Inhalt
1. Definition Sprechapraxie 3
2. Ätiologie und Lokalisation 4
3. Symptomatik 4
3.1 Störungen der Lautbildung 5
3.1.1 Phonetische Entstellungen und entstellte Phonemfehler 5
3.1.2 Phonematische Paraphasien 6
3.1.3 Inkonstanz und Inkonsistenz der Fehler 6
3.1.4 Inseln störungsfreier Produktion 7
3.2 Störungen der Prosodie 7
3.3 Auffälligkeiten im Sprechverhalten 7
3.4 Einflussfaktoren 8
4. Diagnostik 8
4.1 Abgrenzung zu Aphasie und Dysarthrie 9
4.2 Klinische Diagnostik 10
4.2.1 Interview 11
4.2.2 Hierarchische Wortlisten- Ein Screeningverfahren 11
5. Therapie 13
5.1 Sprechapraxietherapie mit Hilfe taktil- kinästhetischer Hinweisreize 15
5.2 Andere therapeutische Verfahren 16
6. Literatur 17
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1. Definition Sprechapraxie Die Sprechapraxie wird im Allgemeinen definiert als zentralmotorische Störung des Sprechens (vgl. Böhme 2003, 348). Im Gegensatz zur Dysarthrie ist die Sprechapraxie eine artikulatorische Störung, hervorgerufen durch eine Beeinträchtigung der sprechmotorischen Programmierung. „Betroffen ist die Transformation des Outputs von der (abstrakten) phonologischen Ebene zur (konkreten) motorischen Ebene (Aichert/ Staiger 2005, 1)“. Laut Darley et al. ist die Fähigkeit, willentlich die Positionen der Sprechmuskulatur zur Produktion von Phonemen zu programmieren, gestört. Das Gleiche gilt für die Programmierung von Bewegungssequenzen für die Produktion von Wörtern (vgl. Darley, Aronson & Brown 1975 zit. nach Aichert/ Staiger 2005, 3).
Poeck definiert die Apraxie allgemein als „ ...eine Gruppe von Störungen, die das Ausführen von Bewegungen oder Bewegungsfolgen sowie das zweckmäßige Hantieren von Objekten betreffen, und die nicht durch Lähmung, Ataxie, Dyskinesie, Sensibilitätsstörung oder Beeinträchtigung im Sprachverständnis oder im Erkennen von Objekten bedingt sind (Poeck 2002, zit. nach Aichert/ Staiger 2005, 3)“.
Die Sprechapraxie gilt heutzutage als eigenständiges Syndrom und wird klinisch abgegrenzt von aphasischen Störungen, Dysarthrien und bukkofazialen Apraxien (vgl. Aichert/ Staiger 2005, 3), sowie ganz allgemein von den Gliedmaßenapraxien, die in sich noch unterteilt werden in Gangapraxien, Ankleideapraxien, konstruktive Apraxien (Probleme beim Abzeichnen und Konstruieren) und unimodale Apraxien (vgl. Pritzel et al. 2003, 262). Traditionell wird unterschieden zwischen der ideomotorischen und der ideatorischen Apraxie. Dies geht zurück auf die Anfänge der Apraxie- Forschung durch H. Liepmann zu Beginn des
20. Jahrhunderts.
Der ideatorischen Apraxie liegt, so die ursprüngliche Bedeutung, das Fehlen eines Plan der Bewegung zugrunde. Sie wird also bezogen auf den Entwurf einer Handlung. Der Begriff der ideomotorischen Apraxie beschreibt ganz allgemein eine Störung von Handlungen ohne Objekte. Dies bezieht sich zum Beispiel auf die Produktion kommunikativer Gesten oder das Imitieren von Bewegungen (vgl. Aichert/ Staiger 2005, 3). Hier ist die Umsetzung eines Entwurfs oder Plans in ein motorisches Programm gestört (vgl. Pritzel et al. 2003, 262).
Die Sprechapraxie wird der Gruppe der ideomotorischen Apraxien zugeordnet.
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2. Ätiologie und Lokalisation Meist liegen der Sprechapraxie zerebrovaskuläre Erkrankungen zugrunde. Das Auftreten einer Sprechapraxie nach Schädel- Hirn- Traumen, Tumoren oder degenerativen Erkrankungen ist eher selten (vgl. Aichert/ Staiger 2005, 4). Sprechapraxien treten meist im Zusammenhang mit Aphasien auf. Oft gehen sie einher mit der Broca Aphasie und der globalen Aphasie. Sehr selten ist die Kombination Sprechapraxie- Wernicke- Aphasie. Dies steht im Zusammenhang mit der Lokalisation der Läsion. Sie ist unilateral (einseitig) und betrifft die sprachdominante Hemisphäre (vgl.ebd.). Sie ist laut Wendler und Seidner meist die Folge eines linkshirnigen Mediateilinfarktes (vgl. Wendler/ Seidner 1996, 256), betrifft also das Versorgungsgebiet der mittleren Hirnarterie, der A. cerebri media. Dronkers belegte 1996 einen Zusammenhang zwischen der Sprechapraxie und einer Läsion der vorderen Inselrinde. Diese, so wird vermutet ist auf die Planung von Artikulationsbewegungen spezialisiert. Jedoch bezog sich diese Studie nur auf „echte“ Infarktzonen mit bereits abgestorbenem Gewebe.
Die neuesten Studien (z.B. Hillis et al. 2004), die auch Areale mit „Hypofusion“ zum Beispiel durch mangelnde Durchblutung oder verlangsamten Blutfluss in die Betrachtung einbeziehen, belegen die Lokalisation der für das Auftreten der Sprechapraxie verantwortlichen Läsion im Bereich des Gyrus frontalis inferior, also des Broca- Areals (vgl. Aichert/Staiger 2005, 5). Da die sprechmotorische Programmierung jedoch ein komplexer Prozess ist, der auf einer Vernetzung verschiedener Hirnregionen beruht ist auch eine „Verteilung“ der Läsion auf mehrere Hirnareale in der vorderen Sprachregion denkbar. Außerdem variieren die Hirnstrukturen individuell, weshalb keine Verallgemeinerung bezüglich der speziellen Lokalisation der Störung bei verschiedenen Patienten getroffen werden kann (vgl. ebd., 6). Die genaue Lokalisation ist relativ unklar. Vermutet wird, dass Broca- Areal, motorischer Gesichtskortex und die linke vordere Inselrinde involviert sind (vgl. ebd., 4).
3. Symptomatik Die sprechapraktische Störung wird im Allgemeinen auf drei Ebenen beschrieben. Sie betrifft die segmentale Ebene, also die Lautbildung, die suprasegmentale Ebene (hier vor allem die Gliederung und das Sprechtempo), sowie die Ebene des Sprechverhaltens (vgl. Böhme 2003, 349).
Im folgenden Abschnitt werden die für die jeweiligen Ebenen typischen Symptome näher benannt. Diese überschneiden und bedingen sich zwar gegenseitig, werden hier aber der Übersicht halber vorwiegend isoliert erklärt.
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Symptomatik der Sprechapraxie
Störungen der
Lautbildung
- phonetische
Entstellungen
- phonematische
Paraphasien
- entstellte
Phonemfehler
- Fehlerinkonstanz
und- inkonsistenz
- Inseln intakter
Sprachproduktion Selbstkorrekturen
(Aichert/ Staiger 2005, 8)
3.1 Störungen der Lautbildung
Typische Symptome für die Sprechapraxie sind, ganz allgemein:
Ersatzhandlungen
z.B. anheben der Vorderzunge als Zielbewegung, jedoch anheben des Zungenrückens
als realisierte Bewegung (Dackel Gackel)
Überschusshandlungen
fragmentarische Bewegungen
Conduit d’approche
(vgl. ebd., 7)
3.1.1 Phonetische Entstellungen und entstellte Phonemfehler
Als phonetisch entstellt gilt die Lautproduktion zum einen, wenn sie soweit vom Ziellaut
abweicht, dass dies keinem (wohlgebildeten) Laut des Deutschen mehr entspricht. Zum
anderen werden auch graduelle Lautveränderungen als entstellt eingestuft, die zwar der
Kategorie des Ziellautes entsprechen, für den spezifischen Laut jedoch nicht zu bilden sind.
Zu nennen sind hier unter anderem:
Nasalierung oraler Laute
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Arbeit zitieren:
Maria Rothe, 2005, Sprechapraxie, München, GRIN Verlag GmbH
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