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RAF und Popkultur

Die Bedeutung der Selbstcodierung der terroristischen Gemeinschaft für die fehlende Konfliktentschärfung in den 1970er Jahren

Título: RAF und Popkultur

Presentación (Redacción) , 2006 , 21 Páginas , Calificación: 1,0

Autor:in: Anke Biehl (Autor)

Ciencias Culturales - Europa
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Bei der Auseinandersetzung mit dem Phänomen der „Roten Armee Fraktion“ im Zusammenhang mit der zunehmenden Konflikteskalation in den 1970er Jahren zwischen Staat und RAF in Deutschland stellt sich die interessante Frage nach dem Selbstbild der Gruppe. Denn die Zuschreibungen des Staates an die RAF als eine Organisation von gewalttätigen linken Terroristen, die das demokratische Fundament angreifen, wurden von den RAF-Mitgliedern und -Sympathisanten selbstverständlich nicht geteilt. Es soll im Folgenden herausgearbeitet werden, wie die Selbstcodierung der Gruppe eine Konfliktentschärfung verhindert, im Grunde unmöglich gemacht hat.
Um sich dem Selbstkonzept (der Selbstdarstellung, dem Selbstverständnis) der terroristischen Gemeinschaft anzunähern, ist zunächst zu fragen, wie sich eine Gemeinschaft formieren kann. Diese Formation erfolgt meist von zwei Seiten.
Zunächst einmal erfolgt Abgrenzung erfolgt von innen heraus durch geteilte Ideale, Vorstellungen und Feindbilder und eine bewusste Abgrenzung zur Umgebung. Zugleich kann die Entstehung einer Gemeinschaft außerdem von außen heraus gestärkt werden, durch Ausgrenzung der Gruppe, Ablehnung ihrer Vorstellungen und Ideale. Nicht zu vernachlässigen in diesem Formationsprozess ist die Stärkung des „Wir-Gefühls“ einer Gruppe durch eine Betonung der Differenzen mit der Umwelt, durch Konflikte zu den Anderen. So geschah es auch bei der RAF, deren Innenbild sich eklatant von dem Außenbild des Staates absetzte. Eine Annäherung war so schwer möglich. Was beiden Seiten in der Darstellung der Gruppe der RAF gemeinsam ist, lässt sich unter dem Phänomen der Überhöhung und Mystifizierung der Aktivisten fassen, auf Seiten des Staates durch eine übertriebene Staatsparanoia , auf der anderen Seite durch die zum Teil an die Popkultur angelehnte Codierung der RAF selbst, z.B. in Form von Heroisierung der Mitglieder.
Interessante Fragen sind also, ob sich die Terroristen selbst als „Terroristen“ wahrgenommen haben, was ihre Ideale, Vorstellungen, Erkennungsmerkmale darstellten, wie ihr Weltbild aufgebaut war und wieso daraus diese Eskalation besonders in den 1970er Jahren entstehen konnte.
Da die Selbstcodierung überwiegend über die Sprache verläuft – überspitzt lässt sich formulieren: „Ich bin, wie ich es sage!“ – finden sich viele Hinweise auf die Selbstsicht und Selbstperformance der RAF in ihrer Sprache, die daher im Folgenden als Grundlage einer Analyse untersucht werden soll.

Extracto


Gliederung

1. Einleitung

2. Die Rolle der Selbstcodierung in der Terroristengemeinschaft

3. Auf den Spuren der Selbstcodierung I: Geisslers kamalatta – romantisches fragment

4. Auf den Spuren der Selbstcodierung II: Gudrun Ensslins Briefe

5. Auf den Spuren der Selbstcodierung III: Thorwald Prolls Gedichte

6. Zusammenfassung und weitere Wege der Selbstcodierung

7. Fazit

8. Quellen

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht das Selbstverständnis und die sprachliche Selbstcodierung der RAF in den 1970er Jahren, um zu ergründen, inwiefern diese zur Verhinderung einer Konfliktentschärfung zwischen der Gruppe und dem Staat beitrug.

  • Analyse der sprachlichen Abgrenzung als Mittel der Gruppenidentität
  • Untersuchung von Literatur und Korrespondenz als Dokumente der Selbstkonzipierung
  • Psychologische und soziologische Aspekte des "Wir-Gefühls" und der Feindbildkonstruktion
  • Reflektion über die Rolle von Ideologie und Gewaltstrategie innerhalb der RAF

Auszug aus dem Buch

3. Auf den Spuren der Selbstcodierung I: Geisslers kamalatta – romantisches fragment

Der Roman „kamalatta – romantisches fragment“ von Christian Geissler erschien 1988. Auf 550 Seiten geht es thematisch vor allem um das Thema der Befreiung – persönlich, gesellschaftlich, politisch. Christian Geissler galt als einziger schreibender RAF Sympathisant, der öffentlich die gewaltsame Methode der Gruppe nicht abgelehnt hat, was ihm viel Kritik einbrachte. Allerdings zog sich Geissler später auf seine „neutrale“ Stellung als Schriftsteller zurück, was ihm auch von Seiten der RAF die Einordnung als „Feind“ zugetragen hätte, wie im Folgenden noch zu erkennen sein wird.

Das Buch kamalatta selbst schrieb Geissler im Zuge einer vierjährigen Abgeschiedenheit, nach dem er in Gefängnissen viele RAF-Häftlinge besucht und interviewt hatte. Schon der Titel deutet an, wie der Roman zu verstehen ist: als codierte Form des Ausdrucks der „Selbstbefreiung des Menschen“, wie ihn die RAF zum Ziel hatte.

„Kalamatta“ nämlich ist der Ort, an dem der griechische Freiheitskampf gegen die Türken begonnen hatte. „kamalatta“ bedeutet daher also, dass es um das Thema Befreiung/Freiheitskampf gehen wird, aber durch die Silbenverdrehung wird deutlich: dies ist keine offene, sondern eine codierte Beschreibung dieser Freiheit.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Darstellung der Forschungsfrage zur Selbstcodierung der RAF und ihrer Rolle bei der Konflikteskalation in den 1970er Jahren.

2. Die Rolle der Selbstcodierung in der Terroristengemeinschaft: Analyse der internen Gruppenbildungsprozesse und der Bedeutung einer codierten Sprache zur Abgrenzung vom "Feind".

3. Auf den Spuren der Selbstcodierung I: Geisslers kamalatta – romantisches fragment: Untersuchung von Christian Geisslers Roman hinsichtlich seiner Funktion als codierter Ausdruck des RAF-Selbstverständnisses.

4. Auf den Spuren der Selbstcodierung II: Gudrun Ensslins Briefe: Analyse der Gefängnisbriefe von Gudrun Ensslin als Zeugnis einer radikalen, klassenkampfgeprägten Weltsicht.

5. Auf den Spuren der Selbstcodierung III: Thorwald Prolls Gedichte: Betrachtung der Lyrik von Thorwald Proll im Kontext von Widerstand und Identitätsbildung innerhalb des Systems.

6. Zusammenfassung und weitere Wege der Selbstcodierung: Synthese der zentralen Motive, Symbole und kommunikativen Merkmale der RAF-Selbstkonzipierung.

7. Fazit: Zusammenfassende Einschätzung, dass die autistische und starre Selbstcodierung einen wesentlichen Beitrag zur Unmöglichkeit der Konfliktentschärfung leistete.

8. Quellen: Auflistung der verwendeten Literatur und Primärdokumente.

Schlüsselwörter

RAF, Selbstcodierung, Konflikteskalation, Terrorismus, Klassenkampf, Selbstbild, Gruppenidentität, Gudrun Ensslin, Christian Geissler, Thorwald Proll, Radikalisierung, Gewaltstrategie, Sprachanalyse, Randgruppenstrategie, Identitätsbildung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Selbstbild der RAF und analysiert, wie die Gruppe durch eine spezifische, "codierte" Sprache und Identitätskonstruktion die Kommunikation mit der Außenwelt verhinderte.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Die Themenfelder umfassen die soziologische Gruppenbildung, die psychologische Dynamik von Feindbildern sowie die Analyse von literarischen und privaten Texten aus dem RAF-Umfeld.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Es soll herausgearbeitet werden, warum die Selbstcodierung der RAF eine Deeskalation des Konflikts mit dem Staat in den 1970er Jahren unmöglich machte.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine inhaltsanalytische Herangehensweise, bei der Texte von Sympathisanten und Mitgliedern (Geissler, Ensslin, Proll) auf ihre sprachlichen Codes und Weltbilder hin untersucht werden.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung zur Selbstcodierung und drei detaillierte Fallanalysen: den Roman "kamalatta", die Briefe von Gudrun Ensslin und die Gedichte von Thorwald Proll.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die zentralen Begriffe sind RAF, Selbstcodierung, Klassenkampf, Identitätsbildung, Konflikteskalation und das dichotome Weltbild zwischen "Genossen" und "Schweinen".

Wie interpretierte die RAF das Konzept des "Feindes"?

Für die RAF war der "Feind" nicht nur ein politischer Gegner, sondern ein Repräsentant des unterdrückerischen kapitalistischen Systems, was eine Kompromissfindung von vornherein ausschloss.

Welche Rolle spielte Gudrun Ensslin in diesem Zusammenhang?

Ensslin wird als eine zentrale Figur analysiert, deren Briefe die "Trennungsstrich-Mentalität" zwischen der eigenen Identität als Revolutionärin und der bürgerlichen Welt eindrücklich verdeutlichen.

Warum wird der Roman "kamalatta" als wichtiges Dokument angesehen?

Er gilt als Beispiel dafür, wie innerhalb der RAF-nahen Szene eine künstliche, verschlüsselte Sprache zur Identitätsstiftung genutzt wurde, um sich von bürgerlichen Sprachkonventionen abzuheben.

Final del extracto de 21 páginas  - subir

Detalles

Título
RAF und Popkultur
Subtítulo
Die Bedeutung der Selbstcodierung der terroristischen Gemeinschaft für die fehlende Konfliktentschärfung in den 1970er Jahren
Universidad
University of Marburg  (Europäische Ethnologie/Kulturwissenschaften)
Curso
RAF und Popkultur
Calificación
1,0
Autor
Anke Biehl (Autor)
Año de publicación
2006
Páginas
21
No. de catálogo
V87764
ISBN (Ebook)
9783638033121
Idioma
Alemán
Etiqueta
Popkultur
Seguridad del producto
GRIN Publishing Ltd.
Citar trabajo
Anke Biehl (Autor), 2006, RAF und Popkultur, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/87764
Leer eBook
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