Aufenthalten á la Pflegehotel 86
8.2.3 Mangelnder Bekanntheitsgrad 86
8.2.4 Zu großes Angebote - zu wenig Kunden 86
8.2.5 Die Lage des Pflegehotels - weite Anreisewege 87
9 Schlussbetrachtung 88
Literaturverzeichnis IX
Anhang XIX XIX
VI
Verzeichnis der Tabellen
Tabelle 1 : Pflegebedürftige zum Jahresende 2005 Alter und Pflegequote 21
Tabelle 2 : Erste pflegebegründende Diagnose bei Pflegebedürftigen - die fünf häufigsten
Krankheitsgruppen 23
Tabelle 3 : Erste pflegebegründende Diagnose bei Pflegebedürftigen - die fünf häufigsten
Krankheitsgruppen nach Pflegestufen 24
Tabelle 4 : Die häufigsten pflegebegründenden Einzeldiagnosen aus den Kapiteln des
ICD-10 25
Tabelle 5 : Pflegebedürftige zum Jahresende 2005 Art der Versorgung 28
Tabelle 6 : Hauptpflegeperson im Privathaushalt in 31
Tabelle 7 : Pflegestufen 36
Tabelle 8 : Zeitaufwand der Pflegestufen 37
Tabelle 9 : Die neuen Leistungen der Pflegeversicherung 40
Tabelle 10 : Zimmerpreise für Pflegehotels 67
VII
Verzeichnis der Abbildungen
Abbildung 1 : Entwicklung der Geburtenrate von 1960 bis 2000
Abbildung 2 : Bevölkerungsentwicklung 2001 bis 2050
Abbildung 3 : Altersstruktur Deutschlands 1910
Abbildung 4 : Altersstruktur Deutschland 1960
Abbildung 5 : Altersstruktur Deutschlands 2003
Abbildung 6 : Altersstruktur Deutschlands 2050
Abbildung 7 : Vergleich Geburtenrate und Lebenserwartung (global)
Abbildung 8 : Altenquotient von 1871 bis 2050
Abbildung 9 : Entwicklung der ferneren Lebenserwartung 1901 bis 2050
Abbildung 10 : Eckdaten Pflegestatistik 2005
Abbildung 11 : Entwicklung der Zahl Pflegebedürftiger 1999 2050
Abbildung 12 : Die 5 Säulen der Sozialversicherung
Abbildung 13 : Belastungen der Pflegenden Angehörigen
Abbildung 14 : Sekundärforschung
Abbildung 15 : Kondratieffzyklen
Abbildung 16 : beeinflussende Rahmenbedingungen auf den Markt
Abbildung 17 : Management-Bereiche eines Hotelbetriebes
Abbildung 18 : Deutschlandkarte mit Pflegehotels
VIII
Verzeichnis der Infoboxen
Infobox 1 : Definition Pflegehotel 3
Infobox 2 : Der Begriff der Pflegebedürftigkeit 4
Infobox 3 : Definition Zielgruppe 5
Infobox 4 : Der Altersbegriff 5
Infobox 5 : Grund- und Behandlungspflege 58
IX
Verzeichnis der Abkürzungen
BGBl. Bundesgesetzblatt bzgl. bezüglich DEHOGA Deutscher Hotel- und Gaststättenverband DIW Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung DTV Deutscher Tourismusverband e.V. F & B Food and Beverage FELICIE Future Elderly Living Conditions In Europe FTR Fertilitätsrate GdW Bundesverband deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen e.V. ICD International Classification of Disease and Related Health Problems i.d.R. in der Regel KZP Kurzzeitpflege MDK Medizinische Dienst der Krankenversicherung MDS Medizinischer Dienst der Spitzenverbände der Krankenkassen e.V. o.V. ohne Verfasser PflegeStatV Pflegestatistik-Verordnung PflegeVG Pflegeversicherungsgesetz S. Seite, Seiten SGB Sozialgesetzbuch VHP Verhinderungspflege WHO World Health Organization
1
1 Einführung
Untersuchungen des Statistischen Bundesamtes im Jahr 2006 haben gezeigt, dass im Jahr 2050 doppelt so viele 60- Jährige wie Neugeborene in Deutschland leben werden. 1 Nach den Prognosen der Bevölkerungsentwicklung des Statistischen Bundesamtes wird die Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland langfristig abnehmen. Die Zahl der älteren Menschen wird die Zahl der Kinder weit übersteigen. Hinzu kommt, dass die Lebenserwartung weiter zunehmen wird.
Wie gestaltet sich der Touristikbereich für die ältere Generation, vor allem für diejenigen, die ein erhöhtes Sicherheitsbedürfnis haben?
Mit zunehmendem Alter nimmt auch die Pflegebedürftigkeit tendenziell zu. 2 Heute wird noch ein Großteil der pflegebedürftigen Personen im privaten Haushalt ohne Hilfe von „Außen“ versorgt und gepflegt. 3 Einerseits brauchen gerade diese pflegeleistenden Angehörigen Hilfe in Form von Pausen von ihrer anspruchsvollen pflegerischen Tätigkeit. Der pflegebedürftige Angehörige muss in dieser Auszeit weiter versorgt werden. Die zu Pflegenden selbst haben trotz vorhandener gesundheitlicher Beeinträchtigungen wie Menschen ohne Beeinträchtigung ein Urlaubsbedürfnis.
Wo können Pflegebedürftige mit und ohne pflegende Angehörige unbeschwert Urlaub machen und den Alltag hinter sich lassen bzw. welche Alternative zu der bekannten Unterbringung in einer Kurzzeitpflegeeinrichtung bieten Pflegehotels? Zudem stellt sich die Frage, ob dieser Zustand der Familienfürsorge mit privathäuslicher Pflege in Zukunft erhalten bleiben wird.
1.1 Problemstellung
Die Unterbringung pflegebedürftiger Angehöriger in einem Pflege- oder Altersheim ist sehr kostenintensiv und für manch pflegebedürftige Selbst, aber auch für die Angehörigen aus finanzieller Sicht und aus Gründen sozialer Responsibilität nicht vorstellbar. Pflegedürftige werden in Ihrem häuslichen Umfeld durch Angehörige mit und ohne professionelle Unterstützung eines ambulanten Pflegedienstes betreut und gepflegt. Für die zu Pfle-
1 vgl.Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Bevölkerung Deutschlands bis 2050 - 11. Koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung, Wiesbaden, 2006, S.17
2 vgl. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Sonderbericht: Lebenslagen der Pflegebedürftigen, Bonn, 2004, S.4
3 vgl. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Pflegestatistik 2005, Wiesbaden, 2007, S. 4
2
genden aber gerade auch für die Pflegenden bedeutet dies meist eine große physische und auch psychische Belastung.
Gerade wegen dieser großen Belastung haben sie einen Urlaub oder eine Kur nötig, um Ab-stand vom Alltag zu erlangen und die Kraftreserven wieder zu füllen. Ob diese Auszeit mit oder ohne pflegebedürftigen Angehörigen genommen wird, hängt von den Bedürfnissen der Pflegenden und der pflegebedürftigen Personen sowie der Art des geplanten Urlaubs ab.
Folgende Konstellationen sind bei einem Urlaub mit und ohne Pflegeempfänger möglich:
− Der pflegende Angehörige fährt allein in den Urlaub, die pflegebedürftige Person bleibt zu Haus und wird in dieser Zeit von Verwandten, Freunden oder Nachbarn ver-sorgt.
− Ein ambulanter Pflegedienst übernimmt in vollem Umfang die Betreuung des daheim Gebliebenen.
− Während der ständig pflegende Angehörig im Urlaub ist, wohnt der Pflegebedürftige vorübergehend in einer stationären Pflegeeinrichtung.
− Die Pflegepartner machen gemeinsam Urlaub. Sie entscheiden, ob Sie die Pflege am Urlaubsort selbst übernehmen oder dem Pflegepersonal anvertrauen. − Der Pflegebedürftige verreist „allein“.
Bei Alleinreisen der Pflegeperson muss für den zu Pflegende während des Urlaubs oder im Falle einer Verhinderung der Pflegeperson eine Unterbringung arrangiert werden. Gewöhnlich würde dies über einen Kurzzeitpflegeplatz z.B. in einem Pflegeheim oder einer Kurzzeitpflegeeinrichtung erfüllt werden. Nicht wenige zu Pflegenden werden sich dort aber abgeschoben und alleingelassen fühlen.
Es ist zu vermuten, dass aus diesem Grund die pflegenden Angehörigen oftmals auf einen Urlaub verzichten und in Zukunft auch verzichten werden. Im Jahr 2001 hat das Kuratorium Deutsche Altershilfe eine Umfrage zur Beeinträchtigung des körperlichen und seelischen Wohlbefindens bei pflegenden Angehörigen durchgeführt. Dabei wurden auch materielle Einbußen ermittelt. Nach dem Ergebnis der Umfrage verzichten rund 45 Prozent der pflegenden Angehörigen (schon seit Jahren) auf Urlaub. 4 Neuere Zahlen stehen derzeit nicht zur Verfügung.
4 vgl. Seniorenberatung: Aktuelle Nachrichten, o.O, 2001, http://www.seniorenberatung-online.de/- Aktuelles1.htm [Stand 29.08.2007]
3
Hieraus lassen sich folgende Leitfragen herleiten:
1. Bietet ein Pflegehotel eine Alternative zu den bekannten Unterbringungsmöglichkeiten der Verhinderungspflege?
2. Besteht die Nachfrage von Pflegebedürftigen, sowie deren Angehörigen, zusammen in Urlaub in Pflegehotels zu verreisen? 3. Wird sich der Markt für Pflegehotels in Zukunft durch den demographischen Wandel der Bevölkerung etablieren können? 4. Müssen Zielgruppen für diese Art von Unterbringung stärker definiert werden oder ist ein verstärktes Marketing erforderlich?
Diese Leitfragen sollen aber nicht nur vor dem Hintergrund der pflegebedürftigen Bevölkerung geklärt werden, sondern es soll auch die alternde Bevölkerung und somit die ältere Generation mit einbezogen werden.
1.2 Definitionen
Zur Herstellung eines gleichartigen Verständnisses werden die Begriffe Pflegehotel, Pflegebedürftigkeit, Zielgruppe und Alter zunächst so definiert, wie sie in den nachfolgenden Ausführungen begrifflich verwendet und verstanden werden sollen. Bei Bedarf werden weitere Ausführungen der Definitionen in den entsprechenden Kapiteln angeführt.
Infobox 1: Definition Pflegehotel
4
Infobox 2: Der Begriff der Pflegebedürftigkeit
5 Pschyrembel (Hrsg.): Klinisches Wörterbuch, Berlin, 1998, S. 1230 (vgl. auch SGB XI, §§14 u. 15)
6 SGB XI - Soziale Pflegeversicherung - Artikel 1 des Gesetzes vom 26. Mai 1994, BGBl. I S. 1014, zuletzt geändert durch Artikel 8 u. 9 des Gesetzes vom 26. März 2007, § 14
7 vgl. Bundesministerium für Gesundheit und Soziale Sicherung (Hrsg.): Nachhaltigkeit in der Finanzierung der sozialen Sicherungssysteme, Berlin, 2003, S. 54
5
Infobox 3: Definition Zielgruppe
Infobox 4: Der Altersbegriff
1.3 Zielsetzung
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit der Frage, wie aufgrund der prognostizierten Bevölkerungsentwicklung der Bundesrepublik Deutschlands Pflegehotels zur urlaubsmäßigen Unterbringung Kurzzeitpflegebedürftiger mit und ohne ihre Angehörigen und auch als Urlaubsdomizil „sicherheitsbedürftiger“ Senioren jetzt und auch in Zukunft Entwicklungspotenzial auf dem Markt haben oder ob nur ein geringes Interesse an dieser Form der Unterbringungs-
8 vgl.o.V.: Zielgruppe, o.O., o.J., http://www.desig-n.de/werbung_z.htm [Stand 25.08.2007]
9 vgl. WHO: Men Ageing And Health, Genf, 2001, http://whqlibdoc.who.int/hq/2001-/WHO_NMH_NPH_01.2.pdf [Stand 06.08.2007]
10 Eschbacher, Erlfelder: Alt, einsam und arm [in: bullVestor 06/07 Das Finanz- und Newsmagazin], bullVestor Medien GmbH, St.Valentin , 2007, S.39
6
möglichkeiten besteht und in Zukunft bestehen wird. Ziel ist es, den Markt für Pflegehotels zu untersuchen und zu analysieren und Prognosen für die zukünftige Entwicklung zu erstellen.
1.4 Vorgehensweise
In Form einer Sekundärerhebung wird eine umfassende Analyse des Marktes für Pflegehotels durchgeführt. Vorgeschaltet findet eine Untersuchung der demographischen Entwicklung Deutschlands und der Pflegestatistik des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen statt. Eine vorgeschaltete Literaturrecherche hat ergeben, dass nur wenige Fachlektüren in Form von wissenschaftlichen Untersuchungen und Aufsätzen existieren. Dies liegt darin begründet, dass das Untersuchungsgebiet der Pflegehotels relativ neu ist. Die Literaturauswertung bezieht sich daher auf Veröffentlichungen aus Fachliteratur und Medien, sowie auf Informationsmaterial, welches die einzelnen Häuser zur Verfügung gestellt haben. Neben der Sekundärerhebung hat der Verfasser durch eine Befragung mit eigens entwickelten Fragebögen für Pflegebedürftige und deren Angehörigen, sowie für Pflegehotels in Form einer Primäruntersuchung spezielle durch die Sekundärliteratur nicht eindeutig beantwortete Fragen untersucht und auf Übereinstimmung der Aussagen untereinander und zwischen den Sekundär- und Primärerhebung geprüft. Weitere Informationen zum Vorgehen der Befragung werden in Kapitel 6.1.2 „Informations- und Materialbeschaffung“ näher erläutert.
1.5 Limitierung
Eine umfassende Gesamtbetrachtung zum Thema Pflegehotel hat eine hohe Komplexität. Mit in die Betrachtung einbezogen werden müssten beispielsweise neben den eigentlichen Markt-und Bedarfsanalysen auch bauliche Rechtsvorschriften und Normen für ein Pflegehotel und eine ausführliche betriebswirtschaftliche Betrachtung. Dies würde den Rahmen der vorliegenden Arbeit weit übersteigen.
Diese Untersuchung befasst sich daher auf der Grundlage der demographischen Entwicklung Deutschlands, der Pflegestatistik und einer orientierenden Marktanalyse mit dem Schwer- punkt der Anbieter- und Abnehmeranalyse und einer Prognose für die Zukunft.
7
2 Demographische Entwicklung
Die demographische Entwicklung wird bereits seit mehreren Jahren thematisiert. Es vergeht kaum ein Tag, an dem nicht ein Artikel zum Thema Demographie in der Presse veröffentlicht wird.
„Immer mehr 100-Jährige“, „1,4 Kinder sind zu wenig“, „Greisenrepublik - Können wir uns das Altern leisten“, „Rentnern gehört die Zukunft“, „Demographische Zeitbombe“, sind nur einige der Schlagzeilen der Tagespresse, die zudem eine gewisse Dramatik vor Augen führen. Im Allgemeinen werden in der Tagespresse wie auch in Fachveröffentlichungen größtenteils negative und unerwünschte Auswirkungen auf die Sozialkassen, den Arbeitsmarkt und die Bildungsausgaben diskutiert. 11 Was man unter einem demographischen Wandel versteht und welche Folgen damit verbunden sind werden die nächsten Kapitel näher erläutern.
2.1 Der demographische Wandel und seine Einflussgrößen
„Mit dem Begriff "demographischer Wandel" wird die Veränderung der Zusammensetzung der Altersstruktur einer Gesellschaft bezeichnet.“ 12
Demographischer Wandel ist zunächst weder positiv noch negativ belegt, sondern weist zunächst nur auf eine Veränderung hin. 13 So kann sich nach diesem Begriff z.B. die Bevölkerungsstruktur durch Zu- oder Abnahme von Einwohnern verändern oder das Durchschnittsalter der Bevölkerung erhöhen oder verringern. Die Folgen der demographischen Entwicklung können für Jeden eine andere Bedeutung haben.
Die tatsächliche Entwicklung der sich gegenwärtig verändernden Bevölkerungsstruktur gestaltet sich laut Lehr wie folgt. 14
− Zunahme der Lebenserwartung
− Mit dem Alter zunehmende Differenz der Anzahl Männer - Frauen − Wachsender Anteil älterer Menschen
11 vgl. Bosbach: Demographische Entwicklung - Realität und mediale Aufbereitung, [aus: Berliner Debatte INITIAL 17], Berlin, 2006, http://www.linksnet.de/drucksicht.php?id=2520 [Stand 28.08.2007], S.59-66
12 o.V.: Der demographische Wandel, o.O., o.J., http://www.foerderland.de/1066.0.html [Stand 28.07.2007]
13 vgl. Pack et al.: Zukunftsreport demographischer Wandel, Bonn, 2000, http://www.demotrans.de/documents/Zukunft-dt.pdf [Stand 29.08.2007], S.8
14 vgl. Lehr: Psychologie des Alterns, 11. Auflage, Wiesbaden-Heidelberg: Quelle & Meyer, 2006, S. 41 f
8
− Wachsender Anteil Hochbetagter und über 100jähriger
− Zunehmende Differenzierung der Alten in verschiedene Lebens- und Verhaltensformen
− Veränderte Relation der Altersgruppen
− absolute Zunahme von Pflegebedürftigkeit, Abnahme des Potentials an häuslichen Pflegepersonen − Zunahme alt werdender Behinderter − Veränderungen im Lebenszyklus
Die Veränderungen im Lebenszyklus sind komplex und beziehen sich auf den Wandel des gesamten Lebenslaufes. Die Berufsausbildungen dauern immer länger, die Kinderzahl wird immer geringer und es kommt zu einer höheren Lebenserwartung durch den medizinischen Fortschritt. 15 Das Leben wird durchschnittlich insgesamt länger und die einzelnen Phasen verschieben sich mit der Zeit.
Die Zunahme alt werdender Behinderter ist dadurch zu begründen, dass es durch die besser werdende medizinische Versorgung möglich ist, Komplikationen und den Todeszeitpunkt immer weiter hinauszuzögern.
Anhand welcher Faktoren sich die demographische Entwicklung belegen lässt wird in den folgenden Kapiteln strukturiert dargestellt.
So wird zunächst die Bevölkerungsentwicklung allgemein erläutert und dann die Folgen dieser Entwicklung anhand der Altersstruktur, der Lebenserwartung und dem so genannten Altenquotienten, welcher im entsprechenden Kapitel erklärt wird, verdeutlicht.
2.1.1 Bevölkerungsentwicklung
Seit 1992 sinken die Bevölkerungszahlen in Deutschland kontinuierlich und seit Anfang der 70er Jahre liegt die Fertilitätsrate (FTR) pro Frau konsequent unter 2 Kindern. Zur Zeit liegt sie bei 1,3 Kindern. 16
Eine Fertilitätsrate von 2,1 bedeutet, dass die Kindergeneration etwa gleich groß wie die Elterngeneration sein wird (Bestandserhaltung). 17
15 vgl. Lehr: Psychologie des Alterns, 11. überarbeitete A. Wiesbaden-Heidelberg: Quelle & Meyer, 2006, S. 42
16 vgl. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Bevölkerung Geburten, Wiesbaden, 2007
9
Ein FTR von 2,8 bedeutet, dass die bedeutet, dass die Kindergeneration etwa 4/3-mal so groß so groß wird wie die Elterngeneration (Wachstum um 1/3) terngeneration (Wachstum um 1/3). Bei einem FTR von 1,4 kann man davon ausgehen, dass die kann man davon ausgehen, dass die Kindergeneration Kindergeneration etwa nur noch
2/3-mal so groß sein wird wie die Elterngeneration (Schrumpfung um 1/3) wie die Elterngeneration (Schrumpfung um 1/3) wie die Elterngeneration (Schrumpfung um 1/3). Der derzeitige Wert liegt deutlich unter d Der derzeitige Wert liegt deutlich unter der Fertilitätsrate von 1,4 und belegt die Prognose des er Fertilitätsrate von 1,4 und belegt die Prognose des Bevölkerungsrückgangs.
Abbildung 1 zeigt die Entwicklung der Geburtenrate von 1960 bis 2000. Es zeigt Abbildung 1 zeigt die Entwicklung der Geburtenrate von 1960 bis 2000. Es zeigt Abbildung 1 zeigt die Entwicklung der Geburtenrate von 1960 bis 2000. Es zeigt sich, dass die Geburtenziffern in Westdeutsch Geburtenziffern in Westdeutschland seit 25 Jahren zwischen 1,28 und 1,4 und 1,45 schwanken. Die Geburtenziffer Ost-Deutschlands Deutschlands nähert sich langsam diesem durchschnittlichen Wert schnittlichen Wert
wieder an, nachdem die ursprünglich über dem Wert von West wieder an, nachdem die ursprünglich über dem Wert von West-Deutschland liegende Gebur land liegende Gebur-
tenziffer nach der Wiedervereinigung stark gefallen war. tenziffer nach der Wiedervereinigung stark gefallen war.
Abbildung 1: Entwicklung der Geburtenrate von 1960 bis 2000 : Entwicklung der Geburtenrate von 1960 bis 2000
elle: Bundeszentrale für politische Bildung 18 Quelle: Bundeszentrale für politische
/Demographie2006_131.pdf [Stand 28.08.2007] /Demographie2006_131.pdf [Stand 28.08.2007], S.11
18 Bundeszentrale für politische Bildung: Bundeszentrale für politische Bildung: Entwicklung der Geburtenziffer, o.O., o.J., http://www.bpb.de/wissen/8QIORZ,0,Durchschnittsalter_der_M%FCtter.html [Stand 28.08.2007] http://www.bpb.de/wissen/8QIORZ,0,Durchschnittsalter_der_M%FCtter.html [Stand 28.08.2007] http://www.bpb.de/wissen/8QIORZ,0,Durchschnittsalter_der_M%FCtter.html [Stand 28.08.2007]
10
Die in Abbildung 2 dargestellte Entwicklung dargestellte Entwicklung der Bevölkerung zeigt, dass 2001 die absoluten zeigt, dass 2001 die absoluten Zahlen noch bei 82,4 Mio. Einwohnern lagen. Die Vorausberechnung bis zum Jahr 2050 lagen. Die Vorausberechnung bis zum Jahr 2050 zeigt einen starken Einbruch. Bis bruch. Bis 2010 ist noch ein geringer Anstieg zu erwarten. Danach 2010 ist noch ein geringer Anstieg zu erwarten. Danach
setzt allerdings ein kontinuierlicher Rückgang der Bevölkerungszahl ein. Es kommt nuierlicher Rückgang der Bevölkerungszahl ein. Es kommt nuierlicher Rückgang der Bevölkerungszahl ein. Es kommt mit aller Wahrscheinlichkeit zu einem Rückgang der Bevölke zu einem Rückgang der Bevölkerung auf knapp 75 Mio. Menschen bis knapp 75 Mio. Menschen bis zum Jahr 2050 (Stand 2003) 003). Aktuellere Untersuchungen des Statistischen Bundesamtes Aktuellere Untersuchungen des Statistischen Bundesamtes
sprechen von eine Bevölkerungszahl im Jahr 2050 zwischen 69 und 74 Mio. Menschen. 19 sprechen von eine Bevölkerungszahl im Jahr 2050 zwischen 69 und 74 Mio. Menschen. sprechen von eine Bevölkerungszahl im Jahr 2050 zwischen 69 und 74 Mio. Menschen.
Abbildung 2: Bevölkerungsentwicklung 2001 bis 2050 : Bevölkerungsentwicklung 2001 bis 2050
Quelle: Sesselmeier 20
Die Verringerung der Bevölkerung Verringerung der Bevölkerung Deutschlands hat zur Folge, dass auch der Anteil auch der Anteil gebärfähiger Frauen sinkt. In der Folge bekommen immer weniger Frauen immer weniger Kinder. In der Folge bekommen immer weniger Frauen immer weniger Kinder. In der Folge bekommen immer weniger Frauen immer weniger Kinder. Somit wird sich die deutsche Bevölkerung insgesamt Somit wird sich die deutsche Bevölkerung insgesamt deutlich verringern. verringern.
Bevölkerungsvorausberechnung, Wiesbaden, 2006, S. 15 , Wiesbaden, 2006, S. 15
20 Sesselmeier: Der Sozialstaat in der Diskussion, o.O., 2003 Sozialstaat in der Diskussion, o.O., 2003, http://www.buergerimstaat.de/4_03/reform2.htm , http://www.buergerimstaat.de/4_03/reform2.htm [Stand 22.07.2007]
11
Dies könnte isoliert betrachtet auch für einen Rückgang an Pflegebedürftigen sprechen soliert betrachtet auch für einen Rückgang an Pflegebedürftigen sprechen, wenn soliert betrachtet auch für einen Rückgang an Pflegebedürftigen sprechen
ansonsten die Bevölkerungsstruktur unverändert bliebe. Wie die folgenden Kapitel aber zei ansonsten die Bevölkerungsstruktur unverändert bliebe olgenden Kapitel aber zei-gen, führt eine Analyse der Altersstruktur eine Analyse der Altersstruktur zu einer anderen Schlussfolgerung. Schlussfolgerung.
2.1.2 Veränderung der Altersstruktur Veränderung der Altersstruktur
Anfang des 20. Jahrhunderts wies die Altersstruktur Deutschlands eine klassische Alters Anfang des 20. Jahrhunderts wies die Altersstruktur Deutschlands eine klassische Alters Anfang des 20. Jahrhunderts wies die Altersstruktur Deutschlands eine klassische Alterspy-
ramide auf (siehe Abbildung 3) (siehe Abbildung 3). Es gab eine hohe Geburtenrate und eine kontinuierliche Es gab eine hohe Geburtenrate und eine kontinuierliche
Sterberate.
Für erste dramatische Einschnitte Für erste dramatische Einschnitte in diese Altersstruktur sorgten die Weltkriege. sorgten die Weltkriege.
Durch die Sterberate zu dieser Zeit veränderte sich auch die Altersstruktur ganz Durch die Sterberate zu dieser Zeit veränderte sich auch die Altersstruktur ganz Durch die Sterberate zu dieser Zeit veränderte sich auch die Altersstruktur ganz erheblich.
In den letzten Jahrzehnten jedoch veränderte sich die Struktur weiter. Mit Einführung der In den letzten Jahrzehnten jedoch veränderte sich die Struktur weiter. Mit Einführung der In den letzten Jahrzehnten jedoch veränderte sich die Struktur weiter. Mit Einführung der
hormonelle Verhütungsmethode hormonelle Verhütungsmethode und den damit kontrollierbaren und beeinflussbaren Gebur damit kontrollierbaren und beeinflussbaren Gebur-
kam es nach 1965 zu einem sog. Pillenknick. 22 tenzahlen kam es nach 1965 zu einem sog. Pillenknick.
Bundesamt 2000: Bevölkerungsentwicklung De Bevölkerungsentwicklung Deutschlands bis 2050. Ergebnisse der 9. koordinierten utschlands bis 2050. Ergebnisse der 9. koordinierten
Bevölkerungsvorausberechnung des Bundes und der Länder zur Bevölkerungsentwicklung bis 2050, S. 14 Bevölkerungsvorausberechnung des Bundes und der Länder zur Bevölkerungsentwicklung bis 2050 Bevölkerungsvorausberechnung des Bundes und der Länder zur Bevölkerungsentwicklung bis 2050
22 vgl. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): vgl. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Bevölkerung Deutschlands bis 2050 - 11. Koordinierte 11. Koordinierte
12
Die bevölkerungsstärksten Jahr bevölkerungsstärksten Jahrgänge verschieben sich, wie in den Abbildungen wie in den Abbildungen 4 bis 6 zu
sehen, an der Skala immer weiter nach oben und sind folglich in einem immer höheren Alter an der Skala immer weiter nach oben und sind folglich in einem immer höheren Alter an der Skala immer weiter nach oben und sind folglich in einem immer höheren Alter zu finden. Gleichzeitig zeigen sich den. Gleichzeitig zeigen sich durch die geringe Geburtenrate in den unteren den unteren Altersklassen nur geringe Zuwächse.
In der Betrachtung wandelt sich die Altersstruktur von einer Pyramide, über eine Tannen In der Betrachtung wandelt sich die Altersstruktur von einer Pyramide, über eine Tannen In der Betrachtung wandelt sich die Altersstruktur von einer Pyramide, über eine Tannen-baumform zu einer sog. Urnenform. baumform zu einer sog. Urnenform.
Gründe hierfür sind die schon genannten immer weiter sinkenden Geburtenraten und die Gründe hierfür sind die schon genannten immer weiter sinkenden Geburtenraten und die Gründe hierfür sind die schon genannten immer weiter sinkenden Geburtenraten und die durch die immer besser werdende Gesundheitsversorgung steigende Lebenserwartung der die immer besser werdende Gesundheitsversorgung steigende Lebenserwartung der die immer besser werdende Gesundheitsversorgung steigende Lebenserwartung der Bevölkerung.
14
Wie man Abbildung 4 entnehmen kann, war im Jahr 1960 bei den 20- Jährigen der bevölkerungsreichste Jahrgang zu finden. Zum Jahr 2003 hin stieg diese Dichte zu den 40- Jährigen an und bis 2050 wird erwartet, dass der Jahrgang der 60- Jährigen den bevölkerungsreichsten Jahrgang stellt.
Wie schon genannt wird es nach Schätzung des Statistischen Bundesamtes zu einem Absinken der Bevölkerung auf zwischen 69 bis 74 Millionen Menschen im Jahr 2050 kommen. 26 Auch diese Entwicklung macht sich besonders in der Altersstruktur und der Bevölkerungszusammensetzung bemerkbar. Die Alten werden immer älter und Junge kommen nicht nach.
Deutschland war 1972 das erste Land Europas, in dem mehr Sterbefälle als Geburten verzeichnet wurden. 27 Global betrachtet nimmt die Geburtenrate immer weiter ab, während die Lebenserwartung weiterhin ansteigt.
Abbildung 7: Vergleich Geburtenrate und Lebenserwartung (global)
Quelle: United Nations Population Division 28
26 vgl. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Bevölkerung Deutschlands bis 2050 - 11. Koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung, Wiesbaden, 2006, S. 15
27 vgl. Statistisches Bundesamt (Hrsg.) Eheschließungen, Geborene und Gestorbene, Wiesbaden, 2007 http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Statistiken/Bevoelkerung/Eheschli essungenScheidungen/Tabellen/Content100/EheschliessungenGeboreneGestorbene,property=file.xls [Stand
06.08.2007]
28 United Nations Population Division: World Population Ageing 1950-2050, New York, 2001. S.5
15
Während die Geburtenrate weiter abnimmt, steigt die Lebenserwartung in Deutschland dagegen beständig an 29 . Es werden im Verlauf der nächsten Jahrzehnte immer weniger jüngere
Menschen und immer mehr Ältere in der Bevölkerung Deutschlands vertreten sein.
2.1.3 Anstieg des Altenquotienten
Die demographische Entwicklung kann auch anhand des sog. Altenquotienten abgelesen werden. Er bildet das Verhältnis der Bevölkerung im Rentenalter (zur Zeit ab 65 Jahre) im Verhältnis zur Bevölkerungsgruppe im Erwerbsalter (zur Zeit von 20-64 Jahren). 30
Abbildung 8: Altenquotient von 1871 bis 2050
29 vgl. Institut der deutschen Wirtschaft Köln (Hrsg.): Deutschland altert - Die demographische Herausforderung, Köln, 2004, http://www.insm.de/Downloads/PDF_-
_Dateien/Publikationen_Kostenlose_Downloads/Deutschland_altert.pdf [Stand 28.08.2007], S. 6 f
30 vgl. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): 11. Koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung - Annahmen und Ergebnisse, Wiesbaden, 2006, S.44 f
31 Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung: Entwicklung des Jugend- bzw. Altenquotienten in Deutschland von
1871 bis zum Jahr 2050, Wiesbaden 2007, http://www.bib-demographie.de/info/altersstruktur.html [Stand 30.08.2007]
16
Wie in Abbildung 8 zu sehen ist schwank der Altenquotient bis 1925 nur im geringen Maße. Er lag bei Werten zwischen 8 und 10. Das bedeutet, dass 100 Menschen im Erwerbsalter 8 bzw. 10 Menschen im Rentenalter gegenüber stehen. Seit 1939 steigt der Altenquotient bis auf einen Einbruch zwischen 1990 bis 2000 kontinuierlich an.
Nach der letzten Erhebung aus dem Jahr 2005 lag der Altenquotient bei einem Wert von 32. 32 Der Altenquotient hat sich zwischen 1871 und 2005 mehr als verdreifacht und wird sich bis zum Jahr 2050 nochmals verdoppeln. Die auffälligste Steigerung des Quotienten ist nach der Prognose zwischen 2010 und 2030 zu erwarten. Während im Jahr 2010 ein Quotient von 32,6 Prozent vorliegen wird steigt er innerhalb der folgenden 20 Jahre auf einen Prozentsatz von 47,3 an. Im Jahr 2040 wird mit einen Quotienten von 53,1 Prozent mit aller Wahrscheinlichkeit die 50 Prozentmarke überschritten werden - mehr als die Hälfte der Bevölkerung ab dem erwerbsfähigen Alter wird dann 65 Jahre und älter sein. Im Jahr 2050 wird mit einem Quotienten von knapp unter 55 Prozentpunkten gerechnet.
2.1.4 Steigende Lebenserwartung
Die Lebenserwartung wird definiert als die durchschnittliche Zahl von weiteren Jahren, die ein Mensch in einem bestimmten Alter nach den zum aktuellen Zeitpunkt geltenden Sterblichkeitsverhältnissen voraussichtlich noch leben könnte. 33 Sie wird mit Hilfe der Sterbetafel des Statistischen Bundesamtes ermittelt, in die die aktuellen Wahrscheinlichkeiten für die einzelnen Altersjahre, im jeweiligen Alter zu sterben, eingehen. Die Lebenserwartung wird untergliedert nach Geschlecht ausgewiesen.
In Abbildung 9 wird die durchschnittlich verbleibende Lebenszeit einer 60-Jährigen Person von 1901 bis 2050 nach Geschlechtern getrennt dargestellt. Verdeutlicht werden muss bei dieser Darstellung, dass die Entwicklung nicht ,wie augenscheinlich dargestellt, linear verläuft, sondern bei den Untersuchungszeiträumen unterschiedliche Abstände gewählt worden sind.
Ein 60- Jähriger Mann hatte demnach im Jahr 1982 eine fernere Lebenserwartung von 16,5 Jahren, nur 18 Jahre später, im Jahre 2000, hatte ein gleichaltriger Mann demgegenüber eine fernere Lebenserwartung von bereits 19,2 Jahren.
32 vgl. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Bevölkerung Deutschlands bis 2050 - 11. Koordinierte Bevölkerungsvorausberechnung, Wiesbaden, 2006, S. 44
33 vgl. Meyer Lexikon: Lebenserwartung, o.O., o.J., http://lexikon.meyers.de/meyers/Lebenserwartung [Stand 23.07.2007]
Arbeit zitieren:
Diplom-Gesundheitsökonomin Katja Rosowski, 2007, Zukunftsmarkt Pflegehotel, München, GRIN Verlag GmbH
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