(LQOHLWXQJ
(LQRUGQXQJGHU7KHPDWLNXQG'HILQLWLRQ
(LQWHLOXQJGHU.RPSRVLWDQDFKGHU%H]LHKXQJ ]ZLVFKHQLKUHQ.RQVWLWXHQWHQ
3.1 Kopulativkomposita 4 5
3.2 Determinativkomposita (LJHQVFKDIWHQGHXWVFKHU1RPLQDONRPSRVLWD
4.1 Strukturelle Eigenschaften 8
4.1.1 Selbständigkeit der Konstituenten 8 4.1.2 Binäre Struktur 9 4.1.3 Nicht-Trennbarkeit der Konstituenten 11
4.1.4 Akzentmuster 11
4.1.5 Orthographie 11 4.2 Semantische Eigenschaften 13 4.2.1 Endozentrische und exozentrische Komposita 13
4.2.2 Durchsichtigkeit 14
4.2.3 Lexikalisierungsgrad 14
4.2.4 Probleme bei der Interpretation von Komposita 15
*HQHUHOOHhEHUVHW]XQJVP|JOLFKNHLWHQGHXWVFKHU 1RPLQDONRPSRVLWDLQV,WDOLHQLVFKH 6.1 Methodik der Untersuchung 1RPLQDONRPSRVLWDGHU)DFKVSUDFKHGHU3V\FKRDQDO\VH
19
6.2 Auswertung
20
3
(LQOHLWXQJ Ziel der vorliegenden Arbeit ist es, die unterschiedlichen Möglichkeiten zur Übersetzung ins Italienische von deutschen Nominalkomposita der Fachsprache der Psychoanalyse, einer Wissenschaft, die von Sigmund Freud begründet wurde und daher ursprünglich deutschsprachig war, herauszuarbeiten und zu untersuchen. Dazu ist es erforderlich, zunächst eine allgemeine Definition zu finden und aus synchronischer Sicht die strukturellen und semantischen Eigenschaften von Nominalkomposita im Deutschen zu beleuchten. Auch werden einzelne Aspekte, bei denen das Italienische von den für das Deutsche beschriebenen Bildungs- und Interpretationsmustern abweicht, kontrastiv dargestellt. Die generellen Übersetzungsmöglichkeiten deutscher Nominalkomposita ins Italienische werden anhand von Beispielen aus der Gemeinsprache vorgestellt und die gewonnenen Erkenntnisse auf die Termini der Fachsprache der Psychoanalyse angewendet. Abschließend erfolgt die Auswertung der Ergebnisse in bezug auf die genannte Fragestellung unter besonderer Berücksichtigung eventuell auftretender
Die Komposition oder Wortzusammensetzung ist neben der Derivation
Auffälligkeiten und der bevorzugten Übersetzungsschemata. (LQRUGQXQJGHU7KHPDWLNXQG'HILQLWLRQ oder Wortableitung eines der Verfahren der Wortbildung, durch die der
Wortschatz einer Sprache erweitert und an eine veränderte Lebenswirklichkeit
angepaßt werden kann (vgl. Geckeler/Kattenbusch 78; Duden, *UDPPDWLN 408-409). In Anlehnung an Geckeler/Kattenbusch (81) und Duden (*UDPPDWLN 432) wird sie definiert als Verbindung von zwei oder mehr in einer bestimmten Sprache selbständig vorkommenden Lexemen zu einer neuen Einheit. Die Definitionen von Renzi/Salvi/Cardinaletti (471) und Petrocelli (65) für das Italienische weichen nur in der Formulierung, nicht jedoch inhaltlich hiervon
4
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich nicht mit der Komposition als solcher, sondern nur mit einem Teilgebiet, den Nominalkomposita. Das 0HW]OHU /H[LNRQ 6SUDFKH definiert 1RPLQDONRPSRVLWXP als „Kompositum mit
einem nominalen Zweitglied, z.B. Haustür, Edelrose, Eßkastanie“ (Glück). Aus den genannten Beispielen, die zu den Typen Substantiv + Substantiv, Adjektiv + Substantiv und Verb + Substantiv gehören, ist allerdings nicht ersichtlich, daß 1RPHQ sowohl synonym für Substantiv als auch als Oberbegriff für
Substantive und Adjektive gebraucht werden kann (vgl. Duden, 8QLYHUVDOZ|UWHUEXFK1142) und daß demzufolge auch Adjektivkomposita, d.h.
Zusammensetzungen mit einem Adjektiv als Zweitglied, zu den Nominalkomposita gezählt werden können. Hier wird die weiter gefaßte Definition zugrunde gelegt, da die zu machenden Aussagen weitestgehend für beide Gruppen gelten. Dennoch liegt das Hauptaugenmerk aufgrund ihrer quantitativ weitaus größeren Bedeutung 1 auf den Substantivkomposita und insbesondere dem Typ Substantiv + Substantiv. Grundsätzlich sind jedoch neben Substantiven, Adjektiven und Verben, die den weitaus größten Teil ausmachen, auch Pronomina, Adverbien, Partizipien, Präpositionen, Konjunktionen und Partikel als Erstglieder von Komposita denkbar (vgl. Blasco Ferrer 201, Ortner/Ortner 118).
(LQWHLOXQJGHU.RPSRVLWDQDFKGHU%H]LHKXQJ]ZLVFKHQLKUHQ .RQVWLWXHQWHQ
.RSXODWLYNRPSRVLWD
Kopulativkomposita bestehen aus zwei oder mehr 2 Konstituenten der gleichen Wortart, die durch die Konjunktion XQG verbunden werden könnten
1 Substantivkomposita, von denen rund vier Fünftel zum Typ Substantiv + Substantiv gehören, bilden die größte Gruppe von Nominalkomposita, die wiederum etwa zwei Drittel des gesamten deutschen Wortschatzes ausmachen (vgl. Duden, *UDPPDWLN 409, 483).
2 Langen-Keffenbrinck zitiert aus der Duden-Grammatik von 1984, daß „Kopulativzusammensetzungen immer aus zwei Teilen bestehen“ (218), während in der 6. Auflage von 1998 zu lesen ist: „Es gibt auch schon - allerdings selten - Kopulativbildungen mit zusammengesetzten Konstituenten: 'RSSHOEHWW&RXFK, 5DGLR.DVVHWWHQUHNRUGHU, 6WXGLHQUDWGRNWRU.“ (481). Bei den mehrteiligen, kopulativen Substantivkomposita scheint es sich also um eine relativ neue Erscheinung zu handeln, während es Kopulativzusammensetzungen aus drei Adjektiven wie 6FKZDU]5RW*ROG sicher schon länger gibt.
5
und sich gegenseitig semantisch nicht näher bestimmen. Dabei sind die beiden Konstituenten theoretisch vertauschbar, auch wenn in der Regel nur eine Variante gebräuchlich ist. In diese Gruppe fallen Zusammensetzungen
wie 6WUXPSIKRVH, 2IHQNDPLQ, VVDXHU oder QDNDOW(vgl. z.B. Bollée 119-120, Duden, *UDPPDWLN 481, Langen-Keffenbrinck 215 oder Naumann 64-65).
Petrocelli weist darauf hin, daß zwischen den Konstituenten die Relation „’TANTO-QUANTO’: [...] un Dichterkomponist (poeta compositore) è tanto
poeta quanto compositore“ (69) oder „’PARTE-PARTE’“ wie bei 6WULFKSXQNW
bestehen kann (vgl. auch Ortner/Ortner 53).
In der deutschen Gemeinsprache spielen Kopulativkomposita bei den Substantiven eine unbedeutende Rolle, bei den Adjektiven sind sie häufiger 3 ,
da u.a. Farbbezeichnungen und Zahlwörter wie EODXJUQ oder IQI]HKQ
dazuzählen. Als Substantivkomposita kommen Kopulativzusammensetzungen
v.a. in Orts- und Ländernamen wie *DUPLVFK3DUWHQNLUFKHQ oder gVWHUUHLFK 8QJDUQ oder in Fachsprachen wie beispielsweise der Fachsprache der
Chemie (&KORUZDVVHUVWRII) oder der Modesprache (+RVHQURFN) vor (vgl. Bollée
119-120, Naumann 64-65 und Duden, *UDPPDWLN 481).
Für die italienischen Kopulativkomposita gilt das Gesagte entsprechend.
Beispiele hierfür sind NLOOHUVWHUPLQDWRUH (Langen-Keffenbrinck 215), DJURGROFH (Blasco Ferrer 199) oder FDVVDSDQFD (Dardano, :RUWELOGXQJVOHKUH 59).
'HWHUPLQDWLYNRPSRVLWD
Die von Ortner/Ortner aufgrund ihrer quantitativen Bedeutung als „Normaltyp des Kompositums“ (11) bezeichneten Determinativkomposita
bestehen aus einem Grundwort (auch Determinatum, Basis, KHDG genannt)
und einem Bestimmungswort (Determinans), welches das Grundwort auf semantischer Ebene näher beschreibt. Das Determinatum bestimmt Wortart und Genus sowie die semantische Grundkategorie des Kompositums (vgl.
Ortner/Ortner 36-37, Petrocelli 69, Olsen 56). Das Kompositum %LHQHQVWRFN
beispielsweise ist maskulin und bezeichnet die „Wohnung“ von Bienen,
6
während 6WRFNELHQH feminin ist und eine junge Biene bezeichnet, die sich
ausschließlich im Stock aufhält. Im Gegensatz zu den Kopulativkomposita sind die Konstituenten hier also nicht vertauschbar. Als Beispiel für wechselnde
Wortart bei Vertauschung der Konstituenten kann +RFKKDXV - KDXVKRFK genannt werden (vgl. Naumann 65, Duden, *UDPPDWLN 480, 482). Da das
Deutsche eine prädeterminierende Sprache ist, steht das Grundwort immer rechts (vgl. Ortner/Ortner 18). Außerdem trägt lediglich das Determinatum
Kasus- und Numerusmerkmale: Der Plural von +DXVWU lautet +DXVWUHQ und
nicht *+lXVHUWUHQ. An der Stelle der Flexionsmorpheme treten jedoch manchmal aus lautlichen Gründen bzw. zur leichteren Aussprache sogenannte
Fugenelemente auf (vgl. Ortner/Ortner 34, 120, Duden, *UDPPDWLN 495-496).
Diese Fugenelemente sind z.T. Reste von Flexionsendungen, die heute aber keine grammatische Funktion mehr haben. In manchen Komposita deuten sie
lediglich darauf hin, daß das Bestimmungswort wie bei 6WUDKOHQNUDQ] als Plural zu verstehen ist (vgl. Duden, *UDPPDWLN 494-495). Eine echte bedeutungsunterscheidende Funktion wie bei .LQGEHWW±.LQGHUEHWW haben sie jedoch in den seltensten Fällen (vgl. Duden, *UDPPDWLN 502).
Für das Italienische treffen die genannten Merkmale von Determinativ-komposita nicht unbedingt zu. In der Regel steht das Grundwort wie bei WUHQR PHUFL oder EXVWD SDJD links. Ausnahmen gibt es v.a. bei Komposita
lateinischen Ursprungs (FDSRODYRUR), bei Zusammensetzungen mit
griechischen Elementen (FULSWRJUDILD) oder bei neueren Bildungen wie VFXROD EXV, die dann laut Renzi/Salvi/Cardinaletti (503) häufig Lehnübersetzungen aus dem Englischen sind (vgl. auch Dardano, :RUWELOGXQJVOHKUH 59, Blasco
Ferrer 200, 203 und Langen-Keffenbrinck 215-216). Abweichend vom Deutschen können bei italienischen Komposita entweder Grund- oder Bestimmungswort oder beide flektiert werden. Generell trägt zwar das Grundwort die Pluralendung, doch die anderen Pluralformen kommen v.a. dann vor, wenn das Kompositum z.B. aufgrund der veränderten Reihenfolge von Grund- und Bestimmungswort oder wegen einer fremdsprachlichen
3 Laut Duden, *UDPPDWLN (533) gehören rund 25 % aller Adjektivzusammensetzungen zu den Kopulativkomposita.
7
Konstituente von den Sprechern nicht als solches empfunden wird (vgl. Renzi/Salvi/Cardinaletti 502-503, Langen-Keffenbrinck 217). Als Plural von SRPRGRUR kommen neben der gebräuchlichsten Form SRPRGRUL auch SRPLGRUR, das sich aus der Etymologie des Wortes erklärt, und SRPLGRUL vor (vgl. Dardano, :RUWELOGXQJVOHKUH 60).
Quote paper:
Daniela Rollmann, 2002, Die Übersetzung deutscher Nominalkomposita, Munich, GRIN Publishing GmbH
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