Friedrich Schiller Universität Jena
Institut für Sprachen und Kulturen des Vorderen Orients
PS: Jüngere islamische Geschichte
,,Die inneren und äußeren Ursachen des Niedergang des Osmanischen Reiches im
17./18. Jahrhundert."
vorgelegt von:
André Walter
Studiengang: Islamwissenschaften/Erziehungswissenschaften/Soziologie
Abgabedatum:
11.11.2007
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Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die regionale Ausdehnung im 17. Jahrhundert
3. Das Osmanische Reich im 17. Jahrhundert
3.1 Der Außenpolitische Niedergang
3.2 Innenpolitische Umstrukturierung, Machtkämpfe und Aufstände
4. Der wirtschaftliche Niedergang des Osmanischen Reiches
5. Das Osmanische Reich im 17. Jahrhundert
5.1 Die Gebietsverluste
5.2 Innere Veränderungen und Krisen
5.3 Unabhängigkeitsbestrebungen im osmanischen Territorien
6. Schlusswort
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Einleitung
Thematik dieser Arbeit ist das Osmanische Reich im 17. Und 18. Jahrhundert. Diese
beiden Jahrhunderte, die in der Geschichtsschreibung als Zeit des Niederganges des
Osmanischen Reiches aufgefasst werden, sollen näher beleuchtet werden. Der
Schwerpunkt hierbei wird auf den militärischen Auseinandersetzungen mit den
europäischen Mächten Habsburg, Venedig, Polen und Russland sowie mit dem
Persischen Reich liegen. Weitere Schwerpunkte sind die innere Verfassung der
Staatsstruktur des Osmanischen Reiches sowie die wirtschaftliche Entwicklung in diesen
beiden Jahrhunderten.
Dabei sollen Änderungen in der staatlichen Struktur dargelegt und daraus resultierende
Probleme und Wandel im Machtgefüge des Osmanischen Reiches beleuchtet werden. Des
Weiteren sollen Veränderungen in der europäischen Wirtschaft mit Beginn der
Industrialisierung und ihre Auswirkungen auf das Osmanischen Reich dargestellt und im
Anschluss problematisiert werden. Dabei liegt ein zusätzlicher Schwerpunkt auf den
militärischen Auseinandersetzungen des Osmanischen Reiches mit den europäischen
Mächten und dem Persischen Reich. Besonderes Augenmerk hierbei sind die daraus
folgenden Auswirkungen, wobei die Belagerung von Wien 1683 die wohl folgenreichsten
war. Ferner sollen anhand einiger Beispiele Unabhängigkeitsbestrebungen in den
nordafrikanischen Gebieten und Territorien der Arabischen Halbinsel dargestellt werden.
Ziel dieser Arbeit ist es, die Problematiken aus den genannten Bereichen des
Osmanischen Reiches zu analysieren. Dabei soll erörtert werden, welche die
schwerwiegendsten Ursachen für den Niedergang des Osmanischen Reiches waren.
2. Die regionale Ausdehnung im 17. Jahrhundert
Seine größte Ausdehnung erreichte das Osmanische Reich im 17. Jahrhundert. Der
Herrschaftsbereich erstreckte sich im Süden auf die nordafrikanischen Küstengebiete
sowie auf Ober- und Unterägypten, den Hedschas, Jemen und weitere Gebiete am Roten
Meer. Im Osten endete das Reichsgebiet zu Georgien und Aserbeidschan, die östlichsten
Provinzen Bagdad und Basra grenzten am persischen Safawidenreich. Die Balkanländer
stellten den westlichen Teil des Herrschaftsgebietes zu der Mittelmeermacht Venedig.
Ungarn als auch die osmanischen Vasallengebiete Walachei, Moldau und das Chanat der
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Krim gehörten zu den nördlichsten Ausdehnungsbereichen, die an das Habsburger Reich,
Polen und das russische Reich grenzten.
3. Das Osmanische Reich im 17. Jahrhundert
3.1 Der Außenpolitische Niedergang
Schon im 16. Jahrhundert verlor das Osmanische Reich einen Teil seiner
Großmachtstellung. 1571
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wurde die osmanische Flotte bei Lepanto von einer Flotte der
Heiligen Liga, bestehend aus Venedig und Spanien, besiegt. Die osmanische Flotte war
zwar ein Jahr später wieder vollständig aufgebaut, jedoch wurde die Hegemonie des
Osmanischen Reiches im Mittelmeer gebrochen. Danach beschränkte sich der
Machtbereich nur noch auf das östliche Mittelmeer.
Des Weiteren dauerte der Krieg gegen das habsburgerische Österreich bis 1606 an.
Dessen Folge war, das sich die Habsburger aus der osmanischen Tributpflicht befreien
konnten. Danach mussten sich die Habsburger dem Dreißigjährigen Krieg zuwenden und
die Osmanen verlegten ihren militärischen Schwerpunkt auf den Krieg gegen die
Safawiden. Der Schah Abbâs I. (reg. 1588 1629) eroberte 1603 Aserbeidschan und
1623 Bagdad und Mossul von den Osmanen. Diese eroberten 1629 Mossul und 1638
Bagdad wieder zurück. 1639 wurde zwischen den Osmanen und den Persern ein
Friedensvertrag geschlossen, der bis 1726 hielt. 1635 ging nach fast 100 Jahren die
Provinz Jemen verloren. In der Herrschaftszeit der Osmanen kam es immer wieder zu
Aufständen des zaiditischen Imams und lokalen Stammesführern. Jemen wurde in dieser
Zeit durch den aufkommenden Kaffeehandel für die europäischen Mächte interessant.
Inwieweit die Europäer in der Rebellion gegen die Osmanen involviert waren, ist
unbekannt.
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Darauf folgte in den fünfziger Jahren des 17. Jahrhunderts
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der Krieg gegen
Venedig um Kreta, das die Osmanen trotz ihrer Niederlage 1571 erobert hatten und halten
konnten. 1672 kam es zu Kampfhandlungen zwischen Polen und dem Osmanischen
Reich, da sich die Kosaken im Westteil der Ukraine von Polen lossagten und sich unter
osmanische Oberhoheit stellten. Polen verlor dabei den Westteil der Ukraine. Als jedoch
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Faroqhi gibt 1573 an (Faroqhi, 2000, S.37), die überwiegenden Quellen wie Matuz (Matuz, 1990, S.139),
Kreiser (Kreiser, 2001, S.28) und Shaw (Shaw, Stanford Jay; Shaw, Ezel Kural, 1995, S.178) 1571
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Vgl. Kellner-Heinkele, 2001, S.331
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Krieser (Kreiser, 2001, S. 28) und Matuz (Matuz, 1990, S. 168) geben den Kriegsausbruch 1645 an,
Faroqhi (Faroqhi, 2000, S.65) und Shaw (Shaw, Stanford Jay; Shaw, Ezel Kural, 1995, S.200) dagegen
1644
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der Hetman
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der Kosaken im Westteil der Ukraine sein Amt 1676 an seinen
Amtskollegen im östlichen Teil der Ukraine übergab, welches unter russischer Oberhoheit
stand, kam es 1678 zum Krieg zwischen den Osmanen und dem russischen Zarenreich.
Dieser endete 1681.
Als 1782 das Habsburger Reich dem eigenständig gewordenen Ungarn Zugeständnisse
erteilte, fiel dieses von dem Osmanischen Reich ab. Folge dieses Verlustes war, das die
Osmanen den Habsburgern den Krieg erklärten. 1683 wurde Wien belagert, jedoch
wurden die Belagerer durch ein den Habsburgern zu Hilfe kommenden polnischen Heer
am 12.9.1683 geschlagen. Die darauf 1684 entstandene Allianz der ,,Heiligen Liga",
bestehend aus Habsburg, Venedig und Polen, der sich 1685 auch Russland anschloss,
führte eine Offensive gegen das Osmanische Reich. Bis 1688 wurden die osmanisch-
ungarische Hauptstadt Buda
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, Belgrad, Athen, Morea
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und Siebenbürgen von der
,,Heiligen Liga" erobert. Die Osmanen starteten 1690 eine Gegenoffensive, um den
Habsburgern Serbien, Belgrad und Siebenbürgen wieder zu entreißen. Ein Grund für
diesen Sieg war, das die Habsburger einen Teil ihrer Streitkräfte abziehen mussten, da die
mit den Osmanen verbündeten Franzosen 1688 die Pfalz eroberten. Jedoch verloren die
Osmanen 1696 die Festung Asov
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an den russischen Zar.
Der 1699 geschlossene Friedensvertrag von Karlowitz bestätigte den Niedergang des
Osmanischen Reiches. Ungarn war endgültig verloren, der Verlust der Festung Asov
wurde bestätigt und dem Zarenreich musste der ungehinderte Schiffsverkehr im
Schwarzen Meer gestattet werden sowie ein freier Zugang zum Mittelmeer.
3.2 Innenpolitische Umstrukturierung, Machtkämpfe und Aufstände
Zu Beginn des 17. Jahrhunderts befand sich das Osmanische Reich in einer
innenpolitischen Krise. Die Staatsstruktur veränderte sich. Es begann die Zeit der
Weiberherrschaft. Charakteristisch für diese Epoche ist, das die künftigen Sultane bis zu
ihrer Thronbesteigung im Harem aufwuchsen und somit, isoliert von der Außenwelt,
unter dem Einfluss ihrer Mütter und ihrer bis zu vier Gattinnen lagen. Mit Konkubinen,
Arbeitssklavinnen und den schwarzen Eunuchen, Agas genannt, wuchs die Zahl der
Haremsfrauen auf über 2000 an. Durch die unterschiedliche Herkunft der Frauen und die
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Hetman, Oberster Befehlshaber der Kosaken, siehe Matuz, 1990, S.180
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Buda, Stadtteil vom heutigen Budapest, bei Matuz der deutsche Begriff Ofen für Buda verwendet (Matuz,
1990, S.186)
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Mittelalterliche Name für Peloponnes
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Asow oder Asov, liegt im Südwesten vom heutigen Russland
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