Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 3
2. Hauptteil 3
2.1 Heldendichtung das Eddische Heldenlied 3
2.2 Atlakviða 7
2.2.1 Ursprung und Überlieferung 7
2.2.2 Inhalt 9
2.2.3 Struktur 10
2.2.4 Stilistik 12
2.2.5 Vergleich zu Atlamál en grœnlenzku inhaltlich und strukturell 13
2.2.6 Vergleich zum Nibelungenlied - inhaltlich 14
2.3 Heldenhafte Charaktere in der Atlakviða 15
3. Schluss 17
4. Literaturverzeichnis 18
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1. Einleitung
Was sind Helden? Was ist Heldendichtung? Wozu dienten die eddischen Heldenlieder? Zeigt die Atlakviða Helden? Ich werde zunächst versuchen, die Begriffe Heldendichtung und eddisches Heldenlied zu erläutern. Ich werde auf ihren Inhalt, ihre verschiedenen Formen und das ihnen zugehörige Heldenbild eingehen. Im zweiten Teil meiner Ausführungen beschäftige ich mich mit der Entstehung und Überlieferung, dem Inhalt, der Struktur und dem Stil der Atlakviða und ziehe einige inhaltliche und strukturelle Vergleiche zur Atlamál en grœnlenzku und dem mittelhochdeutschen Nibelungenlied. Bezüglich des Nibelungenlieds werde ich mich jedoch nur den inhaltlichen Merkmalen zuwenden, da das Nibelungenlied einer gänzlich anderen Gattung als die Atlakviða angehört und damit für meine Absichten zu weit führen würde. Abschließend werde ich mich erneut der oben genannten Frage stellen, inwiefern die einzelnen Charaktere als heroisch zu verstehen sind.
2. Hauptteil
2.1 Heldendichtung – das Eddische Heldenlied
Heldendichtungen sind eine zu allen Zeiten und weltweit existierende literarische Erscheinung. „[...] es gibt in Geschichte und Gegenwart [...] keine Gesellschaft, die auf Helden und Heldinnen verzichtet [...]“ 2 Sie wurden fast ausschließlich in geformter Sprache und in unterschiedlicher Form (z.B. in einzelnen Liedern oder langen Epen) tradiert. Ihre Zeugnisse reichen vom 5. bis ins 15. Jahrhundert. Heldendichtungen hatten identitätsstiftende und erzieherische Funktionen inne. Sie vermittelten Werte einer bestimmten sozialen Gruppe und dienten in schriftlosen Kulturen der Existenzdeutung und Sinnkonstruktion. 3 Im Mittelpunkt der Heldendichtungen stehen Personen, die aufgrund ihrer kämpferischen Leistungen 4 oder Tugenden bewundert werden, die „[...] eine bewundernswerte Tat oder mehrere Taten [...] [vollbringen], in denen sich das Heldenhafte manifestiert.“ Den Helden zeichnet also eine Summe bestimmter Eigenschaften und ein bestimmtes heroisches Verhalten aus. Beispiele heldischer Normen sind körperliche Stärke, Tapferkeit, Selbstüberwindung, Todesbereitschaft, aber auch Schönheit und intellektuelle und moralische Fähigkeiten (Großgesinntheit, Ehre, Treue). Diese Heldenbilder passen
2 Krause, A. (Hrsg.): Heldenlieder der Älteren Edda. Stuttgart 2001; S.282
3 Uecker, H.: Geschichte der altnordischen Literatur; S.219
4 Vgl. Dinzelbacher: Sachwörterbuch Mediävistik; S.324; Anm: häufig Angehörige des Kriegeradels,
die als exemplarische Ideale der herrschenden Schicht gefeiert werden
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sich dem Normensystem ihrer jeweiligen Gesellschaft an und sind entsprechend veränderbar. Helden sind gewöhnlich männlich. Doch auch Frauen treten in einigen Formen der Heldendichtung als Träger heldischer Tugenden auf. 5 Einige Wissenschaftler vertreten die Ansicht, dass Helden einem vorbestimmten Schicksal unterworfen sind, dem sie sich nicht entziehen können. Dieses Schicksal wird ihnen meist in Orakeln und Weissagungen vorausgesagt. Doch diese Annahme ist umstritten. 6 Das Schicksal des Helden gipfelt häufig in seinem Tod, wobei „[...] Heldendichtung keineswegs immer auf den Heldentod als Höhepunkt des Heldenlebens ausgerichtet [ist].“ 7 Das dargestellte Geschehen ist an bestimmte geschichtliche Ereignisse geknüpft, die im Laufe der Überlieferung verblassten und literarisiert wurden. Historische Persönlichkeiten und Ereignisse sind somit Kern vieler Heldendichtungen. Diese sind dem heroic age der jeweiligen Gesellschaft entnommen, einem als heroisch geltenden Zeitalter, dass mit einer Phase der Unruhe verbunden ist, in der alte Bindungen und Wertvorstellungen zerbrechen, Tragik und Untergang vorherrscht und Kämpfe zu bestehen sind. Laut Forschung kursierten die ältesten Heldendichtungen „[...] wahrscheinlich als einfache mündl. Prosaerzählungen [...]“ 8 , auf denen auch das eddische Heldenlied fusst. 9 Die germanische Heldendichtung tritt in Skandinavien oft in der Form des Heldenlieds auf, deren „[...] Großteil [...] sich im Codex Regius der Lieder-Edda [befindet]“ 10 . Die 18 Heldenlieder der Lieder-Edda wurden laut Forschung um 1270 zusammengestellt und aufgezeichnet. Ihre Überlieferungstraditionen reichen vermutlich vom 12. bis ins 4. nachchristliche Jahrhundert zurück. Für ihre Entstehung werden meist unterschiedliche Daten angegeben, da es für ihre genaue Datierung nur wenig Anhaltspunkte gibt. 11 Auch der zeitliche und geographische Ursprung der Lieder-Edda ist umstritten. Einigen Forschungsthesen zufolge vermutet man in ihr entweder die Aufzeichnung mündlich tradierter Heldensagen oder eine Abschrift eines bereits schriftlich niedergelegten, wenn auch heute verschollenen Originals. Ihren geographischen Ursprung könnten diese Vorlagen je nach Forschungsposition
5 Reallexikon der germanischen Altertumskunde; S.263 6 Ebd.; S.270 7 Ebd.
8 Dinzelbacher: Sachwörterbuch Mediävistik, S.325 9 Ebd.
10 Simek: Lexikon der altnordischen Literatur, S.158 11 Vgl. Einarsson, Stefan: A history of Icelandic Literature, S.18; Anm.: z.B. aufgrund linguistischer und metrischer Studien
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in Island oder auch in Norwegen gehabt haben 12 , wobei die heutige Forschung eher zu Island tendiert. Die Lieder-Edda ist anonym überliefert, die Autoren der einzelnen Lieder sind in der Regel unbekannt. 13 Arnulf Krause nimmt an, dass es „[...] nur einen Schreiber [gegeben habe], der vermutlich mehrere schriftliche Vorlagen benutzte [...]“ 14 Die eddischen Heldenlieder wurden in Erinnerung an große Geschehnisse der Völkerwanderungszeit (Burgundenuntergang, Hunnenkriege,u.a.) entwickelt, aus der sie ihre Heldenfiguren 15 gewannen. Die dem heroic age entnommenen historischen Ereignisse wurden in eine Kernform gebracht und literarisch verändert. Historische Personen, die häufig niemals aufeinander trafen, wurden in einem Familienkonflikt miteinander und mit anderen, nur in der skandinavischen Überlieferung existierenden Figuren (z.B. Helgi) verbunden. Die skandinavische Überlieferung bearbeitete demzufolge diese ursprünglich kontinentalen Sagenstoffe, die über Deutschland, England oder osteuropäische Staaten 16 nach Skandinavien gelangten, in unterschiedlichem Maße und passte sie (u.a. durch Namensänderungen oder Hinzufügen neuer Figuren) der eigenen Umwelt und Kultur an. Im Codex Regius der Lieder-Edda wurden auch die einzelnen Heldenlieder entsprechend einer Genealogie zueinander und chronologisch geordnet in einen inhaltlichen Zusammenhang gebracht, dass heißt durch familiäre Bande einander angeschlossen. Sie beinhalten die nordische Version der Nibelungensage, die mit den vorausgehenden genuin nordischen Helgiliedern und der anschließenden Schilderung von Ermanarichs Tod verbunden werden. Helgi Hundingsbani wird durch verwandtschaftliche Beziehungen an Sigurðr (nordische Entsprechung des mhd. Siegfried) und damit an das Geschlecht der Nibelungen geknüpft. Er ist der Halbbruder von Sigurðr.
Die eddischen Heldenlieder sollten in einer Zeit, die von innerer Unruhe und Konflikten geprägt war, als Abbild der altgermanischen Lebenshaltung und als Vorbild dienen und durch das Aufrufen einer großen Vergangenheit Identität stiften und gegenwärtige Konflikte bewältigen helfen. 17 Sie galten als notwendiges Organ der gesellschaftlichen Moral und konnten am Anfang einer Schlacht den Mut der
12 Vgl. Einarsson, Stefan: A history of Icelandic Literature, S.18 13 Anm.: Als Verfasser des Codex Regius der Lieder-Edda nahm man ursprünglich den Gelehrten Sæmundur fróði Sígfússonan. Dies ist jedoch bereits widerlegt, da die Handschrift erst 200 Jahre nach diesem entstanden ist.
14 Krause, A.: Die Heldenlieder der Älteren Edda, S. 291 15 Anm.: Stoffkreis um Siegfried, Gunther, Etzel, Kriemhild u.a.
16 Vgl. Krause, A.: Die Heldenlieder der Älteren Edda, S.289 17 Vgl. Uecker, H.: Geschichte der altnordischen Literatur; S.217; Anm.: gemeint ist das 13 Jh., in dem der Codex Regius der Lieder-Edda verschriftlicht wurde.
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Katrin Sakowski, 2006, „[...] qvaddi þá Gunnarr sem konungr scyldi [...]“ , Munich, GRIN Publishing GmbH
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