Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung 4
2. Die Entstehung der Alexiuslegende im Frühmittelalter 6
2.1. Grundformen der Legende 6
2.2. Edessa , Rom Stationen der Verehrung und Migration der
Heiligenlegende 7
3. Die Heiligenlegende vom Hochmittelalter bis zur Neuzeit
Wesentliche Verbreitungsformen 9
3.1 Das Alexiuslied (AL) 10
3.2 Legenda Aurea (LA) 11
3.3 Gesta Romanorum (GR) 12
3.4 Acta Sanctorum (AASS), Analecta Bollandiana (AnBoll), u a 13
4. Zwischen Konstruktion und Rekonstruktion
Darstellung ausgewählter historischer Zusammenhänge und Personen
in der Alexiuslegende 15
5. Zusammenfassung und Ausblick 18
6. Anlagen 20
6.1 Literaturverzeichnis 20
6.2 Abbildungsverzeichnis 24
6.3 Endnoten (Anmerkungen/Quellenangaben) 24
3
1. Einleitung
Heiligenlegenden - in der gegenwärtigen Form - sind teils über mehrere Jahrhunderte hin bestehende und veränderte Texte, welche die Lebensereignisse und Handlungen von heilig gesprochenen Personen darstellen. Nicht immer sind die Wege der Überlieferung gradlinig, die Übersetzungen korrekt und einheitlich - und für den heutigen Betrachter auf einfachem Wege nachvollziehbar.
Nach PRATSCH 1 ist die Rekonstruktion der Entstehung der Heiligenviten, insbesondere bei denjenigen, die nicht bereits früh zur Aufnahme in eine Sammlung vorgesehen waren, sondern erst späterhin geschrieben wurden, nur schwerlich möglich. Zudem mögen die Fähigkeiten und Interessen des Schreibers 2 und/oder möglicher Auftraggeber (zum Zweck der Legitimierung/dem Ziel der Heiligsprechung/die Vita als Mittel gegen das Vergessen/dem Ziel der Erbauung/der Mitteilung des eigenen Wissens, etc.) 3 die inhaltliche Gestaltung tendenziös beeinflusst haben, wie auch propagandistische 4 oder ideologische Zwecke für die Entstehung, Ausgestaltung, Umgestaltung oder Verbreitung einer Vita maßgeblich gewesen sein können.
Wie das Schaubild auf dem Deckblatt 5 visuell andeutet, können Varianten von Heiligenlegenden: a) auf noch unbekannte Ursprungsversionen hinweisen, b) in den Ursprüngen bekannt sein und dann c) nach mehr oder weniger langer Tradierung plötzlich enden, modifiziert werden oder in der Ursprungsfassung weitergeführt werden. Die Legende erhält einen eigenen, abbildbaren "Stammbaum" (Stemma), der für die Quellenbewertung und Quellenkritik, im Verständnis der Editionswissenschaft, einen hohen Stellenwert besitzt. Zum einen ermöglicht er die Rekonstruktion bestimmter Migrationswege der Legende, zum anderen bildet er eine bessere Übersicht der chronologischen Zuordnungsfähigkeit jeweils spezifischer Veränderungen der einzelnen Texte zu zeitgenössischen politischen, religiösen oder auch wirtschaftlichen Kontexten ab. Ziel dieser Hausarbeit ist es, eine Übersicht über Bearbeitungs- und Überlieferungs-formen der Heiligenlegende, wie auch deren Rezeption in der nicht-religiös intendierten Literatur nachzuvollziehen. Als Muster für die Genese und Evolution der Heiligenlegende, wurde die Vita des Alexius ausgewählt. Der Zeitraum der Betrachtung umfasst dabei die erste Erwähnung der Legende in einer syrischen Handschrift des 6. Jh. 6 und spannt einen zeitlichen Bogen bis hin zu den spätmittelalterlichen bzw. renaissancezeitlichen Fassungen und Umformungen der Heiligenvita in das so genannte "Alexiuslied", die Legenda Aurea (LA) und die Gesta Romanorum (GR), bzw. weitere Literaturformen.
4
Das Erkenntnisinteresse liegt auf der Entwicklung des Legendenstoffes und der Darstel
lung der Bearbeitungsformen über die Jahrhunderte hinweg. Auf besonders markante
inhaltliche Umformungen oder Wesensmerkmale, wie auch historische Eckdaten soll
kurz eingegangen werden
Die Aufarbeitung des Themas geschah in der Kenntnis und mit dem Bewusstsein,
aus Gründen des vorgegebenen Zeit- und Seitenumfangs, nur einen Teil der Literatur zur
Alexiusvita berücksichtigen zu können. So verweisen bereits DECUBLE und LÖFFLER auf
die große Menge unterschiedlicher Bearbeitungsformen 7 und die vielfältigen sprachli
chen Varianten, die eine selektive Betrachtung des Legendenkomplexes nicht nur nahe
legen, sondern sogar regelrecht erforderlich machen jedoch besteht gleichermaßen die
Forderung nach einer breit gefächerten Berücksichtigung 8 vorhandener Hss. und Quellen
Letzteres kann hier, im Rahmen einer Hausarbeit, nicht geleistet werden, sondern wird
anhand einer sekundäranalytischen Auswertung der Forschungsliteratur vorgenommen
Dennoch wurde in Bezug auf die verwendete Literatur darauf geachtet, mit Sorgfalt, in
größtmöglicher Ausführlichkeit und Vollständigkeit, die typischen Bearbeitungsformen
über die Jahrhunderte hinweg, herausstellen zu können 9 In diesem Sinne dient die Haus
arbeit auch als prototypische Abbildung der Legendentradition, die als Schema für
gleichartige Themenstellungen genutzt und weiterentwickelt werden kann
Wesentliche Erkenntnis für diese Arbeit ist, dass es die Legende genauso wenig
gibt, wie späterhin die LA oder die GR. Die Arbeit mit den Ausgaben heutiger
Druckversionen - beispielsweise der Legendare - basiert damit in aller Regel auf einer
konkreten historischen Ausgabe des Werkes, die in ihrer Spezifität im Rahmen der wei
teren Bearbeitungen einen bestimmten Platz im Raum der Gesamtheit der Schrift/en ein
nimmt. Wie das Schaubild (s. Deckblatt) zeigt, sind die Verbindungen untereinander teils
vielschichtig und bedürfen einer weitergehenden Betrachtung. Das Augenmerk soll an
dieser Stelle dahin gelenkt werden, dass hier der Einfluss der Legende (in einer jeweili
gen Fassung) auf weitere literarische Formen eher archetypisch dargestellt wird. D h ,
die Alexiuslegende würde in einer gegebenen Fassung auf die LA und auf die GR
wirken. Dies erzeugt ein falsches Bild, denn die Strukturen, die sich bei der Alexiusle
gende abbilden, verzweigen sich weiterhin ebenso bei der LA und der GR 10 Somit ist die
Annahme, dass ein konkreter Legendentypus auch in der LA oder in der GR vorhan
den sei, nicht zu halten, da diesen gleichermaßen regional, historisch und intentional be
dingte Kompilationen zugrunde liegen
5
2. Die Entstehung der Alexiuslegende im Frühmittelalter
Die Urfassung der Alexiuslegende ist (bislang) verschollen. Nach derzeitigem Er-kenntnisstand nimmt man eine Entstehung im 6. nachchristlichen Jahrhundert an. Dabei werden sowohl Syrien, Griechenland, als auch das Römische Reich als jeweiliger Ursprungsort angesehen. Teils wird aber auch die Auffassung vertreten, dass entweder die syrische oder die griechische Form der Bearbeitung vor der latinisierten Fassung existierten und demnach eine ältere Quelle darstellen. Ab dem 10. Jahrhundert - also ungefähr zur Zeit der Gründung des Heiligen Römischen Reiches (deutscher Nation)setzte eine stärkere Verbreitung der Legende im (damals noch) latinisierten Schriftsprachraum ein.
2.1. Grundformen der Legende
Die Alexiusvita weist zahlreiche Variationen auf. Der bestehende Rekonstruktionsversuch der Legende muss allerdings, wie nach der Ausführung ersichtlich sein wird, noch als unzureichend betrachtet werden. Dies resultiert zum einen daraus, dass die "Urfassung" verschollen ist, zum zweiten zeigen sich zahlreiche Einflüsse, teils von anderen Legenden, teils regional-sprachlich bedingte Überformungen, wie auch weitere editorische Bearbeitungen oder die Umsetzung in andere Literaturformen (u.a. auch zum Zwecke der literarischen und weniger religiös intendierten Erbauung). Will man die Alexiuslegende auf eine Kernerzählung reduzieren, so handelt es sich bei dem Heiligen um den Sohn einer angesehenen und wohlhabenden Familie. Teils wird als Heimatort 11 Edessa, teils wird Rom, in einzelnen Fällen auch Konstantinopel/Cpolis 12 genannt. Die Eltern arrangieren für ihren Sohn eine Heirat. In den Fassungen, in welchen Rom bzw. Konstantinopel die Heimatstadt ist verkündet der spätere Heilige seiner jungfräulichen Braut in der Hochzeitsnacht, dass er sie und die Heimat verlassen werde, um in der Ferne das Leben eines Asketen zu führen. Er nimmt einen Teil des Familienschatzes mit sich, hinterlässt der Braut einige symbolische Gegenstände, die sie an ihn erinnern sollen und verlässt mit dem Schiff die Stadt. Nach (teils unterschiedlich genannten) verschiedenen Stationen gelangt er schließlich nach Edessa, wo er in oder in der Nähe der Kirche ein asketisches Leben als Bettler und als "Mann Gottes" führt. Von allem, was er geschenkt bekommt, behält er nur die Hälfte für sich, das andere verschenkt er an Bedürftige weiter. Teils wird seine Aufenthaltsdauer in Edessa mit 17 Jahren angegeben. Die Legenden konstruieren verschiedene Gründe, aus denen er nach dieser Zeit Edessa
6
verlässt um ein anderes Ziel aufzusuchen. Einige Fassungen lassen ihn ungewollt, andere lassen ihn gewollt, wieder in Rom anlanden, wo er wieder sein Elternhaus aufsucht, sich jedoch nicht zu erkennen gibt, sondern als Bettler unter der Treppe weitere 17 Jahre lebt. Von der Dienerschaft seiner Eltern wird er mit Spott und Häme behandelt, ja sogar tätlich angegriffen. Als der Heilige seinen Tod nahen spürt, schreibt er sein Lebensgeheimnis auf einen Zettel/Brief. Verschiedene Fassungen berichten dann von Glockengeläut oder Stimmen aus dem Himmel, die zur Suche eines Heiligen Mannes auffordern. Erst als er gestorben ist, offenbart sich seine Geschichte. Als wesentliche Personen rund um die Sterbeszene fungieren, teils namentlich benannt: der Papst, der oder die Kaiser Roms, wie auch verschiedentlich noch (in wechselnder Betonung der Rollen) die Eltern oder speziell ein bestimmter Elternteil, wie ebenfalls die jungfräuliche Braut des Alexius. Mitunter wird der Vorleser des Alexiusbriefes noch ausdrücklich erwähnt. Auch die Grablege wird angegeben. Einheitlich ist, nach derzeitigem Erkenntnisstand, die Betonung der unmittelbaren Einsetzung des Kultes, der Verehrung des Heiligen. Zu sagen bleibt, dass selbst diese "Kernfassung" bereits einige Varianten aufweist, von denen derzeit nicht klar entschieden werden kann, welcher zeitlich bzw. inhaltlich der Vorzug zu geben ist. Ob der Heilige tatsächlich eine Abwandlung des syrischen Legendenfigur Mar Riscia 13 ist, wie behauptet wird, ob er zunächst ein namenloser Mann Gottes war und erst später als Alexius benannt und bekannt, oder ob erst lediglich eine namenlose Version, in Unkenntnis des Namens, aufgezeichnet wurde, ist aus der Jahr-hunderte langen zeitlichen und räumlichen Distanz nur schwerlich zu bewerten.
2.2. Edessa , Rom ... -Stationen der Verehrung und Migration der Heiligenlegende
Erwähnt wurde bereits der Hinweis auf die fragliche Heimatstadt des Alexius. Einige Quellen geben Edessa als Geburts- und Sterbeort an, andere wiederum sehen den Geburts- und Sterbeort in Rom, wieder andere Versionen benennen hierfür Cpolis, welches als Constantinopolis gedeutet wird und damit Byzanz bzw. Konstantinopel entspräche. Edessa weist eine besondere historisch-politisch-topographische Lage auf. Dadurch wäre dieser Ort historisch prädestiniert dafür, potentiell alle drei Sprachfassungen (lateinisch, syrisch, griechisch) hervorgebracht zu haben.
In Edessa ist die (Marien-)Kirche der zentrale Lebensort des Heiligen. Der Marienkirchenbau in Edessa lässt sich nach RÖSLER für das Jahr 489 nachweisen 14 - anders stellt sich die Situation bei OPPENHEIM/HILLER VON GAERTRINGEN dar, die ab dem Jahr
7
Quote paper:
Marion Röbkes, 2007, Genese und Entwicklung der Heiligenlegende - Am Beispiel der Alexiusvita, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Der St. Galler Klosterplan. Entwurf des idealen Benediktinerklosters
Art - Architecture / History of Construction
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 20 Pages
Die Funktion des Lesens in Karl Philipp Moritz' "Anton Reiser...
Termpaper, 22 Pages
Anfertigung einer Hausarbeit: Darstellung des Verfahrens und Erläuteru...
Termpaper, 23 Pages
Carsten Niebuhr - Reisebeschreibung nach Arabien und andern umliegend...
German Studies - Modern German Literature
Scholary Paper (Seminar), 37 Pages
Zur Genese der griechischen Alphabetschrift
Die Herkunft des griechischen ...
History - World History - Early and Ancient History
Termpaper, 21 Pages
Marion Röbkes's text Genese und Entwicklung der Heiligenlegende - Am Beispiel der Alexiusvita is now available as a printed book
Marion Röbkes has published the text Genese und Entwicklung der Heiligenlegende - Am Beispiel der Alexiusvita
Marion Röbkes has uploaded a new text
ACTA Sanctorum Confessorum Guriae Et Shamonae Exarata Syriaca Lingua a...
Ignatius Ephraem II Rahmani
Frühe Zentralisierungs- und Urbanisierungsprozesse - Zur Genese und En...
Kolloquium des DFG-Schwerpunkt...
Dirk Krausse
Historische Anthropologie 19 2/2011
Kultur - Gesellschaft - Alltag...
Gesine Krüger, Aline Steinbrecher
0 comments