Philipps-Universität Marburg SoSe 2000
Blockseminar „Der Krieg in den Medien“ Michelle Grothe
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1.) Einleitung Als ich vor einigen Jahren an Weihnachten ein Kino – Special mit den verschiedensten Cartoons besuchte, staunte ich nicht schlecht, als ich plötzlich Donald im Schützengraben sah, wie er gegen einen ulkig dargestellten Adolf Hitler kämpfte. Diese Seite an Walt Disneys Werk war mir völlig neu; bis dahin wußte ich nichts von
irgendwelchen Propagandaaktivitäten. Leider sind die meisten der damals entstandenen Filme für die Öffentlichkeit nicht zugänglich, da sie nicht mehr in das Image des Familienunterhaltungsunternehmens passen würden. Daher muß ich mich bei meinen folgenden Ausführungen auf die Filmbeschreibungen in Carsten Laquas Buch „Wie Micky unter die Nazis fiel“ stützen. Da mir unter diesen Umständen eine genaue Analyse der Propagandafilme unangebracht erscheint, möchte ich mich mit einer Zusammenfassung über die Besonderheiten und Möglichkeiten die Disneys Filme der Propaganda bieten konnten, begnügen. Zuvor jedoch werde ich die geschichtlichen Zusammenhänge kurz darstellen. Dabei werde ich auf die einzelnen Künste, die sich ja im Film, und besonders im Trickfilm, vereinen, eingehen, ihre Entwicklung, ihre Stärken und Schwächen in bezug auf ihre
Nutzung für die Propaganda darstellen. Auch möchte ich mich mit der Geschichte der Propaganda, besonders der Situation im Zweiten Weltkrieg, in die Disney da hineingewirkt, und die er sicherlich mit geprägt hat,
auseinandersetzen Im Anschluß daran möchte ich kurz sein Leben und sein Werk, und insbesondere die ( schwierige ) Situation seiner Studios bei Ausbruch des Krieges vorstellen, aus der heraus er
sich für die Propagandaaufträge entschied. Es sollen dann einige Filme vorgestellt und beschrieben werden, die sozusagen die Eckpunkte
dieser Schaffensphase bilden. Mit meiner Arbeit möchte ich zum einen die Möglichkeiten des Films , besonders des Trickfilms, für die Propaganda herausstellen, und zeigen, wie dies bei Disney geschieht. Zum anderen will ich die geschichtlichen Abläufe in bezug auf die Walt Diney Studios in
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2.) Kurze Geschichte der Propaganda
Denken wir heute an den Begriff „Propaganda“, so assoziieren wir als Menschen des Fernsehzeitalters zunächst einmal den Einfluß der Massenmedien auf unser Denken und Handeln. Und wenngleich die Propaganda durch technische Innovationen und Errungenschaften einen enormen Auftrieb erfahren konnte, man denke allein an die Möglichkeit ohne größeren Aufwand ganze Massen zu erreichen, so beginnt sie doch weit vor unserem Zeitalter. Sie ist praktisch so alt wie die Menschheit selbst. Dies wird einem bewußt, wenn man sich die Grenzen des Begriffs „Propaganda“ einmal genauer anschaut. Wo beginnt Propaganda eigentlich? Setzt sie nicht bereits da ein, wo eine Gruppe einer Bevölkerung beginnt, andere Gruppen dieser Bevölkerung zu beeinflussen, sie auf ihre Seite zu ziehen? Ist Propaganda also nicht ein schlichtes Werben für die eigene Gesinnung? Die Geschichte zeigt, daß viele Massenbewegungen nicht von „oben“, von der Regierung gesteuert und somit geplant wurden. Oftmals wurde der Stein von eben einer Interessengruppe ins Rollen gebracht, ohne daß dies Teil eines größeren Plans war. Oliver Thomson schreibt dazu: “In a historical review of the spread of religious and political ideas we will find many examples of where this dispersal has happened without much planning or premediation: the spread of anti-Semitism, of witch persecution, of some aspects of nationalism, has often been a knee-jerk reaction to shared pressures, in which one group has set about persuading and influencing the rest of the population without any clear understanding of what it was doing.“ 1
Wollen wir nun also den Gebrauch des Films, insbesondere des Trickfilms für die Propaganda untersuchen, so müssen wir ein wenig den langen Weg kennen, den sie von der Antike bis in unsere technisierte Moderne zurückgelegt hat. Dabei läßt sich erkennen, daß die Propaganda alle uns bekannten Künste durchzieht.Fast alle großen Künstler der Geschichte haben Werke in den Dienst der Propaganda gestellt, wobei eine Trennlinie, ob es sich nun um ein eigenes vermitteltes Anliegen oder um ein Werben für eine bestimmte Gruppe oder Person handelt, oftmals nicht klar zu ziehen ist.
1 Oliver Thomson: Easily led. A history of Propaganda. United Kingdom 1999 (S.2 und 3)
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Interessant in diesem Zusammenhang ist ein Zitat von Käthe Kollwitz zu der Frage nach dem Sinn und den Zielen der Kunst: „ In solchen Augenblicken, wenn ich mich mitarbeiten weiß in einer internationalen Gemeinschaft gegen den Krieg , hab ich ein warmes, durchströmendes und befriedigendes Gefühl. Freilich, reine Kunst (...) ist meine nicht. Aber Kunst doch. Jeder arbeitet, wie er kann. Ich bin einverstanden damit, daß meine Kunst Zwecke hat. Ich will wirken in dieser Zeit, in der die Menschen so ratlos und hilfsbedürftig sind.“ 2 Oftmals decken sich also der persönliche Anspruch des Künstlers und eine bestimmte politische (religiöse, o.ä.) Meinung, für die dann reinen Gewissens geworben werden kann. Im folgenden wollen wir uns die einzelnen Künste, in denen geworben wird, einmal näher anschauen.
Welche Künste sind für unsere Zwecke nun besonders wichtig?
Geht man von der Vorüberlegung aus, daß der Film, als Kunst gesehen, viele andere, oder sogar alle gängigen Formen der Kunst in sich vereint, und selbst, chronologisch gesehen, deren Abschluß bildet, so sollten wir uns auch all` diese Arten einmal ansehen.
Beginnen wir mit der Malerei, die für den Bereich „ Trickfilm“ insbesondere eine große Rolle spielt.
Die Malerei ist von jeher das wichtigste Propagandamedium gewesen. Schon die frühesten Fresken Ägyptens und Kretas kann als solches angesehen werden, da bereits hier religiöse und dynastische Darstellungen von etwas zeugen, und somit auch für etwas werben sollten. Eine herausragende Rolle spielte die Malerei auf dem Gebiet der religiösen Propaganda im Mittelalter. Bilder nichtchristlichen Inhaltes waren eine Seltenheit; der Künstler diente Gott und, hauptsächlich, der Katholischen Kirche, die durch dieses Medium ihren Stand festigen, und ihr Ansehen aufbessern konnte.
Im 16./17. Jahrhundert, in der Renaissance waren beinahe alle bekannte Künstler Propagandisten, was sich bereits an dem Umstand, daß die meisten von ihnen auch als Diplomaten und Organisatoren für ihre Herrscher arbeiteten, erkennen läßt. Beispiele dafür sind Rubens, Dürer oder Titian. Weitere wichtige Stationen in der Malerei sind die
2 Käthe Kollwitz (1922) in: Ruth Malhotra Politische Plakate 1914-1945 Hamburg 1988 (S.6)
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Michelle Grothe, 2000, Amerikanische Propaganda während des 2.Weltkriegs: Walt Disney und seine Filme, Munich, GRIN Publishing GmbH
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