Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG 3
2. VORBEMERKUNGEN 4
2.1. Ausgangssituation 4
2.2. Anfänge der Avantgardebewegung 5
2.3. Die tschechische Avantgardebewegung 6
2.4. Poetismus 7
3. VERBINDUNGEN ZU FRANKREICH 8
3.1. Personelle Verbindungen 8
3.2. Theoretische Grundlagen 9
3.3. Praktischer Teil: Nachweis von Ähnlichkeiten in den Werken 11
3.4. Surrealismus 12
4. SCHLUSSFOLGERUNG 14
LITERATURVERZEICHNIS 15
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1. Einleitung
Überall in Europa lassen sich in der Zeit zwischen den Weltkriegen bis 1921 in der Literatur avantgardistische Strömungen nachweisen, die durch die Ablehnung der literarischen Traditionen und den Versuch der Schaffung einer neuen Literatur gekennzeichnet sind. Diese Bewegungen hatten in den verschiedenen Ländern unterschiedliche Ausprägungen und Präferenzen. Wie oft bei der Entstehung neuer künstlerischer Tendenzen, kommt Frankreich eine besondere Rolle in der Vorbereitung und Entwicklung der Avantgarde zu. Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel, Parallelen zwischen der tschechischen und der französischen Avantgardebewegung aufzuzeigen und so den französischen Einfluss auf die tschechische Avantgarde zu verdeutlichen. Es handelt sich hierbei also in erster Linie um eine geistesgeschichtliche Betrachtung, bei der der zur damaligen Zeit vorherrschende Zeitgeist, nämlich die Avantgarde, in ihren theoretischen Grundlagen erörtert und dann anhand zweier seiner regionalen Ausprägungen verdeutlicht wird.
Nachdem im ersten Teil der Arbeit zunächst der geschichtliche Hintergrund sowie die Entstehungsgeschichte der tschechischen und französischen Avantgardebewegungen kurz umrissen werden, werden im praktischen Teil die Verbindungen zwischen den beiden Strömungen untersucht. Hierbei werden zunächst Aussagen über die personelle Verbundenheit der tschechischen und französischen Gesellschaft in jener Zeit gemacht, anschließend Parallelen in den theoretischen Manifesten der Kunst jener Zeit aufgezeigt. Anschließend werden auch anhand einzelner Vergleichen zwischen Werken französischer und tschechischer Dichter die Parallelen aufgezeigt. Anschließend wird gezeigt, dass in Tschechien die von Frankreich übernommene Avantgardeliteratur weiterentwickelt, was sich im Poetismus und einer schrittweisen Rückkehr zur bürgerlich geprägten Literatur zeigt. Besondere Berücksichtigung findet in dieser Arbeit der von Apollinaire verfasste Gedichtband „Alcools“, der 1919 von Karel Čapek ins Tschechische übersetzt wurde und somit ein Grunddokument für die Auseinandersetzung der tschechischen Künstler mit der französischen Dichtung darstellt. Das Gedicht „Zone“ aus diesem Gedichtband fand in Tschechien besondere Beachtung und wurde zum Grundstein für eine ganze Reihe von Gedichten, die „Pásmo-Lyrik“.
Für den literaturgeschichtlichen Teil habe ich die Arbeiten von Peter Drews, insbesondere dessen Arbeit „Die slawische Avantgarde“ herangezogen, sowie die „Geschichte der tschechischen Literatur“ von Antonín Měšt’an. Da mir auch die französische Sicht auf die
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Entwicklung der Avantgarde wichtig erscheint, beziehe ich mich ebenfalls auf die „Histoire de la littérature tchèque“ von H. Voisine-Jechova. In der Schlussbemerkung sollen mögliche Gründe für Differenzen und Gemeinsamkeiten zwischen den beiden Entwicklungen aufgezeigt werden.
2. Vorbemerkungen
Im Folgenden soll kurz die historische Situation zu Beginn der Avantgardezeit erläutert werden, da sie einen großen Einfluss auf das Entstehen der neuen Literaturströmung hatte. Weiterhin werde ich kurz den geschichtlichen Ablauf sowie die wesentlichen Inhalte der Avantgardebewegung darstellen, wobei ich auf den Poetismus als besonderen Abschnitt der tschechischen Avantgarde in einem gesonderten Absatz eingehe.
2.1. Ausgangssituation
Mit dem Ende des I. Weltkrieges und der damit verbundenen Neuordnung Europas sah man sich in den europäischen Staaten an der Schwelle zu einer neuen Epoche. Die politische Landkarte war neu gezeichnet worden, Völker wie Tschechien und Polen, die seit Jahrhunderten für einen eigenen Staat gekämpft hatten, hatten diesen endlich erhalten. Auch in den vorherigen Weltmächten Deutschland und Russland kam es zu politischen Umbrüchen und Neuanfängen. Gleichzeitig lagen weite Teile Europas in Trümmern und mussten neu aufgebaut werden.
In Tschechien war die erste Tschechoslowakische Republik unter Präsident Masaryk gegründet worden, auch die französische Gesellschaft sah sich durch den Wiederaufbau nach dem Krieg und die neue veränderte Stellung in Europa vor einer Epochenschwelle. Gleichzeitig führten die zunehmende Industrialisierung und Automatisierung zu vielen Veränderung in der alltäglichen Lebenswelt der Menschen. Das Vertrauen in die Zukunft war gewachsen, und gleichzeitig war das Bewusstsein vorhanden, dass soziale Veränderungen den arbeitsweltlichen folgen müssten. Auch in der Kunst sah man sich am Beginn einer neuen Epoche: wenn es auch schon vor dem Krieg kleinere Gruppierungen gegeben hatte, die für eine Neudefinierung der geltenden Maßstäbe eingetreten war, so war nun auch objektiv der Neuanfang gegeben. Unter den neuen Bedingungen war bei den Künstlern das Vertrauen in
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die Zukunft gestiegen sowie das Bewusstsein für die Verantwortung, diese Zukunft selbst mitgestalten zu müssen. Vor diesem Hintergrund ist die Entstehung der Avantgardebewegung zu sehen.
2.2. Anfänge der Avantgardebewegung
Für die Künstler stellte sich die Frage, wie man der Aufgabe, zu den bevorstehenden sozialen Veränderungen beizutragen, gerecht werden sollte. Dazu stellte man fest, dass die bisherige Kunst mit den vom Bürgertum geprägten Maßstäben der Ästhetik und Verfahren nicht sinnvoll anknüpfen konnte und beschloss, diese radikal zu verwerfen. Die radikale Ablehnung gegenüber der Tradition ist ein wesentliches Merkmal der Avantgarde, vor allem in deren Anfangszeit. Diese insgesamt kritische und ablehnende Haltung führte oft auch zu inneren Spannungen in der Avantgardebewegung selbst: Die beständige Bemühung, alles alte abzulehnen sowie das Bewusstsein, etwas ganz neues schaffen zu wollen lassen die Avantgardisten sehr von sich überzeugt sein, wodurch sie ihren Kollegen gegenüber untolerant wurden und damit die Avantgardebewegung als ganzes untereinander von inneren Spannungen und Streitereien geprägt ist.
Auch über die Inhalte, sie künftig Kunst und Literatur bestimmen sollten, war man sich nicht einig, da es keine vorherrschende Richtung mehr gab und sich die Kunst erst sammeln musste. (vgl. Müller, 1978: 26). In Tschechien hatten vor dem Krieg das Besingen der nationalen, unter der österreich-ungarischen Fremdherrschaft unterdrückten tschechischen Kultur im Vordergrund gestanden, jetzt hatten die Tschechen ihren eigenen Staat und damit die Freiheit, sich anderen Themen zuzuwenden. Wie auch in Polen distanzierte man nun sich deutlich von der Nationalromantik und suchte nach neuen Wegen. In Frankreich war man sich im Großen und Ganzen einig, dass die althergebrachte bürgerliche Kunst am Ende war und ging bei der Suche nach neuen Inhalten verschiedene Wege. Es wurden hierbei viele verschiedene Experimente durchgeführt, so dass die Zeit von Ende des Krieges bis Anfang der 30er Jahre in der Literaturgeschichte auch als die „années folles“ bezeichnet wird. „Kunstgeschichtlich kennzeichnet die „années folles“ eine schwindelerregende Abfolge avantgardistischer Bewegungen, die sich gegenseitig überbieten: Dada, Surrealismus, Neokubismus, Neoklassizismus, „Art déco“, Abstraktion, Neue Sachlichkeit. In der Literatur konkurrieren mehrere Generationen miteinander. Während die großen Autoren ihr Werk im Geist der Belle Époque fortsetzen, zieht eine Generation junger, vom Krieg direkt betroffener Autoren unerbittlich die Konsequenzen aus dem Versagen einer bürgerlichen Kultur, die den Tod von zehn Millionen Menschen nicht hatte verhindern können.“ (Grimm, 1994: 299)
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Gerrit Langel, 2004, Achse Prag-Paris: Poetismus und französische Avantgarde, Munich, GRIN Publishing GmbH
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