Gliederung
1. Einleitung
1.1. Kontextualisierung
2. Das Verhältnis von Erinnerungskultur und Literatur
2.1. Erinnerungskultur als Populärform von Geschichtsschreibung
2.2. Bestseller vom Autor zum Leser
2.3. SOLDADOS DE SALAMINA und der Erfolg eines erinnerungskulturellen
Romans
3. Kunst und Geschichte eine Zusammenfassung
4. Bibliographie
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1. Einleitung
SOLDADOS DE SALAMINA ist der erfolgreichste Roman des katalanischen Autoren
Cercas, der Roman wird nach seinem Erscheinen 2001 schnell zum Bestseller und schon kurze Zeit später als Film veröffentlicht, dies mehrt den Erfolg des Stoffes.
Am 15. Juni 2007 ist der 30. Jahrestag der ersten freien Wahlen in Spanien begangen worden. Mit dem öffentlichen und feierlichen Begehen dieses Tages identifiziert sich das heutige Spanien und grenzt sich zu dem des Bürgerkrieges wie der Francozeit ab. Das zeigt, dass Identität mit Geschichtlichkeit verbunden ist. Ein Bergriff, der sich mit diesem Phänomen auseinandersetzt ist jener der Erinnerungskultur. Im Folgenden soll Erinnerungskultur in der spanischen Literatur am Beispiel des Romans SOLDADOS DE SALAMINA von Javier Cercas thematisiert werden. Aus diesem Grund stellt sich die Frage, was dem Roman von Javier Cercas in der Debatte um Erinnerungskultur für das Verlagswesen und den Leser seine Aktualität verleiht bzw. worin seine Besonderheit liegt.
Um dies zu realisieren soll zunächst das Thema des historischen Erinnerns kontextualisiert werden. Dazu wird es nötig Kultur als öffentliche Auseinandersetzung mit Aufgabe des Kulturmanagements der Verlage zu thematisieren, um das Verhältnis von Erinnerungskultur und Literatur in Relation zur Erinnerungskultur als Populärform von Geschichtsschreibung setzen zu können. Damit soll verdeutlicht werden, wie der Bestseller SOLDADOS DE
SALAMINA vom Autor über das Verlagswesen zum Leser kommt. Daran schließt die
Teilanalyse des Romans, die in einem Ausblick auf weiterführende Fragestellungen münden soll. Denn jede Kunst hat zu einem anderen Zeitpunkt ihren Höhepunkt, alle befinden sich in ständigem reziproken Fluss.
1.1. Kontextualisierung
Am 15. Juni diesen Jahres ist der 30. Jahrestag der ersten freien Wahlen in Spanien begangen worden. Nach der Restaurationszeit, dem Guerra Civil und der Diktatur Francos, war es den Spaniern am 15. Juni 1977 das erste Mal möglich frei und demokratisch zu wählen, dieses Ereignis wird gemeinhin als Abschluss einer Epoche betrachtet. Auch durch Francos Tod wird kein wirklicher Bruch vollzogen, sondern die Zeit der Transición begonnen, das heißt, über die Vergangenheit wurde im Konsens für den Übergang zur Demokratie geschwiegen. Dieser Konsens ist folglich eine mehr oder weniger die stillschweigende Übereinkunft darüber Toleranz zu üben und die Taten der Anderen wie die eigenen als vergeben anzusehen. Die Absicht dahinter ist wie schon seit der Restauration, dem Guerra Civil und auch der
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Diktatur Francos die kollektive bzw. Nationale Identität zu sichern. Kurz Ziel ist die Gemeinschaft. Aber ist eine einzige nationale Identität in Spanien überhaupt möglich? Das derzeitige Problem ist, dass nach nunmehr 30 Jahren diese Toleranz gegen „Wahrheit“ eingetauscht werden soll. Weshalb das und auf welchem Weg wird danach gefordert? Wer will da den Frieden und die Ruhe stören? Zählt das, wenn auch stillschweigende, Abkommen nicht mehr? Wie kommt es zu dem plötzlichen Interesse an der Vergangenheit, die als „geregelt“ abgeschlossen worden war? Kann man diese geistige Haltung mit einem allgemeinen Geschichtsinteresse, welches man in ganz Europa beobachten kann, erklären? Ist die Ursache in dem Bestreben ein Gesetz zur historischen Erinnerung anzusiedeln? Kann die Ursache daran festgemacht werden, dass die letzten Zeitzeugen sterben? Oder liegen vielmehr andere Gründe zugrunde, wie beispielsweise die Unzufriedenheit mit der neuen Identität der autonomen Regionen, wie Katalonien, welche die stillschweigende Transición für ihre Zwecke instrumentalisieren?
Das Thema der Identität wird auch in der Polemik zur diesjährigen Frankfurter Buchmesse deutlich. Katalonien bildet den Themenschwerpunkt der Messe, es werden jedoch nur Autoren und Schriftsteller präsent sein, die ihre Werke auf Katalanisch verfassen. Dabei gibt es zahlreiche Schriftsteller, die großen zum Teil große internationale Erfolge haben, in Katalonien leben, sich als Katalanen fühlen und bezeichnen, aber ihre Werke auf Spanisch verfassen. Ihnen wird die Teilnahme an der Buchmesse verweigert, wie unter vielen Anderen, Eduardo Mendoza, Carlos Ruiz Zafón, Juan Marsé. Alle drei aufgeführten Autoren sind in den Augen von Katalanisten nicht authentisch genug, denn sie schreiben auf Spanisch, in der Sprache des Erbfeindes. Noch unter Franco wurde es verboten auf der Strasse Katalan zu sprechen, jetzt ist die Sprache dagegen neben Spanisch eine der beiden offiziellen Sprachen der Region.
Sprache ist ein Aspekt der komplexen Identifikation. Identität ist ein facettenreiches Konstrukt über das sich der Mensch selbst benennt und sich in die Gesellschaft zeitlich, lokal und sozial integriert. Eine Möglichkeit sich mit zeitlich bedingter bzw. historischer Identität auseinander zu setzen bildet in der geschichtswissenschaftlichen Strömung die Erinnerungskultur.
In Javier Cercas Buch SOLDADOS DE SALAMINA wird über den Bürgerkrieg und die Machtübernahme Francos berichtet. Der Autor konstruiert eine fiktionale Geschichte um die historischen Ereignisse des spanischen Bürgerkrieges, da er selbst diese Zeit nicht miterlebt hat, muss er sich die fehlende Erinnerung und Erfahrung über Dritte aneignen, um derart zu re-konstruieren, was möglicherweise geschehen sein könnte. In diesem Kontext reflektiert
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Cercas das Verhältnis zwischen Fiktion und Realität. Diese Reflektion findet sich in dem Roman SOLDADOS DE SALAMINA mehrfach dezidiert wieder. Es wird wiederholt gefragt, wie es möglich sei zwischen künstlerischer Darstellung und reeller Historie eine Verbindung zu schaffen. Gleich zu Beginn des Romans wie auch in dessen Verlauf kommt zu Unterredungen mit Conchi oder Selbstgesprächen, in denen der Erzähler den historischen Wahrheitsbezug seines Tuns unterstreicht. Im dritten Teil des Buches diskutiert der Erzähler mit Roberto Bolaño die Tätigkeit des Schriftstellers und dieser unterstreicht: „Sólo memoria. Las novelas se escriben combinando recuerdos.“ (SdS: S. 151) Aber ist Erinnerung nicht immer manipuliert oder von verschiedensten den Autor umgebenden Einflüssen geprägt? Und ist die Erinnerung nicht trügerisch oder zumindest subjektiv?
Erinnerungskultur versucht Teile der Vergangenheit im Bewusstsein zu halten und gezielt zu vergegenwärtigen. Eben dieser Aufgabe stellen sich beispielsweise auch kulturmanagende Verlage, indem sie zwischen Kunst und Kultur in der Gesellschaft vermitteln. Damit präsentieren sie die Mentalität und fördern den öffentlichen Diskurs. Aber sie beeinflussen ihn auch gezielt, indem bestimmte Bücher oder Artikel gedruckt und andere nicht veröffentlicht werden oder ihnen nicht die gleiche Werbung durch Preise, Prämierungen und Rezensionen zuteil werden.
2. Das Verhältnis von Erinnerungskultur und Literatur
2.1. Erinnerungskultur als Populärform von Geschichtsschreibung
Erinnerungskultur beschreibt den Versuch Teile der Vergangenheit im Bewusstsein zu halten und gezielt zu vergegenwärtigen. Im Zentrum steht dabei die ‚subjektive’ Wahrnehmung historischer Zusammenhänge aus einer aktuellen Perspektive bzw. mit zeitlicher Distanz und weniger die Darstellung historisch-objektiven Wissens.
Erinnerungskultur zeigt sich auf vielfältige Weise, zum Beispiel in Archivierung, wissenschaftlicher Aufarbeitung, öffentlicher Dokumentation und in medialen Darstellungen, oder aber in Gedenkstätten, Gedenktagen, Denkmälern, wie auch als gesellschaftliche Diskussion einzelner Themenbereiche. Seit kurzem werden viele Archive geöffnet und somit der Öffentlichkeit und der Wissenschaft zugänglich. Gerade in der Diskussion werden Politik und politische Interessen involviert, wodurch eine Instrumentalisierung durch verschiedene Interessen möglich wird.
Das heißt, Fragen der öffentlichen Erinnerung und der Geschichtswahrnehmung sind somit mit Fragen der Legitimation von Machtansprüchen und nationaler Identität verbunden. Diese
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Dorothea Schönfeld, 2007, Erinnerungskultur und Bestseller am Beispiel von Javier Cercas' "Soldados De Salamina", Munich, GRIN Publishing GmbH
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