Ich danke den Psychologen der „Oliver-Geissen-Show“ - Frau Dipl. Psych. Isabella Adelt-Efthimiou, Frau Dipl. Psych. Stephania Lanzillotta und Herrn Dipl. Psych. Michael Thiel - für die geduldige Beantwortung von Fragen und für die Bereitstellung verschiedener Informationen und Materialien.
Mein Dank gilt auch Herrn Dr. Markus Pospeschill, von dem ich hilfreiche Tipps in Bezug auf die statistische Datenauswertung bekommen konnte.
Des Weiteren bedanke ich mich bei den Mitarbeitern der Beratungsstellen, die freundlicherweise bereit waren, auf meine Anfrage zu antworten.
Nicht zuletzt möchte ich auch meiner Familie und meinen Freunden auf diesem Wege einen großen Dank aussprechen für ihre vielfältige Unterstützung und ihre Geduld während der Zeit, in der ich die Diplomarbeit geschrieben habe.
III
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis V
Tabellenverzeichnis VI
Abkürzungsverzeichnis VII
1 Einleitung 1
2 Psychologie als Profession 3
2.1 Psychologen in den Medien 3
2.1.1 Psychologen im Fernsehen 5
2.2 Psychologen in der Realität 9
2.2.1 Berufsbild 9
2.2.2 Image 12
3 Das Genre Talkshow als Affektfernsehen 18
3.1 Charakteristika und Definition des Genres 18
3.2 Die historische Entwicklung der Talkshow im deutschen
Fernsehen 23
3.3 Wer möchte warum in einer Talkshow zu Gast sein? 26
3.4 Wer schaltet warum ein, wenn eine Talkshow gesendet
wird? 31
3.4.1 Zuschauerprofile 31
3.4.2 Rezeptionsmotive 33
4 Kultivierungsforschung 38
4.1 Cultivation of beliefs 38
4.2 Drei-Speicher System 44
5 Die „Oliver Geissen Show“ 46
5.1 Psychologen in der „Oliver Geissen Show“ 47
6 Anliegen der Untersuchung und Ableitung der Hypothesen 52
6.1 Hypothese zu den Themen der Sendungen 52
6.2 Hypothese zur Empfehlung weiterführender Maßnahmen 53
6.3 Hypothese zum Diskurstypus der Psychologen 54
6.4 Hypothesen 55
7 Methode 56
7.1 Entwicklung des Kategoriensystems 56
7.1.1 Generierung der Stichprobe 56
IV
7.1.2 Die Kategorien 57
7.1.2.1 Themen der Sendungen 57
7.1.2.2 Empfehlung weiterführender Maßnahmen 59
7.1.2.3 Diskurstypus der Psychologen 60
7.1.3 Reliabilität des Kategoriensystems 62
7.2 Anwendung des Kategoriensystems 63
7.2.1 Generierung der Stichprobe 63
7.2.2 Datenanalyse 64
8 Ergebnisse 65
8.1 Thematische Analyse: Themen der Sendungen 65
8.2 Allgemeine Analyse der Statements 67
8.3 Inhaltliche Analyse: Empfehlung weiterführender Maß
nahmen 71
8.4 Formale Analyse: Diskurstypus der Psychologen 78
9 Diskussion 86
9.1 Themen der Sendungen 86
9.2 Allgemeine Statementanalyse 89
9.3 Empfehlung weiterführender Maßnahmen 91
9.4 Diskurstypus der Psychologen 93
9.5 Diskussion weiterer Befunde, Kritik und Ausblick 96
10 Zusammenfassung 102
Literaturverzeichnis 105
Anhang
V
Abbildungsverzeichnis
Abbildung 1 : Verteilung der Mitglieder des BDP nach Sektionen
(BA, 2005 ) 10
Abbildung 2 : Image der Diplom-Psychologen in der Bevölkerung
(Sander, 1998 ) 14
Abbildung 3 : Kultivierungsansatz (Winterhoff-Spurk, 2004 ) 38
Abbildung 4 : Drei-Speicher System (Winterhoff-Spurk, 1989 ) 44
Abbildung 5 : Häufigkeitsverteilung der Sendungsthemen 66
Abbildung 6 : Häufigkeitsverteilung der Äußerungen in den Katego
rien zur Empfehlung weiterführender Maßnahmen 72
Abbildung 7 : Durchschnittliche Auftretenshäufigkeit von Äußerung
en in den Kategorien zur Empfehlung weiterführender
Maßnahmen (Vergleich der Psychologen) 74
Abbildung 8 : Durchschnittliche Auftretenshäufigkeit von Äußerung
en in den Kategorien zur Empfehlung weiterführender
Maßnahmen (Vergleich der Themenkategorien) 76
Abbildung 9 : Häufigkeitsverteilung der Äußerungen in den Katego
rien zum Diskurstypus 79
Abbildung 10 : Durchschnittliche Auftretenshäufigkeit von Äußerung
en in den Kategorien zum Diskurstypus (Vergleich der
Psychologen) 81
Abbildung 11 : Durchschnittliche Auftretenshäufigkeit von Äußerung
en in den Kategorien zum Diskurstypus (Vergleich der
Themenkategorien) 84
VI
Tabellenverzeichnis
Tabelle 1 : Kategorien zu den Themen der Sendungen 59
Tabelle 2 : Kategorien zur Empfehlung weiterführender Maßnahmen 60
Tabelle 3 : Kategorien zum Diskurstypus der Psychologen 62
Tabelle 4 : Psychologenstatements: Anzahl, Dauer, Wortzahl und
Sprechgeschwindigkeit Vergleich der Psychologen 68
Tabelle 5 : Psychologenstatements: Anzahl, Dauer, Wortzahl und
Sprechgeschwindigkeit Vergleich der Themenkategorien 68
Tabelle 6 : Durchschnittliche Auftretenshäufigkeit von Äußerungen
in den Kategorien zur Empfehlung weiterführender Maß
nahmen (Vergleich der Psychologen) 73
Tabelle 7 : Durchschnittliche Auftretenshäufigkeit von Äußerungen
in den Kategorien zur Empfehlung weiterführender Maß
nahmen (Vergleich der Themenkategorien) 75
Tabelle 8 : Durchschnittliche Auftretenshäufigkeit von Äußerungen
in den Kategorien zum Diskurstypus (Vergleich der Psy
chologen) 80
Tabelle 9 : Durchschnittliche Auftretenshäufigkeit von Äußerungen
in den Kategorien zum Diskurstypus (Vergleich der The
menkategorien) 83
APA American Psychological Association BA Bundesagentur für Arbeit BDP Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V. DAJEB Deutsche Arbeitsgemeinschaft für Jugend- und Eheberatung e.V. DGPs Deutsche Gesellschaft für Psychologie FSF Freiwillige Selbstkontrolle Fernsehen GfK Gesellschaft für Konsumforschung PKS-K Paarklimaskalen, Kurzversion VPRT Verband Privater Rundfunk und Telekommunikation
1
1 Einleitung
„Das grosse [...] Publikum sucht Wohlleben und Zeitvertreib [...]. Um ausnahmsweise einmal zur Belehrung zu lesen, wartet es zuvoerderst auf Brief und Siegel von denen, die es besser verstehen [...]“ (Schopenhauer, 1851/1965, S. 567). Dieses Zitat trifft heute nur noch bedingt zu. Denn Belehrung und Anleitung werden heute nicht mehr nur ausnahmsweise, sondern häufig gesucht. Gleichwohl vertraut das Publikum dabei auch in der heutigen Zeit auf Expertenaussagen (Westerhoff, 2005). So werden Stellungnahmen von Psychologen gesellschaftlich verstärkt gewünscht und gefordert. Eine Konsequenz hieraus ist, dass Vertreter der Profession Psychologie in der Talkshow, die im Rahmen der vorliegenden Diplomarbeit betrachtet wird, mittlerweile zu einer festen Institution geworden sind. Dass damit Bedürfnisse und Wünsche der Zuschauer nach Orientierung aufgegriffen werden, wird auch an der Resonanz deutlich, die die Psychologen in Form von Briefen, Anrufen und Anfragen nach Hilfestellung verschiedenster Art (von einem persönlichen Gespräch bis zur konkreten Bitte um Therapie) erreicht. Gleichzeitig ist jedoch durchaus kritisch zu betrachten, dass das Setting einer Talkshow nicht den Rahmenbedingungen professionellen psychologischen oder gar therapeutischen Handelns entspricht - man denke hier nur an die extreme Zeitbegrenzung. So stellen etwa Rietz und Wahl (2001) fest, dass Psychologen, die als Experten in Talkshows zu Gast sind, kurze Statements abgeben, die allenfalls mit den hobbypsychologischen Stellungnahmen des Publikums zu vergleichen sind. So wird der Eindruck erweckt, die Psychologen hätten bezüglich der angesprochenen Themen und Probleme nur das beizutragen, was ohnehin allgemein bekannt ist. Aufgrund der Kürze der Zeit sind die Psychologen gleichsam gezwungen, ihre Aussagen sehr deutlich und teilweise drastisch zu formulieren. Viele Personen haben keinen persönlichen Kontakt zu Psychologen (Sander, 1998). Dennoch haben sie eine Meinung, was
2
diesen Berufsstand betrifft, und man kann davon ausgehen, dass diese Einstellung zu einem Großteil über die Massenmedien aufgebaut wird (Romppel, 1999). In diesem Sinne ist es interessant, näher zu beleuchten, welches Bild des (typischen) Psychologen über das Medium Fernsehen transportiert wird. Grundlage einer solchen Wirkungsforschung ist immer eine Inhaltsanalyse des entsprechenden Materials (Winterhoff-Spurk, 2004). Hierzu soll durch die vorliegende Diplomarbeit ein Beitrag geleistet werden. Im zweiten Kapitel werden zunächst Rolle und Präsenz der Psychologie und ihrer Vertreter in den Medien beleuchtet. Ebenso wird das reale Berufsbild und das Image der Psychologie bzw. der Psychologen in der Bevölkerung dargestellt. Anschließend werden in Kapitel 3 das dem Affektfernsehen zugehörige Genre Talkshow und dessen Rezipienten näher beschrieben. In Kapitel 4 folgt ein Blick auf die Kultivierungsforschung, in deren Tradition die vorliegende Diplomarbeit eingebunden ist. Kapitel 5 widmet sich dann speziell der Talkshow, der die Psychologen-Statements entnommen wurden, die Gegenstand der Inhaltsanalyse sind. Der Prozess eben dieser Inhaltsanalyse, also sowohl Entwicklung als auch Anwendung des Kategoriensystems, wirdnach einer Erläuterung der
Hypothesenableitungen in Kapitel 6 - in Kapitel 7 beschrieben. Hiernach erfolgt in Kapitel 8 die Darstellung der Ergebnisse der Inhaltsanalyse, die dann in Kapitel 9 diskutiert werden. Eine Zusammenfassung aller wesentlichen Aspekte bildet schließlich den Abschluss der vorliegenden Diplomarbeit.
3
2 Psychologie als Profession
2.1 Psychologen in den Medien
Die Psychologie ist mit ihren Themen und Berufs-Vertretern in immer stärkerem Maße in allen Medien - Zeitung, Rundfunk und Fernsehenpräsent. Es geht dabei um Themen, die alle Menschen betreffen und zu denen jeder eine persönliche Erfahrung oder seine Sichtweise beitragen kann. Doch gerade diese „Vertrautheit“ macht es psychologischen Experten nicht leicht, ihre Themen der Öffentlichkeit zu vermitteln (Westerhoff, 2005). Die Grenzen zwischen der wissenschaftlichen Psychologie und der „Alltags-Psychologie“ verschwimmen. Die Folge davon ist ein Dilemma. Denn gerade weil die Psychologie etwas so Alltägliches ist und in allen Medien implizit vorkommt, ist es besonders schwer, ihre wissenschaftliche Seite einem breiten Publikum fundiert zugänglich zu machen (Trepte, Reinecke & Bruns, in Druck; Westerhoff, 2005). Viele psychologische Begriffe haben Eingang in die Alltagssprache gefunden. „Ödipuskomplex“, „Angst“ oder „Depression“ sind Worte, die scheinbar Allgemeingut sind und ganz selbstverständlich in den Mund genommen werden. Doch der Bedeutungshorizont, der hinter den Begriffen steht, wenn sie im fachlichen Sinne von Psychologen gebraucht werden, ist dem Laienzumindest in seiner Komplexität - nicht bekannt (Westerhoff, 2005). Hinzu kommt, dass psychologische Erkenntnisse oftmals banal erscheinen - das lässt ihre Erwähnung dann als überflüssig anmuten. Oder sie stehen konträr zur Alltags-Intuition - dann ist ihre Vermittlung umso schwieriger, denn vermeintlich kann es nur „eine Wahrheit“ geben. Doch „[...] was sich logisch ausschließt, schließt sich häufig psychologisch ein.“ (Thomann & Schulz von Thun, 2006, S. 86). Kliche, Rietz und Wahl (1999) nennen konkret drei Dilemmata der Psychologie und ihrer Vertreter in den Medien: (a) Banalität vs. Wissenschaftlichkeit, (b) Rezeptartige Kontrollillusionen vs.
Differenzierung und Ambiguitätstoleranz und (c) Kulturelle Modelle vs. individuelle Beziehung. Den Autoren zufolge bestimmen diese
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spezifischen Dilemmata die gesellschaftliche Stellung und die soziale Repräsentation der Psychologie.
Auch wenn psychologische Aspekte vermehrt in Fernseh-, Print-und Hörfunkformaten thematisiert werden, ist in der medialen Berichterstattung eine Verengung des Faches auf den klinischtherapeutischen Bereich festzustellen. Dies macht es für Rezipienten nahezu unmöglich, umfassende und realistische Eindrücke vom Forschungsfeld Psychologie zu erhalten (Böhme-Dürr & Grube, 1989; Westerhoff, 2005).
Westerhoff (2005) weist darauf hin, dass als ein wesentliches Bestimmungsmerkmal einer Profession das ihr entgegengebrachte gesellschaftliche Vertrauen gelten kann. Er konstatiert, dass die Art und Weise, in der eine Profession ihre Erkenntnisse und ihr Wissen medial kommuniziert, dieses Vertrauen maßgeblich mitbestimmt. Die - leider oftmals berechtigte - Sorge, dass ihre Aussagen entweder verkürzt und ungenau oder aber übertrieben dargestellt und interpretiert werden, führt zu einer gewissen Scheu der Psychologen vor einer Zusammenarbeit mit Medienvertretern. Hinzu kommt die Angst, durch Medienauftritte innerhalb der sogenannten „scientific community“ an Reputation und Glaubwürdigkeit zu verlieren (Canter & Breakwell, 1986).
Dennoch bietet die Medienpräsenz den Psychologen auch die Chance, fachliche Erkenntnisse und nicht zuletzt den eigenen Beruf einer breiten Masse vorzustellen. Von den Vertretern des Faches wird das wachsende Interesse an psychologischen Themen durchaus positiv bewertet (Foppa, 1989). So findet auch Abele (1990) bei einer Umfrage unter Forschern und Professoren im Bereich Psychologie, dass im Allgemeinen gute Pressekontakte bestehen. Probleme lokalisiert er vorwiegend dort, wo in der Zusammenarbeit schlechte Forscher auf schlechte Journalisten treffen.
Das Verhältnis zwischen Psychologen und Medienvertretern ist also insgesamt ein ambivalentes, da beide Seiten zwar von einer Kooperation profitieren (können), jedoch auch Kompromisse und Zugeständnisse eingegangen werden müssen.
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Die Zunahme psychologischer Themen und damit auch die Einbindung hierin versierter Fachkräfte ist sicherlich für alle Massenmedien zu konstatieren. Für die vorliegende Diplomarbeit sind die Zeitungen, das Radio oder das Internet in diesem Zusammenhang jedoch nicht weiter von Bedeutung. Daher wird im Folgenden konkret das Medium Fernsehen im Hinblick auf Präsenz und Rolle von Psychologen einer näheren Betrachtung unterzogen.
2.1.1 Psychologen im Fernsehen
Im Fernsehen ausgestrahlte Beiträge können danach unterschieden werden, ob sie fiktional (z.B. Spiel- oder Zeichentrickfilme, Seifenopern, etc.) oder nicht fiktional (z.B. Game- oder Talkshows, Wissensmagazine, Dokumentationen, etc.) sind. Nachstehend wird nur auf nicht fiktionale Formate Bezug genommen, da fiktionale Formate für diese Arbeit wenig relevant sind und an anderer Stelle (Pies, 2001; Schneider, 1977, 1987; Wahl, 1995) bereits ausreichend thematisiert wurden.
Das Ausmaß psychologischer Berichterstattung im deutschen Fernsehen ist wissenschaftlich bis dato kaum betrachtet worden. So weisen etwa Trepte et al. (in Druck) darauf hin, dass bislang keine Inhaltsanalysen speziell zu diesem Thema existieren, die sich auf die hiesige Medienlandschaft beziehen. Es ist aber zu beobachten, dass Psychologen zu nahezu jedem Thema um eine Erklärung oder Stellungnahme gebeten werden - sei es die Frage nach geschlechtsspezifischem Verhalten, dem Umgang mit tatsächlichen oder vermeintlichen Katastrophen oder nach dem Grund für einen Anstieg der Kriminalitätsrate. Oft wird auch das Verhalten eines bestimmten Prominenten zum Anlass genommen, dessen gesamte Persönlichkeit von Psychologen analysieren zu lassen. Und nicht zuletzt sind allgemeine „Lebenstipps“ von Psychologen schmückendes Beiwerk in vielen Service-Sendungen und Boulevardmagazinen. In diesem Zusammenhang sind auch Talkshows anzuführen, in denen Psychologen als Experten eingeladen sind und Statements zu den
6
auftretenden Gästen abgeben (Jaeggi & Möller, 1997). Zimmerman (1983) stellt die folgenden unterschiedlichen Rollen heraus, die Psychologen bei ihrer TV-Arbeit einnehmen können:
- Als Berater informieren sie hinter der Kamera über aktuelle Forschungsergebnisse.
- In der Rolle des Experten oder des Interviewten kommentieren sie vor der Kamera Themen, die ihrer Qualifikation und Profession entsprechen bzw. ordnen diese Themen kritisch ein.
- Als Interviewer führen sie Diskussionen mit anderen und greifen dabei auf Gesprächstechniken aus der psychologischen Praxis zurück.
- In der Rolle von Produzenten oder Reportern schließlich verfassen sie eigenständig Beiträge auf der Grundlage ihres fachlichen Wissens. Über die Rolle der Experten speziell in Daytime Talkshows finden sich, zumindest was die Forschung in Deutschland betrifft, bislang kaum explizite Befunde. Sie werden in der einschlägigen Literatur - wenn überhaupt - meist nur am Rande erwähnt. So konstatieren etwa Mikos (1998a), Schilcher (1996) und Semeria (1999) lediglich ihre Existenz und bescheinigen den Experten, eine untergeordnete Rolle zu spielen. Hierbei verweist Semeria (1999) darauf, dass Experten in den USA wesentlich häufiger in Talkshows eingebunden werden als in Deutschland. Trepte et al. (in Druck) benennen das Problem, dass die Experten, die sich in Daytime Talkshows zu psychologischen Belangen äußern, häufig keine adäquate psychologische Ausbildung absolviert haben. Bente und Fromm (1997) widmen sich dem Thema der Talkshow-Experten etwas eingehender, indem sie zeitliche Bildschirmpräsenz und Verbalaktivität von Talkgästen, Moderatoren und Experten vergleichen. Auch sie finden in diesem Zusammenhang eine eher nebensächliche Rolle der Experten. Einzig Trepte (2002) weist den Experten eine Schlüsselrolle im Hinblick auf die Möglichkeit zu, die Talkshow als eine Form der Therapie zu etablieren, da sie qua Profession als hierzu befähigt angesehen werden.
Hier ist anzumerken, dass eine Talkshow niemals das Äquivalent einer lege artis durchgeführten realen Therapie oder Beratung sein
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kann, auch wenn sie aufgrund ihrer formalen und inhaltlichen Gestaltung als solche begriffen wird (Trepte et al., in Druck). Die Beispiele, die zeigen, dass die Talk-Psychologie enorm von der therapeutischen Psychologie abweicht, sind zahlreich. Man denke nur an die Kürze der Zeit, den fehlenden Beziehungsaufbau zwischen „Klienten“ und Psychologen oder die allgemeine öffentliche Situation mit einem großen Publikum. Mit dem geschützten Raum einer Therapie bzw. psychologischen Beratung ist dies nicht zu vergleichen. So sollten sich Psychologen vielmehr der Bedingungen bewusst sein, unter denen sie mit massenmedialer Hilfe ihren Berufsstand und das Fach Psychologie als solches vertreten (Trepte et al., in Druck). Denn ganz gleich, welches Berufsbild im Fernsehen dargestellt wird, es muss sich den Anforderungen des Formates unterwerfen. Der Tatsache, dass hiervon im Falle der Psychologen auch ethische Aspekte berührt werden, wurde inzwischen Rechnung getragen. In Anlehnung an den “Code of conduct” der Fachgruppe “Media Psychology” der APA (American Psychological Association) wurden auch in Deutschland von den Fachgesellschaften ethische Standards und Hinweise zum Umgang der Psychologen mit den Massenmedien formuliert. So empfehlen die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs) und der Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V. (BDP) folgenden - sehr allgemein gehaltenen -Verhaltenskodex (DGPs, 1998):
- Stellungnahmen und Ratschläge sollen auf gesichertem, fachlichem Wissen und anerkannter psychologischer Praxis beruhen.
- Aussagen sind auf die sachliche Ebene zu beschränken, und Werbung für eigene Belange der Psychologen ist zu unterlassen.
- Die Aussagen der Psychologen sollen den Rezipienten nicht suggerieren, dass eine persönliche Beziehung zwischen ihnen und den Psychologen besteht.
Die Einhaltung dieser Empfehlungen wird bisher nicht institutionell eigeninitiativ kontrolliert, obgleich dies seit langem gefordert wird. Wohl aber können grobe Verstöße den Fachgesellschaften angezeigt werden, woraufhin eine Überprüfung erfolgt (Trepte et al., in Druck).
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Das immer stärker aufkeimende und sich haltende Interesse an psychologischen Themen und Sachverhalten ist ein zweischneidiges Schwert. Einerseits ist es wünschenswert, wenn Psychologen Erklärungen anbieten und Antworten geben auf Fragen, die die Öffentlichkeit bewegen (Jaeggi & Möller, 1997). Solche fachlichen Hinweise werden durchaus zu Recht gefordert. Bei dem Bemühen, diesen Forderungen gerecht zu werden, sehen sich die im Fernsehen tätigen Psychologen andererseits einigen Schwierigkeiten gegenüber. Von ihnen wird eine schnelle Problemlösung erwartet und für ausgiebige Erklärungen und Hintergrundinformationen bleibt häufig keine Zeit. Journalisten und Moderatoren werden bei Erreichen eines gewissen Tiefgangs schnell ungeduldig und lenken ab. Als Konsequenz hieraus mutet die durch das Fernsehen vermittelte Psychologie allenfalls wie die schnelle Verordnung eines Medikaments an (Jaeggi & Möller, 1997). Durch diese verkürzte Darstellung wird die Entstehung von Vorurteilen begünstigt und es entsteht der Eindruck, Psychologie habe über den „gesunden Menschenverstand“ nur wenig Brauchbares beizutragen (Kliche et al., 1999). Um solchen Problemen angemessen begegnen zu können, schlagen Trepte et al. (in Druck) unter anderem vor, dass Psychologen in den Medien ihr Kommunikationsverhalten und den Inhalt des Gesagten an die gegebenen medialen Umstände anpassen. Hierzu gehört den Autoren zufolge auch, dass sie ihre Ziele - etwa Verweise auf Hilfe leistende Institutionen - mit den Vertretern der Massenmedien aushandeln, um zufriedenstellende Ergebnisse ihrer Arbeit zu erzielen. Mit dem Kommunikationsverhalten von (unter anderem) psychologischen Experten in amerikanischen Daytime Talkshows befasst sich Seifried (1999). Sie untersucht jeweils drei Sendungen der Talkshows „Rolonda“ und „Oprah Winfrey“ hinsichtlich des Sprachstils, den die Experten im Gespräch mit den Talkgästen pflegen. Hierbei unterscheidet sie - in Anlehnung an Foucault - zwischen diskursiven Strategien der Objektivierung und solchen der Subjektivierung. Die Autorin kommt zu dem Ergebnis, dass die Experten-Diskurse in den beiden Showreihen unterschiedlich strukturiert sind. In den Rolonda-
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Sendungen artikuliert sich die durch den Psychologen stattfindende Beratung der Talkgäste als Pflicht des Subjekts zur Übernahme von Normen und zum dressurähnlichen Einüben eines vom Experten als richtig erachteten Verhaltens. Hier werden also vorwiegend Strategien der Objektivierung des Talkgastes angewendet. Die Winfrey-Sendungen dagegen zeichnen sich dadurch aus, dass der Expertendiskurs von Subjektivierungsstrategien geprägt ist. Hier zeigt sich Beratung als zur Selbsthilfe ermächtigender Informationszuwachs. Welcher Diskurstypus bei den Psychologen der Talkshow überwiegt, die Gegenstand der vorliegenden Diplomarbeit ist, wird im Rahmen der später dargestellten Inhaltsanalyse überprüft.
2.2 Psychologen in der Realität
Nachdem Präsenz und Rolle von Psychologen in den Medien beleuchtet wurden, sollen nun das reale Berufsbild und die in der Öffentlichkeit vorherrschende Meinung über Psychologen näher betrachtet werden.
2.2.1 Berufsbild
Psychologen betätigen sich in vielfältigen Berufsfeldern und Arbeitsbereichen. Hierzu gehören (a) Arbeits-und
Organisationspsychologie, (b) Forensische und Rechtspsychologie, (c) Forschung und Lehre, (d) Klinische Psychologie und Psychotherapie, (e) Markt- und Meinungsforschung sowie Kommunikations- und Medienpsychologie, (f) Pädagogische Psychologie, (g)
Verkehrspsychologie und (h) weitere, neuere Bereiche wie Gesundheits-, Sport-, Freizeit- und Umweltpsychologie (BA, 2005; DGPs, 2007). Sie erbringen damit für die gesellschaftlichen Aufgabenfelder Gesundheit, Erziehung und Bildung, Arbeitswelt und Kultur professionelle Dienstleistungen (BDP, 2007a). Die Arbeitsmarkt-Information der Bundesagentur für Arbeit (BA) beziffert die Zahl der erwerbstätigen Psychologen in Deutschland auf
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43.000 bis 48.000 (BA, 2005). Ca. 70% der Psychologen sind Frauen. Die Zahl der Erwerbstätigen hat sich in den letzten 10 Jahren mehr als verdoppelt. Der Anteil der Teilzeitbeschäftigten ist stark angestiegen und wird auf über 50 % geschätzt. Abbildung 1 zeigt die Verteilung der Mitglieder des BDP auf die einzelnen Sektionen im Jahr 2004. Rund ein Viertel aller berufstätigen Psychologen ist im BDP organisiert, so dass die Zahlen Rückschlüsse auf die Schwerpunkte der Berufstätigkeit zulassen.
Abbildung 1: Verteilung der Mitglieder des BDP nach Sektionen (BA, 2005)
Hierbei ist anzumerken, dass es je nach Interessenlage des jeweiligen Psychologen und dessen individuellen Tätigkeitsanforderungen und Arbeitszusammenhängen auch Doppelmitgliedschaften gibt. Da ein Teil der freiberuflichen sowie der angestellten und beamteten Psychologen auch im klinischen Bereich tätig ist, wird deutlich, dass der Großteil der berufstätigen Psychologen im klinischen Bereich arbeitet. Diesem Tätigkeitsbereich kommt also als Berufsfeld die größte Bedeutung zu (BA, 2005).
Die Arbeit von Psychologen in Beratungsstellen - ebenfalls dem klinischen Bereich zuzurechnen - ist für die vorliegende Diplomarbeit von besonderer Bedeutung, da diese Tätigkeit Parallelen mit der Arbeit
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von Psychologen in Talkshows aufweist. Daher wird das Tätigkeitsfeld der psychologischen Beratung nachfolgend eingehender beschrieben. Die Fach- und berufspolitischen Leitsätze des BDP zur Psychologischen Beratung (BDP, 2000) definieren diese als einen wechselseitigen Prozess zwischen Personen bzw. Gruppen, der psychische Kompetenz und Handlungskompetenz fördert, vorhandene Ressourcen aktiviert bzw. neue Ressourcen erschließt und störende Faktoren abbaut. Hierzu werden Methoden eingesetzt, die auf den Kenntnissen der wissenschaftlichen Psychologie beruhen. Den Leitsätzen nach kann psychologische Beratung ausschließlich von Psychologen durchgeführt werden, da nur sie über entsprechende wissenschaftliche und berufliche Kompetenzen verfügen. Hierzu ist anzumerken, dass die Berufsbezeichnung „Psychologischer Berater“ nicht geschützt ist. So kann sich - unabhängig von der Ausbildungjeder als „Psychologischer Berater“ bezeichnen. Die Berufsbezeichnung „Diplom-Psychologe“ oder „Psychologe“ ist demgegenüber gesetzlich geschützt und impliziert eine festgelegte, mit bestimmten Standards versehene, universitäre Ausbildung (BDP, 2007b). Den Großteil der insgesamt ca. 2500 Beratungsstellen in Deutschland bilden die ca. 1650 Beratungsstellen für Kinder und Jugendliche bzw. Eltern und Familien, in denen Diplom-Psychologen die größte einheitliche Berufsgruppe darstellen (BDP, 2006). Sie sind wie alle Psychologen den Ethischen Richtlinien der DGPs und des BDP (DGPs, 1998) verpflichtet. Diese fordern unter anderem auf zu
- ständiger Fortbildung,
- kollegialer Zusammenarbeit mit Fachkräften anderer Berufsgruppen,
- Reflexion bzw. Supervision der Arbeit,
- beruflicher Verschwiegenheit und
- klarer Abgrenzung der Verantwortlichkeiten, insbesondere bei psychologischen Stellungnahmen nach außen.
Für die psychosozialen Beratungsstellen besteht ein Vernetzungs- und Koordinationsauftrag mit ihrem institutionellen Umfeld (Böckelmann, 2003). Das konkrete Tätigkeitsfeld der psychologischen Beratung schließt Informationen über psychische und soziale Dynamiken ein
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sowie Motivation zur (a) Weiterführung der Beratung in der eigenen oder einer anderen Einrichtung, (b) Einleitung einer externen Psychotherapie oder (c) Aufnahme einer anderweitigen Behandlung (BDP, 2006).
Nach dieser Betrachtung des realen Berufsbildes des Psychologen - mit besonderem Blick auf die psychologische Beratung
- soll nun das Image von Psychologen in der Bevölkerung dargestellt werden.
2.2.2 Image
Eine breit angelegte, repräsentative Befragung bezüglich des Image der Diplom-Psychologen in der Bundesrepublik (Sander, 1998) mit 2597 Teilnehmern kommt zu folgenden Ergebnissen:
- 81 % der Befragten haben noch nie persönlich Kontakt zu Psychologen gehabt.
- Bei den Personen mit Psychologen-Kontakt zeigt sich, dass dieser Kontakt als umso erfolgreicher eingestuft wird, je häufiger er stattfindet.
- Ca. zwei Drittel der Befragten interessieren sich kaum oder überhaupt nicht für das Thema Psychologie. Bei den Frauen ist das Interesse größer als bei den Männern (41 % vs. 33 %). Außerdem gilt, dass das Interesse mit steigender Schulbildung wächst: 73 % der Abiturienten, aber nur 24 % der Hauptschulabgänger schenken der Psychologie Beachtung.
- Nur etwa jeder zweite Befragte hält den Beruf des Psychologen für bedeutsam. Jedoch wird seine Bedeutsamkeit von 77 % derjenigen, die Kontakt zu Psychologen haben, als groß bzw. sehr groß eingeschätzt.
- Vor allem für psychopathologische, psychotherapeutische und forensische Tätigkeitsbereiche wird von den Befragten die Mitarbeit von Psychologen als wichtig und bedeutsam angesehen. Als nicht so wichtig bzw. unwichtig beurteilt ein Großteil der Befragten die Arbeit der Psychologen vor allem in den Bereichen Umweltschutz, Arbeitsschutz, Organisationsentwicklung und Marktforschung. Für alle Arbeitsbereiche
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zeigt sich jedoch, dass die Mitwirkung von Psychologen als umso bedeutsamer eingestuft wird, je mehr man Kontakt zu Psychologen hat.
- Bei 6 von 14 erfassten Image-Dimensionen fielen die Urteile indifferent aus. Hier waren die Befragten vor allem unsicher in der Beurteilung der folgenden Items: Psychologen (a) nehmen oft sehr kompetent Stellung zum aktuellen Zeitgeschehen, (b) genießen in der Bevölkerung ein hohes Ansehen, (c) sind in der Lage, ganz praktische Hilfe bei Lebensproblemen zu leisten und (d) wissen oft selbst nicht so genau, wie sie anderen helfen können.
- Ein positives Image wurde den Psychologen auf 6 Dimensionen bescheinigt. Demnach gilt, Psychologen (a) haben eine fundierte wissenschaftliche Hochschulausbildung, (b) sind keine Scharlatane und Quacksalber, (c) haben nicht Psychologie studiert, weil sie selbst Probleme haben, (d) sind echte Fachleute auf ihrem Gebiet, (e) haben wirksame Methoden und Verfahren, um Menschen helfen zu können und sind (f) nicht überflüssig, da ein guter Freund nicht den Psychologen ersetzt.
- Bei zwei Dimensionen fiel das Psychologen-Image negativ aus. Hier sind viele Befragte (39 %) zum einen der Meinung, dass Psychologen sich meist so kompliziert ausdrücken, dass man sie kaum versteht. Zum anderen gibt ein Großteil der Befragten (43 %) an, bei Problemen nicht einen Psychologen um Rat fragen zu wollen. Insgesamt belegt die Studie, dass das Image von Psychologen in der Öffentlichkeit kein sehr schlechtes ist. Bemerkenswert ist vor allem der Befund, der sich ergibt, wenn die Variable Kontakthäufigkeit kontrolliert wird. Hier zeigt sich, dass - wie Abbildung 1 verdeutlicht - auf allen erhobenen Image-Dimensionen die Beurteilung umso positiver ausfällt, je mehr Kontakt zur Berufsgruppe der Psychologen besteht. Offensichtlich wirkt sich also vermehrter Kontakt zwischen Bevölkerung und Psychologen derart aus, dass Hemmschwellen und Vorbehalte seitens der Bevölkerung abgebaut werden und das Vertrauen in den Berufsstand gesteigert wird. Dies führt dann auch zu einer erhöhten Bereitschaft, sich bei eigenen Problemen an einen Psychologen zu
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wenden und dessen professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen.
Abbildung 2: Image der Diplom-Psychologen in der Bevölkerung (Sander, 1998)
Hieraus folgt für Sander (1998) die Aufforderung an die Psychologen, die Kontakte zur Bevölkerung zu intensivieren und so das öffentliche Ansehen der Profession zu verbessern. Rompell (1999) findet in einer Internetbefragung mit 271 Teilnehmern folgende Ergebnisse bezüglich des Psychologen-Image:
- Den Psychologen wird eine hohe Kompetenz - vor allem im klinischen Bereich - zugesprochen.
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- Im persönlichen Kontakt mit Psychologen bestehen bei vielen Befragten Vorbehalte bzw. sie fühlen sich in Anwesenheit von Psychologen unsicher und sind der Meinung, Psychologen hätten selbst einen „Tick“.
- Im Hinblick auf die berufliche Tätigkeit der Psychologen werden von den meisten Befragten klinisch-therapeutische Anwendungsfelder genannt.
- Die Abgrenzung von Psychologen zu benachbarten Berufsgruppen (etwa Psychiater oder Psychotherapeut) gelingt den Befragten nur unzureichend.
- Die Assoziationen der Befragten zum Stichwort „Psychologisches Experiment“ sind vorwiegend negativ und inhaltlich behavioristisch geprägt. Psychoanalytische Ansätze spielen dagegen nur vereinzelt eine Rolle.
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass für die Psychologie vor allem eine Korrektur der gefundenen Überzeugungen in Richtung einer differenzierteren und realistischeren Sichtweise notwendig sei. Zu dieser Studie ist jedoch kritisch anzumerken, dass sie nicht repräsentativ ist, da die Stichprobe im Hinblick auf Alter, Bildung und Geschlecht der Teilnehmer nicht der Durchschnittsbevölkerung entspricht.
Eine Internetbefragung von Wahl und Rietz (1999) untersucht bezüglich des Psychologen-Image in Deutschland das Selbstbild der Psychologen (Selbstbild), das von den Psychologen vermutete Fremdbild der Bevölkerung von Psychologen (vermutetes Fremdbild) und das tatsächliche Bild, das sich Nicht-Psychologen von Psychologen machen (Fremdbild). Die Auswertung der von 96 Psychologen und 202 Nicht-Psychologen ausgefüllten Fragebögen ergab Folgendes:
- Bei 22 von 32 Items fiel das Selbstbild besser aus als das Fremdbild. Nur die Items „Psychologie ist ein Modestudium“ und „Die Beiträge von Psychologen und Psychologinnen in Fernsehsendungen sind wissenschaftlich fundiert“ zeigen im Fremdbild eine positivere Beurteilung als im Selbstbild.
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- Beim Vergleich des tatsächlichen mit dem vermuteten Fremdbild zeigt sich bei 28 Items, dass das tatsächliche Fremdbild deutlich positiver ist als das vermutete. Lediglich die Items „Die Beiträge von Psychologen und Psychologinnen in Fernsehsendungen sind wissenschaftlich fundiert“ und „Psychologen und Psychologinnen haben im Fernsehen nur wenig Hilfreiches anzubieten“ zeigen eine Beurteilung der Nicht-Psychologen, die negativer ausfällt als von den Psychologen erwartet.
- Der Vergleich zwischen Selbstbild und vermutetem Fremdbild zeigt bei 27 Items eine Selbsteinschätzung der Psychologen, die deutlich positiver ausfällt als das vermutete Fremdbild. Damit glauben die Psychologen zwar an eine negative Bewertung durch andere, sind aber gleichzeitig von der eigenen Kompetenz überzeugt. Eine Ausnahme hiervon stellen wiederum die Items bezüglich der Qualität psychologischer Beiträge im Fernsehen dar, bei denen die Psychologen eine bessere Einschätzung durch andere vermuten, als dies tatsächlich der Fall ist.
Nach dieser Studie ist also die Befürchtung der Psychologen, von der Öffentlichkeit als sehr negativ eingeschätzt zu werden, insgesamt unbegründet. Die Autorinnen nennen als wichtigsten Zielfaktor für eine Imagekorrektur die Überwindung der Kluft zwischen Selbsteinschätzung und vermuteter Fremdeinschätzung. Eine repräsentative Meinungsumfrage in Basel „zum Bild des Psychologen in der Bevölkerung“ mit 412 Teilnehmern von Perrig-Chiello und Perrig (1992) kommt zu folgenden Ergebnissen:
- Ca. ein Drittel der Befragten hat schon einmal psychologische Hilfe in Anspruch genommen. Hierbei machten 61 % sehr gute und gute Erfahrungen im Kontakt mit Psychologen, 21 % mittelmäßige und bei 14 % fielen die Erfahrungen negativ aus.
- 61 % der Befragten sind der Ansicht, man würde sich schämen, wenn man die Inanspruchnahme psychologischer Hilfe vor anderen zugibt.
- Die gesellschaftliche Bedeutung der Psychologie wird von 86 % der Befragten anerkannt, und 43 % haben sehr großes Interesse an diesem Fach.
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- Bezüglich des Berufs-Image rangieren die Psychologen im Mittelfeld, hinter Ärzten und Lehrern, aber vor Polizisten und Bankangestellten.
- Das Arbeitsfeld des Psychologen sehen 29 % der Befragten vorwiegend im betriebspsychologischen Bereich. Ähnliche
Prozentwerte ergeben sich für die Klinische Psychologie (27 %) und Schule bzw. Erziehungs- und Berufsberatung (26 %). Die Autoren fassen zusammen, dass der Ruf der Psychologie und ihrer Vertreter in der Bevölkerung recht gut ist und hohe Erwartungen in die Psychologie gesetzt werden. Dennoch bestehe in der Bevölkerung noch Informationsbedarf. Folgerichtig fordern die Autoren abschließend von Psychologen, die eigene - auch berufspolitische - Identität zu klären und sowohl Präsenz als auch Informationsbemühungen gegenüber der Bevölkerung zu steigern. Insgesamt zeigen die zitierten Studien, dass ein Großteil der Bevölkerung nicht über persönliche Erfahrungen im Kontakt zu Psychologen verfügt. Wenn ein solcher Kontakt besteht, wirkt er sich in den meisten Fällen jedoch deutlich positiv auf das Image der Psychologen aus. Bei Personen ohne Psychologen-Kontakt ist das Bild, das sie von dieser Berufsgruppe haben, in nahezu allen Aspekten negativer als bei Personen mit Psychologen-Kontakt. Die Abgrenzung des Psychologenberufes von benachbarten Berufsfeldern gelingt den Befragten allgemein nur vage bzw. unzureichend. Trotz der Tatsache, dass den Psychologen überwiegend fundierte Kompetenzen und Fähigkeiten - gerade im klinischen Bereich - zugestanden werden, ist insgesamt die Scheu der Bevölkerung, bei eigenen Problemen einen Psychologen um Rat zu fragen, groß. Ebenso zeigt sich eine gewisse Scham, die Inanspruchnahme psychologischer Hilfe vor anderen zuzugeben.
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3 Das Genre Talkshow als Affektfernsehen
3.1 Charakteristika und Definition des Genres
Es gibt in der deutschsprachigen Literatur recht heterogene Beschreibungen bzw. Definitionen des Genres Talkshow (Semeria, 1999). Hinzu kommt, dass es auch verschiedene Subgenres gibt, die jeweils zum Teil unterschiedliche Merkmale aufweisen. Eine erste - noch recht allgemeine - Definition der Talkshow nennen von Barloewen und Brandenberg (1975), die drei konstitutive Faktoren des Genres ausmachen: (a) Die Sendung hat Seriencharakter, (b) der Gastgeber ist die zentrale Figur und (c) das Gespräch in der Talkshow ist nicht sach-, sondern personenbezogen. Nach Bente und Fromm (1997) werden die Talkshows allgemein dem sogenannten Affektfernsehen zugerechnet, das sie durch die folgenden vier zentralen Merkmale charakterisieren: (a)
Personalisierung, (b) Authentizität, (c) Intimisierung und (d) Emotionalisierung. Personalisierung entsteht dadurch, dass die Darstellung ausschließlich um das Schicksal der unmittelbar betroffenen Einzelperson zentriert ist. Allgemeines tritt hinter Individuellem zurück und der Moderator schafft ein Klima der (scheinbaren) Vertrautheit und Verlässlichkeit. Authentizität wird erreicht, indem die Geschichten der nicht prominenten Personen entweder erzählt oder vor der Kamera nachgespielt werden, wobei der vorgetäuschte Live-Charakter der Sendung genau diese Authentizität unterstreicht. Intimisierung ist dadurch gegeben, dass sehr private persönliche Belange und Aspekte zwischenmenschlicher Beziehungen öffentlich verhandelt werden. Zur Emotionalisierung schließlich trägt bei, dass Gefühlen und Affekten der Gäste und emotionalen Aspekten der Erzählungen mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird als Mitteilungen auf der sachlichen Ebene. Teilweise werden die Talkgäste in besonders bewegten Momenten auch in Großaufnahme gezeigt. Fromm (1999) benennt zudem noch den alltagsnahen, persönlichen Kommunikationsstil, in dem die Gespräche geführt
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werden. Dadurch, dass die Zuschauer direkt angesprochen werden, der Gesprächspartner grundsätzlich geduzt wird und die Unterhaltung einen eher emotionalen Charakter hat, wird Vertrautheit suggeriert. Damit enthalten diese Gespräche (Pseudo-)Beziehungsangebote und Nähestrukturen. Eine Zunahme der Gefühlsbetonung im Fernsehen allgemein konstatiert auch Winterhoff-Spurk (2005), für den dieses Medium eher die Gefühle und Affekte als den Intellekt der Rezipienten anspricht.
Für Plake (2004) inszenieren Talkshows lebensweltliche Gespräche unter Showbedingungen und produzieren so eine Eigenwirklichkeit, da alles - vom Gesprächsinhalt bis zu den Emotionen
- einem festgelegten Kalkül folgt und damit künstlich ist. Fley (1997) postuliert als Definition der Talkshow eine Konzeption primär zweckfreier Gespräche, die zur selben Zeit am selben Ort stattfinden und mit gleichmäßiger Häufigkeit auftreten, wobei es zumindest für eine Gesprächsseite keine Restriktionen bezüglich ihrer Aussagen gibt.
Wie bereits erwähnt, kann das Genre Talkshow in verschiedene Klassen eingeteilt werden. So benennen Steinbrecher und Weiske (1992) folgende Subgenres:
- Der Promi-Talk ist die traditionellste Form der Talkshow und dreht sich vorwiegend um das an der Person orientierte Gespräch mit prominenten Gästen.
- Der Themen-Talk stellt ein bestimmtes, oft aktuelles Thema in den Mittelpunkt. Hier werden die - meist prominenten - Gäste vor allem ihrer Kompetenz wegen in die Sendung eingeladen.
- Der Portrait-Talk beschäftigt sich mit nur einem Gast und kann sowohl unterhaltenden als auch informativen Charakter haben.
- Beim Konfro-Talk geht es um emotional aufgeladene Streitgespräche zwischen - prominenten oder nicht prominenten - Gästen, die ein kontroverses Thema behandeln.
Winterhoff-Spurk (1999) fügt noch das Subgenre Problem-Talkshow hinzu, bei dem intime Probleme nicht prominenter Gäste unter Einbeziehung des Studiopublikums verhandelt werden.
Arbeit zitieren:
Diplom-Psychologin Irene Peters, 2007, Psychologen in der Talkshow , München, GRIN Verlag GmbH
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