2.1. Historie 2.2. Depressionsbegriff 2.3. Depression bei Kindern und Jugendlichen 2.4. Symptome der Depression 2.5. Ursachen der Kindheits- und Jugenddepression
3.1. Historie 3.2. Berufsbild und Aufgaben des Schulpsychologen 3.3. Anmeldung, Diagnostik, Beratung und deren Probleme 3.4. Möglichkeiten der Prävention und Intervention
(LQOHLWXQJ
Zutiefst deprimiert zu sein ist für Erwachsene eine traurige, einsame und manchmal tragische
Erfahrung. Daß sich das bei Kindern oder Jugendlichen sogar noch verheerender auswirken
kann, machen die Worte eines 15-jährigen Jungen deutlich, der dieses Gedicht zwei Jahre vor
seinem Freitod schrieb.
1
Dowling, Colette, Befreite Gefühle, Neue Wege aus Depression, Angst und Abhängigkeit, Fischer Verlag
Bonn 1994, S. 163
Schule war nie kinderleicht und problemlos, weder für Schüler noch für Lehrer. Ein wesentlicher Grund ist wohl, daß die Entwicklung vom Schulanfänger bis zum berufsfähigen Schulabgänger lang und kompliziert ist und von zahlreichen Faktoren beeinflußt wird. Es ist deshalb nicht verwunderlich, wenn Schüler auf diesem beschwerlichen Entwicklungsweg in Schwierigkeiten geraten. Die Unbeschwertheit ist schon lange kein übliches Privileg der Kindheit und Jugend mehr. Man nahm lange Zeit an, daß nur Erwachsene an depressiven Störungen leiden können. Nun hat sich im Laufe der Zeit jedoch herausgestellt, daß auch bei Kindern und Jugendlichen Depressionen vorkommen. 2
In dieser Arbeit wird sowohl erklärt, was unter Depression eigentlich zu verstehen ist, wie sie sich bei Kindern und Jugendlichen äußert als auch welche Symptome und Ursachen sie hat. So sind zahlreiche Ursachen der Kindheits- und Jugenddepression im familiären Umfeld zu finden. Es wird u.a. darauf eingegangen, warum man bis vor wenigen Jahren annahm, daß Kinder und Jugendliche nicht depressionsfähig sind. Zudem wird ein Überblick über die Schulpsychologie und das Berufsbild des Schulpsychologen gegeben. Es wird gezeigt, wie wichtig und zugleich schwierig die Diagnosestellung ist und warum die Eltern der depressiv gestörten Schüler in die schulpsychologische Arbeit eingebunden werden. Die schulpsychologische Hilfe hat mit zahlreichen Hemmnissen und Problemen zu kämpfen, die durch die am Prozeß beteiligten Personen induziert werden können. Zum Schluß werden verschiedene therapeutische Maßnahmen und Programme zur Prävention bzw. Intervention bei Schülerdepressionen vorgestellt und beschrieben.
Die Depression quält den Menschen bereits seit Jahrtausenden. Schon im klassischen Griechenland kannte man die Depression. Der griechische Arzt Hippokrates und die Philosophen Platon und Aristoteles kannten die Melancholie und krankhafte Traurigkeit. Sie nannten sie auch die Schwarzgalligkeit und führten sie auf eine Überproduktion der schwarzen Gallenflüssigkeit zurück. Abraham Lincoln, Vincent van Gogh, Winston Churchill,
2
vgl. Keller, Gustav/Thewalt, Brigitte, Praktische Schulpsychologie - Vorbeugung und Erste Hilfe im
Roland Asanger Verlag, Heidelberg 1990, S. 1
Theodore Roosevelt, Honoré de Balzac, Ernest Hemingway und viele andere waren depressiv. Seinerzeit war die Depression mit ihren unterschiedlichen Erscheinungsformen eine mysteriöse Krankheit. Über ihre Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten wurde lange Zeit nur gemutmaßt. Erst Anfang der 60er Jahre hat die Medizin begonnen, der Depression auf den Grund zu gehen, so daß man sie heute in der überwiegenden Zahl der Fälle effektiv behandeln kann. 3
Der Depressionsbegriff wird in der Literatur heute sehr unterschiedlich definiert. Nach Hautzinger und Greif ist Depression eine „emotionale Erfahrung, die aus trauriger, verzweifelter und ängstlicher Grundstimmung besteht“
4
. Nissen dagegen definiert Depression als einen „Stimmungshintergrund, der durch das Unlustgefühl eines psychischen Schmerzes bestimmt wird“
5
und unter den psychosozialen Modellen dominierte lange Zeit die psychoanalytische Theorie, wonach die „Depression als eine gegen das Selbst gerichtet Aggression in Reaktion auf Liebesverlust oder Trennung“ betrachtet wird. Allgemein wird unter der Depression in erster Linie ein klinisches Syndrom, d.h. eine Gruppe von Symptomen verstanden, die in Verbindung miteinander auftreten. Sie kann in Form von normalen Gemütsschwankungen auftreten oder Begleiterscheinung einer psychischen oder körperlichen Erkrankung sein.
6
Sie ist eine krankhafte psychische Beeinträchtigung und ist unzureichend motiviert, nicht oder nur zum Teil von einer Ursache abhängig und hält in der Regel relativ lange an.
7
Das Vorkommen depressiver Störungen im Jugendalter, besonders allerdings bei Kindern, war lange Zeit umstritten. Vor wenigen Jahren glaubte man, daß Depressionen bei Kindern und Jugendlichen selten vorkommen. Man begründete diese Ansicht mit der Annahme, daß bei
3
vgl. Ruthe, Reinhold, Sieben fragen, die uns plagen, 5. Auflage, Brendow Verlag, Wuppertal 1994, S. 103-104
4
vgl. Bründel, Heidrun, Suizidgefährdete Jugendliche, Theoretische und empirische Grundlagen für Diagnostik und Prävention, Juventa Verlag, Weinheim und München 1993, S. 116
5
vgl. Nissen, Gerhardt, Psychische Störungen im Kindes- und Jugendalter, 2. Auflage, Wissenschaftliche sellschaft, Darmstadt 1986, S. 132
6
vgl. Schmidt, Martin H., Psychisch gestörte Jungen und Mädchen in der Jugendhilfe, Lambertus-Verlag, im Breisgau 1995, S. 174 u. 177
7
vgl. Nissen, Gerhardt, a.a.O., S. 134
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Claudia Meyer, 2000, Möglichkeiten und Grenzen schulpsychologischen Handelns am Beispiel von Schülerdepressionen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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