I. Inhaltsverzeichnis
I Inhaltsverzeichnis 2
II Vorwort 3
III Diskurse des Hybriden 4
IV Die Ars Electronica 2005 7
V Schnittstelle einer hybriden Welt 10
VI Musiktechnisches Verfahren und kulturtheoretisches 14
VII 17
VIII Nachwort 21
IX Literatur und Quellenverzeichnis 23
X Anhang 26
II. Vorwort
„Hybrid – Living in paradox“ hat sich die Ars Electronica 2005 zum Thema gemacht. So heißt es in der Einleitung „Hybrid Cultures“: „Hybrid – kein anderes Wort könnte die charak- teristischsten Bedingungen unserer Zeit besser beschreiben“ (Schöpf, 2005, S. 12). Doch was meint ‚hybrid’ in diesem Zusammenhang eigentlich?
Gerfried Stocker und Christine Schöpf führen in der oben genannten Einleitung mit der Auf- zählung von Begriffen wie ‚Politik’, ‚Wirtschaft’, ‚Kultur’, ‚Identität’, ‚Kreaturen’ und ‚Öko- logie’ gleich mehrere Bereiche an, in denen ‚Hybridität’ und ‚Hybridisierung’ im Zuge der Ars Electronica 2005 thematisiert worden sind (vgl. ebda.).
Folgende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Begriffsdefinition des Wortes ‚hybrid’ im Kon- text der Ars Electronica 2005. Hierbei werden die unterschiedlichen Diskurse, die Thema der Ars Electronica 2005 gewesen sind, aufgeführt und anhand von Beispielen, die den Projekten innerhalb der Ars Electronica entnommen sind, näher untersucht. Weiterhin soll gezeigt wer- den, wie der Begriff in unterschiedlichen Forschungsdiskursen der letzten Jahrzehnte Ver- wendung gefunden hat und ob sich Gemeinsamkeiten bezüglich seiner Nutzung herausstellen lassen, die ein allgemeingültiges Bild seiner Verwendung erlauben.
III. Diskurse des Hybriden
Im Inhaltsverzeichnis zum Katalog der Ars Electronica 2005 sind die einzelnen Beiträge und Projekte verschiedenen Diskursen des Hybriden zugeordnet, die da wären: „Hybrid Cultures“, „Hybrid Politics“, „Hybrid Ecologies“ und „Hybrid Creatures“.
Im Folgenden soll daher herausgestellt werden, welche Bedeutung der Begriff ‚Hybrid’ im Kontext der verschiedenen Diskurse einnimmt, beziehungsweise wie er von den Teilnehmern der Ars Electronica 2005 in ihren jeweiligen Arbeiten thematisiert wird.
Vorerst beschäftigt sich der folgende Abschnitt aber mit der Darstellung der ursprünglichen Begriffsdefinition. Zudem soll ein Überblick darüber gegeben werden, in welchen Diskursen diese Begriffsdefinition innerhalb der modernen Forschung bisher Verwendung gefunden hat und welche Bedeutung der Begriff dort einnimmt.
In seiner lexikalischen Definition bedeutet ‚hybrid’ „[...] gemischt, aus Verschiedenem zu- sammengesetzt“ (Der kleine Duden, 1991, S. 169).
Als Fachterminus wird er vor allem in natur- und technikwissenschaftlichen Diskursen einge- setzt. So bezeichnet der Begriff der ‚Hybridsierung’ in der Chemie die „[...] Verschmelzung von Atomorbitalen derselben Hauptquantenanzahl, aber unterschiedlicher Nebenquantenzah- len [...]“ (Neumüller, 2003, S. 316) und in der Biologie (dort: ‚Hybride’) einen „Mischling, [einen] Abkömmling zweier Lebewesen versch. Rasse, Art oder Gattung [...]“ (Der Brock- haus, 2000, S. 79), wobei der Begriff hier hauptsächlich für die Pflanzenwelt Verwendung findet (siehe auch: Ebd., S. 398).
Sowohl in der Chemie und Biologie, als auch in der Medizin und Technik, bezieht sich der Begriff auf eine Kombination verschiedener Elemente, mit dem Ziel, eine Effizienzsteigerung herbeizuführen. Ein wesentliches Merkmal von Hybridisierung in natur- und technikwissen- schaftlichen Diskursen ist zudem ein erhöhter Komplexitätsgrad, so zum Beispiel bei der Entwicklung immer komplexer werdender Rechner (vgl. Schneider, 1997, S. 18f.). Seit der Begriff vor einigen Jahrzehnten auch außerhalb seiner Nutzung als Fachterminus in anderen Forschungsbereichen Einzug gefunden hat, findet man ihn heutzutage in zahlreichen Diskursen innerhalb der Forschung wieder.
Hierzu schreibt Irmela Schneider, dass man „generell [...] zwischen naturwissenschaftlichen, technikwissenschaftlichen, soziologischen, ästhetischen, philosophischen, linguistischen oder medientheoretischen Diskursen des Hybriden“ (ebd., S. 17) unterscheiden könne. Weiterhin führt sie an, dass der Begriff zu den charakterisierenden Merkmalen von Analysen der post-
modernen Gesellschaft gehöre und „Hybridizität [...] sich in der postmodernen Gesellschaft – so eine These von William Bergquist – durch die Kombination von prämodernen und moder- nen Organisationsformen“ (ebd., S. 13) bilden würde. In dieser Bedeutung lässt sich dem Be- griff der ‚Hybridisierung’ der Begriff der ‚Modernisierung’ im Sinne einer linear verlaufen- den Entwicklung gegenüberstellen.
Egal ob als Fachterminus - wie in der Chemie oder Biologie - oder im metaphorischen Sinne gebraucht, lassen sich in allen Diskursen des Hybriden gewisse Gemeinsamkeiten in der Ver- wendung des Begriffes feststellen. Im Wesentlichen meint der Begriff immer eine Vermi- schung und Kombination verschiedener Elemente, um eine höhere Effizienz, beziehungswei- se ein besseres Ergebnis zu erreichen (vgl. ebd., S. 18).
Beispielsweise findet man in der Musik den Begriff der ‚Hybridtechnik’, der hierbei eine Kopplung analoger und digitaler Komponenten meint, mit dem Ziel die als ‚Stärken’ beider Systeme festgelegten Elemente, miteinander zu kombinieren, also zu einer höheren Effizienz zu gelangen (vgl. Burow, 1998, S. 89 und S. 336).
Im Bereich medientheoretischer Diskurse hat die ,Kategorie des Hybriden’ auch die Sichtwei- se auf die Beziehung zwischen Mensch und Technik verändert. So schreibt Frank Hartmann:
Mensch und Technik als Gegensatz zu denken würde den medientheoretischen
Diskussionsstand unterlaufen. Seit die Maschinen des Industriezeitalters ihre Macht an die Medien abgegeben haben, hat auch das einst von Heidegger be- schworene Wesen der Technik sich verändert (Hartmann, 2003, S. 41).
In diesem Kontext spricht der Medienwissenschaftler Marshall McLuhan von der „hybriden Energie“ (vgl. McLuhan, 1995, S. 84), welche sich aus der Beziehung zwischen Mensch und Medien ergeben würde. Auch McLuhan sieht im Prozess der Hybridisierung eine Effizienz- steigerung (vgl. ebda.). Hybridisierung bedeutet für McLuhan „[...] Umbruchphasen in der Medienentwicklung [...]“ (Schneider, 1997, S. 31). Neue Medien würden auf bereits beste- hende Medien einwirken, sie verändern, und die daraus resultierende Vermischung (wie wei- ter oben erwähnt ein Kernelement von Hybridisierung) ließe dann ein klareres Bild der ein- zelnen Komponenten entstehen, da eine deutlichere Differenzierung als zuvor notwendig sei. Gleichzeitig führt McLuhan an, dass die Hybridsierung von Medien die menschliche Sinnes- wahrnehmung verändern würde (vgl. McLuhan, 1995, S. 91), wobei sich grundsätzlich zwei Hauptphasen unterscheiden ließen: „Die Entwicklung von der oralen zur Schriftkultur und die Entwicklung zum elektronischen Zeitalter“ (Schneider, 1997, S. 31).
Nimmt man McLuhans Ausführungen als Beispiel dafür wie der Begriff der ‚Hybridisierung’ innerhalb eines wissenschaftlichen Diskurses im metaphorischen Sinne gebraucht wird, so
lassen sich eindeutig Gemeinsamkeiten mit seiner Verwendung als Fachterminus feststellen. Auch bei McLuhan meint Hybridisierung einen Prozess, bei dem sich unterschiedliche Ele- mente miteinander vermischen, Neues entsteht, und es zu einer Effizienzsteigerung und er- höhter Komplexität kommt.
Versucht man nun die Thematisierung der ‚Kategorie des Hybriden’ in den verschiedenen Diskursen bezüglich ihrer Gemeinsamkeiten zu analysieren, so lassen sich letztendlich einige allgemeingültige Punkte aufführen, die jeden Diskurs des Hybriden charakterisieren und ge- mäß Irmela Schneider wie folgt zusammengefasst werden können:
1. „Hybridisierung gehört als Kulturphänomen seit rund zwei Jahrzehnten zur Signatur
der Zeit. Prozesse der Hybridisierung bilden ein verbindendes Merkmal für Entwick- lungen, die auf ganz unterschiedlichen Sektoren und in bezug auf sehr heterogene Phänomene zu beobachten sind“ (Schneider, 1997, S. 56).
2. Der Prozess der Hybridisierung ruft eine Steigerung der Effizienz hervor und führt zu
größerer Komplexität. Dies lässt sich vor allem im Bereich der Technologie aufzeigen, wo Faktoren wie Multifunktionalität oder erhöhte Prozessorgeschwindigkeit von Be- deutung sind.
3. Die Diskurse des Hybriden machen bisher geltende, grundlegende Unterscheidungen
und Trennungen (Dichotomien) ungültig 1 und erfordern eine Theorie des Hybriden,
die komplex genug sein muss, um die daraus entstehenden Entwicklungen, welche e- ben nicht nur linear in Richtung eines der beiden Extreme verlaufen, ausreichend be- schreiben zu können.
Dies erfordert vor allem auch eine notwendig gewordene Interdisziplinarität in der Analyse solcher Hybridbildungen, die „[...] nicht analysiert werden [können], wenn man das Denken allein an Disziplinen und Gegenständen ausrichtet“ (ebd., S. 57), sondern eher dann, wenn man Denkkategorien der Problemzusammenhänge folgt. Dies resultiert daraus, dass eine Isolierung von Hybridbildung als Einzelphänomen nicht erfolgen kann (vgl. ebd., S. 56ff.).
1
Siehe hierzu auch das Zitat von Frank Hartmann auf Seite 3.
IV. Hybrid - Living in paradox: Die Ars Electronica 2005
Der erste Themenkomplex mit dem sich die Ars Electronica 2005 auseinandersetzt trägt den Oberbegriff ‚Hybride Kulturen’.
Die zentrale Fragestellung dieses Komplexes lässt sich folgendermaßen formulieren: „Wie ist das Bild des Menschen von seiner Umwelt und von sich selbst in einer hybridisierten Welt?“. Hieraus ergeben sich folglich mehrere Grundfragen, die erst zur obigen zentralen Fragestel- lung hinleiten. Es muss geklärt werden inwiefern unsere Welt als hybrid bezeichnet werden kann und wichtiger noch, welche Position der Mensch, als vielleicht ebenfalls hybrides We- sen, in dieser einnimmt?
„Der Mensch ist der erste Hybrid“ (de Kerckhove, 2005, S. 18), schreibt Derrick de Kerckho- ve im Kontext der Ars Electronica 2005 und sagt weiterhin auch, dass sich die Menschheit in einem stetigen Zustand der Hybridisierung befinden würde (vgl. ebda.). Zu recht fragt sich de Kerckhove nun, warum es dann überhaupt sinnvoll sei, sich mit diesem Zustand auseinander zu setzen? Seiner Ansicht nach ließe sich diese Frage mit dem Aufkommen neuer Impulse der Hybridisierung innerhalb der letzten Jahrzehnte beantworten. Er spricht hiermit vor allem die Digitalisierung an. Für de Kerckhove ist sie ,Werkzeug der Hybridisierung’, welches „[...] die (bestehenden) Fähigkeiten des Alphabets, als Übersetzer menschlicher Erfahrungen und Schöpfer von Technologien zu fungieren, um ein vielfaches“ (ebda.) vergrößern würde. Was zeichnet die Digitalität aus? Welche Bedeutung hat diese Technologie für die Diskurse des Hybriden? Da Hybridisierung vor allem von Re-Kombination lebt, hat sich die Digitali- sierung zu einer ,mächtigen Instanz’ entwickelt, da sie „[...] alles auf Sequenzen von Nullen und Einsen reduziert [...]“ 2 (ebda.) und damit endlose Möglichkeiten zur Re-Kombination
ermöglicht. Auch Ollivier Dyens sieht im Digitalen den wesentlichen Motor einer zunehmen- den Hybridisierung. Er sieht darin gar die hybridisierte Realität verwirklicht; jene Realität, in der wir uns seiner Ansicht nach heutzutage befinden würden (vgl. Dyens, 2005, S. 53ff.). 3
Nach Dyens sei der Wesenszug des Digitalen, seine Fähigkeit zur Simulation unserer Welt, ohne jedoch ortsgebunden zu sein, ohne Rückbezug zu dieser Welt. Der Ausdruck der Digita- lität sei ohne Ende und ohne Ursprung und somit dem klassischen ‚Raum-Zeit-Konzept’ ent-
2
Zum Grundprinzip digitaler Technologie siehe auch: Weibel, 1990, S. 31f.
3 Die hybridisierte Welt unterscheidet sich in ihren ontologischen Grundlagen von derjenigen der Vergangenheit, welche laut Dyens aus einer sogenannten biologischen und technologischen Realität bestanden hätte (vgl. Dyens, 2005, S. 50-52).
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Jeremy Iskandar, 2007, ‚Hybridität’ im Kontext der Ars Electronica 2005, Munich, GRIN Publishing GmbH
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