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Inhalt
I. Einleitung 2
II. Kurzbiografie zu Brigitte Reimann 2
III. “Ankunft im Alltag 4
IV. Ich bedaure nichts - Tagebücher 1955 1963
5
V. Gegenüberstellung Tagebücher “Ankunft im Alltag 7
VI. Zusammenfassung 11
Bibliografie 12
-2-
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I. Einleitung
“Was heißt und zu welchem Ende studiert man die Geschichte der DDR-Literatur?” 1 Warum werde ich versuchen mich im folgenden mit einem Buch auseinanderzusetzen, das eine Realität beschreibt, die mit der meinigen nichts zu tun hat, das mich noch dazu nicht sonderlich berührt hat? Warum werde ich mich mit den Tagebüchern einer Frau beschäftigen, die knapp zwei Generationen vor mir geboren wurde und mit Problemen zu kämpfen hatte, die für mich heute keine Rolle mehr spielen? Vor ziemlich genau zwei Jahren las ich “Franziska Linkerhand”. Ich fühlte mich der Heldin des Buches sehr nah, war begeistert von der Liebesgeschichte der Franziska Linkerhand. Wie ich zugeben muss, fehlten mir jedoch zum damaligen Zeitpunkt der Blick und das Verständnis für die Gesellschaftskritik, die in dem Roman steckt. Mit der Diskussion um die ungekürzte Neuauflage des Buches 1998 rückte auch die Person Brigitte Reimanns wieder ins Zentrum des öffentlichen Interesses. Ihre Tagebücher und Briefe wurden neu verlegt. Darin äußert sie sich sehr offen und kritisch zu politischen Entwicklungen in der DDR. Darüberhinaus kommt in ihnen das Bild einer leidenschaftlichen, lebenshungrigen, aber auch widersprüchlichen und - wie ich finde -bewundernswerten Frau zum Vorschein. Ein Bild, das mit diesen zusammenfassenden Sätzen nur unzureichend und andeutungsweise beschrieben werden kann. Mein Interesse und auch meine Bewunderung für Brigitte Reimann sind wohl der eigentliche Anlass für die Wahl dieses Themas.
Zur Vorgehensweise: Ich möchte zunächst einen kurzen Überblick über das Leben Brigitte Reimanns geben, um die Hintergründe für die Entstehung von “Ankunft im Alltag” und den Tagebüchern zu liefern. Danach werde ich eine zusammenfassende Beschreibung von Inhalt und Wirkung des Romans ”Ankunft im Alltag” vorlegen. Im Mittelpunkt meiner Betrachtungen soll schließlich die Frage stehen, wie sich das Verhältnis zwischen den tatsächlichen politischen, kulturpolitischen und individuellpersönlichen Überzeugungen Brigitte Reimanns und den in “Ankunft im Alltag” dargestellten Verhältnissen gestaltet.
Gleichzeitig möchte ich aufzeigen, dass “Ankunft im Alltag” das Produkt einer
1 Emmerich: Kleine Literaturgeschichte der DDR, S. 11.
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bestimmten Zeit war, und dass sich in der Persönlichkeit Brigitte Reimanns eine Entwicklung vollzogen hat, die sich auch in ihrem späteren literarischen Werk zeigt.
II. Kurzbiografie zu Brigitte Reimann
Brigitte Reimann wurde 1933 in Burg bei Magdeburg geboren. 2 Nach dem Abitur arbeitete sie zwei Jahre als Lehrerin, bevor sie sich 1953 der Arbeitsgemeinschaft junger Autoren in Magdeburg anschloss. 1956 wurde sie in den Schriftstellerverband der DDR aufgenommen.
In ihren frühen Erzählungen (“Der Tod der schönen Helena “, 1955, “Die Frau am Pranger”, 1956 und “Kinder von Hellas”, 1956) gestaltete Brigitte Reimann (tragische) Liebesgeschichten vor dem Hintergrund des 2. Weltkriegs. Zusammen mit ihrem zweiten Mann, dem Schriftsteller Siegfried Pitschmann, schrieb sie in der Folgezeit zwei Hörspiele (“Ein Mann steht vor der Tür” und “Sieben Scheffel Salz”, beide 1960) und arbeitete an Film- bzw. Fernsehszenarien.
Beeinflusst durch die Beschlüsse der I. Bitterfelder Konferenz 3 zogen die beiden 1960 nach Hoyerswerda, um Verbindung zum Braunkohlenkombinat “Schwarze Pumpe” 4 aufzunehmen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten gewährte man ihnen dort Einblick in alle Betriebsteile, zog sie zu wichtigen Beratungen und Erfahrungsaustauschen mit sozialistischen Brigaden hinzu. Einmal pro Woche arbeiteten sie in einer solchen Brigade in der Produktion mit. Im Gegenzug verpflichteten sie sich, gemäß der Bitterfelder
5
Losung “Greif zur Feder, Kumpel, die sozialistische Nationalliteratur braucht dich!” 5 kulturelle Veranstaltungen durchzuführen und einen “Zirkel schreibender Arbeiter” 6 zu leiten.
Das Leben in Hoyerswerda und die Arbeit im Kombinat “Schwarze Pumpe” haben Brigitte Reimann persönlich geprägt und infolgedessen auch in der Wahl ihrer literarischen Themen wesentlich beeinflusst. Als Ergebnis ihrer ersten Eindrücke in der “sozialistischen Produktion” erschien 1961 der Roman “Ankunft im Alltag”. Auf die inhaltlichen Aspekte und die Bedeutung dieses Romans werde ich im folgenden Abschnitt näher eingehen.
1963 wurde die Erzählung “Die Geschwister” veröffentlicht, in der Brigitte Reimann die Erfahrungen mit der Republikflucht ihres Bruders verarbeitet. Im gleichen Jahr begann Brigitte Reimann mit der Arbeit an ihrem wichtigsten Buch, dem stark autobiografischen Roman “Franziska Linkerhand”. Weitaus kritischer als noch in “Ankunft im Alltag” beleuchtet sie darin das Leben in einer Industriestadt (gemeint ist Halle-Neustadt), die kulturell nichts zu bieten hat, und beschreibt die Suche der jungen Architektin Franziska Linkerhand nach der Synthese zwischen dem “Notwendigen und dem Schönen”. 7 Zehn Jahre arbeitete sie an diesem Buch, teilweise unter hoher gesundheitlicher Beeinträchtigung. Es erschien unvollendet, ein Jahr nach ihrem Tod. 1968 erfuhr Brigitte Reimann von ihrer Krebserkrankung. Sie verließ Hoyerswerda und zog nach Neubrandenburg, wo sie zum vierten Mal heiratete.
Brigitte Reimann starb 1973 in Berlin an Krebs und wohl auch an der “[...] Überdosis Leben, die sie ihrem Körper zugemutet hat [...]”. 8
III. “Ankunft im Alltag”
In diesem Kurzroman erzählt Brigitte Reimann die Geschichte von drei Abiturienten, die vor ihrem Studium ein Jahr im Kombinat “Schwarze Pumpe” absolvieren. Die Handlung
5 Losung des “Bitterfelder Weges”
6 Werktätige sollten, in von Autoren geleiteten Zirkeln, ihre Schreibversuche vorstellen und diskutieren.
7 Reimann: Franziska Linkerhand, S. 603.
8 Angela Drescher in ihrem Geleitwort zur Neuausgabe der Tagebücher.
Quote paper:
Hendrikje Schulze, 1999, Zu: Brigitte Reimanns "Ankunft im Alltag" - Tagebücher 1955-1963. Eine Gegenüberstellung, Munich, GRIN Publishing GmbH
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