Inhalt
1 Einleitung 3
2 Zur Person 5
3 Der ganzheitliche bessere Gebrauch des Körpers nach
Alexander 6
4 Grundlegende Prinzipien nach Alexander 10
4.1 PRIMÄRKONTROLLE 10
4. 2 INHIBITION 11
4. 3 Unzulässige Einschätzung der Sinneswahrnehmung 13
4.4 Ausrichtung durch Direktiven 15
4.5 Ziele und Mittel 16
5. Zusammenfassende Übersicht 17
6. Fazit 18
7 Literatur: 19
2
1 Einleitung
Die steigende Anzahl von Herz- Kreislauferkrankungen, Deformierungen des Bewe- gungsapparates und psychosozialen Fehlentwicklungen ist alarmierend. Körperliche Arbeit ist selten geworden und ganze Berufszweige werden durch Computer ersetzt. Ähnliches gilt auch für die Freizeit von Kindern. Ökonomisierung und Rationalisie- rung als Schlagwörter unserer Gesellschaft lassen basale Bedürfnisse verküm- mern.1 Der Organismus ist aber als Bewegungswesen bestimmt. Unsere Organsysteme müssten sich eigentlich ständig mit den ihnen zugedachten Funktionen beschäftigen. Da Menschen eine langsamere Anpassungsfähigkeit haben, können sie nicht mit den zivilisatorischen Fortschritt mithalten. Wir sind in unseren psycho- sozialen und bio- logischen Grundmustern nach wie vor quasi Urmenschen. F.M. Alexander kritisierte schon am Anfang des 20. Jahrhunderts, dass wir uns immer noch auf unsere mitt- lerweile unzureichenden Instinkte verlassen.
Sport sollte dabei helfen die Diskrepanz aufzulösen und die psycho-sozialen Grund- muster wieder herstellen. Leistungssport erzeugt oft selbst vielfältige gesundheitli- che Probleme und kann diese Aufgabe nicht lösen. Der Bewegungsbegriff sollte vielmehr die Vielschichtigkeit und Ganzheit des Menschen mit einbeziehen. Ähnlich umfassend ist der Gesundheitsbegriff anzulegen. Die WHO bietet gute Richtlinie: „Zustand vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlbefindens.“
Erziehung zur Gesundheit durch Sport muss also auf ein ganzheitliches Verständnis von Gesundheit aufbauen und dieses zum Ausgangs- und Zielpunkt haben. Physi- sche, psychische, soziale und ökologische Aspekte müssen integriert werden. Ge- sundheit ist keine feste Größe.
Zur äußeren Sichtweise (ortsverändernde Bewegung = movement), sollte die innere Sichtweise (motion) hinzu gezogen werden. Im Zentrum steht hier das Bewegungs- gefühl. Das heißt das körperinnere- kinästhetische Fühlen einschließlich emotionaler
1 Vgl. Meyners, E., Bewegung in der Schule am Menschen und nicht primär am kulturell geprägten Sport orientieren. In: Pau- lus, P./ Brückner, G. (Hg.), Wege zu einer gesünderen Schule. Tübingen 2000, S. 135-152
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Bewegungen auch in alltäglichen Situationen körpergerecht zu gestalten. Alexander ging es um den sinnvollen Gebrauch des Selbst aller Menschen und machte dessen Erforschung zu seinem Lebenswerk. Seine Erkenntnisse sind nicht nur für die Schu- le relevant, sondern für alle Menschen, die sich für ihren Körper verantwortlich fühlen und danach streben sich selbst bestmöglichst gerecht zu werden. Folgendes Zitat verdeutlicht dieses Ziel meiner Meinung nach sehr gut:
„Ein Individuum erfreut sich nur dann bester Gesundheit, wenn es seinen Körper so gebraucht, dass keinerlei Überbeanspruchung einzelner Teile eintritt. Das bedeutet, dass der Körper im Stehen ganz aufgerichtet sein muss, ohne besondere Belastung einzelner Gelenke, Knochen, Bänder, Muskeln oder anderer Strukturen. Es sollte genügend Platz geben für ale Eingeweide, so dass sie uneingeschränkt funktionieren können.“ 2
Im Folgenden möchte ich zunächst unter Punkt 2 einen kurzen Überblick über Ale- xanders Entdeckung und sein Leben geben. Unter Punkt 3 werde ich dann zusam- menfassend beschreiben, was mit dem besseren Gebrauch des Körpers gemeint ist und wie der Körper nach Alexander als psycho-physische Einheit funktioniert, denn nur auf dieser Basis werden die wichtigsten Prinzipien nach Alexander deutlich. Ale- xanders Grundlegensten Ideen (Primärkontrolle, unzulässige Sinneswahrnehmung, Inhibition, Ausrichtung durch Direktiven, Ziele u. Mittel) erläutere ich dann noch ein- mal unter Punkt 4 einzeln. Der Punkt 5 soll dann einen zusammenfassenden Über- blick ermöglichen. Unter Punkt 6 werde ich versuchen ein abschließendes Fazit zu ziehen.
2 Drake, J.: Alexandertechnik im Alltag. Wie sie Bewegung und Haltung verbessern können. München, 1993, S.15.
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2 Zur Person
F.M. Alexander wurde 1869 in Tasmanien geboren. Seine beginnende Karriere als Rezitator musste er wegen Hals- und Stimmband Problemen aufgeben. Ärzte und Stimmbildner konnten ihm nicht helfen und so kam es, dass er einen Grad an Hei- serkeit entwickelte, der sogar zeitweise zum vollständigen Stimmverlust führte. Schonung stellte seine Stimme zwar immer wieder her, aber unter der Anspannung einer Vorstellung versagte sie erneut. Durch konsequente Selbstbeobachtung ent- deckte Alexander, dass er es selbst war, der seine körperlichen Probleme durch fal- schen Gebrauch verursachte. Durch seine Experimente wurde ihm klar, dass seine Probleme weniger auf einen übermäßigen Gebrauch seines Stimmapparates, als vielmehr auf einen Missbrauch seines ganzen Körpers zurückzuführen waren. Durch eine komplexe Umstellung und Neuausrichtung seines Körpers überwand er nicht nur seine Stimmprobleme. Er bemerkte auch, dass mit dem Wiedererlangen seiner vollen stimmlichen Möglichkeiten auch eine wesentliche Verbesserung seines Ge- sundheitszustandes einherging. Diese Entdeckung faszinierte ihn so sehr, dass er sein Leben der Weiterentwicklung des richtigen Körpergebrauchs widmete. Er hatte den Schlüssel zu einer Methode gefunden, die unsere Koordination und damit alle Funktionen unseres Körpers grundlegend verbessern kann.
Steigende Schülerzahlen und Erfolge bei anderen, führten auch auf Seiten der Ärzte zu Anerkennung und Respekt. Dennoch musste sich Alexander immer wieder Kritik stellen und seine Vorgehensweise rechtfertigen. Alexander schrieb mehrere Bücher über seine Methode und eröffnete sogar eine Schule, in der nach seinen Prinzipien unterrichtet wurde. 1955 starb Alexander in seine Wahlheimat London.
Heute gibt es in nahezu allen Teilen der Welt Ausbildungsinstitute, in denen Alexan- der-Lehrer seine Arbeit fortsetzen.
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3 Der ganzheitliche bessere Gebrauch des Körpers nach Alexander
Alexanders Technik ist mehr als eine Haltungsschulung oder Entspannungstechnik, sie ist auch nicht als Spezialbehandlung für schmerzende Körperteile zu verstehen, sondern viel eher als Wiederaktivierung unseres sechsten Sinnes, der uns dabei hilft unsere Muskeln wieder optimal für Haltung, Bewegung und Kommunikation unseres emotionalen Zustandes einzusetzen. 3
Der Begriff Technik ist daher sehr irreführend, denn seine Prinzipien haben nichts mit vorgefertigten statischen Bewegungsausführungen gemeinsam. Treffender wäre die Formulierung Methode, Erziehung oder Neuausrichtung des Körpers, denn Alexan- ders Ansatz kann auch als Prozess der seelisch- körperlichen Umerziehung betrach- tet werden. Gewohnheitsmäßige Bewegungen sollen aufgespürt, aber nicht durch neue unkontrollierte Bewegungen ersetzt werden.
Ziel ist die Verhinderung von gewohnheitsmäßigen Reaktionen. Falsche verinnerlich- te Muster sollen abgelegt werden, die Wahrnehmung von Sinneseindrücken soll ver- ändert werden, so dass über längere Zeit ein besserer Gebrauch des Körpers ein- setzt. Denn diese falschen gewohnheitsmäßigen Muster schädigen nach Alexander, das ganzheitliche Funktionieren des Menschen, so dass der psycho-physische Ge- samtorganismus beeinträchtigt wird. Die Schüler sollen lernen das zu erkennen und zu unterbinden.
Das heißt, dass man situationsangemessener reagieren lernt. Es geht nicht um stati- sche Haltungen, sondern um ein dynamisches Ausbalancieren des Körpers in jeder alltäglichen Bewegung.
3 Vgl. Ebd. S.8
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Jana Wiedeking, 2006, Die Alexandertechnik - der Körper als psycho-physische Einheit, Munich, GRIN Publishing GmbH
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