„Die Sprache ist die bedeutendste Errungenschaft im Leben eines Menschenkindes und unter seinen großen Gaben vielleicht diejenige, die am gleichmäßigsten und gerechtesten verteilt ist. Sie ist unser wichtigstes Organ zur Aneignung der Welt“ (Butzkamm/Butzkamm 1999, S.7). Jedes Kind eignet sich in den ersten Lebensjahren die spezifischen sprachlichen Gewohnheiten der Gruppe, in die es hineingeboren wurde, an. Dies ist eine der größten geistigen Leistungen, die jeder von uns vollbringen muss. „Es ist für das Kind eine äußerst schwierige Aufgabe, die Konventionen der Erwachsenen beim Klassifizieren der Phänomene der Realität zu erlernen, und es ist andererseits faszinierend, die Entwicklung von den ersten
unscharfen, nicht konventionellen Ausdrücken zu den von der Umgebung sanktionierten Begriffen zu verfolgen“ (Giuseppe Francescato 1973, S.7). Die kindliche Sprachentwicklung ist sicherlich eine der faszinierendsten Fragen der Entwicklungspsychologie. Die Rasanz, mit der die Kinder das hoch komplexe System Sprache erlernen, zeigt, wie sehr der Mensch darauf angewiesen ist, die Welt zu verstehen und mehr noch, mit seinen Mitmenschen zu kommunizieren. Wie lernt ein Kind seine Muttersprache? Die neuere Sprachewissenschaft hat festgestellt, dass Nachahmung, Auslese, Analogiebildung, Sinnstreben, Sprachnot und
Aufgliederung die wichtigsten der Prinzipien sind, die die Sprachentwicklung des Kindes zu bestimmen (vgl. Hermann Helmers 1969, S. 353).
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Voraussetzungen für das Lernen von Sprache
2.1 Auditive Faktoren
2.2 Visuelle Faktoren
2.3 Der Erwerb der Lautsprache
3. Die Entwicklung der linguistischen Ebenen
3.1 Die Phonologische Entwicklung
3.2 Der Erwerb der Grammatik
3.3 Die semantische Entwicklung
4. Objektpermanenz
5. Epilog
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den komplexen Prozess der kindlichen Sprachentwicklung und analysiert die kognitiven sowie physiologischen Voraussetzungen, die ein Kind benötigt, um seine Muttersprache zu erlernen. Der Fokus liegt dabei auf der Verknüpfung von Lauterwerb, grammatikalischem Verständnis und semantischer Entwicklung im Kontext der allgemeinen Kindheitsentwicklung.
- Bedeutung auditiver und visueller Faktoren für den Spracherwerb
- Entwicklungsphasen der Lautsprache und linguistischer Ebenen
- Die Rolle der Objektpermanenz als kognitive Grundlage
- Einfluss der sozialen Umgebung und der Bezugspersonen
- Phasenmodell der Sprachentwicklung vom ersten Schrei bis zum Schulalter
Auszug aus dem Buch
2.1 Auditive Faktoren:
Hören ist ein wesentlicher Grundstein zum Erwerb von Sprache. Beim normalsinnigen Kind geht das Hören dem Sprachen immer voraus. Kinder können schon Laute hörend unterscheiden, bevor sie diese Laute selbst gezielt hervorbringen können. ,,Das Abenteuer des Hörens, Zuhörens und Hinhörens beginnt drei Monate vor der Geburt. Damit setzt auch das Abenteuer Sprache ein, lange bevor das Kind auf die Welt kommt, den Mund auftut und zu babbeln anfängt.“ (Butzkamm/Butzkamm 1999, S. 5). Das Kind muss ein gutes Gehör besitzen, damit Geräusche der Umwelt wahrgenommen werden können und auch Sprache der Bezugspersonen gehört werden kann. Durch Hören wird das Interesse an Sprache und damit am Kontakt zur Außenwelt geweckt. So wird zum Beispiel die Lallphase vor allem durch auditive Reize gesteuert - das Kind hört neben der Umwelt auch sich selbst und wird so zur Nachahmung und Wiederholung motiviert. Auch die Lautstärke reguliert es durch Anpassung an die Umwelt.
Hierbei ist auch die Bedeutung des vorgeburtlichen Hörens nicht zu unterschätzen. Es ist medizinisch erwiesen, dass der Fötus mit sechs Monaten über sein Innenohr auf Laute reagiert. Das Ungeborene hört vor allem die Stimme seiner Mutter - zum einen nimmt es sie über das Mitschwingen des Knochenskeletts wahr, zum anderen über die Bauchdecke und das Fruchtwasser. So wird zwar nicht verstanden, was die Mutter sagt, aber der Fötus nimmt den Klang und den Rhythmus der Stimme der Mutter wahr (vgl.Grimm 1998, S.717). Genauso werden auch die Geräusche der Umwelt gehört, zum Beispiel die Stimme des Vaters und auch Musik. Eine Studie hat gezeigt, dass bereits vier Tage alte Säuglinge die Muttersprache anderen Sprachen vorziehen. Durch einen präparierten Schnuller wurde die Saugrate der Säuglinge gemessen und diese war bei der eigenen Muttersprache deutlich höher, als bei anderen Sprachen (vgl. Zimbardo 1999, 478).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Bedeutung der Sprache als zentrales Organ zur Welterschließung und gibt einen Überblick über die Prinzipien des Spracherwerbs.
2. Voraussetzungen für das Lernen von Sprache: Dieses Kapitel erläutert die physiologischen Grundlagen wie das auditive und visuelle Aufnahmevermögen sowie den Prozess des Lauterwerbs als Basis für spätere Kommunikation.
3. Die Entwicklung der linguistischen Ebenen: Hier werden die phonologische, grammatikalische und semantische Ebene der Sprachentwicklung detailliert analysiert und deren Zusammenspiel beschrieben.
4. Objektpermanenz: Dieses Kapitel verknüpft die kognitive Entwicklung des Kindes mit der Fähigkeit, Objekte auch bei Abwesenheit mental zu repräsentieren, was eine Schlüsselrolle für die Sprachentstehung spielt.
5. Epilog: Der Epilog betont die Rolle der sicheren Bindung und des elterlichen Vorbilds für eine gelungene Sprachentwicklung.
Schlüsselwörter
Sprachentwicklung, Kindheit, Lauterwerb, Phonologie, Grammatik, Semantik, Objektpermanenz, auditive Wahrnehmung, visuelle Wahrnehmung, Kommunikation, Lallphase, Sozialisation, Erstspracherwerb, Entwicklungspsychologie, Bindung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den verschiedenen Etappen und notwendigen Bedingungen des Spracherwerbs bei Kindern, ausgehend von der vorgeburtlichen Wahrnehmung bis hin zur Beherrschung komplexer grammatikalischer Strukturen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zu den zentralen Themen gehören die physiologischen Voraussetzungen (Hören/Sehen), die linguistischen Ebenen (Phonologie, Grammatik, Semantik) sowie die kognitive Entwicklung (Objektpermanenz).
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, den komplexen Prozess, wie ein Kind das hochkomplexe System der Muttersprache erlernt, wissenschaftlich nachzuvollziehen und die Wechselwirkungen zwischen Entwicklung und Kommunikation aufzuzeigen.
Welche wissenschaftlichen Perspektiven werden eingenommen?
Die Autorin stützt sich primär auf entwicklungspsychologische Erkenntnisse und linguistische Theorien, um den Übergang von der vor-sprachlichen Kommunikation zur bewussten Sprachnutzung zu erklären.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung sensorischer Grundlagen, die Differenzierung in phonologische, semantische und grammatikalische Entwicklungsschritte sowie die Bedeutung kognitiver Konzepte wie der Objektpermanenz.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Schlüsselbegriffe sind hierbei unter anderem Sprachentwicklung, Lauterwerb, Objektpermanenz und Sozialisation, da sie den Kern der kindlichen Entwicklungsprozesse abdecken.
Welche Rolle spielt die Objektpermanenz für den Spracherwerb?
Die Objektpermanenz ist essenziell, da sie dem Kind ermöglicht, Objekte mental zu repräsentieren, auch wenn diese gerade nicht sichtbar sind, was eine Grundvoraussetzung für symbolische Kommunikation darstellt.
Wie können Bezugspersonen die Sprachentwicklung aktiv fördern?
Die Arbeit betont, dass Eltern durch Blickkontakt, sprachliche Begleitung des Alltags und die Verwendung eines dem Entwicklungsstand angepassten Wortschatzes eine sichere Basis für die Kommunikationsfreude des Kindes schaffen.
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- Master of Arts Lilli Petel (Author), 2004, Die Sprachentwicklung beim Kinde, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/86157