In der Antike bestimmten vier Schulen die Philosophie: Die stoische, epikureische, platonische und peripatetische Lehre. Etwa 300 Jahre später spiegelt Cicero in seinem Werk … die Auseinandersetzungen dieser Anschauungen wieder. So erkennt man in den „Tusculanae Disputationes“ 1 die Differenzen zwischen Peripatetikern 2 und Stoikern 3 . Als Eklektiker wählt Cicero allerdings aus mehreren philosophischen Systemen das für ihn Stimmigste aus und setzt diese Selektion zu einem neuen Lehrgebäude zusammen. Aus diesem Grund muss man vorsichtig mit den Thesen umgehen, die er den einzelnen Schulen in den Mund legt 4 .
In diesem Essay soll auf Grundlage der Tusculanen der peripatetische Umgang mit den Affekten und als Gegenstück dessen die Sichtweise der Stoiker, denen sich Cicero hier anschließt, dargestellt werden.
Die Peripatetiker behaupten, dass die Leidenschaften natürlich sind und angenommen werden sollen, jedoch muss ein gewisses Maß eingehalten werden. 5 Nur wenn von diesem Mittelmaß abgewichen wird, sind die Affekte schädlich und krankhaft.
Cicero setzt der Ansicht der Peripatetiker entgegen, dass man im Fehler kein Maß suchen kann: „Was gefährlich ist, wenn es herangewachsen ist, das ist schon schädlich, wenn es entsteht.“ 6 Seine Argumentation baut auf der Widerlegung eines Affektes auf - dem Kummer- und wird auf alle anderen Leidenschaften übertragen. So führt er Rupilius als Beispiel an: Dieser ist vor Kummer gestorben, weil sein Bruder die Konsulatswahl verlor. Er hätte dieses, laut Cicero, maßvoller ertragen können; doch wenn ihn im Anschluss weitere Schicksalsschläge getroffen hätten 7 , hätte sich der Kummer aufsummiert und wäre nicht mehr erträglich geschweige denn maßvoll gewesen. Mit Verweis auf dieses Beispiel warnt Cicero davor, den Leidenschaften ein Maß einzugestehen, denn nimmt man einen Teil von ihnen an, 1 Die Gespräche erhielten ihren Namen von Tusculum, einem Villenviertel in Rom, in dem Cicero ein Landhaus hatte.
2 Aristoteles gründete die Peripatos genannte Schule, wobei der Name auf dem Wandelgang begründet ist.
3 Der aus Zypern stammende Zeno gründete diese Schule in Athen in einer Säulenhalle, wodurch diese Richtung ihren Namen erhielt.
4 Die Peripatetiker bei Cicero haben zum Beispiel einen großen stoischen Anteil. 5 Damit widersprechen sie den Stoikern, welche die Affekte als naturwidrig und krankhaft bezeichnen. 6 Cicero, S. 277; 41 7 Cicero spricht hier vom Tod der Kinder, körperlichen Schmerzen, Verlust des Besitzes, Erblindung und Verbannung.
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kann man sie nicht mehr kontrollieren. Außerdem kann etwas, was auch zuviel werden kann, nicht natürlich sein. 8 Die Weisheit, so argumentiert Cicero im späteren Verlauf des Textes, ist folgendermaßen zu definieren: „Die Weisheit ist die Wissenschaft der göttlichen und menschlichen Dinge und das Wissen davon, was die Ursache jeder Erscheinung ist. Daraus ergibt sich, dass der Weise das Göttliche nachahmt und alles Menschliche für geringer erachtet als die Tugend.“ 9 Ein solch weiser Mann kann niemals in eine Leidenschaft geraten, denn er hat zuvor bereits alles bedacht, was passieren kann und wird durch nichts Menschliches mehr eingenommen. Das Ziel der Stoiker, die Seelenruhe und Glückseligkeit, kann nun durch apatheia / Leidenschaftslosigkeit erreicht werden. 10 Ich habe den Eindruck, dass Cicero hier ein Maßhalten im Sinne von Mäßigung, also eine festgesetzte qualitative Mitte, zu widerlegen sucht. Doch in meinen Augen ist das nicht die Idee, welche hinter der peripatetischen Affekten- und Tugendlehre steht: Aristoteles redet nicht von einer mathematisch festgelegten qualitativen Mitte zwischen zwei Extremen. Die goldene Mitte ist situationsabhängig und wird so zwischen zwei Extremen bestimmt, wie sie eine Person mit großer praktischer Weisheit - phronimos - festsetzen würde. Es ist nicht der Fall, dass Affekte gefährlich sind, wenn sie herangewachsen sind - wie Cicero zuvor behauptet. Je nach Situation sollen die Leidenschaften sogar durchaus heftig sein, sie müssen nur angemessen bleiben.
Die Peripatetiker halten die Affekte jedoch nicht nur für natürlich, sondern sogar für nützlich. Zur Verdeutlichung dessen führt Cicero einige Affekte und deren „peripatetischen Nutzen“ an, um diesen im Anschluss zu widerlegen:
Zuerst wendet er sich dem Zorn zu. Dieser wirkt wie die Sporen eines Reiters auf die Tapferkeit ein. Ein Krieger kämpft erst voller Elan und Entschlossenheit, wenn ihn der Zorn antreibt. Die Tapferkeit führt ihn in der Schlacht nicht zum Sieg, solange die Raserei sie nicht anstachelt. Doch auch ein Redner soll sich des Zornes bedienen, 8 Cicero, S. 293, 57 9 Cicero, S. 293, 57 10 Für Cicero und die Stoiker sind die Leidenschaften „eine von der Vernunft abgewandte naturwidrige Bewegung des Geistes […] oder kürzer […] ein allzu heftiges Begehren sei, wobei heftig als das verstanden wird, was von der Beständigkeit der Natur allzu weit entfernt ist.“ Cicero, S 283, 47
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denn so werden die Zuhörer ebenfalls von diesem Affekt ergriffen und der Vortrag gewinnt an Bedeutung und Wirkung.
Cicero setzt dem gleich mehrere Gegenbeispiele entgegen: So führt er Aias aus Homers Epos an, welcher voller Heiterkeit kämpft und sich zuvor ruhig mit seinem Gegner Hektor unterhält. Selbst mitten im Kampf haben die beiden nichts Zorniges an sich. Ebenso verhält es sich bei Torquatus, Marcellus, Africanus, Herakles und Theseus. Alle haben sie voller Tapferkeit, jedoch ohne Raserei gekämpft. Ennius bezeichnet den Zorn als „Anfang des Wahnsinns“ 11 , denn Augen, Stimme, Handlungen unterliegen keiner Beherrschung mehr. Dem schließt sich Cicero an und fügt noch hinzu, dass in dem Fall Trunksucht und Irrsinn ebenso gut für die Tapferkeit sein müssten wie der Zorn, da sie genauso von Unbeherrschtheit zeugen. Die Tapferkeit ist laut Chrysipps Definition aber die pure Beherrschung: „Die Tapferkeit ist das Wissen von den Dingen, die man auszuhalten hat, oder ein Verhalten des Geistes, das im Aushalten und Ertragen dem obersten Gesetz ohne Angst gehorcht.“ Um es mit Ciceros Worten zu sagen: „Vielleicht hat die Tapferkeit überhaupt nichts mit Raserei zu tun und ist der Zorn nichts als Leichtfertigkeit. Denn es gibt keine Tapferkeit ohne Vernunft.“ 12 Somit schlussfolgert Cicero, dass die Tapferkeit des Zornes nicht bedarf; „sie ist aus sich allein genügend ausgerüstet, vorbereitet und bewaffnet.“ 13 Ein Krieger soll allein durch Tapferkeit zum Sieg gelangen und ein Redner möge angemessen und ruhig den Zorn vortäuschen, um das Publikum zu bewegen.
In diesem Punkt steht für mich Aussage gegen Aussage, denn beide - die Peripatetiker sowie die Stoiker - bringen aus der Feder Ciceros kein schlüssiges Argument hervor. Zwar führt Cicero einige Beispiele an, doch ich frage mich, woher er wissen will, dass die Kämpfer keinen Zorn empfunden haben. Man kann ebenso Zorn vorspielen wie ihn vertuschen. Dass der Zorn von Unbeherrschtheit zeugt, ist wahrscheinlich richtig, aber inwiefern ist das ein Argument gegen die Peripatetiker? Meiner Meinung nach, ist die Widerlegung des peripatetischen Ansatzes hier gescheitert.
Als nächstes erwähnt Cicero das Begehren und Verlangen aus Sicht der Peripatetiker: Ohne dieses sind keine exzellenten Leistungen möglich, denn nur wer 11 Cicero, S. 287, 52 12 Cicero, S. 285, 50 13 Cicero, S. 287, 52
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Eva Moritz, 2007, Affektenlehre bei den Peripatetikern und Stoikern nach Ciceros Tusculanen, Munich, GRIN Publishing GmbH
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der Autor kann von Glück reden, dass er für diese Hausarbeit noch eine 2,9 bekommen hat...
wenig Fakten, wenig Wissen, keine fundierte Argumentation
on Sunday, September 19, 2010-