Erklärung
Ich versichere an Eides Statt, dass ich die beiliegende Diplomarbeit selbständig verfasst, keine anderen als die angegebenen Quellen und Hilfsmittel benutzt, sowie alle wörtlich oder sinngemäß übernommenen Stellen in der Arbeit gekennzeichnet habe.
Ferner gestatte ich der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden (FH), die beiliegende Diplomarbeit unter Beachtung insbesondere datenschutz- und wettbewerbsrechtlicher Vorschriften für Lehre und Forschung zu nutzen.
Ich weiß, dass jede Weitergabe meiner Diplomarbeit bzw. deren Ergebnisse an Dritte oder eine Publikation der Zustimmung des ersten Gutachters bedarf.
Mir ist bekannt, dass der Fachbereich die Diplomarbeit von der Öffentlichkeit ausschließen kann.
Dresden, den 08.10.2007
…………………………
II
Danksagung
Ein Dank soll an dieser Stelle an die Erstbetreuerin Frau Prof. Dr. Rietze ausgesprochen werden. Neben der guten fachlichen Betreuung wurde dem Autor in der Anfertigung der Diplomarbeit sowie der Durchführung und Gestaltung des Versuchs ein hohes Maß geistiger sowie kreativer Freiheit gewährt.
Weiterhin verdient Frau R. Müller aus dem chemischen Labor des Fachbereiches Landbau / Landespflege der HTW-Dresden Anerkennung, da Sie den Verfasser mit guter Beratung wie auch Bereitstellung aller benötigten Geräte und Materialien im Labor unterstützte.
Außerdem gilt Frau Haase und allen Mitarbeitern des Gewächshauses des Fachbereiches Landbau / Landespflege der HTW-Dresden ein Dankeschön, da stets eine gute Zusammenarbeit erfolgte und dem Autor auch hier ein höchstmöglicher Freiraum zur Verfügung stand, sowie die Nutzung aller benötigten Materialien problemlos gewährt wurde.
Des Weiteren gebührt Frau Prof. Dr. Drewes-Alvarez ein Dank dafür, dass Sie sich dieser Arbeit noch so kurzfristig als Zweitbetreuerin angenommen hat.
III
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 1
2 Theoretischer Teil 3
2.1 Geschichte 3
2.2 Botanik 7
2.2.1 Aussehen 7
2.2.2 Verbreitung 8
2.2.3 Systematik 9
2.2.4 Formen, Unterarten und Synonyme 10
2.2.5 Namen 11
2.2.6 Besonderheit CAM 12
2.3 Anbau 13
2.3.1 Vermehrung 13
2.3.2 Boden und Substrate 15
2.3.3 Klimatische Bedingungen 15
2.3.4 Krankheiten und Schädlinge 15
2.4 Medizinische Verwendung 17
2.4.1 Ethnomedizin - volksmedizinischer Einsatz 17
2.4.2 Schulmedizin - belegte medizinische Wirkungen 19
2.5 Sonstige Verwendung und Forschung 21
2.6 Fazit 22
3 Praktischer Teil 23
3.1 Versuchsfrage 23
3.2 Material und Methoden 24
3.2.1 Anzucht und Kultur 24
3.2.2 Versuchsaufbau 26
3.2.3 Zubereitung und Applikation der Lösungen 29
3.2.3.1 Zubereitung der Gibberellinsäurelösungen 29
3.2.3.2 Zubereitung der Kokosmilchlösungen 30
3.2.3.3 Applikation der Lösungen 30
3.2.4 Kulturmaßnahmen 31
3.2.5 Festlegung der Boniturkriterien und Messung 32
3.3 Ergebnisse 34
3.3.1 Kurztagversuch 34
3.3.1.1 Boniturkriterium Blüte 34
3.3.1.2 Boniturkriterium Höhe 39
3.3.2 Langtagversuch 41
3.3.2.1 Boniturkriterium Blüte 41
3.3.2.2 Boniturkriterium Höhe 41
3.3.3 Sonstige Bemerkungen 44
3.4 Diskussion 46
3.4.1 Boniturkriterium Blüte 46
3.4.2 Boniturkriterium Höhe 49
3.4.3 Sonstige Bemerkungen 50
3.5 Fazit 51
IV
4 Zusammenfassung 53
5 Anhang 54
5.1 Tabellen 54
5.2 Text 68
5.3 Abbildungsverzeichnis 73
5.4 Tabellenverzeichnis 76
5.5 Textverzeichnis 77
5.6 Abkürzungsverzeichnis 78
5.7 Literaturverzeichnis 80
V
1 Einleitung
1 Einleitung
Kalanchoe pinnata ist ein tropischer Vertreter der Crassullaceae. Im Amazonastiefland Ecuadors im Jahr 2005 kam der Autor dieser Arbeit das erste Mal in Kontakt mit ihr. Ein Heiler verabreichte sie ihm als Heilmittel bei einer schlecht heilenden Wunde. Seit diesem Zeitpunkt ist der Autor von dieser Pflanze beeindruckt und neben dem Bekanntwerden weiterer medizinischer Eigenschaften durch die einheimische Bevölkerung, fiel ihm die faszinierende, botanische Eigenart dieser Pflanze auf, sich in erheblichem Maße vegetativ zu reproduzieren.
In Deutschland zurück machte der Verfasser dieser Arbeit alsbald die ersten Pflanzen dieser Art (Kalanchoe pinnata) in den botanischen Gärten aus und begann sich mit der Kultur zu beschäftigen. Durch die Fähigkeit dieser Pflanze sich selbst in großem Maße zu vermehren, stand schon innerhalb weniger Monate genug Pflanzenmaterial zur Verfügung, um einen gartenbaulichen Versuch auszustatten. In einer Studentenübung (WS 06/07), in welcher der Verfasser mitwirkte, wurde versucht, die Pflanze Kalanchoe pinnata zusammen mit der Pflanze Kalanchoe blossfeldiana zur Blüte zu bringen. Bei Kalanchoe blossfeldiana funktionierte dies im Kurztag wie erwartet problemlos, aber bei Kalanchoe pinnata konnten keine Effekte erreicht werden. Nun galt es herauszufinden, wie eine Blüte bei Kalanchoe pinnata erreicht werden kann und eine umfassende Recherche begann.
Neben Veröffentlichungen unter dem Synonym Bryophyllum calycinum mit geschichtlichem Hintergrund sind auch viele Studien zur medizinischen Wirksamkeit dieser Pflanze ans Licht gekommen. Außerdem tauchte ein botanischer Versuch aus Indien auf, welcher 1967 in der Zeitschrift „Planta“ veröffentlicht wurde (WADHI & MOHAN RAM 1967). Dieser beschäftigt sich mit der Blütenbildung an Kalanchoe pinnata. Beim Erfassen dieses Artikels wurde dem Autor dieser Diplomarbeit deutlich, dass eine Jugendphase die Pflanze bislang am Blühen gehindert hatte. Diese Jugendphase wird erst mit einem Alter von zwei Jahren und einer Anzahl von 37 Blattpaaren überwunden (WADHI & MOHAN RAM 1967). Des Weiteren wurde auch von einem Brechen der Jugendphase mittels Gibberellinsäure (GA3) berichtet.
Nun war der Grundstein für diese Diplomarbeit gelegt. Sie beschäftigt sich daher unter anderem mit der Problematik Blütenbildung bei der Pflanze Kalanchoe pinnata. Hier soll nun der Zusammenhang zwischen der Jugendphase, der fotoperiodischen Einwirkung und der Applikation von Phytohormonen herausgefunden werden. Unter Kurztag- und
1
1 Einleitung
Langtagbedingungen werden verschiedene Konzentrationen Gibberellinsäure (GA3) und Kokosmilch (Cytokinin) auf die Pflanze appliziert um eine Blütenbildung zu untersuchen.
Wie schon weiter oben bemerkt, stieß der Autor bei der Recherche auch auf weitere faszinierende Gegebenheiten. Der geschichtliche Sachverhalt soll in dieser Diplomarbeit genauso bearbeitet werden, wie die botanischen Besonderheiten und die vielfältigen medizinischen Eigenschaften dieser Pflanze. Da nun viele verschiedene Einzelbereiche zur Pflanze Kalanchoe pinnata in der vorliegenden Diplomarbeit behandelt werden, wird diese Arbeit in einen theoretischen Teil mit den Eigenschaften der Pflanze und einem praktischen Teil mit dem Versuch zur Blütenbildung unterteilt. Das Thema dieser Arbeit heißt aus diesem Grund: „Untersuchungen zu Kalanchoe pinnata“.
2
2 Theoretischer Teil
2 Theoretischer Teil
2.1 Geschichte
Kalanchoe pinnata ist die erste Pflanze ihrer Gattung, welche in Europa eingeführt wurde. Sicher hat sie sich mit der Entwicklung der Seefahrt auch in andere Gebiete der Erde ausgebreitet, aber in dieser Arbeit wird nur der geschichtliche Aspekt in Europa (speziell in Deutschland) behandelt. Außerdem wird ein zeitlicher Abriss der systematischen Einteilung, sowie Informationen der Erscheinung erster Veröffentlichungen im Zusammenhang mit Kalanchoe 1 gegeben. Auch Einflüsse in die Literatur und in allgemeine naturwissenschaftliche Studien sollen hier beleuchtet werden. Die besten Informationen darüber sind aus den zwei Monographien über Bryophyllum calycinum (Synonym von Kalanchoe pinnata, siehe Kapitel 2.2.4 Formen, Unterarten und Synonyme) von BALZER 1949 und STEIGER 1986 bezogen worden. Diese werden in der nachfolgenden Zeittafel (Tabelle 1) nun anschaulich dargestellt:
Tabelle 1: Zeitlicher Ablauf der Verbreitung in Europa, der Benennung und Veröffentlichung sowie
der Ersten naturwissenschaftlichen Studien durch Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) mit
Kalanchoe pinnata
1 Diese Bezeichnung wird weiterführend ggf. für Kalanchoe pinnata benutzt.
2 Eine von Napoleon erstmalig am 21. November 1806 verhängte Wirschaftsblockade über die britischen Inseln.
3
2 Theoretischer Teil
3 In dieser Arbeit immer mit diesem Synonym beschrieben, aber in einigen folgenden Zitaten auch Bryophyllum
gennant.
4
Abbildung 1: älteste europäische Abbildung von Kalanchoe pinnata in dem Werk „The paradisus
Londinesis“ aus dem Jahre 1805
Quelle: aus STEIGER 1986: 21
6
2 Theoretischer Teil
2.2 Botanik
2.2.1 Aussehen
Kalanchoe pinnata ist eine mehrjährige Pflanze. Sie ist kahl, krautig und bis zu 2 m hoch. Der Stamm ist rund und glatt. Die Stammfarbe ist grün-braun, mit purpurnen Streifen. Die Blätter sind erst einfach, dann 3-5 fach gefiedert. Sie stehen gegenständig und fallen bei älteren und/oder blühenden Pflanzen von unten herauf ab. Die Blätter sind 2,5-12 cm (17 cm) lang und 1,5-8 cm (13 cm) breit. Die Blattfläche besitzt eine satt-grüne bis olivgrüne Farbe. Der purpurrot gefärbte Blattrand besitzt rundliche Zähne, an deren Einkerbungen bei älteren Blättern neue Brutpflanzen entstehen können. Wenn die Pflanze in der Blütephase ist, erscheinen die Blätter im oberen Bereich schlanker bzw. länger und spitzer eingekerbt, als bei nicht blühenden Pflanzen. Außerdem tritt an den besagten Blättern an kleinen Öffnungen (Drüsen) blattunter- und blattoberseits eine klare, flüssige und klebrige Flüssigkeit ähnlich wie Honigtau aus. Die Blüten erscheinen an Seitentrieben, die aus den Nodien der gegenständigen Blätter entspringen. An diesen Trieben treten die Blüten entweder direkt an einem Blattstiel, oder weiter verzweigt an weiteren Seitentrieben hervor. Die Blüten hängen relativ locker in reichblütigen, mehrstöckigen Blütenständen (Trugdolden). Die Herabhängenden, oben zylindrischen und nach unten vierkantigen, spitz zulaufenden Knospen können einen Durchmesser von bis zu 2 cm und einer Länge von 4,5 cm aufweisen. Sie haben eine gelbgrüne Farbe und sind oben an der Verbindungsstelle zum Blattstiel purpur gecheckt. Die orangerot bis weinrote Blütenröhre selbst, welche aus dem Inneren der Knospe entspringt, ist bis 3 cm lang. Die Blütenblattzipfel sind ein wenig auseinander zeigend. In Abbildung 2 auf Seite 8 ist noch eine Blüte dargestellt, welche sich gerade geöffnet hat.
7
Abbildung 2: frisch geöffnete Blüte der Kalanchoe pinnata
2.2.2 Verbreitung
Die Pflanze Kalanchoe pinnata stammt ursprünglich aus Madagaskar (OJEWOLE 2005), ist aber mittlerweile in nahezu allen tropischen und subtropischen Gegenden der Welt beheimatet. Man kann sie in Asien, Afrika, Australien sowie als einzige Pflanze der Gattung Kalanchoe auch in den Tropen des amerikanischen Kontinents finden. Als Länderbeispiele der wilden Verbreitung ist hier Australien (GWEHENBERGER et al. 2004), Indonesien (SUPRATMAN et al. 2000), China (DA SILVA et al. 1995), die Philippinen (YADAV & DIXIT 2003), Indien (WADHI & MOHAN RAM 1967), die Seychellen (BÄR et al. 2000), Madagaskar (EGGLI & HARTMANN 2003), Nigeria (AKINPELU 2000), Brasilien (TORRES-SANTOS et al. 2003), Peru (SCHULTES & RAFFAUF 1990), Ecuador (Beobachtung des Autors 2005), Kolumbien (CARO 2004) und Cuba (BEYRA et al. 2004) zu nennen. Außerdem gebührt ihr auch eine hohe Stellung in den Gärten tropischer Breiten als Zierpflanze (Beobachtung des Autors in Ecuador 2005 und Teneriffa 2007).
8
2 Theoretischer Teil
Als Zimmerpflanze kommt sie auch gelegentlich vor (ANONYM 2007a). In einigen Foren im Internet ist das Brutblatt allgemein im Thema, wobei hier des Öfteren die Art Kalanchoe pinnata mit der Art Kalanchoe daigremontiana verwechselt wird (ANONYM 2005).
Die Pflanze wurde auf den vielen Reisen der letzten Jahrhunderte oft mitgeführt, wobei dies ein Grund für die weite Verbreitung sein dürfte. Unter anderem bekam sie so einen Platz im ´Jardin Botanico` in Puerto de la Cruz, einen über 200 Jahre alten botanischen Garten auf der Insel Teneriffa. Der Garten ist ursprünglich zur schrittweisen Gewöhnung tropischer Pflanzen an subtropisches bzw. gemäßigtes Klima angelegt worden (weiterführend siehe BERGHAHN et al. 2006: 309 f.). Dort konnten im März 2007 einige Fotos aufgenommen werden, wobei eines in Abbildung 3 zu sehen ist.
Abbildung 3: Blühender Bestand der Kalanchoe pinnata im botanischen Garten (Jardin Botanico) von
Puerto de la Cruz - Teneriffa
2.2.3 Systematik
Die Pflanze Kalanchoe pinnata gehört zur Familie der Dickblattgewächse, der Crassulaceae, welche wiederum in die Ordnung Saxifragales (steinbrechartige Gewächse) eingeordnet
9
2 Theoretischer Teil
werden. Die Crassulaceae sind eine umfangreiche Familie mit 35 Gattungen und 1500 Arten (EGGLI 1994). Sie sind annähernd weltweit verbreitet, wobei die Schwerpunkte in den gemäßigten Breiten der Nordhalbkugel, in Mexiko sowie im südlichen Afrika und da vor allem in Madagaskar liegen. Pflanzen dieser Familie sind meist ausdauernd und krautig, nur wenige sind verholzt. Fast alle Vertreter dieser Familie weisen Blattsukkulenz auf, wenige Stammsukkulenz. Somit sind sie in der Lage in den Blättern (oder ggf. Stämmen) Wasser zu speichern, womit diese Pflanzen der Crassulaceae auch an trockenen Stellen überlebensfähig sind. Viele Pflanzen der Dickblattgewächse sind in der Lage den CAM-Mechanismus (Crassulaceae-Acid-Metabolism) durchzuführen. Dazu mehr in Absatz 2.2.6 auf Seite 12.
Die Gattung Kalanchoe besitzt etwa 150 Arten tropischer, fleischiger und mehrjähriger Pflanzen (EGGLI & HARTMANN 2003). Die konkrete Einteilung dieser Pflanze in die Gattung Kalanchoe oder Bryophyllum ist noch nicht vollständig geklärt, denn unter beiden botanischen Namen Bryophyllum pinnatum und Kalanchoe pinnata wurde und wird viel veröffentlicht. Eine systematische Einordnung nach dem Stand der Blüte bezogen aus EGGLI 1994 (S. 198) soll die genannte Problematik noch verdeutlichen:
„…5 Blüten hängend, Kelchblätter basal meist auffällig verwachsen: Bryophyllum -Blüten aufrecht; Kelchblätter meist völlig frei, schlank zugespitzt: 6 Wurzelstock nicht caudiciform 4 ; Blütenblätter röhrig verwachsen: Kalanchoe…“
Gemäß diesem Zitates würde man die Pflanze nach der Studie des Kapitels 2.2.1 eher der Gattung Bryophyllum zuordnen als der Kalanchoe, da die Blüten bei der Kalanchoe pinnata hängen. Die Autorin des Werkes von dem gerade genannten Zitat folgte diesem auch. Trotz dieser Tatsache wird bei der Anführung des Namens dieser Pflanze im Folgenden weiterhin das Synonym Kalanchoe pinnata benutzt.
2.2.4 Formen, Unterarten und Synonyme
Die erste botanische Bezeichnung dieser Pflanze erfolgte 1783 durch Lamarck. Er nannte sie Cotyledon pinnata (RIST et al. 2006: 298). Die drei heute wichtigsten verwendeten Synonyme für diese Pflanze sind aber: Kalanchoe pinnata (Lamarck) Persoon (1805), Bryophyllum pinnatum (Lamarck) Oken (1841) und Bryophyllum calycinum Salisbury (1805). Des Weiteren gab es zwischenzeitlich viele andere Einordnungen in die Systematik aufgrund verschiedener Verbreitungsorte und anhand anderer Differenzen. Der Vollständigkeit halber werden diese jetzt nachfolgend angeführt:
4 Entspricht wasserspeichernd.
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2 Theoretischer Teil
„Incl. 5 Crassula pinnata Linné fil. (1782); ≡ 6 Cotyledon pinnata Lamarck (1786) ≡ Vereia pinnata (Lamarck) Sprengel (1825) ≡ Bryophyllum pinnatum (Lamarck) Oken (1841); incl. Bryophyllum calycinum Salisbury (1805) ≡ Cotyledon calycina (Salisbury) Roth (1821); incl. Kalanchoe pinnata var. floripendula Persoon (1805); incl. Cotyledon calyculata Solander ex De Candolle (1828) (nom. inval., Art. 34.1c); incl. Bryophyllum germinans Blanco (1837); incl. Kalanchoe floripendula Steudel (1840); incl. Crassuvia floripendia Commerson ex Hiern (1869) (nom. illeg.); incl. Kalanchoe pinnata var. brevicalyx Hamet & H. Perrier (1915) ≡ Kalanchoe brevicalyx (Hamet & H. Perrier) Boiteau ex Allorge-Boiteau (1995) (nom. inval., Art. 33.2); incl. Kalanchoe pinnata var. genuina Hamet (1915) (nom. inval., Art. 24.3); incl. Kalanchoe pinnata var. calcicola H. Perrier (1928) ≡ Kalanchoe calcicola (H. Perrier) Boiteau ex Allorge-Boiteau (1995) ≡ Bryophyllum calcicola (H. Perrier) Byalt (2000); incl. Sedum madagascarium Clusius ex Fröderström (1936) (nom. inval., Art. 34.1c); incl. Kalanchoe macrodon hort. ex H. Jacobson (1954) (nom. inval., Art. 34.1c); incl. Kalanchoe madagascarium Allorge-Boiteau (1995) (nom. inval., Art. 32.1c).” (zit. nach EGGLI & HARTMANN 2003: 169)
2.2.5 Namen
Einleitend soll die Bedeutung der wissenschaftlichen Namen kurz angeführt werden, nachfolgend eine Auswahl der volkstümlichen Bezeichnungen. Bei der Bedeutung der wissenschaftlichen Namen wird sich hier auf die drei häufigsten Synonyme von Kalanchoe pinnata beschränkt: Kalanchoe pinnata, Bryophyllum calycinum und Bryophyllum pinnatum.
Kalanchoe, der Gattungsname dieses Dickblattgewächses, ist ein chinesischer Volksname (SCHUBERT & WAGNER 2000). Pinnata kommt von „pinnátus“ aus dem Lateinischen. Dies bedeutet gefiedert, was auf die 3-5 fach gefiederten Blätter der Pflanze hinweist (ebenda). Bryophyllum stammt aus dem Griechischen, von „brýein“, was Sprossen bedeutet und „phýllon“, dessen Bedeutung Blatt ist. Dies meint Sprossblatt oder eben Brutblatt (ebenda). Calycinum ist Lateinisch und bedeutet mit einem Kelch versehen. Dies ist eine Anspielung auf die Form der Blüte (ebenda).
Pinnatum hat ihren Ursprung in „pinnatus“ und bedeutet wie oben gefiedert.
Die weite Verbreitung dieser Pflanze wird in der Vielfalt volkstümlicher Namen deutlich. Eine umfassende Darstellung der verschiedenen Bezeichnungen (sowie auch anderen Eigenschaften wie Medizin, usw.) bietet das Werk von Leslie Taylor (TAYLOR 2005). Hier
5 Kennzeichnung verschiedener Basynonyme (Ableitung des Synonyms eines gültigen wissenschaftlichen Namens).
6 Kennzeichnung der Synonyme innerhalb eines Basynonyms.
11
2 Theoretischer Teil
sind Namen wie: Air Plant, Coirama und Hoja de Aire zu nennen. Die im deutschsprachigen Raum genutzten Bezeichnungen sind z.B: Brutblatt, Keimzumpe, Lebenszweig, Kindlipflanze, Goethepflanze, u.a. (RIST et al. 2006). Insgesamt waren in der Literatur 103 volkstümliche Namen zu finden. Die Bedeutung dieser im Einzelnen würde den Rahmen dieser Arbeit sprengen, somit sind die Benennungen im Anhang unter Anhang Tabelle 1 auf Seite 54 aufgelistet.
2.2.6 Besonderheit CAM
CAM (Crassulaceae-Acid-Metabolism), der Crassulaceen-Säure-Stoffwechsel, ist ein Stoffwechsel, welcher ein Überleben von Pflanzen an heißen und trockenen Standorten ermöglicht. Er kommt aber nicht nur bei seinen Namensgebern den Crassulaceen vor, sondern auch bei 27 weiteren Familien (Dikotyledonen und Monocotyledonen, sogar bei sukkulenten Farnen) des Pflanzenreiches (STRASBURGER et al. 1998). Um den Vorgang des CAM etwas näher zu bringen, sei der folgende Exkurs in die Ökologie der Pflanze angebracht:
Während der Atmung der Pflanzen (welche zu CAM befähigt sind) in der Nacht wird das gebildete CO 2 nicht wie üblich an die Atmosphäre abgegeben, sondern es wird nach einer lichtunabhängigen Fixierung in Form von Malat (Salz der Apfelsäure) gespeichert. Bei der steigenden Einstrahlung und höher werdenden Temperatur am Tage werden die Spaltöffnungen (Stomata) geschlossen um den Wasserverlust hierüber einzuschränken. Da so das für die Fotosynthese benötigte CO 2 nicht mehr aus der Luft gewonnen werden kann, wird nun das Malat herangezogen. Dies wird unter Bildung von CO 2 zerlegt. Somit kann die Fotosynthese auch bei geschlossenen Spaltöffnungen durchgeführt werden (nach HEß 1999: 140f.).
12
2 Theoretischer Teil
2.3 Anbau
2.3.1 Vermehrung
„Was erst still gekeimt in Sachsen,
Soll am Maine freudig wachsen. Flach auf guten Grund gelegt, Merke wie es Wurzeln schlägt! Dann der Pflanzen frische Menge Steigt in lustigem Gedränge. Mäßig warm und mäßig feucht Ist, was ihnen heilsam deucht. Wenn du´s gut mit Liebchen meinst, Blühen sie dir wohl dereinst.“
Quelle: Brief Goethes aus Weimar am 12. November 1826 an Marianne von Willemer nach Frankfurt am Main mit einem Blatt der Kalanchoe pinnata (zitiert nach STEIGER 1986: 18).
Wie in dem obigen Zitat von Goethe deutlich wird, ist die vegetative Vermehrung der Pflanze mittels einem Blatt sehr einfach. Entweder sie treiben schon an der Pflanze (ab einem bestimmten Alter) oder sie entwickeln sich (wie im Zitat) bei Bodenkontakt aus den Einkerbungen der Blätter. Die Vermehrung funktioniert in so einem großen Maße, dass man den Bestand innerhalb weniger Wochen um ein Vielfaches potenzieren könnte. In Abbildung 4 auf Seite 14 ist diese Brutpflanzenbildung aus dem Blatt zu sehen.
Auch die Vermehrung über Stecklinge ist bei dieser Pflanze leicht zu bewerkstelligen. Bei der Jungpflanzenaufzucht für den Versuch - welcher in dieser Arbeit noch behandelt wird (Kapitel 3 Praktischer Teil) - ließen sich probehalber gesteckte Kopfstecklinge innerhalb von 2 Wochen ohne Ausnahme und ohne Einsatz von Bewurzelungshormonen zur Wurzelbildung anregen. In Abbildung 5 auf Seite 14 ist dieser Sachverhalt noch einmal dargestellt.
13
Abbildung 4: Brutpflanzenbildung an den Einkerbungen der Blätter
Abbildung 5: Wurzelbildung am Kopfsteckling von Kalanchoe pinnata
Die generative Vermehrung oder Blütenbildung ist bei Kalanchoe pinnata nicht leicht zu erreichen. Laut WADHI & MOHAN RAM 1967 ist diese von einem Überwinden der juvenilen Phase abhängig. Dies beschreibt auch Goethe, in dem er 1825 die Blütenbildung bei
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Dipl. Ing. (FH) Gartenbau René Glöckner, 2007, Untersuchungen zu Kalanchoe pinnata, Munich, GRIN Publishing GmbH
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