Inhalt
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1. Einleitung
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2. Zur Datenlage
2.1. Geeignete Erhebungsverfahren 5
2.2. (Neue) Zahlen zu Migration und Bildungsabschlüssen 6
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3. Mögliche Ursachen für das Bildungsniveau von Migranten
3.1. Sprachliche Barrieren als wesentliches Charakteristikum 8
3.2. Gescheiterte Sozialisation 10
3.3. Von der Schule in den Beruf 13
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4. Migration und Bildungswesen in der bisherigen Praxis
4.1. Allgemein schulischer Umgang mit Migration 15
4.2. Die Rolle des Lehrers 17
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5. Fazit und Ausblick
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6. Literaturverzeichnis
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1. Einleitung
„Ein Land mit nur einer Sprache und einer Sitte ist schwach und gebrechlich. Darum ehre die Fremden und hole sie ins Land.“ Mit diesen Worten sprach sich bereits der ungarische König Stephan I. (975-1038) für eine kulturelle Vielfalt aus. In der Tat kann es sich als positiv herausstellen, wenn Menschen auslän- discher Herkunft in ein Land einwandern; einen entscheidenden Aspekt stellt dabei die gegenseitige Bereicherung dar. Denn bei ihrer Zusammenkunft kön- nen verschiedene Völker nicht nur anderen Lebensweisen gegenüber mehr To- leranz einüben, sondern auch vieles voneinander lernen. Gerade in Zeiten der Globalisierung, in denen eine gegenseitige Abhängigkeit einzelner Nationen vorherrscht, ist ein solcher Prozess unerlässlich. Allerdings bringt eine Zuwan- derung anderer Bevölkerungsgruppen auch Probleme mit sich und stellt das Einwanderungsland vor gewisse Herausforderungen. So besteht für es eine zentrale Aufgabe darin, die Zuwanderer aus anderen Nationen – die ohnehin eine Minderheit darstellen – so gut wie möglich einzugliedern; unter Berücksich- tigung wechselseitiger Beziehungen soll aus ehemals verschiedenen Teilsys- temen eine Einheit entstehen. Dieser angestrebte Verlauf wird als Integration bezeichnet, die jedoch nur dann erfolgreich sein kann, wenn die zugewanderten Gruppen in nahezu allen Lebenslagen an den Status der einheimischen Bevöl- kerung angepasst werden. Damit die Bürger fremder Herkunft diesen Status erlangen können, müssen sie aber auch dem Einwanderungsland gleiche oder ähnliche Voraussetzungen erfüllen. Dazu gehört in erster Linie das Bildungsni- veau: Weil generell eine gute Schul- und Berufsausbildung eine Basis darstellt, um die spätere Existenz abzusichern, werden gerade in den Industrienationen ein Bildungsabschluss und damit verbundene Zukunftsperspektiven als äußerst wichtig erachtet. Doch vor allem sprachliche und kulturelle Disparitäten wirken sich häufig ungünstig auf das Bildungsniveau von Zugewanderten im Aufnah- meland aus.
Mit eben dieser Thematik befasst sich die vorliegende Arbeit. Insbesondere wird hier versucht zu skizzieren, welche Probleme im Bildungswesen aufgrund der Zuwanderung verschiedener Nationen nach Deutschland entstehen und wie sie behoben werden könnten. (Diese Zuwanderung wird im Folgenden auch als Migration bezeichnet.) Zuerst soll dabei aufgezeigt werden, welche gravieren-
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den Unterschiede bezüglich ausgewählter Bildungsabschlüsse zwischen Migranten und Deutschen ohne Migrationshintergrund zu verzeichnen sind. Als Ausgangsbasis für die folgenden Überlegungen dient deshalb die dazugehörige aktuelle Datenlage. Damit jedoch die Zuverlässigkeit der beschriebenen Situati- on abgesichert werden kann, kommt vorab dem Blick auf verschiedene Analy- severfahren zu jener Datenerhebung eine große Bedeutung zu. Weiterhin scheint die Erläuterung möglicher Erklärungsansätze des aktuellen Zustandes durchaus angebracht; schließlich können auftretende Probleme besser beho- ben werden, wenn ihre Ursachen bekannt sind. Weil oft davon ausgegangen wird, dass sprachliche Schwierigkeiten im Wesentlichen für die durchschnittlich schlechteren Bildungsabschlüsse verantwortlich sind, die von Migranten in Deutschland erworben werden, sollen sie zu Beginn des nächsten Abschnittes eine relevante Rolle spielen. Jedoch kommen auch andere Faktoren in Frage, die häufig verkannt werden: Wie sieht eigentlich die allgemeine Sozialisation von Migranten in Deutschland aus? Vor allem soll hier das Augenmerk auf kul- turelle Diskrepanzen gerichtet werden, die sich in der Berufsausbildungs- oder Arbeitsplatzsuche fortsetzen und denen so eine gewisse Mitverantwortlichkeit für das Bildungsniveau von Eingewanderten nicht abgesprochen werden kann. Nachdem die Ursachen der beschriebenen Lage erörtert wurden, soll aufge- zeigt werden, wie bislang versucht wird, diesen Problemen in der Praxis zu be- gegnen. Optimierungsmaßnahmen sind aber nicht nur Aufgabe der Politik, son- dern auch Aufgabe des einzelnen Lehrers. Aus diesem Grund werden Schwachstellen beider Seiten herausgearbeitet, um letztendlich in der Praxis noch nicht berücksichtigte Lösungsansätze vorzustellen, welche durchaus reali- sierbar wären und die zuvor angesprochene Problematik noch intensiver behe- ben könnten. Dabei soll auch ein Seitenblick auf die Ausländerpolitik anderer Staaten als Anregung dienen.
Wörtlich oder inhaltlich entnommene Stellen anderer Beiträge sind in der vor- liegenden Arbeit durch Verweise in Klammern kenntlich gemacht. Alle anderen eingeklammerten Hinweise, z.B. (vgl. 2.1.), sind Binnenverweise dieser Arbeit.
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2. Zur Datenlage
2.1. Geeignete Erhebungsverfahren
In den vergangenen Jahren berief man sich bei der Darstellung migrationsspe- zifischer Probleme im Bildungswesen überwiegend auf amtliche Statistiken zur Einwanderung. Offenbar wurden jener Erhebungsmethode viele Vorteile zuge- rechnet; denn immerhin kann durch sie die Präsenz von Schülern mit Migrati- onshintergrund an den verschiedenen Schulformen in Zahlen abgebildet wer- den. Dabei lassen sich auch eventuelle Unterschiede zwischen einzelnen Bun- desländern oder Landkreisen leicht nachweisen (vgl. Diefenbach 2004, S. 227). Allerdings ist – wie erst später erkannt wurde – die Verwendung amtlicher Sta- tistiken mit erheblichen Nachteilen verbunden: Personen mit Migrationshin- tergrund werden darin lediglich über das sogenannte Ausländerkonzept ermit- telt, das an der Staatsangehörigkeit orientiert ist. Deshalb können nur jene Migranten erfasst werden, die nicht im Besitz der deutschen Staatsangehörig- keit sind; bereits eingebürgerte Personen mit Migrationshintergrund und Spät- aussiedler bleiben unberücksichtigt (vgl. Diefenbach 2004, S. 228; Granato 2003, S. 104; Konsortium Bildungsberichterstattung 2006, S. 139). Unter diesen Umständen werden also bei Weitem nicht alle in Deutschland lebenden Migran- ten aufgeführt. Umgekehrt können sie aber auch gerade als solche überbewer- tet werden, obwohl sie hier geboren wurden und ihre gesamte Schulzeit in Deutschland verbrachten, jedoch nicht die deutsche Staatsangehörigkeit besit- zen. Diese Migranten werden als sogenannte Bildungsinländer bezeichnet und durch jene Erhebungsmethode ebenfalls nicht erkannt (vgl. Diefenbach 2004, S. 228). Amtliche Statistiken spiegeln in dieser Hinsicht also nicht die Realität wider und können zu einer Unterschätzung existierender Probleme beitragen. Natürlich wirkt sich dieser Umstand auch auf deren Bearbeitung aus. Deshalb müssen geeignete Erhebungsverfahren Zuspruch finden, die verlässlichere Da- ten zur Einwanderung von Migranten liefern.
Der Mikrozensus bietet als ein solches Verfahren viele Vorteile. Da er per Zufallsauswahl bei ca. 1 Prozent der in Deutschland lebenden Bevölkerung als Haushaltsbefragung durchgeführt wird, handelt es sich dabei um repräsentative Individualdaten. Mit dem Mikrozensus 2005 liegen diese erstmalig mit Angaben zur eigenen Staatsangehörigkeit, Geburtsort, Zuzugsjahr, Einbürgerung sowie
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Staatsangehörigkeit, Einbürgerung und Geburtsort beider Eltern und analogen Angaben zu den Großeltern vor (vgl. Konsortium Bildungsberichterstattung 2006, S. 139). Somit ist es für die Bildungspolitik möglich, den Prozentsatz der Schulkinder mit Migrationshintergrund noch genauer zu fassen und sich um eine Bereitstellung entsprechender Fördermaßnahmen zu bemühen; denn dass Migranten einen deutschen Pass besitzen, bedeutet natürlich nicht zwangsläu- fig, dass sie – beispielsweise in Bezug auf die deutsche Sprache – keinerlei Hilfestellungen bedürfen. Darüber hinaus verrät die Staatsangehörigkeit, welche politischen Rechte die jeweiligen Migranten in Deutschland haben und ob ein „außerfamiliärer, sozialer und kultureller Kontext noch vom Herkunfts- oder schon vom Aufnahmeland geprägt worden ist“ (ebd.). Aufgrund der Angaben zu Einbürgerung und Geburtsort der Eltern bzw. Großeltern kann auch gleichzeitig überprüft werden, ob Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund bereits in Deutschland geboren wurden oder gemeinsam mit ihrer Familie als ‚Querein-
steiger’ zugereist sind. 1 Das kann sich u. U. als ein großer Unterschied heraus- stellen, da Kinder, die erst in einem schulpflichtigen Alter aus ihrer Heimat nach Deutschland einwandern, schon allein aufgrund der fremden Kultur größere Probleme im Umgang mit dem deutschen Bildungssystem aufzeigen können (vgl. dazu 3.2.). Weil bezüglich der einzelnen Migrantenkonstellationen in Deutschland ohnehin eine starke Heterogenität vorliegt (vgl. Diefenbach 2004, S. 228), erlauben die o.g. Angaben außerdem eine noch genauere Binnendiffe- renzierung des Bildungsniveaus innerhalb der einzelnen Migrantengruppen.
2.2. (Neue) Zahlen zu Migration und Bildungsabschlüssen
Aus den Daten des Mikrozensus 2005 geht hervor, dass der Migrantenanteil aller in Deutschland lebenden Personen insgesamt bei 18,6 Prozent liegt. Damit ist der Prozentsatz über zweimal höher als vorher durch amtliche Statistiken zur Einwanderung nachgewiesen werden konnte (vgl. Konsortium Bildungsbericht- erstattung 2006, S. 140). Weil eine deutlich jüngere Migrantenpopulation vor-
1 Allgemein wird zwischen Migranten der 1., 2. und 3. Generation unterschieden: Ein Migrant der 1. Generation ist als sogenannter ‚Quereinsteiger’ nach Deutschland eingewandert, wäh- rend ein Migrant der 2. Generation zwar hier geboren wurde, aber seine Eltern zugereist sind. Spricht man von Migranten der 3. Generation, so wanderten die Großeltern nach Deutschland ein, doch schon die Eltern der Kinder wurden hier geboren (vgl. Konsortium Bildungsberichter- stattung 2006, S. 141). Somit hat ein Kind, dessen Großeltern einst nach Deutschland einreis- ten, schon einen Migrationshintergrund.
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herrscht, ergibt sich in der Gruppe unter 25-Jähriger sogar ein Migrantenanteil von 27,2 Prozent (vgl. ebd., S. 142).
Die Zahl der Migranten in Deutschland setzt sich aus verschiedenen Her- kunftskonstellationen zusammen, unter denen die Türkei und sonstige ehemali-
ge Anwerbestaaten 2 dominieren; weitere Migrantengruppen ergeben sich aus den sonstigen EU-15-Staaten 3 , allen sonstigen Staaten und den Spätaussied- lern (vgl. ebd., S. 141). Um darstellen zu können, welche unterschiedlichen Bil- dungsniveaus ihnen innewohnen, müssen all diese Personen mit Migrationshin- tergrund und Deutsche ohne Migrationshintergrund zunächst als zwei vonein- ander isolierte Gruppen betrachtet werden. So wird beispielsweise aus den vor- läufigen Auswertungen des Mikrozensus 2005 deutlich, dass im Jahre 2005 von den 25 bis unter 35 Jahre alten Deutschen ohne Migrationshintergrund 1,6 Pro- zent keinen allgemeinen Schulabschluss nachweisen konnten, während es die entsprechenden Personen mit Migrationshintergrund schon auf 9,4 Prozent brachten. Noch gravierender ist der Unterschied in Bezug auf berufliche Bil- dungsabschlüsse: Zu o.g. Zeitpunkt waren 15,2 Prozent der Deutschen von 25 bis unter 35 Jahren ohne beruflichen Abschluss; dagegen beträgt hier die Zahl der Migranten gleichen Alters 40,7 Prozent (vgl. ebd., S. 293). Auch die Diffe- renzierung nach weiteren Abschlüssen lässt Abweichungen erkennen. Nach den bereits erwähnten Auswertungen war 2005 der Anteil der Personen mit Hauptschulabschluss von 25 bis unter 35 Jahren sowohl bei Männern als auch bei Frauen mit Migrationshintergrund fast doppelt so hoch wie bei der Bevölke- rung ohne Migrationshintergrund (vgl. ebd., S. 147). Das Ergebnis lässt darauf schließen, dass deutlich mehr Migranten die Hauptschule besuchen als Deut- sche. Die Hochschulreife dagegen wurde zwar etwas häufiger bei Deutschen verzeichnet, jedoch war hier die Anzahl der Migranten – im Vergleich zu sonsti- gen Abschlüssen – überraschend hoch, während bei Hochschulabschlüssen sogar kaum Unterschiede zwischen Deutschen und Migranten existieren. Aller- dings darf hier nicht außer Acht gelassen werden, dass viele ausländische Stu- dierende nach Deutschland einwandern, nachdem sie die Hochschulreife in
2 Zu den Anwerbestaaten zählen Bosnien und Herzegowina, ehem. Jugoslawien, Griechenland,
Italien, Kroatien, Portugal, Serbien und Montenegro, Slowenien, Spanien, Marokko.
3 EU-15-Staaten sind Belgien, Dänemark, Finnland, Frankreich, Irland, Luxemburg, Niederlan-
de, Österreich, Schweden, UK.
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Mirco Rauch, 2007, Bildung und Migration - Zum Bildungsniveau von Migranten, Munich, GRIN Publishing GmbH
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