Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Kindheit 4
2.1 Definition Kindheit 4
2.2 Historischer Wandel 4
2.2.1 Entstehung der Kindheit 4
2.2.2 Wandel des Familienlebens 6
2.2.3 Schichtspezifische Kindheiten 8
2.2.4 Wandelnde Perspektiven der Gesellschaft 9
2.2.5 Auseinandersetzung mit der materiellen Umwelt 11
3 Jugendphase 12
3.1 Definition Jugend 12
3.2 Entstehung der Jugendphase 13
3.2.1 Einfluss der Industrialisierung 13
3.2.2 Einführung schulischer Institutionen 14
3.2.3 Entstehung einer sozialen Gruppe namens Jugend 14
3.3 Wandlungsprozesse der Jugend 15
3.3.1 Auswirkungen der Bildungsexpansion 15
3.3.2 Wandel des subjektiven Jugendkonzepts 15
4 Fazit 16
5 Literaturverzeichnis 18
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1 Einleitung
In dem Seminar „Sozialgeschichte“ habe ich mich für die Bearbeitung des Themas „Kindheit und Jugend im Wandel der Zeit“ entschieden, da ich es interessant finde zu erfahren, wie sich die Kindheit und Jugend in den letzten Jahrhunderten verändert hat, was die Ursachen dafür sind, wie diese Begriffe überhaupt entstanden und was sie heute für einen Wert in unserer Gesellschaft haben. Um die zwei unterschiedlichen Lebensabschnitte Kindheit und Jugend deutlich voneinander abzugrenzen, habe ich diese Hausarbeit in 2 Teile gegliedert. Im ersten Teil – Kindheit - beziehe ich mich vor allem auf den Text von Karl Neumann „Zum Wandel der Kindheit vom Ausgang des Mittelalters bis an die Schwelle des 20. Jahrhunderts“. Dort werden verschiedene Theorien aus unterschiedlichen Textquellen zu der Thematik dargestellt. Im zweiten Teil beziehe ich mich auf verschiedene Autoren, unter anderem Hurrelmann. Insgesamt geht es in dieser Hausarbeit geht um den Vergleich von früher und heute – das heißt, welche Entwicklungen und Wandlungsprozesse haben stattgefunden; vor allem in Bezug auf Familie und Gesellschaft. Zentral geht es um die Frage, was man damals unter den Begriffen „Kindheit“ und „Jugend“ verstand und wie sich dies bis zum heutigen Zeitpunkt geändert hat. Um dies ergründen zu können, muss die Sozialitäts- und Mentalitätsgeschichte der Menschheit näher betrachtet werden. Das bedeutet konkret, dass zum einen soziale Beziehungen innerhalb der Familie und der Gesellschaft untersucht werden; und zum anderen geht es um den Einstellungswandel gegenüber Kindern bzw. Jugendlichen und ihren Lebensbedingungen. Der Schwerpunkt dieser Arbeit liegt allerdings auf dem ersten Teil – dem Wandel der Kindheit. Hier werden einzelne Faktoren näher geschildert, die die historische Ausdifferenzierung der Kindheitsphase beeinflussten. Im zweiten Teil hingegen werden die bereits genannten Faktoren lediglich erneut aufgegriffen und kurz dargestellt, um nicht alle Aspekte unnötig zu wiederholen.
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2 Kindheit
2.1 Definition Kindheit
Kindheit bezeichnet den Lebensabschnitt eines Menschen, der sich von der Geburt bis zum Beginn der Geschlechtsreife erstreckt. […] Die Kindheit wird stark von Wachstums- und Entwicklungsvorgängen bestimmt, die auf die körperliche, geistige und seelische Reife abzielen. […]. Die möglichst ungestörte Entwicklung der Kinder ist die wesentliche Voraussetzung für die spätere körperliche, seelische, geistige und charakterliche Entwicklung des reifen Menschen (Lexikon-Institut Bertelsmann, Band 10,1972, S.10f.). Im Allgemeinen [ist Kindheit] definiert als Lebensphase bis zum Alter 12. Während in früheren Jahrhunderten Kinder wie kleine Erwachsene behandelt und gekleidet wurden, hat sich die Kindheit im 20. Jh. als eigenständige Lebensphase entwickelt (www.mypage.bluewin.ch).
Die Kindheit ist der Zeitraum im Leben eines Menschen von der Geburt bis zur geschlechtlichen Entwicklung (Pubertät). Kindheit ist dabei mehr ein kultureller, sozialer Begriff denn ein biologischer (www.wikipedia.org).
Hier wird bereits deutlich, dass der Begriff „Kindheit“ gar nicht so einfach zu definieren ist. Zum einen sind keine klaren Grenzen dieser Phase festgelegt und zum anderen ist es ein „sozialer Begriff“, welcher sich im Laufe der Zeit durch wandelnde Wertvorstellungen und Perspektiven der Gesellschaft verändert hat. Genau dies ist der Punkt, auf den ich in dieser Ausarbeitung eingehen möchte.
2.2 Historischer Wandel
2.2.1 Entstehung der Kindheit
2.2.1.1 Ariès: Einfluss von Erziehung, Bildung und Familie
Der erste Ansatz stammt von Philippe Ariès (1914 - 1986), einem französischen Mediävisten und Historiker der Familie und Kindheit. Er sagt: „Kindheit als eigenständigen Lebensabschnitt im heutigen Sinne hat es im Mittelalter nicht gegeben“ (Ariès, 1976, S. 209ff.). Stattdessen habe ein Gefühl zwischen Gleichgültigkeit und Zuneigung zum Kind geherrscht. Nach einer kurzen Phase der Säuglingsbetreuung und Entwöhnung wuchsen Kinder schnell in den Alltag von Erwachsenen hinein - eine Welt, in der kein Platz für sie war. Die Familie habe sich
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auf den Lebenserhalt konzentriert, indem sie für Gesundheit, Ernährung und Schutz sorgte. Somit wurde eine entwicklungsgerechte Förderung der Kinder stark vernachlässigt, so dass diese sich kaum individuell entfalten konnten. Ariès ist der Meinung, Kindheit sei eine Erfindung der Neuzeit - erst der Einfluss von Kirche und Moralisten habe zu einer gesonderten Erziehung und Behandlung der Kinder geführt. Er sagt also, die Erziehung und Bildung, die Intimisierung der Familie sowie die Institutionalisierung von Bildungseinrichtungen schufen eine Kindheitsphase mit speziellen Institutionen, Umgangsweisen und Lebenswelten in Familie und Gesellschaft (Neumann in Marefka und Nauck, 1993, S.191ff.).
2.2.1.2 Neidhardt: Einfluss der Industrialisierung
Ein anderer Ansatz zur Entstehung der Kindheit stammt von Neidhardt (1970). Dieser sagt, erst durch die Industrialisierung, also ca. im 18. Jahrhundert, sei es zur Abgrenzung der Lebensphase „Kind“ von der Welt der Erwachsenen gekommen. Als einen Grund sieht er bestimmte Eignungen und Qualifikationen, die nun für berufliche Tätigkeiten erforderlich wurden. Diese waren für die Kinder viel zu schwierig und komplex, so dass die Tätigkeits- und Handlungsbereiche der Erwachsenen von denen der Kinder abgegrenzt wurden (Neidhardt in Hurrelmann, 1994, S.29f.). Ein weiterer Grund ist nach Hurrelmann (1994), dass die Industrialisierung außerdem zu gesellschaftlichem Wohlstand führte. Somit war keine Kinderarbeit mehr nötig - wodurch die Kinder erstmals ihre Kindheit wirklich ausleben konnten. Durch den Prozess der Industrialisierung habe sich also eine eigenständige Entwicklungsphase der Kinder entwickelt. Dies wurde auch als „Prozess der sozialen Entmischung“ (Hurrelmann, 1994, S.27) bezeichnet, also eine Abgrenzung der Erwachsenengesellschaft von den Kindern. Allerdings fand die Entwicklung der Phase Kindheit zunächst nur in bürgerlichen Schichten statt, worauf ich später noch eingehen werde (Hurrelmann, 1994).
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2.2.2 Wandel des Familienlebens
2.2.2.1 Die Entstehung der bürgerlichen Familie
Nach Rolff und Zimmermann (1997) ist die Sozialgeschichte der Kindheit neben der Industrialisierung stark geprägt von dem Wandel des Familienlebens. Auch die Familie im heutigen Sinne - geprägt von Liebe, Zuneigung, Schutz und Geborgenheit
- gab es damals nicht. Sie war vielmehr eine Hausgemeinschaft, die gleichermaßen an der Arbeit, die dem Überleben dienen sollte, beteiligt war. Ehe und Familie entstanden auch nicht durch jegliche Art von Gefühlen, sondern Sozialstrukturen wie Stand, Zunft und Besitz waren die ausschlaggebenden Faktoren. Zweck der Heirat war der Erhalt oder die Vergrößerung des „ganzen Hauses“ (Rolff und Zimmermann, 1997, S.16ff.). Erst im 17. Jahrhundert entstand die moderne, bürgerliche Familie. Das heißt, es entwickelte sich erstmals ein Familiensinn, intensive Gefühlsbeziehungen wurden aufgebaut und eine familiäre Privatsphäre bildete sich heraus. Die Frau entwickelte sich von der Arbeitsgefährtin zur Ehefrau und das soziale Leben wurde insgesamt mehr auf das Kind zentriert. So war die Familie nun nicht mehr nur eine Wirtschaftseinheit, in der es lediglich darum ging, die Existenz durch harte Arbeit zu sichern, sondern sie ist zu einem Zufluchtsort geworden, wo man Schutz und Wärme erhielt. Emotionale Bindungen wurden zwischen Ehepartnern sowie zwischen Eltern und Kindern aufgebaut, Gefühle wurden ausgetauscht und die kindliche Entfaltung zunehmend gefördert. Von nun an versuchte man, den eigenen Kindern optimale Startchancen zu bieten, um ihnen Selbstverwirklichung und sozialen Aufstieg zu ermöglichen. Gleichzeitig veränderten sich die familiären Verhaltensregeln: Das Kind wurde um seiner selbst Willen geliebt, erhielt insgesamt eine größere Wertschätzung und wurde nicht mehr zu ökonomischen Zwecken missbraucht. Es kam somit zu einer Ent-ökonomisierung der innerfamiliären Beziehungen. Im 19. Jahrhundert verbreitete sich das bürgerliche Familienideal über alle gesellschaftlichen Stände und Schichten hinweg und wurde zum Vorläufer der traditionellen Familie des 20. Jahrhunderts (Neumann in Marefka et al., 1993, S. 195ff.).
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Lisa Unger, 2007, Kindheit und Jugend im Wandel der Zeit, Munich, GRIN Publishing GmbH
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