Inhaltsverzeichnis
1. Einleitungsgedanke 3
2. Aspekte der Erwerbsarbeit 3
2.1. Verbindung zwischen Religion und Erwerbstätigkeit nach Max Weber 3
2.2. Arbeitszeiterhöhung ohne Lohnausgleich 6
2.3. Aussichten zur Rückkehr zur Vollzeitbeschäftigung 9
2.4. Verbindung zwischen Arbeit und der persönlichen Identität 12
Literaturverzeichnis 15
2
1. Einleitungsgedanke
Erwerbsarbeit nimmt in unserer heutigen Gesellschaft eine bedeutende Rolle ein. Die Ursache hierfür ist eine über mehrere Jahrhunderte währende Entwicklungsgeschichte, in der zuerst die Arbeitsamkeit im Allgemeinen und später in Form der Lohnarbeit zur Selbstverständlich- keit wurde. Heute wird in verschiedenen Bereichen, aufgrund wachsender Arbeitslosigkeit und problematischen Meldungen aus der Wirtschaft, über die Entwicklung, die Bedeutung und zukünftige Veränderung der Erwerbsarbeit, diskutiert. Folgende Arbeit beleuchtet und hinterfragt einige der wichtigen Aspekte von Erwerbsarbeit.
2. Aspekte der Erwerbsarbeit
2.1. Verbindung zwischen Religion und Erwerbstätigkeit nach Max Weber
In der Gesellschaft des 21. Jahrhunderts wird Lohnarbeit als „sinnstiftend“ und unter anderem als Ersatz für Religion angesehen (vgl. Kreutzer, S. 28). Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wur- de die Verbindung zwischen Religion und Erwerbstätigkeit aus einem anderen Blickwinkel betrachtet. Max Weber beschreibt in seinem von 1904 bis 1905 veröffentlichtem Werk „Die protestantische Ethik und der ´Geist` des Kapitalismus“ seine Ansichten, zur Entstehung des Kapitalismus in Hinsicht auf die Religion.
Max Weber suchte in seiner Arbeit nach Bedingungen, die den „Geist des Kapitalismus“ zu dem gemacht haben, was er zu Beginn des 19. Jahrhunderts war. Hierzu versuchte er zu defi- nieren, was er unter dem „Geist des Kapitalismus“ verstand. Für ihn war der „Geist“ zunächst ein historischer Begriff, „ein Komplex von Zusammenhängen in der geschichtlichen Wirk- lichkeit, die wir unter dem Gesichtspunkt ihrer Kulturbedeutung zu einem Ganzen zusam- menschließen“ (Weber, S. 30). Um dem „Geist des Kapitalismus“ näher zu kommen, verglich M. Weber Aussagen von Benjamin Franklin und Jakob Fugger. Der amerikanische Erfinder und Politiker Benjamin Franklin betonte in seinen Ausführungen die immense Bedeutung von Geld für den Menschen und gab gleichzeitig Verhaltensanweisungen (u. a. Fleiß, Mäßigkeit, Ehrlichkeit), die helfen sollten, das Geld zu behalten und zu vermehren (vgl. Weber, S. 31- 32). Das Verstehen der „Nützlichkeit“ dieser Tugenden war nach Franklins Meinung auf eine „Offenbarung Gottes zurückzuführen“ (Weber, S.35). Nach Weber war Franklin vom „Geist des Kapitalismus“ erfüllt. Allerdings erkannte Weber in Franklins Aussagen nicht nur „Ge- schäftsklugheit“ sondern auch eine „eigentümliche Ethik“ (Weber, S. 33). Beim Bankier Ja- kob Fugger beschrieb Weber als Ursache dessen Geschäftigkeit, den „Charakter einer ethisch gefärbten Maxime der Lebensführung“ (Weber, S.33). Weber kam zu dem Schluß, dass der
3
„moderne Kapitalismus“ 1 von einem „eigentümlichen Ethos“ (Weber, S.34) bestimmt wurde.
Diese „eigentümliche Ethik“ war es, die nach Weber den „Geist des (Früh-) Kapitalismus“ von dem „Geist des modernen Kapitalismus“ unterschied. Als das Zentrale dieser Ethik sah er den „Erwerb von Geld und immer mehr Geld, unter strengster Vermeidung alles unbefange- nen Genießens so gänzlich aller eudämonistischen oder gar hedonistischen Gesichtspunkte entkleidet, so rein als Selbstzweck gedacht, dass es als etwas gegenüber dem `Glück` oder dem `Nutzen` des einzelnen Individuums jedenfalls gänzlich Transzendentes und schlechthin Irrationales erscheint“ (Weber, S.35).
Um die Verbindung zwischen Religion und Kapitalismus zu beleuchten, stand für Max Weber an erster Stelle, die „Ermittlung, derjenigen durch den religiösen Glauben und die Praxis des religiösen Lebens geschaffenen psychologischen Antriebe, welche der Lebensführung die Richtung wiesen und das Individuum in ihr festhielten“ (Weber, S.86). Feststand für Max Weber dabei, dass diese Antriebe in einem hohen Maß religiösen Glaubensvorstellungen ent- sprangen (vgl. Weber, S. 86). Den Ursprung dieser sog. Antriebe suchte Weber im Calvinis-
mus 2 . In der Lehre von Calvin fand Weber eine Bestätigung dafür, dass der Kapitalismus in
erster Linie protestantisch geprägt war. Calvins Lehre entwickelte sich aus seinen für die da- malige Zeit revolutionären Auslegungen der Vorherbestimmung. Dieser „Prädestinationsleh- re“ zufolge beruft Gott bestimmte Menschen, die sog. Auserwählten, zum Heil und schenkt ihnen Gnade, während er andere verwirft und zur ewigen Verdammnis bestimmt (vgl. Weber, S. 93). Dieses Denken wurde entscheidend für die Bewertung des menschlichen Strebens. Berufene und Nichtberufene lebten auf engstem Raum zusammen, wobei keiner wusste, ob er
zu den Auserwählten gehörte 3 . Calvin legte großen Wert auf weltliche Aktivitäten, die der
„Selbstverherrlichung Gottes“ dienen sollten (Weber, S.99). Gott wollte, Calvins Ansicht nach, dass der Mensch sein Leben und seinen „Kosmos“ gestaltete und einrichtete. „Die sozi-
ale 4 Arbeit des Calvinisten in der Welt ist lediglich Arbeit `in majorem gloriam Dei`. Diesen
Charakter trägt daher auch die Berufsarbeit, welche im Dienste des diesseitigen Lebens der Gesamtheit steht“ (Weber, S.100). Der Sinn der Arbeit bestand für den Menschen darin, den Ruhm Gottes zu fördern und somit die Arbeit als gottgewollt anzusehen (vgl. Weber S. 101).
1 Im Vergleich zum Kapitalismus, den es bereits in China, Indien, Babylon, in der Antike und im Mittelalter gegeben hat.
2 „Der Calvinismus ist eine theologische Bewegung, die auf der Reformation und insbesondere der Lehren von Johannes Calvin beruht. Sie bereitet durch ihre spezifische Arbeits- und Wirtschaftsethik der industriellen Revo- lution eine wesentliche Grundlage“ http://de.wikipedia.org/wiki/Calvinismus, Abruf am 12.10.2006)
3 „… der Sinn unseres individuellen Schicksals, - ist von dunklen Geheimnissen umgeben, die zu ergründen unmöglich und vermessen ist“ (Weber, S. 93).
4 Soziale Arbeit meint hier im Sinne von Betätigung innerhalb der politischen, kirchlichen und anderen Gemein- schafts-Organisationen (Weber, S. 100)
4
Somit entstand der Gedanke, dass Arbeit an sich etwas Gutes sei und dass der Verdienst aus harter Arbeit, das Streben nach beruflichem und wirtschaftlichem Erfolg nicht hoch genug zu schätzen sei. Für die Menschen kam immer wieder die Frage auf, ob es Merkmale gebe, an welchen sie erkennen konnten, dass sie zu den Auserwählten gehören. Auf solche Lebens- und Glaubensfragen gab es zwei „Typen seelsorgerischer Ratschläge“ (Weber, S. 105). Einer- seits war es die Pflicht eines Menschen, sich für erwählt zu halten und jeden Zweifel als Ein- gebung des Teufels anzusehen (vgl. Weber, S. 105). Auf der anderen Seite wurde, um Selbstgewißheit zu erlangen, „rastlose Berufsarbeit“ als hervorragendes Mittel empfohlen (Weber, S. 105). „Sie und nur sie allein verscheuche den religiösen Zweifel und gebe die Si- cherheit des Gnadenstandes“ (Weber, S.106). Die weltliche Berufsarbeit half somit, den „reli-
giösen Angsteffekt“ 5 (Weber, S.106) zu behandeln. Ein weiterer wichtiger Punkt des Calvi-
nismus war der Gedanke, dass „Gott dem hilft, der sich selber hilft“ (Weber, S.111). Für die Menschen bedeutete dies, dass je mehr sie arbeiteten, sie sich umso sicherer sein konnten, dass sie zu den Auserwählten gehörten. Somit wurde Erfolg von menschlichen Bestrebungen nicht nur als eine Ehrerbietung Gottes angesehen, sondern auch als Beweis der eigenen Beru- fung. Aus dem Erfolg eines Menschen konnte man sozusagen seine Erwählung ableiten. Das Leben wurde so zu einem rastlosen Streben nach mehr Rechtfertigung vor Gott und somit nach mehr wirtschaftlichem Erfolg.
Weiterhin zeigte Max Weber auf, dass ein Merkmal des modernen Lebens seinen Ursprung in einem religiösen Phänomen hat, welches älter als der Protestantismus ist. Weber schrieb hier- zu: „Einer der konstitutiven Bestandteile des modernen kapitalistischen Geistes, und nicht nur dieses, sondern der modernen Kultur: die rationale Lebensführung auf Grundlage der Berufs- idee, ist […] geboren aus dem Geist der christlichen Askese“ (Weber, S. 202). Die Askese wurde aus den Mönchszellen heraus in das Berufsleben übertragen und bestimmte seit jeher den Lebensstil jedes einzelnen. Dieser Lebensstil war durch den überwältigenden Zwang ge- prägt, dass der Mensch ein Berufsmensch sein muss (vgl. Weber, S.203). Um die Bedeutung dieses Zwanges zu schildern, vergleicht Weber ihn mit einem Mantel, aus dem das „Verhäng- nis ein stahlhartes Gehäuse“ hat werden lassen (Weber, S.203). Die Askese breitete sich in der Lebenswelt der Menschen immer weiter aus und gleichzeitig, „gewannen die äußeren Gü- ter dieser Welt zunehmende und schließlich unentrinnbare Macht über den Menschen, wie niemals zuvor in der Geschichte“ (Weber, S.204). Die asketische Lebenseinstellung konnte dazu führen, dass im Leben der Menschen Arbeit und Leistung alles andere überdeckte. Auf
5 Gemeint ist damit die Angst der Bürger, nicht zu den Berufenen von Gott zu gehören.
5
Quote paper:
Carolin Büdel, 2007, Arbeit - eine multidisziplinäre Einführung in Human- und Gesellschaftswissenschaften, Munich, GRIN Publishing GmbH
This text can be quoted and accessed from this url:
Embed
DOI
Multidisziplinäre Einführung in Human- und Gesellschaftswissenschaften
Termpaper, 18 Pages
Umverteilung oder Anerkennung?
Inhaltsanalyse des Buches von ...
Sociology - Classics and Theoretical Directions
Scholary Paper (Seminar), 18 Pages
Alice Salomon und ihre Bedeutung für die soziale Arbeit
Termpaper, 16 Pages
Ressourcenorientierte Beratung - ein Ansatz für alte Menschen?
Nursing / Foster Care Management / Social Services
Termpaper, 23 Pages
§ 35a SGB VIII - Eingliederungshilfe für seelisch behinderte Kinder un...
Termpaper, 24 Pages
Über die Rolle der Schule als Instanz sozialer Kontrolle
Pedagogy - Pedagogic Psychology
Scholary Paper (Seminar), 19 Pages
Berufliche Rehabilitation von Menschen mit Behinderungen
Termpaper, 19 Pages
Soziale Gerechtigkeit im Gesundheitswesen in Deutschland
Termpaper, 12 Pages
Die Kommunikationstheorie Paul Watzlawicks
Scholarly Paper (Advanced Seminar), 31 Pages
Die Sachebene und die Beziehungsseite in dem 'Vier-Ohren-Modell...
Termpaper, 10 Pages
Das behinderte Kind in der Familie - Die Veränderung der Rollenstruktu...
Scholarly Essay, 27 Pages
Carolin Weigand's text Arbeit - eine multidisziplinäre Einführung in Human- und Gesellschaftswissenschaften is now available as a printed book
Carolin Weigand has published the text Arbeit - eine multidisziplinäre Einführung in Human- und Gesellschaftswissenschaften
Carolin Weigand has uploaded a new text
Environmental Change and Human Security
Recognizing and Acting on Haza...
P. H. Liotta, David A. Mouat, William G. Kepner, Judith M. Lancaster
Environmental Change and Human Security
Recognizing and Acting on Haza...
P. H. Liotta, David A. Mouat, William G. Kepner, Judith M. Lancaster
Understanding Human Development
Dialogues with Lifespan Psycho...
Ursula M. Staudinger, Ulman E. R. Lindenberger
0 comments