Seminar: Religionsunterricht und Feministische Theologie
Semester: WS 1999/2000
Frauenrollen in der Bibel
Maja Schäfer
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung...3
2. Eva ...3
2.1 Die Rezeptionsgeschichte der Eva ...3
2.2 Die Rolle Adams in der Schöpfungsgeschichte ...4
2.3 Das Frauenbild des Paulus ...6
2.4 Das Frauenbild und die Schöpfungsberichte ...6
2.5 Lilith und Eva...7
3. Maria ...7
3.1 Die Rezeptionsgeschichte der Maria...7
3.2 Die Maria der Theologen...8
3.3 Die Maria des Volkes ...8
3.4 Die geheime Göttin des Christentums...9
3.5 Die Verehrung der Maria heute ...10
3.6 Maria Die Sympathisantin ...10
4. Das Frauenbild Jesu ...10
4.1 Jesus Ein Feminist? ...10
4.2. Jesus und Maria und Martha...11
4.3 Jesus und Maria Magdalena ...12
5. Resümee ...13
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1. Einleitung
In der Landessynode 2000 der Evangelischen Kirche im Rheinland ist zu lesen: ,,Wie wollen
die Bibel nicht mehr gegen die Frau lesen und auslegen." Es wird im Folgenden eingeräumt,
dass die Diskriminierung der Frau ,,auch theologische Ursachen habe". Weiter heißt es in der
Landessynode, Frauenrechte seien Bestandteil der Menschenrechte und sie zu schützen,
sei eine Aufgabe ,,grade auch der Kirchen und der einzelnen Christinnen und Christen".
Vor allem der erste oben zitierte Satz aus der Landessynode 2000 ist von großer Bedeutung
für die vorliegende Arbeit: ,,Wir wollen die Bibel nicht mehr gegen die Frau lesen und
auslegen". Diese Arbeit beabsichtigt, dieser Lesart der Bibel entgegen zu wirken, um zu
zeigen, dass auch eine feministische Lektüre und ein feministisches Verständnis der Bibel
möglich sind. Sie will zum Teil konkurrierende biblische Frauenbilder darstellen und
Verfälschungen dieser offen legen. Die Arbeit soll zeigen, dass die Bibel nicht nur ein Buch
von Männern für Männer darstellt, sondern, dass sie auch für Frauen durchaus biblische
Vorbilder parat hält, in denen ,,frau" Orientierung findet. Um dies zu erreichen werden u.a. die
biblischen Darstellungen der Eva und der Maria und deren Rezeptionsgeschichten
angeführt. Im Zusammenhang mit der Schöpfungsgeschichte werden ebenfalls die Person
des Adam, die Legende der Lilith und das Frauenbild des Paulus thematisiert. Anschließend
folgt die Darstellung des Frauenverständnisses bei Jesus u.a. in Zusammenhang mit den
Frauen Maria Magdalena, sowie Maria und Martha.
2. Eva
2.1 Die Rezeptionsgeschichte der Eva
Die Eva Rezeption beginnt bereits in der Bibel selbst. So betont Paulus im 1. Brief an
Timotheus :
,,Denn Adam wurde zuerst gemacht, danach Eva. Und Adam wurde nicht verführt, die Frau
aber hat sich zur Übertretung verführen lassen." (Tim.2, 13 14).
Im 1. Korintherbrief 11, 3 heißt es weiterhin
,,Ich lasse euch aber wissen, dass Christus das Haupt eines jeden Mannes ist; der Mann
aber ist das Haupt der Frau; ..."
und in 11, 7 9 steht zu lesen:
,,Der Mann aber soll das Haupt nicht bedecken, denn er ist Gottes Bild und Abglanz; die
Frau aber ist des Mannes Abglanz. Denn der Mann ist nicht von der Frau, sondern die Frau
von dem Mann. Und der Mann ist nicht geschaffen um der Frau willen, sondern die Frau um
des Mannes willen."
Diese Aussagen beziehen sich nicht nur auf Eva, sondern verallgemeinernd auf alle Frauen.
Adam wird hier als ,,Gottes Bild und Abglanz" bezeichnet, während Eva als ,,Abglanz des
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Mannes" angesehen wird und als ,,um des Mannes willen" erschaffen dargestellt wird.
Weiterhin ist sie diejenige, die sich ,,zur Übertretung" hat verführen lassen, während Adam
,,nicht verführt wurde", d.h. sich nicht hat verführen lassen.
Tertullian war einer der ersten Theologen, der mit den Worten:
,,Weib, du bist das Tor des Teufels." (Tertullian 1912, S. 176)
in seiner Theologie die Frau religiös und sittlich deutlich minderbewertet. Er bezieht sich mit
dieser Äußerung auf die ersten drei Kapitel von Genesis. Auffallend beim Lesen seiner
Schriften ist die Tatsache, dass in diesem niemals den Männern die Schuld an der Sünde
Adams angelastet wird, die Schuld Evas aber auf alle Frauen übertragen wird.
2.2 Die Rolle Adams in der Schöpfungsgeschichte
Während Eva in der Schöpfungsgeschichte die aktive Rolle übernimmt, wird Adam als passiv
dargestellt. Er ist lediglich Empfänger:
,,und gab ihrem Mann, der bei ihr war, auch davon und er aß." (Gen 3, 6).
Adam folgt Eva, ohne zu fragen oder etwas zu sagen. In vielen Interpretationen wird Adam
als beklagenswertes Opfer der verführenden Eva verstanden (siehe u.a. 1.Tim.2, 14). Ist er
Opfer, so ist er schwach, schwächer zumindest als seine Frau. Das ,,Bild" und der ,,Abglanz
Gottes" (Kor.11, 7) ist nicht in der Lage, sich gegen Eva zu behaupten und wird dennoch im
Folgenden zum Herrn über die Frau ernannt (Kor.11, 9 s.o.). Gleichzeitig wird die Frau als
Alleinschuldige für die nun folgende Unterdrückung dargestellt, denn sie hat, so wird es
interpretiert, durch ihre Tat die Strafe heraufbeschworen:
1.Tim. 2, 14: ,,Und Adam wurde nicht verführt, die Frau aber hat sich zur Übertretung
verführen lassen".
Paulus sieht, im Gegensatz zu anderen Interpreten, auch eine Schuld Adams. Unter diesem
Thema verhandelt er die Sünde aller Menschen. Adam wird hier zum Prototyp der sündigen
Menschheit. So heißt es in Röm. 5,12:
,,Deshalb, wie durch einen Menschen die Sünde in die Welt gekommen ist und der Tod durch
die Sünde, so ist der Tod zu allen Menschen durchgedrungen, weil sie alle gesündigt
haben."
Und in Vers 14 steht weiterhin zu lesen:
,,Dennoch herrschte der Tod von Adam an bis Mose auch über die, die nicht gesündigt
hatten durch die gleiche Übertretung wie Adam, welcher ist ein Bild dessen, der kommen
sollte."
An dieser Stelle ist eindeutig ausschließlich die Rede von ,,einem Menschen" und von
,,Adam", Eva wird nicht erwähnt.
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In Röm.7 ab Vers 7 spricht Adam selbst von seiner Verführung:
,,Denn die Sünde nahm das Gebot zum Anlass und betrog mich und tötete mich durch das
Gebot." (Röm.7, 11).
Mit diesen Worten wird Genesis 3,13 (die Verführung Evas durch die Schlange) auch auf
Adam bezogen.
Paulus geht in Röm.7 noch weiter: er schreibt Adam auch das Versagen Evas zu, denn
Adams Schuld ist die Übertretung des Gebotes Gottes:
,,Du sollst nicht begehren." (2.Mose 20,17)
,,Die Sünde aber nahm das Gebot zum Anlass und erregte in mir Begierden aller Art; ..."
(Röm.7, 8).
Dieses Vergehen Adams ist der Beginn der Schuld aller Menschen, die alle wie Adam das
Gebot Gottes übertreten. In diesem Zusammenhang wird die Sünde als eine, außerhalb der
Menschen operierende, personifizierte Macht dargestellt. Die Sünde ist es, die Adam
verführt, von Eva ist hier keine Rede. Auch die Sünde selbst wie Paulus sie darstellt
weist keinerlei weibliche Züge auf, trotz der Tatsache, dass das grammatische Geschlecht
des griechischen Wortes ,,
"
ein weibliches ist. Sie wird dargestellt als die
Herrschende, dem Kaiser in Rom ähnlich, die selben Herrschaftsbeziehungen aufweisend
wie die damalige patriachalische Gesellschaft. So ist z.B. in Röm. 6, 12 23 die Rede von
der Knechtschaft des Menschen unter der Hamartia, der Sünde. Hier finden sich Worte, die
gleichzusetzen sind mit damaligen Gesellschaftsverhältnissen: Die Menschen sind ,,Knechte"
der Sünde gewesen (Vers 17). Es ist wird ,,der Sünde Sold" erwähnt, weiterhin die ,,Waffen
der Ungerechtigkeit" usw.
Andere Textstellen führen die Sünde als Weltbeherrscher (Röm. 5, 12 21) und als Dämon
(Röm. 7, 14 25) an.
Der Mensch und als dessen Vorreiter Adam wird bei Paulus als ohnmächtig der Macht der
Hamartia gegenüber dargestellt: Der Mensch wird zur Sünde verführt. Er kann sich dieser
nicht erwehren und bricht das Gebot Gottes. In dem Zusammenhang der Sündentheorie
spart Paulus die spezifische Herrschaftsunterworfenheit der Frau aus, hier geht es
ausschließlich um die Ohnmachterfahrungen des Menschen der Sünde gegenüber, wobei
alle Menschen, somit auch die Frauen, eingeschlossen werden. Interessant ist um es
nochmals zu betonen dass Paulus in seiner Theorie der Sünde Eva aus der Schuld der
Erbsünde herausnimmt und diese (die Erbsünde), wie oben angeführt, auf Adam als den
,,Menschen" fokussiert. Es werden hier keine geschlechtspezifischen Schuldzuweisungen
getätigt. Äußerungen zur untergeordneten Rolle der Frau, die Paulus für gottgewollt hält,
finden sich jedoch wie oben bereits angeführt an anderer Stelle (s. 1.Kor. 11, 2 16).
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