Inhaltsverzeichnis
VORWORT 6
1. VERSUCH EINER ALLGEMEINEN BEGRIFFSKLÄRUNG 7
1.1. Definition des Begriffs Gewalt 7
1.2. Entstehungstheorien 8
1.3. Formen der Gewalt 8
1.3.1. Mobbing in Schule und Beruf 9
1.3.1.1. Definition 9
1.3.1.2. Der klassische Verlauf eines Mobbingfalles 10
1.3.1.3. Erscheinungsformen von Mobbing 10
1.3.2. Gewalt in der Schule 11
1.3.2.1. Definition 11
1.3.2.2. Ursachen für schulische Gewalt 11
1.3.2.3. Gewalt in österreichischen Schulen im Schuljahr 2001/02 12
1.3.3. Häusliche Gewalt 13
1.3.3.1. Definition 13
1.3.3.2. Ursachen häuslicher Gewalt 13
1.3.3.3. Formen häuslicher Gewalt 14
1.3.4. Sexueller Missbrauch 14
1.3.4.1. Definition 14
1.3.4.2. Formen sexuellen Missbrauchs bei Kindern 15
1.3.4.3. TäterInnenprofile und TäterInnenstrategien 16
1.3.5. Amok 17
1.3.5.1. Definition 17
1.3.5.2. Entwicklung eines Amoklaufs 17
1.3.5.3. Einige bekannte Amokläufe 18
1.3.6. Rassistisch motivierte Gewalt 18
1.3.6.1. Definition 18
1.3.6.2. Geschichte des Rassismus 19
1.3.6.3. Rassismus in Österreich im Jahr 2005 19
2. JUGENDBÜCHER ZU AUSGEWÄHLTEN THEMEN DER GEWALT 20
2.1. Beth Goobie: Ausgelost. Mobbing in der High School 20
2.1.1. Biographische Notizen zur Autorin 20
2.1.2. Inhalt des Buches 20
2
2.1.3. Die Protagonistin des Romans und andere wichtige Personen 21
2.1.3.1. Sal Hanson 21
2.1.3.2. Brydan Wallace 22
2.1.3.3. Kimmie Busatto 22
2.1.3.4. Willis Cass 22
2.1.4. Beth Goobies Darstellung von „Mobbing in der Schule“ 22
2.1.5. Folgen des Mobbings für die Protagonistin des Buches 26
2.1.6. Persönliches Resümee zum Buch 28
2.2. Eva Wikander: Saat der Gewalt 29
2.2.1. Biographische Notizen zur Autorin 29
2.2.2. Inhalt des Buches 29
2.2.3. Die Protagonisten des Buches 30
2.2.3.1. Johan 30
2.2.3.2. Peter 30
2.2.4. Eva Wikanders Darstellung von Gewalt in der Schule 31
2.2.5. Folgen der schulischen Gewalt für die Protagonisten des Buches 34
2.2.6. Persönliches Resümee zum Buch 37
2.3. Morton Rhue: Ich knall euch ab 37
2.3.1. Biographische Notizen zum Autor 37
2.3.2. Inhalt des Buches 38
2.3.3. Die Protagonisten des Buches 39
2.3.3.1. Gary Searle 39
2.3.3.2. Brendan Lawlor 39
2.3.4. Morton Rhues Darstellung der Hintergründe für die Entstehung eines Amoklaufs
in der Schule 39
2.3.5. Folgen der Ausgrenzung in Schule und Freizeit für die Protagonisten des Buches
47
2.3.6. Persönliches Resümee zum Buch 51
2.4. Tor Fretheim: Tanz in die Hölle 52
2.4.1. Biographische Notizen zum Autor 52
2.4.2. Inhalt des Buches 52
2.4.3. Der Protagonist des Buches und andere wichtige Personen 53
2.4.3.1. Espen 53
2.4.3.2. Vater 53
3
2.4.3.3. Mutter 53
2.4.4. Tor Fretheims Darstellung von häuslicher Gewalt 53
2.4.5. Folgen der häuslichen Gewalt für den Protagonisten des Buches 59
2.4.6. Persönliches Resümee zum Buch 63
2.5. Karel Verleyen: Nicht so nah, Vater 63
2.5.1. Biographische Notizen zum Autor 63
2.5.2. Inhalt des Buches 63
2.5.3. Die Protagonisten des Buches 64
2.5.3.1. Marjan Deketele 64
2.5.3.2. Mark Vanimpe 64
2.5.4. Karels Verleyens Darstellung von sexueller Belästigung in der Familie 65
2.5.5. Folgen der sexuellen Belästigung für die Protagonistin des Buches 70
2.5.6. Persönliches Resümee zum Buch 74
2.6. Lutz van Dijk: Von Skinheads keine Spur 74
2.6.1. Biographische Notizen zum Autor 74
2.6.2. Inhalt des Buches 75
2.6.3. Die Protagonisten des Buches und andere wichtige Personen 76
2.6.3.1. Jim Nepora 76
2.6.3.2. Sören Siemers 76
2.6.4. Lutz van Dijks Darstellung zweier Lebenswege, die sich bei einem rassistischen
Übergriff kreuzen 76
2.6.5. Folgen der politischen Unterdrückung in ihrem Heimatland für die Protagonisten
des Buches 83
2.6.6. Persönliches Resümee zum Buch 87
3. STRATEGIEN ZUR VERMEIDUNG VON GEWALT UND MÖGLICHKEITEN DER
KONFLIKTLÖSUNG 87
3.1. Möglichkeiten der Prävention von Gewalt 87
3.1.1. Im schulischen Bereich 88
3.1.1.1. Ideen und Vorschläge von Sylvia Schneider 88
3.1.1.2. Ideen und Vorschläge von Bettina Mainberger 88
3.1.1.3. Eigene Ideen und Vorschläge 89
3.1.2. In der Familie 89
3.1.2.1. Ideen und Vorschläge von Günther Deegener 89
3.1.2.2. Ideen und Vorschläge von Heidrun Bründel und Klaus Hurrelmann 90
4
3.1.2.3. Eigene Ideen und Vorschläge 90
3.1.3. Selbstverteidigung 91
3.2. Möglichkeiten der Intervention 91
3.2.1. Institutionen 91
3.2.1.1. Die Möwe 92
3.2.1.2. Die Boje 92
3.2.1.3. Rat auf Draht 93
3.2.2. Zivilcourage 94
3.2.3. Interventionsprogramm von Dan Olweus 94
3.2.3.1. Maßnahmen auf Schulebene 95
3.2.3.2. Maßnahmen auf Klassenebene 95
3.2.3.3. Maßnahmen auf persönlicher Ebene 96
SCHLUSSWORT 97
4. LITERATURVERZEICHNIS 98
4.1. Primärliteratur 98
4.2. Sekundärliteratur 98
4.3. Mediale Quellen 100
5
VORWORT
Bei meiner Arbeit als Lehrerin an zwei niederösterreichischen Hauptschulen komme ich regelmäßig mit verbalen und gewalttätigen Auseinandersetzungen in Berührung. Konfliktsituationen werden von den SchülerInnen nur noch selten in Form zivilisierter Diskussionen ausgetragen. Es zeichnet sich eine eindeutige Tendenz ab, Auseinandersetzungen mit Gewalt lösen zu wollen. Einerseits „beflegeln“ sich die SchülerInnen mit Schimpfwörtern der übelsten Sorte, andererseits wird gestoßen, getreten und geschlagen.
Auch in diversen Massenmedien, wie z.B. den Tageszeitungen und dem Fernsehen, ist das Thema Gewalt gegenwärtig. Jeden Tag hört und liest man von gefährlichen Drohungen, Körperverletzungen und Morden. Es scheint alltäglich geworden zu sein, dass Menschen ihre Konflikte nicht mehr friedlich beilegen können.
Es ist mir daher ein Anliegen, mich mit dem Thema „Gewalt in der Jugendliteratur“ auseinander zu setzen, um festzustellen, wie in Büchern jungen Menschen das Problem Gewalt näher gebracht wird.
In meiner Arbeit definiere ich Begriffe, wie z. B. Mobbing, Amok und Rassismus, die im Zusammenhang mit Gewalt häufig verwendet werden, und untersuche die Häufigkeit gewalttätiger Vorkommnisse im schulischen und privaten Bereich. Weiters habe ich mich mit ausgewählten Jugendbüchern zu den unterschiedlichen Formen der Gewalt auseinander gesetzt. Ich analysiere in meiner Arbeit, auf welche Weise der Autor/die Autorin gewalttätige Übergriffe darstellt und wie sich diese auf die ProtagonistInnen der Bücher auswirken. Außerdem versuche ich Möglichkeiten der Prävention von Gewalt und der Intervention bei bestehenden Gewaltproblemen darzustellen und einige Institutionen, wie z.B. „Die Möwe“, vorzustellen, die Kindern und Jugendlichen nach gewalttätigen Erfahrungen helfen. Von meiner Beschäftigung mit dem Phänomen Gewalt erwarte ich mir neue Impulse und Erkenntnisse für meinen Schulalltag. Ich hoffe, einige Vorfälle besser verstehen zu können und neue Strategien kennen zu lernen, die mir dabei helfen, mein Umfeld friedvoller gestalten zu können.
6
1. VERSUCH EINER ALLGEMEINEN BEGRIFFSKLÄRUNG
1.1. Definition des Begriffs Gewalt
Versucht man den Begriff Gewalt allgemein zu erklären, so stößt man im Lexikon Brockhaus
auf folgende Aussage:
Gewalt [ahd., zu walten] die, rücksichtslos angewandte Macht, unrechtmäßiges Vorgehen, die Anwendung von physischem und/oder psychischem Zwang gegenüber einem anderen, um diesem Schaden zuzufügen beziehungsweise ihn der Herrschaft des Gewalt-Ausübenden zu unterwerfen oder um solcher Gewalt (mittels Gegen-Gewalt) zu
1 begegnen.
Die Encarta-Enzyklopädie beschreibt den Ausdruck Gewalt auf ähnliche Art und Weise.
Zusätzlich wird hier aber bereits erwähnt, dass Gewalt im weitesten Sinne eine nicht rein
negative Bedeutung hat. Gewalt kann auch die gerechtfertigte Ausübung von Herrschaft sein:
Gewalt ist ein zwangsweises Einwirken auf den Willen des Opfers. Die Gewalteinwirkung kann den Willen des Opfers völlig ausschalten, z.B. wenn der Täter sein Opfer niederschlägt. [...]
In einem weiteren Sinn meint Gewalt die (legitime) Ausübung von Herrschaft, z.B. in
2 Form staatlicher oder elterlicher Gewalt.
In der Online-Enzyklopädie Wikipedia findet man die ausführlichste Begriffsklärung. Hier
wird aufgrund der etymologischen Herkunft des Wortes Gewalt zwischen einer positiven und
einer negativen Bedeutung unterschieden:
Der Begriff Gewalt (eine Bildung des althochdeutschen Verbs walten, bzw. waltan – stark sein, beherrschen) bezeichnet von seiner etymologischen Wurzel her das Verfügen– können über das innerweltliche Sein. Er bezeichnet ursprünglich also rein das Vermögen zur Durchführung einer Handlung und beinhaltet kein Urteil über deren Rechtmäßigkeit. [...]
Die ursprüngliche, neutrale bis positive Begriffsbestimmung ist in Begriffen wie gewaltige Anstrengung (bzw. Gewaltanstrengung) oder gewaltige Dimension erkennbar, wenn eine über das übliche Maß hinausgehende Leistung anerkennend beschrieben werden soll. [...]
Gewalt im negativen Sinn wird häufig als schädigende Einwirkung auf Andere verstanden. Als Gewaltformen werden psychische oder physische, personale oder strukturelle (oder auch kulturelle), statische oder dynamische sowie direkte oder indirekte
1 Gewalt: Der Brockhaus in fünf Bänden. Zweiter Band, Eit – Iz. Mannheim1994 8 , S. 360.
2 Gewalt: Microsoft ® Encarta ® Professional 2003. © 1993-2002 Microsoft Corporation.
7
unterschieden. Ein engerer Gewaltbegriff, auch als materialistische Gewalt bezeichnet, beschränkt sich auf die zielgerichtete, direkte physische Schädigung einer Person, der weiter gefasste Gewaltbegriff bezeichnet zusätzlich die psychische Gewalt (etwa in Form von Deprivation, emotionaler Vernachlässigung, Weißer Folter, verbaler Gewalt) und in seinem weitesten Sinn die strukturelle Gewalt. Zudem fällt Vandalismus unter diesen
3 Gewaltbegriff, wenngleich sich die Einwirkung nicht direkt gegen Personen richtet.
Zusammenfassend kann man sagen, dass der Begriff Gewalt allgemein heute negativ besetzt ist. Spricht man von Gewalt, so meint man zumeist ein verurteilenswertes Verhalten, das einem Menschen, einem Tier und/oder einer Sache nicht gerechtfertigten Schaden zufügt.
4 1.2. Entstehungstheorien
Über die Tatsache, wie Gewalt zwischen Menschen entsteht, gibt es eine große Anzahl von sich zum Teil ergänzenden Theorien. Anfänglich versuchte man Gewalt über täterzentrierte Modelle zu erklären, Gewalthandlungen wurden als Folge abnormer
Persönlichkeitsentwicklung gesehen. Diese Erklärung hatte den Nachteil, dass Gewalt zu einem Problem der Randgruppen abgestempelt wurde und dadurch aus dem öffentlichen Blickfeld geriet. So begann man auch potentielle Opfer von Gewalttaten in die Untersuchungen mit einzubeziehen, um die Rahmenbedingungen, die die Entstehung von Übergriffen fördern, herauszufinden. Vorerst wurde gewalttätiges Verhalten wieder durch Triebhaftigkeit, Verantwortungslosigkeit, Unbeherrschtheit und niedere Intelligenz erklärt. Erst später erkannte man, dass Gewalt auch aus Hilflosigkeit und Ohnmacht entstehen kann. Gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen Menschen entstehen nicht zufällig, unter anderem konnte nachgewiesen werden, dass ehemalige Opfer von Gewalt mit hoher Wahrscheinlichkeit später auch zu Tätern werden.
5 1.3. Formen der Gewalt
Gewalt tritt in den unterschiedlichsten Formen auf. Man kann unter anderem zwischen folgenden Arten unterscheiden:
Physische Gewalt, welche durch die Verletzung eines anderen durch den Einsatz von körperlicher Kraft und Stärke gekennzeichnet wird.
3 http://de.wikipedia.org/wiki/Gewalt, 4.8.2006.
4 Vgl. dazu: Gewalt: Tewes, Uwe; Wildgrube, Klaus (Hrsg.): Psychologie-Lexikon. München 1999², S. 155.
5 Vgl. dazu: Bründel, Heidrun; Hurrelmann, Klaus: Gewalt macht Schule. Wie gehen wir mit aggressiven Kindern um? München 1994, S. 23.
8
Psychische Gewalt, die das Opfer durch Abwendung, Ablehnung, Abwertung Vertrauensentzug, Entmutigung oder entwürdigende Worte schädigt. Verbale Gewalt, die einen Mitmenschen durch beleidigende, erniedrigende und entwürdigende Worte verletzt.
Sexuelle Gewalt, welche die bewusste Schädigung eines Menschen durch erzwungenen intimen Körperkontakt in Kauf nimmt, um dem Täter eine Befriedigung der eigenen Bedürfnisse zu ermöglichen.
Frauenfeindliche Gewalt umfasst alle Bereiche der Gewalt, die ausgeübt werden, um Frauen oder Mädchen unter Machtausübung zu diskriminieren. Rassistische Gewalt bezeichnet die Erniedrigung eines Menschen aufgrund seiner ethnischen Zugehörigkeit, seines Aussehens oder seiner Religion.
Die nun folgenden Punkte beschreiben, die im zweiten Teil der Arbeit vorkommenden Gewaltmechanismen, die vor allem Kinder und Jugendliche betreffen genauer.
1.3.1. Mobbing in Schule und Beruf
1.3.1.1. Definition
Der Begriff Mobbing wird in allen Büchern und Internetquellen gleichermaßen erklärt. Die Herkunft des Wortes Mobbing ist in der englischen Sprache zu suchen, es bezeichnet den gezielten Übergriff eines oder mehrerer Menschen auf einen/eine andere(n) über einen längeren Zeitraum:
Mobbing kommt vom englischen „mob“ für Meute, randalierender Haufen; „to mob“ heißt pöbeln. Doch nicht jeder Krach, jede Streiterei, Schikane oder Ungerechtigkeit ist Mobbing. Es bezeichnet den Prozeß der systematischen Ausgrenzung und Erniedrigung eines anderen Menschen, die von einer oder mehreren Personen betrieben werden. Diese feindseligen Handlungen geschehen mit einer gewissen Regelmäßigkeit, also mindestens
6 einmal in der Woche und über eine bestimmte Dauer, d.h. mindestens ein halbes Jahr.
Anfangs wurde der Ausdruck Mobbing vom Verhaltensforscher Konrad Lorenz verwendet, um Angriffe einer Gruppe von Tieren auf Eindringlinge zu beschreiben. Erst der schwedische Arzt Peter-Paul Heinemann versuchte, damit auch menschliche Verhaltensweisen zu erklären.
6 http://arbeitsblätter.stangl-taller.at/KOMMUNIKATION/Mobbing.shtml, 29.11.2006.
9
7 1.3.1.2. Der klassische Verlauf eines Mobbingfalles
Im Allgemeinen kann jeder Mensch Mobbingopfer werden, allerdings dürften einige Persönlichkeitsmerkmale begünstigend wirken. Besonders gefährdet scheinen jene zu sein, die auf ihre Umgebung gehemmt, sensibel, labil oder leistungsschwach wirken, da ihr „Nervenkostüm“ zarter gebaut ist und sie dadurch leichter verletzbar sind. Auch rein äußerliche Besonderheiten, wie z.B. eine Brille, eine sichtbare Zahnregulierung, die Frisur, etc. können Übergriffe bewirken.
Eine Mobbinghandlung verläuft in vielen Fällen nach einem gleich bleibenden Schema. Zuerst wird ein Konflikt z.B. in der Schule oder auf dem Arbeitsplatz nicht konstruktiv gelöst. Danach beginnt systematischer Psychoterror gegen das Opfer. In weiterer Folge fällt der Konflikt zwischen den Beteiligten den LehrerInnen bzw. der Personalleitung des Betriebs auf. Sollte sich zu diesem Zeitpunkt der Mobbingfall nicht mehr lösen lassen, steht dem/der Betroffenen als Alternative nur mehr ein Wechsel der Schule oder des Arbeitsplatzes zur Verfügung.
Das dargestellte Modell lässt sich durch diverse Faktoren beeinflussen. So kann sich der Gemobbte bereits zu Beginn des Psychoterrors massiv zur Wehr setzen und damit den Angreifer zur Aufgabe zwingen. Weiters wirkt in dieser Phase die Unterstützung durch KollegInnen hilfreich. Je früher von den Vorgesetzten Mobbing erkannt wird, umso größer sind die vorhandenen Möglichkeiten, abmahnend in das Geschehen einzugreifen.
8 1.3.1.3. Erscheinungsformen von Mobbing
Mobbing tritt nicht immer so offensichtlich wie im oben geschilderten Modell auf. Besonders im schulischen Bereich sollte man als LehrerIn bei folgenden Vorkommnissen in einer Schulklasse sofort ermahnend eingreifen, und das Geschehen hinterfragen, um aufkommendes Mobbingverhalten möglichst bereits im Keim zu ersticken: Wenn SchülerInnen verbal angegriffen werden, sie also Opfer von Verspottung, Beleidigung, Bedrohung und Beschimpfung werden.
Wenn SchülerInnen durch Gesten und/oder Handlungen erniedrigt werden, wie z.B. abwertende Blicke, Drohgebärden und ständiges Unterbrechen des Redeflusses. Wenn SchülerInnen Opfer von körperlicher Aggression, wie Schlagen, Bespucken und Treten werden.
7 Vgl. dazu: Kratz, Hans-Jürgen: Mobbing. Erkennen, Ansprechen, Vorbeugen. Wien 2000 2 , S.17.
8 Vgl. dazu: Holighaus, Kristin: Zoff in der Schule. Tipps gegen Mobbing und Gewalt. Weinheim 2004, S. 61.
10
1.3.2. Gewalt in der Schule
1.3.2.1. Definition
Eine eindeutige Definition des Begriffs Gewalt in der Schule ist schwer möglich, da es große
Unterschiede in der gesellschaftlichen Auffassung gibt, welche Verhaltensweisen als
gewalttätig einzustufen sind. Folgendes versteht Dan Olweus unter schulischer Gewalt:
Wenn der Begriff Gewalt verwendet wird, muß ein Ungleichgewicht der Kräfte vorliegen (ein asymmetrisches Kräfteverhältnis): Der Schüler oder die Schülerin, der oder die der negativen Handlung ausgesetzt ist, hat Mühe, sich selbst zu verteidigen, und ist in irgendeiner Weise hilflos gegenüber dem Schüler oder der Schülerin oder den Schülern
9 und Schülerinnen, die ihn drangsalieren.
Heidrun Bründel und Klaus Hurrelmann wiederum definieren Gewalt in der Schule auf
andere Weise:
Die Erscheinungsformen von Gewalt in der Schule reichen von Disziplinlosigkeit im Unterricht, verbalen und physischen Attacken gegenüber Lehrern und Mitschülern, Regelverletzungen, Schulschwänzen, Zerstören von Schuleigentum (Vandalismus), Diebstahl, Raub und Erpressung bis hin zu Auseinandersetzungen zwischen
10 rivalisierenden Jugendgangs und Schlägereien mit ausländischen Jugendlichen.
Eine für den alltäglichen Schulgebrauch gültige Definition, was Gewalt in der Schule
darstellt, wird eine Mischung aus den beiden vorangegangen Darstellungen sein. In einer
Konferenz aller LehrerInnen einer Schule sollte man festlegen, was man unter Gewalt in der
Schule versteht und dahingehend Verhaltensregeln erstellen.
11 1.3.2.2.Ursachen für schulische Gewalt
Folgende Faktoren können sich für die Entstehung von Gewalt in der Schule ausschlaggebend
sein:
Sprachlosigkeit: Kinder und Jugendliche wachsen vermehrt in einer Umgebung auf, in
der kaum noch gesprochen wird. Fernseher und Computer ersetzen
9 Olweus, Dan: Gewalt in der Schule. Was Lehrer und Eltern wissen sollten – und tun können. Bern 2002 3 , S. 23.
10 Bründel, Heidrun; Hurrelmann, Klaus: Gewalt macht Schule. Wie gehen wir mit aggressiven Kindern um?
München 1994, S. 109.
11 Vgl. dazu: Schneider, Sylvia: Gewalt. Nicht an unserer Schule! Neue Strategien zur Konfliktvermeidung und
Konfliktlösung. Würzburg 2001, S. 30.
11
zwischenmenschliche Kommunikation. Gefühle können nicht mehr ausgedrückt werden, daher besteht ein erhöhtes Risiko gewalttätig zu werden. Räumliche Enge und Bewegungslosigkeit: Vor allem im städtischen Raum fehlt jungen Menschen der nötige Platz, um sich austoben zu können. Die Wohnsituation ist häufig beengt und auch außerhalb der Wohnung stehen keine geeigneten Flächen zur Freizeitbeschäftigung zur Verfügung. Kreativität, Phantasie und Beweglichkeit werden auf diese Weise unterdrückt, dadurch fällt es schwer die eigenen Grenzen und die Verletzlichkeit der Mitmenschen richtig einzuschätzen. Vorurteile und fehlende Werte: Kinder und Jugendliche brauchen Orientierung in der Welt. Lebenseinstellungen werden häufig von den Eltern übernommen, auch in Form von nicht hinterfragten Vorurteilen. Auf diese Weise entstehen Feindbilder, wie z.B. Ausländer, die zur Anwendung von Gewalt führen.
12 1.3.2.3. Gewalt in österreichischen Schulen im Schuljahr 2001/02
Laut einer Studie des Ludwig Boltzmanninstitutes für Medizin- und Gesundheitssoziologie waren 12 Prozent der österreichischen Kinder im Schuljahr 2001/02 mindestens einmal Opfer von schulischer Gewalt. Weitere 12 Prozent fielen im selben Zeitraum als TäterInnen auf. 5 Prozent sind sowohl Opfer als auch TäterInnen. 71 Prozent der Kinder sind an schulischer Gewalt unbeteiligt. Jüngere SchülerInnen finden sich häufiger in der Gruppe der Opfer, ältere sind häufiger TäterInnen. Gewalttätiges Verhalten ist am häufigsten bei der Gruppe der elfbis vierzehnjährigen SchülerInnen zu beobachten, wie die folgende Grafik zeigt:
12 Vgl. dazu: http://www.give.or.at/download/HBSC5_Bullying_Langfassung.pdf, 5.12.2006.
12
1.3.3. Häusliche Gewalt
1.3.3.1. Definition
Möchte man den Begriff häusliche Gewalt zu erklären, stößt man in der Online-Enzyklopädie Wikipedia auf folgende Definition:
Häusliche Gewalt bezeichnet Gewalttaten zwischen Menschen, die in einem Haushalt zusammenleben. Unter den Oberbegriff der häuslichen Gewalt fallen deshalb nicht nur Gewalt in Paarbeziehungen (vor, während und nach einer Trennung), sondern auch Gewalt gegen Kinder, Gewalt von Kindern gegenüber ihren Eltern, Gewalt zwischen
13 Geschwistern und Gewalt gegen im Haushalt lebende ältere Menschen.
Kennzeichnend für häusliche Gewalt ist also ein Nahverhältnis zwischen Täter und Opfer, da diese Form der Gewaltausübung auf den privaten Raum begrenzt ist. Häufig versucht der Täter/die Täterin durch die Übergriffe, uneingeschränkte Macht über sein Opfer zu bekommen.
14 1.3.3.2. Ursachen häuslicher Gewalt
Früher wurde als einziger Grund für die Entstehung familiärer Gewalt die Zugehörigkeit zur untersten sozialen Schicht angesehen. Heute versucht man die Ursachen häuslicher Gewalt umfassender zu erklären. Dazu werden drei unterschiedliche Theorien herangezogen: Auf der Ebene der personenzentrierten Theorien wird die Ursache für Gewalt im sozialen Nahbereich in den persönlichen Eigenschaften des Täters/der Täterin gesehen. Man erklärt gewalttätige Übergriffe durch charakterliche Auffälligkeiten, Persönlichkeitsstörungen und/oder Intelligenzdefizite.
Im Bereich der sozialpsychologischen Theorien sucht man die Gründe für familiäre Gewalt in äußeren Einflüssen. Ausschlaggebend dafür können Misshandlungserfahrungen des Täters/der Täterin und Belastungsfaktoren wie Stress, Alkohol oder berufliche und private Unzufriedenheit sein.
Soziokulturelle Theorien erklären Gewalt in der Familie im Zusammenhang mit kulturellen Werten und Normen. Bestehende familiäre Rollen, Familienstrukturen und traditionelle Überlieferungen werden von den TäterInnen als Erklärung für ihr Verhalten geliefert.
13 http://de.wikipedia.org/wiki/Häusliche_Gewalt, 4.8.2006.
14 Vgl. dazu: http://bmsgk.cms/site/attachments/9/6/0/CH0098/CMS1056453530966/gewaltbericht_neu.pdf, S.
27-55, 27.12.2006.
13
15 1.3.3.3. Formen häuslicher Gewalt
Häusliche Gewalt äußert sich nicht nur in Form von körperlichen Übergriffen, oftmals wenden die TäterInnen wesentlich subtilere Methoden an, um ihre Opfer zu erniedrigen. So unterscheidet man zwischen:
körperlicher Gewalt: Sie umfasst alle tätlichen Angriffe wie z.B. schlagen, stoßen, schütteln, beißen und würgen.
sexueller Gewalt: Sie beinhaltet die Vergewaltigung und sexuelle Nötigung ebenso, wie den Zwang zur Prostitution.
psychischer Gewalt: Hier ist das Spektrum der Delikte am weitesten gefasst. Es reicht von Drohung, Nötigung, Stalking und Freiheitsberaubung bis hin zu weniger bedrohlichen Formen wie z.B.: Beschimpfung, Bevormundung, Verbot und Bespitzelung von Sozialkontakten.
ökonomischer Gewalt: In diesem Fall wird das Opfer zur Arbeit gezwungen bzw. wird ihm die Arbeit verboten. Außerdem wird kein Zugang zum gemeinsamen Konto ermöglicht bzw. wird der Lohn beschlagnahmt.
1.3.4. Sexueller Missbrauch
1.3.4.1. Definition
Versucht man den Begriff sexueller Missbrauch zu definieren, so findet man einige ähnlich klingende Erklärungen:
Bei Erwachsenen liegt eine Straftat gegen die sexuelle Selbstbestimmung vor, wenn jemand an einer Person ohne dessen Zustimmung sexuelle Handlungen ausführt. Kinder können aber sexuellen Handlungen mit Erwachsenen nicht verantwortlich zustimmen bzw. ein sogenanntes „wissentliches Einverständnis“ geben, da sie aufgrund ihrer Unerfahrenheit, ihrer fehlenden Kenntnisse und ihrer anderen psychosexuellen Entwicklungsstufe nicht in der Lage sind beurteilen zu können, wer für sie der „richtige“ Sexualpartner ist. Hinzu kommt, daß Kinder auch deswegen keine gleichberechtigten Partner von Erwachsenen sein können, da sie in vielfältiger Weise (emotional, rechtlich, finanziell, usw.) von diesen abhängig sind und somit ein großes Beziehungs- und Machtgefälle besteht. [...]
Der Mißbraucher nutzt seine Macht- und Autoritätsposition sowie die Abhängigkeit des
16 Kindes aus, es glaubt ihm, gehorcht ihm, stimmt wort- und widerstandslos zu.
15 Vgl. dazu: http://de.wikipedia.org/wiki/Häusliche_Gewalt, 4.8.2006.
16 Deegener, Günther: Kindesmißbrauch. Erkennen, Helfen, Vorbeugen. Weinheim und Basel 1998, S.22.
14
Möchte man sexuellen Missbrauch auch für Jugendliche verständlich definieren, damit sie
ohne Hilfe von Erwachsenen den Tatbestand erkennen können, so findet man folgende
Erklärung:
Du wurdest sexuell mißbraucht, wenn du
auf eine Weise gestreichelt oder geküßt wurdest, die bei dir ein unbehagliches Gefühl hinterließ;
auf eine Weise gebadet wurdest, die dir unangenehm war; dazu aufgefordert wurdest, die sexuellen Handlungen oder die Geschlechtsteile anderer Leute anzusehen; dazu gezwungen wurdest, dir Sexfilme oder -videos anzusehen; dazu gebracht wurdest, für Sexfotos zu posieren; an Brüsten oder Geschlechtsteilen berührt wurdest; dazu gezwungen wurdest, einen Erwachsenen oder älteren Jugendlichen an seinen Geschlechtsteilen zu berühren;
zu oralem Sex (das heißt, zu Sex mit dem Mund) gezwungen wurdest; penetriert wurdest (indem der Erwachsene dir seinen Finger, Penis oder einen Gegenstand in Vagina oder After steckte);
vergewaltigt wurdest (indem der Erwachsene unter Zwang oder mit Gewalt in
17 dich eingedrungen ist).
Zusammenfassend kann man sagen, dass sexueller Missbrauch dann beginnt, wenn der freie
Wille des anderen verletzt wird. Immer dann, wenn Kinder bewusst und absichtlich mit
sexuellen Handlungen konfrontiert werden, muss man von sexueller Belästigung sprechen. Es
ist wichtig, Kindern und Jugendlichen eine leicht verständliche Erklärung geben zu können,
wann es sich um sexuellen Missbrauch handelt.
18 1.3.4.2. Formen sexuellen Missbrauchs bei Kindern
Spricht man von sexuellem Missbrauch, so kann man drei unterschiedliche Arten feststellen:
Bei den eindeutigen Formen handelt es sich um genitalen/oralen Verkehr und das Eindringen
in den After und/oder in die Scheide des Kindes mit Finger(n), Penis oder Fremdkörpern.
Andere Formen sind jene, die den kindlichen Körper benützen, um sich Befriedigung zu
verschaffen. Dabei handelt es sich um Berührung oder Manipulation der Genitalien des
Kindes, um ein Zwingen des Kindes, die Genitalien eines/einer Erwachsenen zu berühren,
17 Bain, Quainé; Sanders, Maureen : Wege aus dem Labyrinth. Fragen von Jugendlichen zu sexuellem
Mißbrauch. Ruhnmark 1993², S. 13.
18 Vgl. dazu: http://arbeitsblätter.stangl-taller.at/PSYCHOLOGIEENTWICKLUNG/SexuellerMissbrauch.shtm,
Masturbation in Anwesenheit des Kindes, Reiben des Penis am Körper des Kindes und das Zeigen von pornographischen Abbildungen.
Zuletzt sollte man jene Formen nennen, die im Nachhinein oft als Beginn einer sexuellen Belästigung erkannt werden. Folgende Handlungsweisen werden dieser Kategorie zugeordnet: Der/die Erwachsene zeigt sich nackt vor dem Kind oder zeigt dem Kind seine Genitalien. Der/die Erwachsene möchte den Körper des Kindes genauer untersuchen und/oder beobachtet das Kind beim Ausziehen, Baden, Waschen etc.
19 1.3.4.3. TäterInnenprofile und TäterInnenstrategien
Untersucht man die TäterInnen sexueller Übergriffe auf Kinder und Jugendliche, so kann man diese im Wesentlichen drei unterschiedlichen Typen zuordnen:
Der regressive Typ fühlt sich sexuell vordergründig zu Erwachsenen hingezogen, allerdings ist er auch durch Kinder sexuell erregbar. Treten Probleme mit erwachsenen Sexualpartnern auf und sind Kinder für sie/ihn leicht verfügbar, greift er/sie zur sexuellen Befriedigung auf Kinder zurück. Daher werden diese Menschen häufig auch als Ersatzobjekttäter bezeichnet. In der Täterstatistik findet sich dieser Typ mit etwa 90 Prozent am häufigsten. Der fixierte Typ ist durch Erwachsene nicht oder kaum erregbar. Seine primäre sexuelle Orientierung richtet sich auf Kinder. Man spricht in diesem Fall von pädophilen Menschen. Sie machen ungefähr 2 bis 10 Prozent aller Täter aus.
Der soziopathische Typ zeigt mangelnde Empathie für seine Opfer und neigt zu sadistischen Handlungen. Die Sexualität dient ihm/ihr nicht zur Befriedigung sexueller Bedürfnisse, sondern als Mittel der Machtausübung und Unterdrückung. Diese Täterbeschreibung trifft nur auf einige wenige Einzelfälle zu.
Versucht man die Strategie der TäterInnen zu klären, so stellt man fest, dass sexuelle Belästigung häufig den gleichen Anfang nimmt. Die sexuelle Ausbeutung beginnt normalerweise nicht mit der Vergewaltigung des Opfers, sondern mit besonderer Zuwendung vonseiten des Missbrauchers/der Missbraucherin, oft wird für das Kind alles als Spiel dargestellt. Ziel ist es das Opfer zu verwirren – es soll glauben, dass es sich geirrt hat. Gleichzeitig wird versucht, ein Gefühl der Gegenseitigkeit herzustellen – das Opfer soll das Gefühl haben, dass es selbst für die Tat verantwortlich ist.
19 Vgl. dazu: http://arbeitsblätter.stangl-taller.at/PSYCHOLOGIEENTWICKLUNG/SexuellerMissbrauch.shtm,
1.3.5. Amok
1.3.5.1. Definition
Das Phänomen des Amoklaufs wird auf das malaiische Wort amuk zurückgeführt und folgendermaßen beschrieben:
Amok (malaiisch: Wut, wütend), ein ursprünglich für Malaien beschriebener plötzlicher aggressiver, gewalttätiger Ausbruch einer in der Regel männlichen Person, der mit anscheinend unbegründeten Tötungsangriffen auf Menschen und Tiere einhergeht, die dem Amokläufer (malaiisch pengamok) zufällig begegnen. Typischerweise zieht sich der Amokläufer vor seinem Ausbruch oft von seiner Umgebung und in sich selbst zurück, nach dem Amoklauf, der häufig mit Selbstmord endet, ist der Betroffene erschöpft, bricht
20 zusammen oder verfällt in einen langen Schlaf und hat Erinnerungslücken.
Die TäterInnen, welche sich in dieser psychischen Ausnahmesituation befinden, werden als Amokläufer bezeichnet. Ihnen ist ein Zustand krankhafter geistiger Verwirrung gemeinsam, in dem sie herumlaufen und in scheinbar blinder Wut alle töten, die ihnen begegnen.
21 1.3.5.2. Entwicklung eines Amoklaufs
Der Ablauf eines Amoklaufs kann zumeist nach dem gleichen Schema erklärt werden, Motive und Gründe dafür sind allerdings höchst unterschiedlich.
Im Vorstadium finden sich in den meisten Fällen familiäre und/oder soziale Schwierigkeiten. Es kommt zu Erniedrigungen und massiven Kränkungen, die das persönliche Ansehen vermindern. Diese Umstände führen beim Betroffenen zu einer Phase des intensiven Nachdenkens über das Geschehene, meist gepaart mit einem Rückzug aus dem bisherigen sozialen Umfeld. Es kommt zu depressiven Verstimmungen, es folgt ein Leben in einer eigenen kleinen Welt.
Auf diese Phase des Grübelns folgt dann ein plötzlicher unvorhersehbarer Angriff mit rücksichtsloser Tötungsbereitschaft, das heißt aus dem Stadium der verwirrten Sinne bricht der eigentliche Amokzustand hervor. Der Amokläufer schreit, rennt umher, tobt, greift wahllos Menschen und Tiere an. Diese mörderische Raserei kann über mehrere Stunden hinweg andauern.
20 Amok: Microsoft ® Encarta ® Professional 2003. © 1993-2002 Microsoft Corporation.
21 Vgl. dazu: http://www.psychosoziale-gesundheit.net/pdf/amok_faust.pdf, 27.12.2006.
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Ein Ende findet solch ein Amoklauf erst dann, wenn sich der Rasende selbst richtet, getötet oder überwältigt wird. Überlebende Täter verfallen nach ihrer Festnahme häufig in einen schlafähnlichen Zustand, der mit einer Amnesie zur Tatzeit einhergeht.
22 1.3.5.3. Einige bekannte Amokläufe
In der folgenden Aufzählung finden sich fünf Amokläufe, die in den vergangenen zehn Jahren geschehen sind. Es ist eine Auswahl von Vorfällen im schulischen und im öffentlichen Bereich aus den USA und Europa:
5. Mai 1997/Österreich: Ein 15-jähriger Schüler tötet an seiner Schule in Zöbern/Niederösterreich eine Lehrerin und verletzt eine weitere schwer. Er selbst überlebt die Tat.
20. April 1999/USA: In der Schule in Littleton/Colorado töten zwei Jugendliche mit Sprengsätzen und Schusswaffen mindestens 14 MitschülerInnen und LehrerInnen, 23 Personen werden verletzt. Anschließend begehen die Täter Selbstmord.
27. September 2001/Schweiz: Ein 57-Jähriger dringt in das Parlamentsgebäude des Kantons Zug ein und tötet drei Regierungsräte und elf Kantonsräte. Bei dem Attentat werden 15 weitere Menschen verletzt, darunter auch einige Journalisten.
26. April 2002/Deutschland: Ein 19-jähriger Schüler tötet an einem Erfurter Gymnasium dreizehn LehrerInnen, zwei SchülerInnen und einen Polizisten. Zehn Menschen werden verletzt, am Ende begeht der Täter Selbstmord.
27. Mai 2006/Deutschland: Bei den Eröffnungsfeierlichkeiten des Berliner Hauptbahnhofs sticht ein vermutlich betrunkener 16-Jähriger wahllos auf 41 Passanten ein, die teils lebensgefährliche Verletzungen erleiden.
1.3.6. Rassistisch motivierte Gewalt
1.3.6.1. Definition
Der Begriff Rassismus wird auf diese oder ähnliche Weise in den meisten Werken erklärt:
Rassismus der, Gesamtheit der Theorien und politischen Lehren, die versuchen, kulturelle Fähigkeiten und Entwicklungslinien der menschlichen Geschichte nicht auf biologisch anthropologische (d.h. typologische) Ursachen zurückzuführen; im engeren Sinn alle Lehren, die aus solchen Zusammenhängen eine Über- bzw. Unterlegenheit einer menschlichen Rasse gegenüber einer anderen behaupten, um Herrschaftsverhältnisse zu
22 Vgl. dazu: http://de.wikipedia.org/wiki/Amoklauf, 6.8.2006.
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rechtfertigen sowie mithilfe dieser Ideologie Massen für objektiv andere (z.B. politische oder wirtschaftliche) Interessen zu mobilisieren. Der Rassismus liefert innenpolitisch die Begründung für Diskriminierung, Unterprivilegierung oder Unterdrückung ethnischer Gruppen (oft Minderheiten), die als Vertreter anderer Rassen bezeichnet werden. Außenpolitisch wird der Rassismus zur Rechtfertigung von Imperialismus und
23 Kolonialismus herangezogen.
Unter Rassismus versteht man also alle Handlungen, die sich gegen einen einzelnen Menschen oder eine Volksgruppe aufgrund ihrer ethnischen Herkunft richten.
24 1.3.6.2. Geschichte des Rassismus
Mithilfe rassistischer Vorurteile versuchte man immer wieder Unterdrückung, Völkermord und Diskriminierung zu rechtfertigen. Schon im 17. Jahrhundert entwarf Henri de Boulainvilliers eine Zweirassentheorie, um die politische Vorherrschaft der Franken über die Gallier zu erklären. Im 19. Jahrhundert entwarf Arthur Gobineau die Theorie von der zur Herrschaft berufenen Rasse der Arier, die als Grundstein für den Nationalsozialismus gilt und von Alfred Rosenberg zur Rassenideologie weiterentwickelt wurde. Dadurch kam es zur Zeit des zweiten Weltkriegs in Europa zur systematischen Ausrottung der Juden. Nach dem zweiten Weltkrieg änderten sich die Erscheinungsformen und Ideen des Rassismus. Die genetischbiologische Argumentation wurde schrittweise von verhaltensbiologischen und kulturellen Ideologien abgelöst. Die Identität des eigenen Volkes soll vor Überfremdung bewahrt werden.
25 1.3.6.3. Rassismus in Österreich im Jahr 2005
Der Verein für Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit (ZARA) sammelt alljährlich Berichte über diskriminierende Vorfälle, die Menschen nicht österreichischer Herkunft in Österreich betreffen. Im Jahr 2005 dokumentierte das ZARA-Team im Rassismus-Report 1.105 rassistische Vorfälle. Dabei waren 45 Prozent der Betroffenen Frauen, 36 Prozent Männer, 18 Prozent der Fälle wurden anonym gemeldet und 1 Prozent stammt von Organisationen selbst. Der Anteil an ZeugInnen unter den ZARA-KlientInnen lag 2005 bei 54 Prozent. Selbst direkt betroffen waren unter den meldenden Personen 46 Prozent.
Von den dokumentierten Vorfällen betrafen 67 Prozent den öffentlichen Raum (Lokale, öffentliche Verkehrsmittel, Geschäfte, ...), mehr als die Hälfte davon waren rassistische
23 Rassismus: Der Brockhaus in fünf Bänden. Band 4 Neu – Sil. Mannheim 1994 8 , S. 350.
24 Vgl.dazu: Rassismus: Microsoft ® Encarta ® Professional 2003. © 1993-2002 Microsoft Corporation.
25 Vgl. dazu: http://www.zara.or.at/materialien/rassismus-report/rassismus-report-2005.pdf, 30.12.2006.
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Beschmierungen. Das ZARA-Team selbst war von 9 Prozent der Ereignisse betroffen, hier äußerte sich der Rassismus als Antwort auf die bereits verrichtete Arbeit in Form von Beschimpfungen. 9 Prozent der Anzeigen betrafen den Arbeitsplatz der Betroffenen, 7 Prozent die Polizei, 5 Prozent Behörden und öffentliche Institutionen wie Schulen und 3 Prozent den Wohnraum.
2. Jugendbücher zu ausgewählten Themen der gewalt
2.1. Beth Goobie: Ausgelost. Mobbing in der High School
26 2.1.1. Biographische Notizen zur Autorin
Beth Goobie wurde 1959 in Guelph, Ontario, geboren. Nach ihrem Studium arbeitete sie sechs Jahre lang mit physisch und sexuell missbrauchten Kindern. Seit 1987 schreibt sie provozierende Erzählungen und Romane, vor allem über Teenager, die missbraucht worden sind.
2.1.2. Inhalt des Buches
Das Schattenkomitee hält als jährliches Ritual an der Saskatoon Collegiate High School eine Wahl ab. Bei dieser Lotterie wird der Name eines Schülers/einer Schülerin ausgelost, der/die daraufhin für ein Jahr von allen anderen MitschülerInnen gemieden wird. FreundInnen des/der Ausgelosten werden durch Gewaltandrohung unter Druck gesetzt, jeglichen Kontakt zum Opfer abzubrechen.
Das aktuelle Opfer des Schattenkomitees ist Sal Hanson, eine Schülerin in der zehnten Klasse. Sie muss für das Schattenkomitee Aufgaben erledigen und hat sich auf Befehl jederzeit zur Verfügung zu halten, auch nachts. Oftmals besteht ihr Auftrag darin, MitschülerInnen Botschaften zu überbringen, die zum Mobbing auffordern. Die EmpfängerInnen der Nachrichten werden immer bewusst ausgewählt; entweder sind es MitschülerInnen die mit sich und ihrem Leben massive Probleme haben, wie Chris Busatto und Diane Kruisselbrink, oder der/die Betreffende hat sich den Hass eines der Mitglieder des Schattenkomitees zugezogen. Hier wäre als Beispiel Myra Hurgett anzuführen.
26 Vgl. dazu: http://www.fischergeneration.de/sixcms/detail.php?template=gn_wide_wrapper&_&_content_ template=autor_detail&_navi_area=gn_vert1&_navi_item=08.00.00.00&_letter =&id=229600, 5.10.2006.
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Arbeit zitieren:
Carla Schindler, 2007, Gewalt in der Jugendliteratur, München, GRIN Verlag GmbH
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