Perikles und die attische Demokratie
von Kristian Büsch
Inhalt
I Prolog 5
II Quellen 6
III Perikles 7
III.I Zur Biographie 7
III.II Siedlungs- und Kolonialpolitik 12
III.III Das staatliche Bauprogramm 15
IV Zur Darstellung von Perikles 18
IV.I Thukydides 18
IV.II Plutarch 20
V Die attische Komödie 22
V.I Kratinos 22
V.I.I Dionysalexandros 22
V.I.II Nemesis 25
V.I.III Zusammenfassende Betrachtung zum Werk von Kratinos 26
V.II Historische und historiographische Bedeutung der attischen Komödie 27
VI Epilog 29
VII Quellen- und Literaturverzeichnis 30
Nie aber, seit ich mich selbst wasche, tat
Vom Staub so weh mein Auge mir, wie heut
Am Morgen, wo das souveräne Volk
Versammlung hat, so leer den Platz zu sehn.
Sie plaudern auf dem Markt, und auf und ab
Spazierend fliehn sie das Markierungsseil.
...
Ich , in der Volksversammlung stets der erste,
Ich nehme Platz in meiner Einsamkeit
Dann seufz ich, gähne, strecke, lüfte mich
Sinniere, schreibe, kratz im Haare mich, schau
Ins Feld hinaus und bet um Frieden, fluche
Der Stadt und denke: wär ich nur daheim.
Aristophanes, Die Acharner 17 ff.
I Prolog
Mit den Griechen und der Demokratie ist das so eine Sache. Sie lieben es, den ganzen Tag über Politik zu reden, zur Wahl jedoch müssen sie per Gesetz und unter Androhung hoher Strafen gezwungen werden. Lese ich das Klagelied des Aristophanes, so scheint mir, daß diese Zurückhaltung bei der Wahrnehmung demokratischer Rechte Tradition hat. Immerhin können die Griechen des V. Jahrhunderts für sich verbuchen, die Demokratie erfunden zu haben. Aufgrund der insgesamt recht spärlichen bzw. einseitigen Quellen ist es nicht ganz einfach, diese attische Demokratie einzuschätzen und zu beurteilen. Das soll auch nicht das Thema dieser Arbeit sein. Es geht zentral um die Figur des Perikles. Dieser Perikles aber repräsentiert, zumindest in den Eckdaten seiner Regierungszeit, den Höhepunkt dieser Epoche. Wer er tatsächlich war, möchte ich herausfinden. Um seine Rolle richtig einschätzen zu können, ist es meiner Ansicht nach notwendig, sich mit den politischen Möglichkeiten, die er hatte, zu beschäftigen. Ein weiterer wichtiger Punkt soll die innerathenische Kritik an ihm sein, d.h. ich möchte mich auf die Suche nach einer Opposition begeben, die nach unserem Verständnis von Demokratie ein elementarer Bestandteil derselben ist. Durch Plutarch wissen wir, daß die Kritik an Perikles nach der Verbannung des Thukydides Melesiou hauptsächlich auf der Komödienbühne stattfand. Häme und Spott bis hin zur Beleidigung konzentrierten sich auf die Person des ausgesprochen humorlosen Perikles - ein sicheres Zeichen, daß er tatsächlich die herausragende Persönlichkeit des öffentlichen Lebens war. Obwohl die Stücke der zeitgenössischen Dichtung bis auf wenige Ausnahmen verloren sind, soll ihnen deshalb Platz eingeräumt werden.
Neben der Biographie möchte ich vor allem das Bauprogramm betrachten, das wie kein anderes Projekt der damaligen Zeit im Kreuzfeuer der Kritik stand. Schließlich ist es das Bauprogramm in Athen, das die Figur des Perikles nach über zweitausend Jahren wieder in das Bewußtsein einer breiten Öffentlichkeit brachte. Auf der Akropolis in Athen erlebt der Besucher auch heute noch das Flair, die handwerkliche Kunst und die Schönheit einer Zeit, die als der Zenit der klassischen Antike gilt. Wie kaum eine andere prägte die klassische Epoche die europäische Entwicklung. Ihre Errungenschaften, technische wie philosophische, bilden das Fundament europäischer Hochkultur.
II Quellen
Der Zeitgenosse Herodot erwähnt Perikles nur in einem Nebensatz in Zusammenhang mit seiner Geburtslegende. Die Beziehung der Beiden ist unklar. Thukydides ist der einzige zeitgenössische Historiker, der Perikles einer ausführlichen Würdigung für wert hält. In der Pentekontaetie taucht Perikles allerdings nur drei mal auf und auch das nur in Zusammenhang mit militärischen Aktionen. Erst im Winter 432/1 kommt er das erste mal zu Wort, im Sommer 430 entzieht er es ihm schon wieder. [Kriegsrede (Winter 432/1) - Ressourcen (Sommer 431) - Grabrede auf die attischen Gefallenen (Winter 431) - Trostrede (Sommer 430)] Thukydides zeichnet das Bild einer faszinierenden Persönlichkeit mit Weitblick (keine Ausweitung des Machtbereichs, keine selbst gewählten Gefahren) redegewandt, politisch integer und selbstlos. Perikles verkörpert für Thukydides rückblickend das vergangene machtvolle Athen. Wäre er nicht früh genug gestorben, hätte er wohl nicht zum Heroen des Autoren werden können, zumal Thukydides Familie (die Philaiden) mit den Alkmeoniden verfeindet war. Zu Lebzeiten Perikles widmeten sich seiner Person v.a. Komödiendichter. Dabei galt Perikles als ausgesprochen humorlos. Das ging soweit, daß er zeitweise ein Zensurgesetz erließ, das es verbot Personen des öffentlichen Lebens zu verspotten. Dieses Gesetz war allerdings so unpopulär, daß es schnell wieder zurückgenommen wurde. Die Dichter gingen aber auch nicht gerade sanft mit ihm um. Kratines bezeichnete ihn als zwiebelköpfigen Zeus und warf ihm politische Unfähigkeit vor. Aristophanes und Kratinos bezeichneten Aspasia als Hetäre und verglichen sie mit Hera. Hermippos warf ihm Feigheit vor, Telekleides bezeichnet ihn als Frauenheld, andere warfen ihm Kriegstreiberei, Abhängigkeit von schlechten Beratern, Zögerlichkeit beim Bau der langen Mauern und willkürliche Machtausübung vor. Man bezeichnete den Kreis um Perikles gar als neue Peisistratiden. (Fragmente bei Plutarch; Aristophanes bestätigt in seinem späteren Werk das negative Bild der Komödiendichter.)
Im IV. Jahrhundert wird Perikles kaum mehr erwähnt. Allerdings hörte Platon im Gorgias andere "... oft behaupten, Perikles habe die Athener träge, feige, geschwätzig, habsüchtig gemacht, indem er sie zuerst zu Söldnern machte..." und wußte "... ganz genau... daß Perikles zuerst zwar in Ansehen stand und die Athener kein schimpfliches Urteil über ihn aussprachen, als sie noch schlechter waren, nachdem sie aber durch ihn gut und edel geworden waren, haben sie ihn gegen sein Lebensende des Unterschleifs beschuldigt und hätten ihn beinahe am Leben gestraft, offenbar weil sie ihn für nichtswürdig hielten."
Im Werk Aristoteles wird er gelegentlich erwähnt. Ephoros aus Kyme wirft ihm Unterschlagung und Kriegstreiberei vor. Selbst die Atthidographen sehen ihn in einem ungünstigen Licht. Lediglich Isokrates anerkennt Perikles, seine Weisheit, Mäßigung, Einsicht und seine Gerechtigkeit.
Auch später findet Perikles wenig Beachtung. Pompeius Trogus weis wenig über ihn zu berichten, auch Diodor erinnert sich des Perikles nur in Zusammenhang der erfolgreichen Bestechung des Spartanerkönigs und als Anstifter des peloponnesischen Krieges. Cornelius Nepos ignoriert ihn ganz. Erst Plutarch widmet sich seiner. Dessen Biographie ist allerdings mit dem Manko behaftet, daß seine Informationen sämtlich aus zweiter Hand sind und er sich im Gegensatz zu seinen anderen Biographien, auf keinen Vorgänger stützen konnte. Auffällig gelingt es ihm, auch im Gegensatz zu allen seinen anderen Biographien, nicht, all die ungünstigen Beschreibungen, die Vorwürfe früherer Autoren gegen Perikles zu entkräften und ein durchweg positives Bild seines Helden zu zeichnen.
III Perikles
[...]
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Kristian Büsch, 1999, Perikles und die attische Demokratie, Munich, GRIN Publishing GmbH
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schröden
vorteilr.
bin der meinung die attiche demokratie kann als ein in Ansätzen betrachtenes, Modell der DirektDemokratie gesehen werden.
on Thursday, August 31, 2006-