Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung 3
2 Zum Begriff Huguenot 3
3 Die Widerrufung der Toleranz 4
4 Die Flucht 6
5 Transatlantische Reise und Ankunft am Kap der Guten Hoffnung 8
6 Das Leben am Kap und die wachsende Unzufriedenheit 10
7 Parlez-vous encore français 12
8 Der Weg zur Solidarität 13
9 Ein wertvolles Erbe 15
10 Literatur- und Quellenverzeichnis 19
2 NA
1 Einleitung
Nicht selten wird das Vermächtnis der Hugenotten, die vor 320 Jahren am Kap der Guten Hoffnung landeten, unterschätzt oder sogar übersehen. Selbst Südafrikaner, die einen franzö- sischen Nachnamen wie Rousseau, Theron oder Fourie tragen, sind von ihrem hugenottischen Erbe oft nicht bewusst. Erst wenn man in der Kaufhalle an den zahlreichen südafrikanischen Weinen vorbeigeht, ahnt man möglicherweise einen Zusammenhang zwischen dem Kap und französischem Erbgut. Doch was hat genau ein Sauvignon Blanc aus den Cape Winelands mit französischen Glaubensflüchtlingen zu tun?
Der Einfluss jener französischer Protestanten, die wegen religiöser Verfolgung das Hexagon verlassen mussten, mag im Vergleich zu ihrem Nachlass in Ländern wie die USA, England und Deutschland zunächst gering erscheinen. Daher ist es umso reizvoller, ihren Spuren an der südlichen Spitze Afrikas nachzugehen. Warum und wie kamen Hugenotten überhaupt ans Kap und wie viele haben sich hier niedergelassen? Inwiefern ist die Weinindustrie in Südafri- ka den Hugenotten zuzuschreiben? Gibt es andere Anzeichen außer der Weinindustrie, dass die französische Kultur einst das südliche Afrika prägte?
In dieser Hausarbeit werde ich mich mit der oft vernachlässigten Geschichte der südafrikani- schen Hugenotten beschäftigen und deren Erbe in der heutigen Republik Südafrika untersu- chen. Die auserwählte Literatur stammt größtenteils von südafrikanischen Autoren, die sich seit Jahrzehnten mit dem Thema befassen, oft um ihre eigene hugenottische Genealogie auf- zudecken. Zu Beginn werde ich auf den Ursprung des Begriffs Huguenot eingehen und die Vorgeschichte der Hugenottenverfolgung kurz schildern. Anschließend werde ich mich mit der Flucht, Reise und Ankunft sowie der Entwicklung der hugenottischen Gemeinschaft am Kap auseinandersetzen. Zuletzt widme ich mich der Hinterlassenschaft der südafrikanischen Hugenotten.
2 Zum Begriff Huguenot
Die Herkunft des Wortes Huguenot ist sehr umstritten. Obwohl ursprünglich abwertend ge- braucht, bezeichneten sich später die Mitglieder der protestantischen Gemeinden Frankreichs selbst als „Hugenotten“. Einige Historiker vermuten, dass der Begriff von König Huguet ab-
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stammt, jenem frommen König aus Tours, der sich wie die Kalvinisten nachts mit seinen An- hängern traf, um Gott zu ehren. Das nächtliche Ritual der Hugenotten ergab sich zwangsläu- fig aus der Ablehnung des Protestantismus im katholisch dominierten Frankreich – tagsüber waren Gottesdienste selten möglich (Coertzen 1988, S. 16f.).
Andere Gelehrte nehmen an, dass Huguenot mit dem schweizerischen Eidgenossen verwandt ist, zumal Genf das Zentrum der kalvinistischen Bewegung war. Während der Verschwörung von Amboise 1 schwuren die Kalvinisten Treue zu einander, so wie es die Eidgenossen in der Schweiz taten. Somit soll der Begriff Eidgenosse übernommen und romanisiert worden sein bzw. aus der Schmelzung der Wörter Hugues 2 und Eidgenosse hervorgehen. Ein direkter Zu- sammenhang zwischen den Termini ist jedoch fraglich, zumal die Namen Hugues und Hu- guenot bereits im 14. Jahrhundert Verwendung finden, während der deutsche Begriff Eidge- nosse erst im 16. Jahrhundert auftaucht (ebd.).
Die am stärksten vertretene Theorie besagt, dass der Name Huguenot bereits vor 1560 in Gebrauch war, die Verschwörung von Amboise um 1560 soll lediglich die Verbreitung des Begriffs beschleunigt haben. Um 1560 wuchs der Protestantismus rasant an und somit der abfällige Ausdruck. Ebenso kamen andere verächtliche Bezeichnungen hinzu wie hannetons (Maikäfer) und papillon de nuit (Nachtfalter). In Südafrika wurden dagegen solche abwerten- den Begriffe für die protestantischen Neuankömmlinge vorerst abgewiesen. Vielmehr wurde in Dokumenten von Fransche Vluchtelingen (Französischen Flüchtlingen) oder einfach „Franzosen“ gesprochen, später sogar von „französischen Kolonisten“. Der Gebrauch des Begriffs Huguenots wurde am Kap im Allgemeinen erst im 18. Jahrhundert etabliert, jedoch trug er keineswegs dieselbe negative Konnotation wie im Frankreich des Louis XIV. (ebd.).
3 Die Widerrufung der Toleranz
Die Glaubens- und Gewissensfreiheit der Hugenotten, die Henri IV. (Henri de Navarre) am 13. April 1598 im Edit de Nantes billigte, war an den Versuch gekoppelt, die Expansion des
Protestantismus zu unterbinden. Das Edikt bestätigte zum einen den katholischen Glauben als
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gescheiterter Versuch von Anton de Bourbon-Navarre, seinem Bruder Louis Bourbon-Condé und den Hugenot- ten, u.a. durch die Entführung des Königs Franz II. die Macht in Frankreich zu ergreifen
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Besançon Hugues war im 16. Jahrhundert prominenter Befürworter der Schweizerischen Eidgenossenschaft und setzte sich für den Zusammenschluss des Stadtstaates Genf und der Eidgenossenschaft ein
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Staatsreligion, zum anderen wurden den Kalvinisten bestimmte Rechte und Freiheiten ge- währleistet. Die Ausbreitung des protestantischen Glaubens wurde jedoch zunehmend er- schwert, indem man allmählich die im Edikt enthaltenen Privilegien einengte bzw. reduzierte (Coertzen 1988, S. 2ff.).
Henri IV. (1589-1610) war ein protestantischer König eines katholischen Reiches. Er hatte es folglich schwer, sich gegen den katholischen Bund durchzusetzen. Um dem Bürgerkrieg ein Ende zu bringen, wandte er sich schließlich 1592 dem Protestantismus ab. Die Kalvinisten in Frankreich nahmen ihm diese Entscheidung übel, doch da er „im Herzen“ ein wahrer Protes- tant geblieben war, unterzeichnete der König 1598 das Toleranzedikt von Nantes (Reaman 1964, S. 53). Neben dem Recht, eigene Schulen zu öffnen, politische Versammlungen zu or- ganisieren, protestantische Gottesdienste zu halten und öffentliche Ämter zu bekleiden, er- laubte das Edikt den Protestanten, bestimmte Städte zu besetzen. Unter diesen Städten zählte v.a. La Rochelle, auf die auch viele Südafrikaner ihre Herkunft zurückführen können. Die Entscheidung des Henri IV. beendete kurzfristig die seit vierzig Jahren andauernde Verfol- gung der Protestanten und galt als erster Schritt zur Glaubensfreiheit der Hugenotten: „Even for his brethren in creed his triumph was a benefit secured, for it was an end of persecution and a first step towards liberty“ (ebd., S. 54).
Nach der Ermordung des Henri IV. am 14. Mai 1610 kam der neunjährige Louis XIII. an die Macht. Dessen Mutter Marie de Medici übernahm die Regentschaft und auf ihr Betreiben wurde Richelieu zum Kardinal ernannt. Richelieu, der später aufgrund seiner ausgezeichneten Führungsqualitäten von Louis XIII. zum Ersten Minister befördert wurde, betrachtete die po- litische Macht der Hugenotten als bedrohlich und überredete den König, die hugenottische Hochburg La Rochelle anzugreifen. Es dauerte ganze fünfzehn Monate, die weitaus überlege- nere hugenottische Flotte zu besiegen, die zeitweise von der englischen Marine unterstützt wurde. La Rochelle verlor 1628 ihre Autonomie und damit ihre Bedeutung als protestanti- scher Zufluchtsort. Richelieu gestatte den Hugenotten jedoch weiterhin das Recht auf protes- tantische Gottesdienste und schützte ihre bürgerlichen Freiheiten. Außerdem durften Huge- notten noch öffentliche Ämter bekleiden, sie wurden in der Armee und anderen Bereichen mehr oder minder gleichwertig behandelt (Reaman 1964, S. 55f.).
Als Louis XIV. (1643-1715) König wurde, war er mit seinen fünf Jahren ebenfalls wie sein Vorgänger noch nicht regierfähig. Es war wieder einmal die Mutter, welche die Regentschaft
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übernahm. Im fortgeschrittenen Alter wurde der Sonnenkönig zunehmend schwächlich und damit dem Einfluss der katholischen Geistlichen und seiner Geliebten ausgesetzt. Madame de Maintenon, die letzte seiner Mätressen, stammte zwar selbst von einer hugenottischen Familie ab, trat jedoch unter Zwang eines römisch-katholischen Verwandten schließlich dem Katholi- zismus bei. Den Hass gegenüber Hugenotten, den sie über die Jahre entwickelte, gab sie an den Sonnenkönig weiter (ebd., S. 57ff.).
Louis XIV. verachtete die Hugenotten vor allem wegen ihres politischen Einflusses. Über- haupt tolerierte er keine Gruppen oder Individuen, die eine Opposition zu seiner Herrschaft darstellten. Um 1678, nachdem er jegliche feindliche Mächte in Europa befriedet hatte, be- gann er seinen Kampf gegen den Protestantismus. Zuerst wurden alle Privilegien der Huge- notten gestrichen, die nicht gesetzlich festgeschrieben waren. Protestanten wurden von gewis- sen Berufen wie Arzt, Lehrer und allen öffentlichen Ämtern ausgeschlossen. Prediger wurden zu hugenottischen Gemeinden gesandt, um diese zur Bekehrung anzureizen. Es wurde vorge- schrieben, dass ein Kind im Alter von sieben Jahren sich für eine Konfession entscheiden könnte. Wenn das Kind irgendwie dazu gebracht wurde, sich für den Katholizismus zu ent- scheiden, wurde es gegebenenfalls von den „ungläubigen“ Eltern weggenommen und einem katholischen Heim übergeben, für dessen Aufrechterhaltung teilweise die Eltern des Kindes aufkommen mussten (ebd., S. 59f.).
Am 18. Oktober 1685 wurde schließlich das Edit de Nantes von Louis XIV. aberkannt. Pro- testantische Gottesdienste wurden verboten und protestantische Kirchen zerstört. Hugenotten durften künftig weder den Beruf eines Arztes, eines Chirurgen, eines Rechtsanwalts oder ei- nes Lehrers ausüben noch ein Amt in der Regierung innehaben. Jegliche protestantische Bü- cher (einschl. Bibeln) wurden eingesammelt und öffentlich verbrannt. Protestantische Geistli- che hatten zwei Wochen Zeit, das Königreich zu verlassen, viele der Hinterbliebenen wurden hingerichtet. Mit einmal verloren die Hugenotten ihre gesamten Bürgerrechte und ihr Eigen- tum, ihre Ehen wurden für ungültig erklärt (ebd., S. 60f.).
4 Die Flucht
Bereits vor dem Widerruf des Edikts von Nantes bewirkte der zunehmende Druck, dem Ka- tholizismus beizutreten, die Auswanderung vieler Hugenotten in Länder, in denen der Protes- tantismus staatlich anerkannt und geschützt wurde, z.B. die Niederlande, Preußen, England,
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Andreas Mittag, 2007, Zur Geschichte und Hinterlassenschaft der Hugenotten in Südafrika, Munich, GRIN Publishing GmbH
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